Brooklyn Beckham kocht Pasta mit Meerwasser, und Italien hält die Luft an
Reiseblog

Brooklyn Beckham kocht Pasta mit Meerwasser, und Italien hält die Luft an

Brooklyn Beckham kocht Spaghetti in Meerwasser, Italien ist entsetzt. Warum er halb recht hat, was gefährlich war und wie du Nudelwasser wirklich salzt.

Eine Luxusyacht, offenes Meer, ein Topf in der Hand. Brooklyn Beckham lehnt sich über die Reling, schöpft Salzwasser direkt aus dem Ozean und kippt es zu seinen Spaghetti in den Topf. Ein simples Gericht mit Tomaten, dazu ein Klecks seiner eigenen Scharfsauce. Auf TikTok explodiert der Clip, und die Kommentare kippen innerhalb von Minuten von amüsiert zu angewidert. „Nudelwasser mit einem Hauch Bootsdiesel, bitte", spottet einer. Und in Italien? Da schlägt man die Hände überm Kopf zusammen.

Das Kuriose daran: Die Idee ist gar nicht so verrückt, wie sie klingt. Brooklyn Beckham hat nur so ziemlich jede Regel gebrochen, die dazugehört.

Der Original-Clip auf TikTok: @brooklynbeckham

Was da eigentlich passiert ist

Der Clip stammt schon aus dem vergangenen Jahr, tauchte Anfang August aber neu auf TikTok auf und ging sofort viral. Beckham, seit einer Weile mit sichtbarer Leidenschaft am Herd, wollte offenbar besonders authentisch kochen: Pasta im Salzwasser des Meeres, direkt von Bord geschöpft. Nebenbei rückte er seine eigene Scharfsauce ins Bild.

Die Reaktion war eindeutig. „Eklig", „widerlich", schrieben Fans. Der Kernvorwurf war weniger die Idee an sich als der Ort: Wer neben einem Boot im Hafenbereich schöpft, holt sich Öl, Treibstoffreste und Schwermetalle mit in den Topf. Und Abkochen entfernt davon fast nichts. Salz siedet nicht weg, Diesel schmeckt man raus.

Warum die Italiener trotzdem recht behalten

Zwei Dinge macht Beckham hier falsch, und beide sind für jeden, der schon mal am Meer gekocht hat, offensichtlich.

Erstens der Ort. Meerwasser aus einem belebten Hafen oder direkt neben dem eigenen Bootsmotor ist kein Gewürz, sondern eine kleine Chemiefabrik. Kraftstoff, Schmieröl, Reinigungsmittel, alles sammelt sich genau dort, wo Yachten liegen.

Zweitens der Salzgehalt. Echtes Meerwasser bringt rund 35 Gramm Salz pro Liter mit, das Mittelmeer liegt sogar noch etwas darüber. Für perfekte Pasta willst du aber nur etwa 10 Gramm pro Liter. Wer reines Meerwasser nimmt, salzt seine Nudeln also gut viermal zu stark. Das Ergebnis ist keine al dente gekochte Spaghetti, sondern eine Sole.

Der wahre Kern: acqua di mare ist echte Cucina Povera

Und jetzt kommt der Teil, den die Häme übersieht. Pasta in Meerwasser zu kochen ist in Italien keine Erfindung eines Promikochs, sondern eine jahrhundertealte Tradition, vor allem im Süden rund um Neapel.

An der Amalfiküste war das Meer selbst die Speisekammer. Wer kein Geld für viel Salz hatte, mischte einen Becher sauberes Meerwasser unters Süßwasser und gab den Spaghetti damit genau die Würze und den Biss, die sie brauchten. Ein Schuss Knoblauch, Öl, Tomate, Petersilie, Peperoncino, fertig war ein Gericht, das nach Meer schmeckte, ohne dass ein einziger Fisch darin lag.

Es gibt sogar eine rührende historische Fußnote: Frauen wateten nachts barfuß ins Wasser, um ihre Tonkrüge zu füllen, weil das Schöpfen von Meerwasser damals verboten war und Bußgelder drohten. Das Wasser, das sie holten, kam aus klaren Buchten fern jeder Bootsflotte. Genau darin liegt der Unterschied zu Beckhams Yacht.

Die Regel der alten Küchen lautet also nicht „nimm irgendein Meerwasser", sondern: sauberes Wasser, weit weg von Häfen, und immer verdünnt. Beckham hat die Idee geklaut, aber die Handwerksregel weggelassen.

