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Agriturismo in Italien: Urlaub auf dem Hof, die Regionen und wie du buchst
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Agriturismo in Italien: Urlaub auf dem Hof, die Regionen und wie du buchst

Agriturismo in Italien: was den Hof vom Hotel unterscheidet, die vier Formen, wo welche Höfe stehen, Preise, Saison und geprüfte Auswahl für Toskana und Sardinien.

Ein Agriturismo ist ein landwirtschaftlicher Betrieb, der Gäste aufnimmt: ein Weingut mit Zimmern, ein Olivenhof mit Ferienwohnungen, eine Masseria mit Restaurant. Der Begriff ist in Italien gesetzlich geschützt, deshalb steht hinter dem Schild immer ein Hof, der wirklich etwas anbaut oder Tiere hält. Gut 26.000 Betriebe zählt das Statistikamt ISTAT, von der Alm in Südtirol bis zum Baglio auf Sizilien. Hier erfährst du, was dich erwartet, wo welche Höfe stehen, was sie kosten und wie du den passenden findest.

Agriturismo: was hinter dem Begriff steckt

Seit 1985 regelt ein nationales Gesetz, wer sich Agriturismo nennen darf, das heutige Rahmengesetz stammt von 2006 und wird von den Regionen ausgestaltet. Die Regel ist überall gleich: Die Landwirtschaft muss der Hauptzweck bleiben, die Beherbergung ist Nebentätigkeit. Ein Betrieb, der nur noch vermietet und die Felder verpachtet hat, verliert die Bezeichnung. Was auf den Tisch kommt, soll zu einem großen Teil vom eigenen Hof oder aus der Region stammen, und genau das ist der Grund, warum das Frühstück auf einem guten Hof anders schmeckt als im Hotel.

Die Bandbreite ist trotzdem groß. Am einen Ende steht das Zimmer über dem Stall mit Frühstück in der Familienküche, am anderen das restaurierte Landgut mit Pool, Weinkeller und Küchenchef. Beides ist ein Agriturismo, solange der Betrieb dahinter arbeitet. Preis, Komfort und Stimmung liegen entsprechend weit auseinander, und deshalb lohnt es sich, vor der Buchung genau hinzusehen.

Laibe Pecorino di Pienza, zwei davon in getrockneten Walnussblättern gereift, auf dem Tresen eines Ladens in Pienza
Pecorino di Pienza, in Walnussblättern gereift: Was der Hof produziert, steht morgens auf dem Frühstückstisch, das ist der Kern der Idee.Foto: Ryan Snyder, CC BY 2.0

Vier Formen, die du unterscheiden solltest

Zimmer mit Frühstück. Die klassische Form, meist fünf bis fünfzehn Zimmer im Haupthaus oder im umgebauten Wirtschaftsgebäude. Das Frühstück kommt vom Hof, abends fährst du ins Dorf oder der Hof kocht auf Vorbestellung.

Hof mit Restaurant und Halbpension. Viele Betriebe leben mehr von der Küche als von den Betten. Das Abendessen ist dann ein festes Menü aus eigener Produktion, oft an langen Tischen, und für viele Gäste der Grund für die Reise. Reservieren gehört dazu, auch als Hausgast.

Ferienwohnung auf dem Hof. Selbstversorgung mit eigener Küche, dazu Hofladen, Verkostung und Pool. Üblich sind Wochenmieten mit fester An- und Abreise, meist samstags. Das ist die häufigste Form in der Toskana und in Umbrien.

Das ganze Landgut. Für Gruppen und Familienfeiern: ein Podere oder eine Masseria komplett, mit Koch auf Wunsch. Hier gelten Ferienhauspreise, mehr dazu auf unserer Seite zu den Ferienhäusern in Italien.

Die Regionen: wo welcher Hof steht

Jede Landschaft hat ihre eigene Hofform und ihre eigene Küche. Toskana und Sardinien haben auf italien.de eine eigene Auswahl geprüfter Höfe, die anderen Regionen folgen.

