
Die Erde unter den Phlegräischen Feldern bei Neapel kommt nicht zur Ruhe. Am Abend des 31. Juli 2026 bebte es dort so stark wie seit vier Jahrzehnten nicht mehr, gefolgt von einem anhaltenden Schwarm kleinerer Erdstöße. Betroffen ist vor allem die Hafenstadt Pozzuoli, die mitten im aktivsten Teil des Vulkangebiets liegt. Was ist passiert, wie ist die Lage und worauf solltest du achten, wenn du eine Reise nach Neapel, auf die Inseln im Golf oder an die kampanische Küste planst?
Nach Angaben des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) ereignete sich das Hauptbeben am Freitag, 31. Juli, um 19:46 Uhr. Das Epizentrum lag im Bereich der Solfatara zwischen Pozzuoli und Quarto, die Herdtiefe betrug nur rund drei Kilometer. Diese geringe Tiefe erklärt, warum das Beben der Stärke 4,7 in weiten Teilen Neapels und im Umland deutlich zu spüren war. Kurz darauf folgte ein zweiter Erdstoß der Stärke 3,8. Italienische Fachleute sprechen vom stärksten Beben der Campi Flegrei seit rund 40 Jahren.
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In der Nacht zum Samstag hielt der sogenannte Erdbebenschwarm an, eine Serie vieler Beben in kurzer Folge. Bis zum Vormittag zählte das INGV rund 170 Erschütterungen. Das kräftigste Nachbeben erreichte am Samstag um 5:47 Uhr die Stärke 3,1, zwei Minuten später folgte ein weiteres mit Stärke 3,0. Fachleute des INGV und des Forschungsrats CNR betonten, dass sich Dauer und Intensität eines solchen Schwarms nicht sicher vorhersagen lassen. Die Überwachungsparameter des Vulkans bezeichnete das INGV zugleich als stabil.
Die sichtbarsten Schäden entstanden in Pozzuoli. Dort stürzte eine Gebäudefassade ein, an weiteren Häusern lösten sich Tuffsteine, Gesimse und Putzteile und beschädigten unter anderem geparkte Autos. Die Feuerwehr rückte zu zahlreichen Einsätzen aus und überprüfte die Statik betroffener Gebäude. In mehreren Stadtteilen fiel zeitweise die Wasserversorgung aus, Schulen und öffentliche Gebäude wurden auf Schäden kontrolliert.
Insgesamt wurden 26 Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer. Rund 130 Familien, etwa 290 Personen, mussten ihre Wohnungen verlassen. Acht Gebäude wurden inzwischen für unbewohnbar erklärt, dazu kamen Schäden an mehreren Geschäften. Die Zahl der Evakuierten könnte nach Einschätzung der Behörden noch weiter steigen. Für die Betroffenen wurden Betreuungsstellen eingerichtet.
Die Campi Flegrei, die Brennenden Felder, sind ein riesiger, größtenteils unter dem Meeresspiegel liegender Vulkankomplex westlich des Vesuvs. Anders als bei einem klassischen Kegelvulkan hebt und senkt sich hier der Boden der weiten Caldera immer wieder, ein Vorgang, den Fachleute Bradyseismus nennen. Seit Jahren hebt sich der Untergrund rund um Pozzuoli messbar an, was das Gestein unter Spannung setzt und immer wieder Erdbeben auslöst.
Wie stark der Boden hier über die Jahrhunderte in Bewegung ist, zeigt eine berühmte Sehenswürdigkeit mitten in Pozzuoli: An den antiken Säulen des Macellum, der römischen Markthalle, sind bis heute die Bohrspuren von Meeresmuscheln zu sehen. Sie belegen, dass der Boden mehrfach unter den Meeresspiegel absank und später wieder anstieg. Das aktuelle Schwarmbeben reiht sich in diese anhaltende Phase erhöhter Aktivität ein.
Für Reisende ist zunächst wichtig: Das Beben war örtlich begrenzt auf die Campi Flegrei rund um Pozzuoli. Die Altstadt von Neapel, der Vesuv, die Ausgrabungen von Pompeji und die Amalfiküste sind nicht direkt betroffen. Der Flughafen Neapel meldete keine Beeinträchtigungen.
Konkrete Auswirkungen gibt es aber vor Ort in Pozzuoli. Der Hafen der Stadt wurde gesperrt, nachdem das Beben tiefe Risse an den Zufahrten zu den Kaianlagen verursacht hatte. Wer Fähren zu den Inseln Ischia und Procida nutzen möchte, sollte vorab prüfen, ob die Verbindung ab Pozzuoli fährt oder auf den Hafen Neapel mit den Anlegern Molo Beverello und Calata Porta di Massa ausweicht. Im Regionalbahnverkehr kam es zu Verspätungen von mehreren Stunden.
Wenn du in den nächsten Tagen in der Region unterwegs bist, solltest du die Hinweise der Protezione Civile und der örtlichen Behörden verfolgen, in Pozzuoli abgesperrte Bereiche meiden und den Anweisungen von Hotel und Fährgesellschaft folgen. Die Solfatara selbst ist für Besucher bereits seit Jahren gesperrt. Ein Erdbebenschwarm dieser Art kann über Tage anhalten, größere Schäden außerhalb des unmittelbaren Zentrums der Campi Flegrei sind bislang aber nicht bekannt.