
Kaum etwas gehört so sehr zum italienischen Alltag wie der abendliche Aperitivo und der Kaffee an der Bar. Beides folgt kleinen, ungeschriebenen Regeln: wann man was trinkt, wo man steht und was man besser nicht bestellt. Hier erfährst du, wie das Ritual wirklich funktioniert, damit du dich in jeder Bar wie ein Einheimischer bewegst.
Der Aperitivo ist das italienische Ritual, sich vor dem Abendessen bei einem Getränk und ein paar Häppchen mit Freunden zu treffen. Das Wort steckt voller Bedeutung: In aperitivo steckt aprire, also öffnen, denn der Drink soll den Appetit auf die cena öffnen und nicht das Abendessen ersetzen. Zum Getränk stellt die Bar meist stuzzichini dazu, kleine Snacks wie Oliven, Chips, Nüsse oder Focaccia. Im Kern geht es aber weniger ums Essen als ums Zusammensein: Der Aperitivo ist der entspannte Übergang vom Feierabend in den Abend. Wie sich diese Gepflogenheit entwickelt hat, liest du in unserem Beitrag über den Aperitivo als italienische Gepflogenheit.
Der Aperitivo läuft in Italien meist zwischen 18 und 21 Uhr, gestartet wird gern gegen 18 oder 19 Uhr. Er füllt genau die Lücke zwischen Feierabend und dem späten italienischen Abendessen, das oft erst ab 20 oder 21 Uhr beginnt. Feste Vorgaben gibt es dafür nicht, aber wer zu früh kommt, sitzt schnell allein da. Am vollsten sind die Bars an lauen Sommerabenden und am Wochenende, wenn sich die Tische auf der Piazza füllen.
Klassisch trinkst du beim Aperitivo etwas Bitteres und Spritziges, allen voran den orangeroten Spritz. Bitterlikör mit Prosecco und Soda ist die Grundidee fast aller Aperitivo-Drinks. Beliebt sind vor allem:
Egal wofür du dich entscheidest, bestellt wird pro Person, und die Häppchen kommen automatisch dazu.
Zwei Klassiker, die zu jedem italienischen Barbesuch gehören:
Prosecco & SpritzPrickelnd und leicht: die spritzige Basis fast jedes Aperitivo-Drinks.
Caffè & EspressoDer kleine Schwarze an der Theke, Italiens tägliches Lebenselixier.Beim Aperitivo steht der Drink im Mittelpunkt und die Snacks bleiben klein, beim Apericena ist das Buffet so reichhaltig, dass es das Abendessen ersetzt. Das Kunstwort Apericena setzt sich aus aperitivo und cena (Abendessen) zusammen. Für einen festen Getränkepreis bekommst du Zugang zu einem Buffet mit Pizzastücken, Pasta, Focaccia und mehr. Besonders bei jungen Leuten und in Städten wie Mailand ist das eine gesellige Alternative zum Restaurant. Kurz gesagt: Ein Aperitivo macht Appetit, ein Apericena macht satt.
Cappuccino trinkst du in Italien fast nur morgens, weil die viele warme Milch als schwer verdaulich gilt und nach einer Mahlzeit als unpassend empfunden wird. Nach dem Frühstück, meist ab etwa 11 Uhr, steigen die Italiener auf Espresso um: kurz, stark und ohne Milch, das gilt als bekömmlicher nach dem Essen. Ein offizielles Verbot ist das nicht, sondern eine tief verwurzelte Gewohnheit. Bestellen kannst du deinen Cappuccino natürlich trotzdem jederzeit, du fällst damit nur als Gast auf. Mehr zu solchen Feinheiten am Tisch findest du in unserer Essens-Etikette für Italien.
„Al banco“ heißt „an der Theke“: Du trinkst deinen Kaffee im Stehen direkt an der Bar, und genau das ist günstiger als am Tisch. Der Grund ist die Bedienung. Setzt du dich an einen Tisch (al tavolo), kommt in der Regel ein Bedienungszuschlag dazu, in touristischen Lagen kann der Unterschied deutlich ausfallen. Die Preise müssen per Aushang (listino prezzi) einsehbar sein, der Preisunterschied zwischen Theke und Tisch ist also erlaubt und ganz normal. Für Einheimische ist der Kaffee al banco außerdem eine Frage des Tempos: hinstellen, in wenigen Schlucken trinken, ein kurzer Plausch, weiter geht es.
Ein „caffè“ ist in Italien immer ein Espresso, also der kleine, starke schwarze Kaffee in der kurzen Tasse. Wer „einen Kaffee“ bestellt, sagt einfach un caffè und bekommt keinen großen Becher, sondern einen Espresso. Möchtest du Milch, hilft dir dieses kleine Vokabular:
Wie tief der Kaffee in der italienischen Kultur verankert ist, zeigt unser Beitrag über den Caffè als Lebenselixier der Italiener.
Aperitivo und Kaffee sind kleine Rituale, die dir viel über das Lebensgefühl des Landes verraten. Weitere Bräuche rund um Genuss findest du in unserem Bereich Essen & Trinken in Italien, und wenn du wissen willst, was das Land sonst noch ausmacht, lies, was typisch italienisch ist.
Aperitivo und caffè sind erst der Anfang. Entdecke, was die italienische Küche und Lebensart sonst noch ausmacht, von den Tischsitten bis zur Mentalität.
Am besten zwischen 18 und 20 Uhr, wenn die Bars sich füllen und der Feierabend beginnt. So hast du noch genug Appetit für das spätere Abendessen.
Stuzzichini sind die kleinen Häppchen, die zum Aperitivo dazugehören, etwa Oliven, Chips, Nüsse, Focaccia oder kleine Brötchen. In vielen Bars kommen sie kostenlos zum Getränk.
Ja, klassische alkoholfreie Aperitivi sind Crodino, Sanbitter und Chinotto. Sie schmecken bittersüß und werden genauso zelebriert wie ein Spritz.
Verboten ist es nicht, du bekommst deinen Cappuccino zu jeder Uhrzeit. Für Italiener ist er nach dem Essen aber ungewöhnlich, weil die Milch als schwer im Magen gilt.
Sag einfach un caffè, dann bekommst du einen Espresso. Für einen Milchkaffee bestellst du einen caffè macchiato oder morgens einen cappuccino.
Die Bar ist in Italien das ganz normale Café: Morgens gibt es Cappuccino und Cornetto, tagsüber Espresso, abends den Aperitivo. Kaffee und Aperitif kommen also über denselben Tresen.
Vom Prosecco bis zum Soave, diese italienischen Weine bringen den Aperitivo nach Hause. Direkt geliefert von Vino.com.
Vermittelt über Vino.com. Bei einer Bestellung erhält italien.de eine Provision, für dich ohne Aufpreis.