  • Podere mit Olivenhain und Zypressen im Val d'Orcia

    Toskana

    Die meisten Höfe Italiens, rund 5.900: Weingüter mit Gästezimmern im Chianti, Schaf- und Getreidehöfe im Val d'Orcia, Rinder und Meernähe in der Maremma, Olivenöl um Lucca.

  • Weinberg unter den Kalkwänden des Supramonte bei Oliena

    Sardinien

    Hirtenhöfe mit fünf bis fünfzehn Zimmern im Supramonte, in der Barbagia und hinter Alghero, abends die Cena sarda mit Porceddu, Pecorino und Pane carasau vom Hof.

  • Ufer des Trasimeno-Sees in Umbrien

    Umbrien

    Das grüne Herz Italiens, weniger besucht und günstiger als die Toskana: Olivenhöfe um den Trasimeno-See, Trüffel und Linsen in der Valnerina, viele Ferienwohnungen mit Pool.

  • Schloss von Barolo über den Weinbergen der Langhe

    Piemont

    Die Cascina, das piemontesische Weingut, mit Barolo und Barbaresco im Keller und Haselnüssen auf den Hügeln. Im Herbst kommen Trüffel dazu, dann sind die Höfe Monate vorher gebucht.

  • Berglandschaft in Südtirol

    Südtirol

    Hier heißt es Urlaub auf dem Bauernhof, rund 1.600 Höfe tragen das Gütesiegel Roter Hahn: Apfelhöfe im Tal, Bergbauernhöfe mit Vieh oben, Speck und Knödel vom Hof, Saison das ganze Jahr.

  • Gardasee mit Bergen am Nordufer

    Venetien und Gardasee

    Weingüter in den Hügeln hinter dem See, Olivenhöfe am Ostufer, Prosecco-Höfe bei Valdobbiadene. Meist eine Viertelstunde vom Wasser und im Sommer günstiger als die Hotels am Ufer.

  • Trulli im Valle d'Itria, Apulien

    Apulien

    Die Masseria, der befestigte Gutshof mit Olivenhainen, oft mit Pool im Innenhof und Küche mit Orecchiette und Burrata. Die meisten liegen zwischen Ostuni und Alberobello, das Meer selten weiter als 20 Kilometer.

  • Küste von Favignana vor Sizilien

    Sizilien

    Baglio und Masseria mit Zitrusgärten und Wein am Ätna, Getreidehöfe im Inneren, Mandeln und Oliven im Val di Noto. Viele Höfe kochen abends für Hausgäste, auf dem Land unverzichtbar.

Sonniger Innenhof einer restaurierten Masseria aus hellem Tuffstein im Salento mit Liegestühlen, Terrakotta-Amphore und Pflanzkübeln
Masseria Del Gigante im Salento: Der befestigte Gutshof Apuliens ist heute meist ein Hof mit Innenhof, Olivenhainen und Küche für Hausgäste.Foto: Fenestraz editor, CC BY-SA 4.0

Auswahl: die vier Punkte, die den Unterschied machen

Anfahrt. Viele Höfe liegen an unbefestigten Straßen, mehrere Kilometer Schotter sind keine Seltenheit. Frag vor der Buchung nach der letzten Wegstrecke, besonders mit einem tiefergelegten Mietwagen. Ohne Auto geht es fast nirgends.

Schotterweg zwischen zwei Reihen hoher Zypressen, der zu einem Landgut im Val d'Orcia führt, darüber Wolkenhimmel
Die typische Zufahrt: Schotter zwischen Zypressen, hier an der Via Cassia im Val d'Orcia. Frag vor der Buchung, wie lang die letzte Wegstrecke ist.Foto: Enrico Pighetti, CC BY 2.0

Was der Hof produziert. Ein Weingut bietet Verkostungen, ein Olivenhof die Ölmühle im Herbst, ein Viehbetrieb Tiere für Kinder. Das steht in der Beschreibung und entscheidet, wie sich der Aufenthalt anfühlt.

Entfernung zu den Zielen. Landstraßen sind kurvig. Was auf der Karte nah aussieht, ist oft ein Tagesausflug. Rechne mit Zeit, nicht mit Kilometern.

