Limoncello, Italiens Zitronenlikör
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Limoncello, Italiens Zitronenlikör

Limoncello ist Italiens bekanntester Zitronenlikör: goldgelb, süß, mit dem Duft frisch abgeriebener Schale. Er entsteht denkbar einfach, nämlich aus Zitronenschale, Alkohol, Zucker und Wasser. Zu Hause ist er im Süden, rund um Sorrent, an der Amalfiküste und auf Capri, wo…

Limoncello ist Italiens bekanntester Zitronenlikör: goldgelb, süß, mit dem Duft frisch abgeriebener Schale. Er entsteht denkbar einfach, nämlich aus Zitronenschale, Alkohol, Zucker und Wasser. Zu Hause ist er im Süden, rund um Sorrent, an der Amalfiküste und auf Capri, wo die aromatischsten Zitronen des Landes wachsen.

Getrunken wird er eiskalt nach dem Essen. Diese Seite erklärt, wie Limoncello gemacht wird, woran du guten von schlechtem unterscheidest, wie du ihn selbst ansetzt und was es mit dem Limoncello Spritz auf sich hat.

Herkunft

Woher Limoncello kommt

Anders als viele denken, muss Limoncello nicht aus Süditalien stammen. Der Name selbst ist nicht geschützt, der Likör wird auch in anderen Regionen und außerhalb Italiens hergestellt. Wer irgendwo Zitronen, Alkohol und Zucker zusammenbringt, darf das Ergebnis Limoncello nennen.

Geschützt sind dagegen die Zitronen, und genau darin liegt der Qualitätsunterschied. Die Limone di Sorrento IGP von der Halbinsel von Sorrent und Capri trägt seit 2000 das EU-Herkunftssiegel, ebenso die Limone Costa d'Amalfi IGP aus den Gemeinden entlang der Amalfiküste. Beide Sorten haben eine dicke, stark duftende Schale, und weil beim Limoncello ausschließlich die Schale zählt, macht das den ganzen Unterschied. Daneben liefern auch Sizilien und Sardinien hervorragende Zitronen.

Herstellung

Wie Limoncello gemacht wird

Das Verfahren ist über Generationen gleich geblieben. Die Zitronen werden gewaschen, dann wird die gelbe Schale hauchdünn abgeschält. Wichtig ist, dass nichts vom weißen Teil darunter mitkommt, denn der ist bitter. Die Schalen ziehen anschließend in hochprozentigem Alkohol, traditionell mit 95 Prozent, damit sich die ätherischen Öle lösen.

Nach etwa vier Wochen ist der Alkohol tiefgelb und intensiv. Jetzt kommt ein Aufguss aus warmem Zuckerwasser dazu, der den Likör mildert und süßt. Nach weiteren sieben Tagen wird filtriert, fertig. Der Alkoholgehalt liegt bei handelsüblichen Flaschen meist zwischen 25 und 35 Prozent, rund 30 Prozent haben sich als Standard eingespielt. Darunter verliert der Likör an Aroma, darüber wird er scharf.

Selber machen

Limoncello selbst ansetzen

Für zuhause brauchst du keine Brennerei, nur Geduld und unbehandelte Zitronen. Für rund anderthalb Liter:

  • 10 unbehandelte Zitronen, möglichst aus Italien und nicht gewachst
  • 1 Liter Alkohol, im Handel meist als Primasprit mit 96 Prozent, ersatzweise Wodka mit 40 Prozent
  • 700 g Zucker und 1 Liter Wasser

Die Zitronen heiß abwaschen und trocken reiben. Die gelbe Schale dünn abschälen, ohne das Weiße. Die Schalen in ein verschließbares Glas geben, mit dem Alkohol übergießen und vier Wochen an einem dunklen Ort ziehen lassen, gelegentlich schwenken. Danach Wasser mit Zucker aufkochen, vollständig abkühlen lassen und zum Ansatz geben. Weitere sieben Tage stehen lassen, dann durch ein feines Sieb oder einen Filter abgießen und in Flaschen füllen. Im Gefrierfach hält er sich monatelang und wird durch den Alkohol nicht fest.

Wenn du mit Wodka statt Primasprit arbeitest, wird der Likör milder und weniger haltbar, dafür ist er einfacher zu beschaffen. Nimm dann etwas weniger Wasser.

