
Arancini sind frittierte, panierte Reisbällchen aus Sizilien, klassisch gefüllt mit Fleischragù (al ragù, oft auch al sugo genannt) oder mit Butter, Schinken und Mozzarella (al burro). Der Reis wird mit Safran gefärbt, zu einer Kugel oder einem Kegel geformt, in Ei und Semmelbröseln gewendet und goldbraun ausgebacken. Ihren Namen verdanken sie der Form und Farbe: Arancini heißt wörtlich kleine Orangen, abgeleitet vom italienischen arancia. Einen EU-Schutzstatus wie DOP oder IGP tragen die Reisbällchen nicht. Sie stehen aber als arancini di riso auf der Liste der traditionellen Agrarlebensmittel Siziliens (Prodotti Agroalimentari Tradizionali, PAT) des italienischen Landwirtschaftsministeriums.
Die Grundzutaten der Arancini kamen mit der arabischen Herrschaft nach Sizilien. Ab dem 10. Jahrhundert brachten die Araber Reis und Safran auf die Insel, dazu Zitrusfrüchte. Überliefert ist, dass man Reis mit Safran in der Hand zu kleinen Portionen formte und mit Fleisch würzte. Die panierte und frittierte Variante, wie man sie heute kennt, wird gewöhnlich der Zeit der Normannen ab dem 12. Jahrhundert zugeschrieben: Panade und Frittieren machten die Reisbällchen haltbar und transportabel, ein Vorteil auf Reisen und bei der Jagd.
Bis heute gehören Arancini zum sizilianischen Streetfood und liegen in nahezu jeder Bar und jeder Rosticceria der Insel in der Auslage. Eng verbunden sind sie mit dem Fest der Heiligen Lucia am 13. Dezember. In Palermo verzichtet man an diesem Tag traditionell auf Brot und Nudeln aus Weizen und isst stattdessen Speisen aus Reis und Getreide, darunter die arancina. Der Brauch geht auf eine Hungersnot zurück, die der Legende nach durch ein mit Getreide beladenes Schiff beendet wurde.
Grundlage ist ein kräftig gekochter Rundkornreis, der mit Safran gefärbt und meist mit etwas Käse und Butter gebunden wird. Nach dem Auskühlen formt man aus dem Reis eine Höhlung, füllt sie und schließt sie zur Kugel oder zum Kegel. Es folgen eine Panade aus Mehl oder einem flüssigen Teig, dann Semmelbrösel, und zuletzt das Frittieren in heißem Öl. Ein guter Arancino hat außen eine knusprige Kruste und innen einen kompakten, aber nicht trockenen Reismantel.
Die beiden klassischen Füllungen sind al ragù und al burro. Beim ragù kommt ein Fleischragù aus Rind oder gemischtem Hack mit Tomate und häufig Erbsen ins Innere, oft ergänzt durch Caciocavallo oder eine andere Käsesorte. Die Variante al burro setzt auf eine mildere Füllung aus Béchamel oder Butter mit gekochtem Schinken und Mozzarella. Daneben gibt es zahllose regionale und moderne Abwandlungen, etwa mit Pistazie aus Bronte, mit Auberginen nach Art der Pasta alla Norma, mit Spinat oder mit Meeresfrüchten. Als Getränk zum herzhaften Reisbällchen passt ein sizilianischer Wein wie ein trockener Marsala ebenso wie ein einfacher Landwein.
Kaum ein Gericht spaltet Sizilien sprachlich so sehr wie dieses. Im Osten der Insel, rund um Catania, sagt man arancino, männlich, und formt das Reisbällchen gern spitz zulaufend, was oft als Anspielung auf den Vulkan Ätna gedeutet wird. Im Westen, in Palermo, heißt es arancina, weiblich, und die Form ist meist rund wie eine Orange. Die Formen sind allerdings nicht streng festgelegt und variieren von Ort zu Ort.
2016 wurde die Accademia della Crusca, die maßgebliche Instanz für die italienische Sprache, um ein Urteil gebeten. Die Sprachwissenschaftler gaben beiden Seiten recht: arancina ist korrekt, weil es sich vom weiblichen italienischen Wort arancia für die Orange ableitet; arancino ist ebenfalls zulässig, weil es an das Sizilianische anknüpft. Beendet hat das den Streit nicht, jede Stadt bleibt bei ihrer Form und ihrem Artikel.
Das Rezept ergibt etwa zehn bis zwölf Kugeln in der klassischen Variante al ragù, mit Hackfleisch, Erbsen und Käse in der Mitte. Wichtigster Punkt ist der Reis: Er muss vollständig auskühlen, am besten über Nacht im Kühlschrank, sonst lässt er sich nicht formen.
Tipp: Der Reis muss vollständig kalt sein, am besten über Nacht gekühlt, sonst lassen sich die Arancini nicht sauber formen.
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
|
Herkunft |
Sizilien, verbreitet auf der ganzen Insel (Schwerpunkte Palermo und Catania) |
| Art/Typ | Frittierte, panierte Reisbällchen, warmes Streetfood |
| Hauptzutaten | Safranreis, Panade aus Semmelbröseln; Füllung Ragù oder Butter/Schinken/Mozzarella |
| Schutzstatus | Kein DOP/IGP; als arancini di riso auf der PAT-Liste traditioneller sizilianischer Lebensmittel |
| Besonderheit | Namensstreit arancino (Catania, männlich) gegen arancina (Palermo, weiblich); Festspeise zur Heiligen Lucia am 13. Dezember |
| Passt zu | Sizilianischer Wein wie Marsala, als Snack, Vorspeise oder Zwischenmahlzeit |
Arancini sind gefüllte Reisbällchen aus Sizilien. Safrangefärbter Reis wird um eine Füllung geformt, paniert und frittiert. Am gebräuchlichsten sind die Füllungen al ragù mit Fleischsauce und Erbsen sowie al burro mit Butter, Schinken und Mozzarella.
Beides ist richtig. In Catania und im Osten Siziliens sagt man arancino (männlich), in Palermo und im Westen arancina (weiblich). Die Accademia della Crusca bestätigte 2016 beide Formen als korrekt.
Reis und Safran kamen im 10. Jahrhundert mit den Arabern nach Sizilien. Die panierte, frittierte Form wird meist der Normannenzeit ab dem 12. Jahrhundert zugeschrieben, als die Reisbällchen zu einer haltbaren Speise für unterwegs wurden.
Am Fest der Heiligen Lucia verzichtet man in Palermo traditionell auf Weizenprodukte und isst Speisen aus Reis und Getreide. Die arancina zählt dabei zu den typischen Gerichten des Tages.
Wer Arancini am Ursprungsort probieren möchte, findet sie in ganz Sizilien in Bars, Rosticcerie und an Streetfood-Ständen, in Palermo ebenso wie in Catania und Messina.
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