Verpflegung. Küche, Frühstück oder Restaurant: Kläre das vorab. Halbpension auf einem guten Hof ist oft der Höhepunkt der Reise, Selbstversorgung ohne Einkaufsmöglichkeit in der Nähe dagegen mühsam.

Preise: womit du rechnen solltest

Einfache Zimmer mit Frühstück beginnen bei rund 70 Euro pro Nacht, gepflegte Höfe mit Pool liegen deutlich darüber, und restaurierte Landgüter mit Küche und Weinprogramm erreichen Hotelpreise. Ferienwohnungen werden meist wochenweise vermietet, in der Hauptsaison von Samstag bis Samstag. Endreinigung, Kurtaxe und teils Strom kommen getrennt hinzu. Im Vergleich zu Hotels ist der Agriturismo in der Nebensaison die günstigere Wahl, im August liegen beide nah beieinander.

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Saison: wann die Höfe arbeiten

Die stimmigste Zeit ist Mai bis Juni und September bis Oktober: mild, grün beziehungsweise erntereif, und auf den Höfen wird gearbeitet. Wer im Herbst kommt, erlebt Weinlese und Olivenernte, im Piemont die Trüffelzeit, auf Sardinien die Herbstfeste der Barbagia. Juli und August sind heiß und früh ausgebucht, oft ein halbes Jahr im Voraus. Von November bis März haben viele Betriebe geschlossen, weil die Landwirtschaft Vorrang hat; in Südtirol und am Ätna läuft die Saison dagegen durch.

Häufige Fragen zum Agriturismo in Italien

Was ist ein Agriturismo genau?

Ein landwirtschaftlicher Betrieb, der zusätzlich Gäste beherbergt. Der Begriff ist in Italien seit 1985 gesetzlich geschützt: Nur wer wirklich Landwirtschaft betreibt, also Tiere hält oder Wein, Olivenöl, Gemüse und Ähnliches erzeugt, darf sich so nennen. Die Vermietung ist dabei die Nebentätigkeit.

Was ist der Unterschied zwischen Agriturismo und Ferienhaus?

Ein Ferienhaus kann irgendwo stehen, ein Agriturismo gehört immer zu einem Betrieb, der etwas produziert. Deshalb gibt es auf dem Hof Frühstück oder Abendessen aus eigener Erzeugung, Verkostungen und oft Tiere. Ferienwohnungen auf einem Hof sind beides zugleich.

Was kostet ein Agriturismo in Italien?

Einfache Zimmer mit Frühstück beginnen bei rund 70 Euro pro Nacht, gepflegte Höfe mit Pool liegen deutlich darüber, restaurierte Landgüter erreichen Hotelpreise. Ferienwohnungen werden meist wochenweise vermietet. Endreinigung, Kurtaxe und teilweise Strom kommen getrennt hinzu.

Braucht man für einen Agriturismo ein Auto?

Fast immer. Die Höfe liegen auf dem Land, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten sind zu Fuß meist nicht erreichbar, und viele Zufahrten führen über unbefestigte Straßen. Frag vor der Buchung nach der letzten Wegstrecke.

In welcher Region gibt es die meisten Agriturismi?

In der Toskana, mit rund 5.900 Betrieben mehr als in jeder anderen Region, die höchste Dichte hat dagegen Südtirol. Danach folgt Südtirol mit rund 13 Prozent aller Höfe, dann Lombardei, Venetien, Piemont und Umbrien mit je fünf bis sechs Prozent. Im Süden sind Apulien, Kampanien und Sizilien die wichtigsten Regionen.

Kann man im Agriturismo auch nur essen?

Auf vielen Höfen mit Restaurant ja, mit Reservierung und meist abends oder am Wochenende. Das Menü ist oft fest und kommt aus eigener Produktion. Auf Sardinien ist die Cena sarda so verbreitet, dass viele Höfe mehr Gäste im Restaurant als in den Zimmern haben.

Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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Bildnachweis: Repuli, Lizenz: CC BY-SA 4.0

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