Aperitivo

Limoncello Spritz, der Sommerdrink

In den letzten Jahren hat sich aus dem Digestif ein Aperitif entwickelt. Der Limoncello Spritz ist die zitronige Antwort auf den Aperol Spritz und in Italien längst Standard auf der Karte. Das Mischverhältnis entspricht dem Klassiker: drei Teile Prosecco, zwei Teile Limoncello, ein Schuss Soda, dazu viel Eis, eine Zitronenscheibe und ein Zweig Minze oder Basilikum.

Wichtig ist, dass der Limoncello wirklich kalt ist, sonst wird der Drink schnell klebrig süß. Mehr zum italienischen Bar-Ritual und den anderen Klassikern findest du auf unserer Seite zum Aperitivo.

Kaufen

Woran du guten Limoncello erkennst

Ein paar Hersteller nennen ihr Produkt Limoncino statt Limoncello. Dahinter steckt dasselbe Verfahren, nur ein anderer regionaler Name, verbreitet vor allem im Norden.

Der wichtigere Unterschied liegt in den Zutaten. Manche Abfüllungen helfen bei Farbe und Geschmack mit künstlichen Zusätzen nach. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich, denn Farb- und Aromastoffe sind deklarationspflichtig. Achte auf diese Punkte:

  • Herkunft der Zitronen, idealerweise Limone di Sorrento IGP oder Limone Costa d'Amalfi IGP
  • kurze Zutatenliste ohne Farb- und Aromastoffe
  • eine natürliche, eher blasse Trübung statt leuchtendem Neongelb

Guter Limoncello kostet etwas mehr, und das schmeckt man deutlich. Wie bei Wein gilt: Die Angabe „100 Prozent natürliche Zutaten" ist ein gutes Zeichen, die genaue Herkunftsangabe der Zitronen ein besseres.

Genießen

Wie man Limoncello trinkt

Limoncello wird eiskalt getrunken, am besten direkt aus dem Gefrierfach in kleinen, ebenfalls gekühlten Gläsern. In Süditalien gehört er nach dem Essen fast selbstverständlich dazu, als Digestif nach einem langen Abend.

In der Küche ist er vielseitiger, als man denkt. Über Vanilleeis gegossen wird aus zwei Zutaten ein Dessert, und in Süßspeisen ersetzt er andere Spirituosen, etwa in einer Zitronenvariante des Tiramisu oder als Aroma im italienischen Zitronenkuchen. Wer es kräftiger mag, findet in Grappa und Marsala die klassischen Alternativen zum Abschluss.

Gut zu wissen

Häufige Fragen zu Limoncello

Was ist Limoncello genau?

Ein italienischer Zitronenlikör aus vier Zutaten: Zitronenschale, hochprozentigem Alkohol, Zucker und Wasser. Die Schale zieht mehrere Wochen im Alkohol, danach wird mit Zuckerwasser gemildert. Der Alkoholgehalt liegt meist bei 25 bis 35 Prozent.

Wie trinkt man Limoncello richtig?

Eiskalt und in kleinen Gläsern, klassisch als Digestif nach dem Essen. Die Flasche steht dafür im Gefrierfach, sie friert wegen des Alkohols nicht ein. Als Aperitif funktioniert er im Limoncello Spritz mit Prosecco und Soda.

Was ist der Unterschied zwischen Limoncello und Limoncino?

Keiner in der Sache. Limoncino ist nur ein anderer regionaler Name, den vor allem norditalienische Hersteller verwenden. Das Verfahren und die Zutaten sind dieselben.

Wie lange ist Limoncello haltbar?

Ungeöffnet praktisch unbegrenzt, geöffnet im Kühlschrank oder Gefrierfach etwa ein bis zwei Jahre. Mit der Zeit verliert er an Frische im Aroma, verdirbt aber durch den hohen Alkoholgehalt nicht.

Welche Zitronen nimmt man für Limoncello?

Unbehandelte, ungewachste Zitronen mit dicker, stark duftender Schale. In Italien sind das die Limone di Sorrento IGP und die Limone Costa d'Amalfi IGP. Da nur die Schale verwendet wird, ist unbehandelte Ware Pflicht.

Mehr zu Italiens Weinen und Spirituosen findest du im Überblick der beliebtesten Weinsorten Italiens.

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Über den Autor

Jürgen Lex

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Weingüter

Jürgens Liebe zu Italien begann bereits in der Kindheit mit den alljährlichen Ferien in Lido di Jesolo. Seither hat er das Land von den Dolomiten bis in den tiefen Süden bereist, doch seine Neugier ist bis heute ungebrochen. Abseits der bekannten Routen entdeckt er immer wieder neue Lieblingsorte. Und an einem interessanten Weingut führt für ihn kaum ein Weg vorbei.

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