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Costa dei Trabocchi: Was hinter dem „Bali der Adria“ in den Abruzzen steckt
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Costa dei Trabocchi: Was hinter dem „Bali der Adria“ in den Abruzzen steckt

Ein Küstenstück in den Abruzzen macht gerade als „Bali der Adria“ die Runde, Reiseportale und Nachrichtenseiten reichen den Vergleich seit ein paar Tagen weiter. Gemeint ist die Costa dei Trabocchi südlich von Pescara: rund 50 Kilometer…

Ein Küstenstück in den Abruzzen macht gerade als „Bali der Adria" die Runde, Reiseportale und Nachrichtenseiten reichen den Vergleich seit ein paar Tagen weiter. Gemeint ist die Costa dei Trabocchi südlich von Pescara: rund 50 Kilometer zwischen Ortona und San Salvo, in denen sich Kiesbuchten, niedrige Klippen und Weinhügel abwechseln und alle paar Kilometer ein hölzerner Fischersteg auf dünnen Stelzen ins Meer ragt. Der Bali-Vergleich ist Marketing, das Türkis in den Buchten ist echt. Was dich dort wirklich erwartet, wo du auf einem Trabocco isst und warum du den Radweg nicht auf einer Karte von 2023 planen solltest.

Woher der Name kommt, und was an „Bali" dran ist

Der Beiname stammt nicht von Einheimischen, sondern aus Reisemedien, und er beruht auf einer Assoziation: Die Trabocchi, jahrhundertealte Fischfang-Konstruktionen aus Holz, stehen wie Pfahlbauten im Wasser und erinnern manche an Südostasien. Dazu kommt das Wasser, das über Kies und hellem Fels in vielen Buchten tatsächlich türkis leuchtet. Das war es dann aber mit Bali: Die Costa dei Trabocchi ist eine Adriaküste mit Kies statt Sand, mit Olivenhainen und Weinbergen statt Reisterrassen, und im August so italienisch voll wie jede andere Küste des Landes. Ein Geheimtipp ist sie für deutsche Urlauber, nicht für Römer und Neapolitaner, die seit Jahrzehnten hierherfahren.

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Die Trabocchi selbst sind der eigentliche Grund für die Reise. Von einer Plattform auf Stelzen schwenken lange Ausleger ein großes Netz über das Wasser, das per Winde abgesenkt und wieder gehoben wird. So konnten die Bauern der Küste fischen, ohne ein Boot zu besitzen und ohne bei Wind aufs offene Meer zu müssen. Gabriele D'Annunzio, der aus Pescara stammte, verbrachte 1889 einen Sommer in San Vito Chietino und beschrieb den Trabocco unter seinem Fenster im Roman „Il trionfo della morte" als „kolossale Spinne". Der Trabocco Turchino, um den es dort geht, steht heute noch, unterhalb der ehemaligen Eremitage des Dichters.

Trabocco, ein hölzerner Fischersteg auf Stelzen, vor tiefblauem Meer bei San Vito Chietino
Trabocco bei San Vito Chietino: Ausleger, Netz und ein schmaler Steg zum Ufer, so sehen die Fischmaschinen der Küste seit Jahrhunderten aus.Foto: Francesca Piersanti, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Abendessen auf dem Trabocco: so funktioniert es

Gefischt wird auf den meisten Trabocchi nicht mehr, gegessen dafür umso mehr. Rund ein Dutzend der Stege zwischen Ortona und Vasto sind heute Restaurants, du sitzt auf Holzplanken ein paar Meter über dem Wasser, und die Küche macht, was der Fang des Tages hergibt. Das Prinzip ist fast überall gleich: ein festes Menü mit mehreren Gängen rohem und gekochtem Fisch, oft mit Wein, für etwa 50 bis 70 Euro pro Person. Bekannte Adressen sind der Trabocco Punta Cavalluccio bei Rocca San Giovanni und der Trabocco Pesce Palombo in Fossacesia, beide von der Familie Verì betrieben, dazu der Punta Isolata und der Punta Tufano. Reservieren ist Pflicht, in der Saison oft Tage im Voraus, und die Plätze sind rar, weil so ein Steg eben nur ein paar Tische trägt. Wer nicht essen will, kann einige Trabocchi tagsüber gegen ein kleines Eintrittsgeld besichtigen.

Die Via Verde: Radweg auf der alten Bahntrasse

Bis 2005 fuhr die Adria-Bahn direkt am Wasser entlang, dann wurde die Strecke ins Hinterland verlegt. Auf dem alten Gleisbett verläuft heute die Via Verde della Costa dei Trabocchi, ein Rad- und Fußweg, fast ohne Steigung, mit alten Bahntunneln, Aussichten auf die Stege und Abgängen zu den Buchten. Der am besten ausgebaute Abschnitt liegt zwischen Ortona und Torino di Sangro, gut 20 Kilometer mit Asphalt, Rastplätzen und Strandzugängen. Am 30. Juli 2026 kam am Nordende ein neues Stück dazu: gut zwei Kilometer zwischen dem Strand La Ritorna und den Ripari di Giobbe bei Ortona, mit zwei wieder geöffneten Bahntunneln, der Tunnel von Punta Longa ist über 300 Meter lang.

Durchgehend ist der Weg aber noch nicht, und das solltest du vor der Tour wissen. Bei Vasto hat ein Hangrutsch im Naturschutzgebiet Punta Aderci die Trasse unterbrochen, hier führt eine rund sieben Kilometer lange Umleitung durchs Hinterland. Bei Lago Dragoni fehlt ein Stück wegen Küstenerosion, dort soll ein etwa 80 Meter langer Steg die Lücke schließen. Wer die ganze Küste fahren will, plant also mit Umwegen. Räder gibt es an mehreren Stellen entlang der Strecke zu leihen, und die Regionalzüge der Adria-Linie nehmen Fahrräder mit, sodass du einen Abschnitt fahren und zurück mit der Bahn kannst.

