Sie befinden sich hier: Startseite > Regionen > Toskana > Siena

Wie eine Zeitreise, eine gemächliche Reise in die Vergangenheit erscheint dem Besucher ein Spaziergang durch die Straßen und Gassen Sienas. Nicht von ungefähr wurde das gesamte historische Stadtzentrum (centro storico) im Jahre 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben. Um das ehemals weltliche Zentrum, den Campo mit dem beherrschenden Palazzo Publico und um den ehemals geistlichen Mittelpunkt, den Dom Santa Maria Assunta, schmiegen sich die Terzi, die "Stadtdrittel". Die gotische Architektur des Mittelalters prägt das Antlitz der Stadt; einige spätere Stilelemente (Barock, Neogotik) haben sich wie Schönheitsmale harmonisch in das insgesamt geschlossen wirkende Stadtbild eingefügt. In das Stadtbild einer der schönsten Städte der Toskana, Italiens und der Welt.
Der Campo, der zentrale Platz Sienas, gilt mir seiner perfekten Einbindung der architektonischen Gestaltung in die topographischen Gegebenheiten der Stadt als eines der weltweit raffiniertesten und komplexesten Beispiele für Platzarchitektur. Die Anpassung an die talwärts, auf den Palazzo Publico hin gerichtete, natürliche Neigung des Geländes sowie der bogenförmige Saum aus mittelalterlichen Palazzi gibt ihm die dreidimensionale Gestalt einer Muschel. Der Volksmund hat ihm daher den Namen Piazza Vongole ("Muschelplatz") gegeben.

Eine große Harmonie geht von diesem Platz aus, an dessen höchstem Punkt sich die zu Beginn des 15. Jahrhunderts von Jacopo della Quercia geschaffene Fonte Gaia (zu deutsch: "Brunnen der Freude") befindet. Bars, Cafés, Gelaterien und Ristoranti laden zum Verweilen ein, oder man setzt sich einfach auf den Boden des mit Ziegeln im Fischgrätmuster gepflasterten Campo und genießt sein Dasein auf einem der schönsten Plätze der Welt.
Architektonischer Kulminationspunkt des Campo ist der Palazzo Publico aus dem frühen 14. Jahrhundert, dessen rückwärtige Räume dem modernen Siena noch immer als Rathaus dienen, dessen repräsentative, zum Campo hin gelegenen Prunkräume als Museo Civico öffentlich zugänglich sind. Weltberühmt ist das in der Sala dei Nove von Ambrogio Lorenzetti zwischen 1337 und 1339 geschaffene Fresko Allegorie der guten und der schlechten Regierung. Der Glockenturm, der Torre del Mangia, ist mit seinen 102 Metern der höchste Italiens. Wenn man die 505 Stufen bewältigt hat, genießt man einen atemberaubenden Ausblick auf die Stadt und weit in die toskanischen Landschaft hinein.
Zweimal im Jahr - am 2. Juli und am 16. August - findet auf dem Campo der Palio statt, das weltberühmte, traditionelle Pferderennen, bei dem die 17 Contraden der Stadt gegeneinander antreten. Dreimal umrunden die Teilnehmer in atemberaubendem Tempo die Piazza. Gewinner ist die Contrade, deren Pferd als erstes durchs Ziel geht. Ob der Jockey dabei noch im Sattel sitzt, ist nicht entscheidend...

Der Duomo von Siena - die Kathedrale Santa Maria Assunta (Heilige Jungfrau Maria) - ist eine der bekanntesten Kirchen Italiens und eine der schönsten dazu. Der Bau wurde zu Anfang des 13. Jahrhunderts als dreischiffige romanische Basilika begonnen. Der romanische Kern erfuhr später noch einige gotische Erweiterungen und Umgestaltungen. Das 1339 begonnene kühne Projekt, die Kathedrale durch den Anbau eines zusätzlichen, gigantischen Kirchenschiffes zur größten Kirche der Christenheit zu erweitern, scheiterte infolge der Pest von 1348 und der dadurch eintretenden wirtschaftlichen Rezession.
Hinter der filigranen Fassade öffnet sich eine wahre Schatzkammer. Der ganze Boden der Kirche ist mit farbigen Mamorintarsienarbeiten belegt. In so genannter "Sgraffito-Technik" zeigt er insgesamt 56 Szenen aus biblischen Legenden. Hohe, zweifarbige Säulen tragen die Gewölbe. Konsolenartig angebrachte Skulpturen von Papstköpfen dienen als Verzierung unterhalb der Gesimse. Über der Vierung erhebt sich eine beeindruckende Kuppel, deren mit goldenen Sternen verziertes Blau den Himmel widerspiegeln soll. Ein besonderer Glanzpunkt ist die mit Pinturicchios (1454-1503) leuchtenden Fresken geschmückte Biblioteca Piccolomini. Die mit Miniaturen versehene Handschriftensammlung der Bibliothek ist von unschätzbarem Wert.