„Salato come il mare", nur eben nicht wörtlich

Woher kommt die Verwirrung überhaupt? Von einem Sprichwort. Italienische Köchinnen sagen seit Generationen, das Nudelwasser solle salato come il mare sein, salzig wie das Meer. Gemeint ist der Geschmack, nicht die Chemie. Brooklyn Beckham hat ein Bild für „richtig würzen" für eine Kochanleitung gehalten.

So machst du es richtig, ganz ohne Ozean:

  • Rund 10 Gramm Salz pro Liter Wasser. Ein gehäufter Teelöffel grobes Meersalz kommt gut hin.
  • Salz erst dazugeben, wenn das Wasser kocht. Vorher gesalzenes Wasser braucht länger bis zum Siedepunkt, und auf dem Topfboden können sich weiße Flecken bilden.
  • Kurz abschmecken. Das Wasser soll deutlich salzig schmecken, aber nicht so, dass du das Gesicht verziehst. Wenn es unangenehm ist, hast du zu viel erwischt.
  • Nudelwasser aufheben. Eine Kelle vom stärkehaltigen Kochwasser bindet später jede Sauce. Das ist der Trick, den Beckham hätte filmen sollen.

Damit schmeckt die Pasta „wie das Meer", ohne dass jemand über eine Reling klettern muss.

Am Ende zählt das Handwerk, nicht die Kulisse

Brooklyn Beckham ist nicht am falschen Gedanken gescheitert, sondern am fehlenden Handwerk. Die Italiener lachen nicht über die Idee, mit Meerwasser zu kochen, sie lachen darüber, dass jemand sie so gründlich missversteht. Sauberes Wasser aus einer stillen Bucht, verdünnt und mit Gefühl dosiert: Das ist Küstenküche. Ein Topf voll Hafenbrühe von der Yacht ist nur ein virales Video.

Wer echte italienische Pasta lernen will, fängt ohnehin woanders an. Zum Beispiel bei einer Carbonara ohne Sahne, bei der es auf genau eine Kelle Nudelwasser ankommt, oder gleich in unserer Rezepte-Sammlung.

Schlafen, wo die Pasta herkommt

Wenn dich der Golf von Neapel und die Amalfiküste ohnehin reizen, findest du hier Unterkünfte direkt vor Ort.

AnzeigeUnterkünfte in Neapel vergleichen

Hotels, B&Bs und Resorts mit Live-Preisen und Gästebewertungen auf Booking.com.

Unterkünfte in Neapel ansehen →

Vermittelt über Booking.com. Bei einer Buchung erhält italien.de eine Provision, für dich ohne Aufpreis.

Häufige Fragen

Kann man Pasta wirklich in Meerwasser kochen?

Ja, und es ist sogar eine alte süditalienische Tradition, vor allem an der Amalfiküste. Wichtig sind aber zwei Dinge: Das Wasser muss sauber sein und aus einer Bucht fern von Häfen und Booten stammen, und man verdünnt es mit Süßwasser. Reines Meerwasser ist mit rund 35 Gramm Salz pro Liter deutlich zu salzig.

Warum war Brooklyn Beckhams Methode ein Problem?

Er schöpfte das Wasser von Bord einer Yacht, also genau dort, wo sich Treibstoff, Öl und Schwermetalle sammeln. Diese Stoffe verschwinden beim Kochen nicht. Dazu ist unverdünntes Meerwasser rund viermal so salzig wie ideales Nudelwasser.

Wie viel Salz gehört ins Nudelwasser?

Etwa 10 Gramm pro Liter, also ein gehäufter Teelöffel grobes Salz auf einen Liter Wasser. Das Wasser soll spürbar salzig schmecken, aber nicht unangenehm.

Salzt man Nudelwasser vor oder nach dem Kochen?

Am besten, sobald das Wasser sprudelnd kocht. Salz von Anfang an verlängert die Zeit bis zum Siedepunkt und kann auf dem Topfboden Flecken hinterlassen.

Was bedeutet „salato come il mare"?

„Salzig wie das Meer" ist ein italienisches Sprichwort für richtig gewürztes Nudelwasser. Gemeint ist der Geschmack, nicht der echte Salzgehalt des Meeres. Es ist ein Bild, keine Mengenangabe.

Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

Alle Beiträge von Marcus

Magazin

Weitere Artikel

Bildnachweis: Andy Li, Lizenz: CC0

Alle Beiträge Reiseziele