Was du dir ansehen solltest

Punta Aderci bei Vasto ist das Herzstück: ein regionales Naturschutzgebiet mit einem Felssporn, von dem du auf die türkise Bucht und die Kiesstrände von Punta Penna und Mottagrossa schaust. Hier entstehen die Fotos, die dem Vergleich mit Bali zugrunde liegen. Der Leuchtturm von Punta Penna daneben gehört mit rund 70 Metern zu den höchsten Italiens. Vasto selbst liegt oben auf dem Hügel, mit Altstadt, Palazzo d'Avalos und einer Aussichtsterrasse über die ganze Küste.

Fossacesia hat den größten Strandabschnitt mit Trabocchi und oberhalb die Abtei San Giovanni in Venere aus dem 12. Jahrhundert, von deren Terrasse du die Küste bis Ortona siehst. San Vito Chietino ist der D'Annunzio-Ort mit dem Trabocco Turchino und einer kleinen Marina. Ortona im Norden hat eine Kathedrale mit den Reliquien des Apostels Thomas, ein aragonesisches Kastell über dem Hafen und den kanadischen Soldatenfriedhof, der an die schweren Kämpfe im Dezember 1943 erinnert. Zwischen den Orten liegen Weinberge, aus denen der Montepulciano d'Abruzzo kommt, und Rocca San Giovanni, ein Dorf auf einem Sporn über dem Meer.

Trabocco, ein hölzerner Fischersteg, in der Abenddämmerung bei Punta Aderci an der Trabocchi-Küste
Trabocco bei Punta Aderci nahe Vasto in der Abenddämmerung: Ausleger und Netz stehen still, gegessen wird trotzdem.Foto: Angelita Simone, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Strand und Wasser

Die Strände der Costa dei Trabocchi sind überwiegend Kies, oft grober Kies, mit Badeschuhen bist du besser dran. Dafür ist das Wasser klar und wird schnell tief, und die Buchten sind klein und ruhig. Fossacesia, Vasto und San Salvo tragen 2026 die Blaue Flagge, mehr zu den einzelnen Abschnitten steht in unserem Überblick der Strände in den Abruzzen. Breite Sandstrände mit Liegenreihen findest du erst nördlich von Pescara oder südlich in Vasto Marina. Und noch ein Hinweis, der in den Bali-Artikeln fehlt: Die neue Bahnstrecke und die Autobahn A14 laufen nur wenig landeinwärts. Am Wasser hörst du davon nichts, aber wer eine Unterkunft in den Hügeln bucht, sollte auf die Lage achten.

Beste Reisezeit

Mai, Juni und September sind die Monate für diese Küste: warm genug zum Baden, die Trabocchi-Restaurants sind offen, und die Via Verde ist nicht überlaufen. Im Juli und August füllen sich die Orte mit italienischen Familien, die Preise steigen, und ein Tisch auf dem Trabocco wird zur Geduldsprobe. Von November bis März sind viele Stege und Restaurants geschlossen, die Küste ist dann leer und schön zum Wandern, aber nicht zum Baden.

Anreise

Der nächste Flughafen ist Pescara, gut 20 Kilometer nördlich von Ortona, mit saisonalen Verbindungen aus Deutschland, sonst über Rom oder Bologna. Mit dem Zug erreichst du die Küste über die Adria-Linie Bologna-Bari, Regionalzüge halten in Ortona, San Vito-Lanciano, Fossacesia-Torino di Sangro, Casalbordino und Vasto-San Salvo. Mit dem Auto sind es von München rund 900 Kilometer über Brenner, Bologna und die A14 entlang der Adria. Vor Ort ist ein Auto oder ein Rad praktisch, die Busse zwischen den Küstenorten fahren selten.

Übernachten kannst du in den Orten selbst, in Vasto und Ortona auch in Hotels, dazwischen eher in Ferienwohnungen, Agriturismi in den Weinbergen und auf Campingplätzen an der Küste. Eine Auswahl an Ferienhäusern in den Abruzzen haben wir zusammengestellt.

Häufige Fragen zur Costa dei Trabocchi

Wo liegt die Costa dei Trabocchi?
An der Adriaküste der Abruzzen in der Provinz Chieti, südlich von Pescara. Sie reicht rund 50 Kilometer von Ortona über San Vito Chietino, Rocca San Giovanni, Fossacesia und Casalbordino bis Vasto und San Salvo an der Grenze zu Molise.
Was ist ein Trabocco?
Eine hölzerne Fischfang-Konstruktion auf Stelzen im Meer, die mit langen Auslegern ein großes Netz ins Wasser senkt und wieder hebt. Die Bauweise ist seit dem 18. Jahrhundert belegt. Heute sind viele Trabocchi restauriert und rund ein Dutzend als Restaurants in Betrieb.
Was kostet ein Essen auf dem Trabocco?
Die meisten Trabocco-Restaurants bieten ein festes Mehrgängemenü mit Fisch, oft inklusive Wein, für etwa 50 bis 70 Euro pro Person. Reservieren ist nötig, in der Hochsaison mehrere Tage im Voraus.
Kann man die Via Verde komplett mit dem Rad fahren?
Noch nicht durchgehend. Der Abschnitt Ortona bis Torino di Sangro ist fertig ausgebaut, bei Punta Aderci führt eine rund sieben Kilometer lange Umleitung um einen Hangrutsch, bei Lago Dragoni fehlt ein kurzes Stück. Stand September 2026.

Quellen

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Bildnachweis: Horcrux92, Lizenz: CC BY-SA 4.0

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