Ramazotti, von der Arznei zum weltweit beliebten Kräuterlikör
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Ramazotti, von der Arznei zum weltweit beliebten Kräuterlikör

Ramazzotti ist einer der bekanntesten Kräuterliköre Italiens, ein Amaro mit über zweihundert Jahren Geschichte. Angefangen hat alles 1815 in Mailand, wo der Apotheker Ausano Ramazzotti in seinem kleinen Labor Kräuter, Wurzeln und feinen Alkohol zu einem halbbitteren Auszug verband. Was…

Ramazzotti ist einer der bekanntesten Kräuterliköre Italiens, ein Amaro mit über zweihundert Jahren Geschichte. Angefangen hat alles 1815 in Mailand, wo der Apotheker Ausano Ramazzotti in seinem kleinen Labor Kräuter, Wurzeln und feinen Alkohol zu einem halbbitteren Auszug verband. Was er zunächst als Heilmittel für Magen und Verdauung ansetzte, ist heute in vielen Bars und Wohnzimmern zu finden, in Italien wie in Deutschland.

Wenn du im Netz nach dem Getränk suchst, tippst du vielleicht „Ramazotti" mit einem z. Das ist eine sehr häufige Falschschreibung. Korrekt heißt die Marke Ramazzotti, mit doppeltem z und doppeltem t, benannt nach ihrem Gründer Ausano Ramazzotti. Wir bleiben im Text bei der richtigen Schreibweise, damit du sie dir gleich mitmerken kannst.

Von der Apotheke zur weltweiten Marke

Ausano Ramazzotti mischte seinen Amaro aus zahlreichen Kräutern, Wurzeln und Fruchtschalen. Überliefert ist eine Rezeptur aus 33 Zutaten, die bis heute die Grundlage bildet. 1848 eröffnete er in Mailand ein eigenes Lokal in der Nähe der Scala, wo die Gäste statt eines Kaffees gern einen Amaro tranken. Das Getränk wurde so zu einem festen Teil des Mailänder Lebens. Spätere Generationen der Familie bauten das Geschäft aus und machten aus dem lokalen Digestif eine Marke, die über Italien hinaus bekannt wurde. Seit 1985 gehört Ramazzotti zum französischen Pernod Ricard Konzern, abgefüllt wird der Amaro im piemontesischen Canelli.

Was ist ein Amaro eigentlich

Amaro heißt auf Italienisch schlicht „bitter". Gemeint ist eine ganze Gattung halbbitterer Kräuterliköre, die aus einem Alkoholauszug von Kräutern, Wurzeln, Rinden und Fruchtschalen entsteht und mit Zucker abgerundet wird. Getrunken wird ein Amaro meist als Digestivo nach dem Essen, weil ihm eine verdauungsfördernde Wirkung nachgesagt wird. Manche Sorten passen auch als Aperitivo vor der Mahlzeit. Ramazzotti liegt mit rund 30 Prozent Alkohol im mittleren Bereich und schmeckt kräftig würzig, aber nicht so herb wie manch anderer Vertreter. Genau diese Balance zwischen bitter und süß hat den Amaro über die Jahre so beliebt gemacht, gerade bei Leuten, die Kräuterliköre sonst zu streng finden. Zur typischen Charakteristik gehört die Bitterorange, dazu kommen Noten von süßer Orange, Anis und weiteren Gewürzen. Angaben zu einzelnen Zutaten stammen vom Hersteller, die genaue Rezeptur bleibt Betriebsgeheimnis.

So trinkst du Ramazzotti

Ramazzotti ist unkompliziert. Pur bei Zimmertemperatur kommt die volle Kräuterwürze zur Geltung, das ist die klassische Art nach dem Essen. Auf Eis wird er frischer und milder, oft mit einer Scheibe Orange im Glas. Wer es leichter mag, mischt ihn mit Tonic oder Soda zu einem längeren Drink, und auch in Cocktails macht sich der Amaro gut, etwa als bittere Komponente neben Wermut oder Sprudel.

  • Pur und bei Zimmertemperatur als Digestivo nach dem Essen
  • Auf Eis mit einer Scheibe Orange, fruchtig und frisch
  • Lang gemixt mit Tonic oder Soda für den Aperitivo
  • Als bittere Zutat in Cocktails, zum Beispiel mit Wermut

Die Produktfamilie und andere Amari

Neben dem klassischen Amaro gibt es rund um Ramazzotti mehrere Varianten. Der Aperitivo Rosato ist heller, fruchtiger und auf den Aperitif zugeschnitten, mit Noten von Hibiskus und Orangenblüte. Der Ramazzotti Sambuca setzt dagegen ganz auf Sternanis. Zeitweise erscheinen zusätzliche Sorten wie eine Minz-Variante oder ein Ramazzotti Limone, der die Amaro-Rezeptur mit Zitrone verbindet und auf Eis fruchtig frisch schmeckt. Welche Ausgaben gerade im Handel sind, wechselt je nach Land und Jahr, ein Blick aufs aktuelle Etikett lohnt sich also.

Ramazzotti ist nur einer von vielen italienischen Amari. Wer die Bandbreite kennenlernen will, findet mit dem sizilianischen Averna einen etwas dunkleren, karamelligen Vertreter und mit dem Amaro Montenegro aus Bologna eine hellere, blumig orangige Variante. Jede Region und oft jede Familie hat ihre eigene Rezeptur, und genau das macht die Kräuterliköre zu einem schönen Stück italienischer Trinkkultur, das du am besten in Ruhe und in kleinen Schlucken für dich entdeckst.

Über den Autor

Jürgen Lex

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Weingüter

Jürgens Liebe zu Italien begann bereits in der Kindheit mit den alljährlichen Ferien in Lido di Jesolo. Seither hat er das Land von den Dolomiten bis in den tiefen Süden bereist, doch seine Neugier ist bis heute ungebrochen. Abseits der bekannten Routen entdeckt er immer wieder neue Lieblingsorte. Und an einem interessanten Weingut führt für ihn kaum ein Weg vorbei.

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