Aperol Spritz
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Aperol Spritz

Aperol Spritz nach der 3-2-1-Formel: Prosecco, Aperol, Soda auf Eis mit Orange. Das Originalrezept aus Venetien, die häufigsten Fehler und was dazu passt.

Aperol Spritz

Es gibt diesen einen Moment am frühen Abend, wenn die Sonne flach über eine Piazza fällt und auf jedem zweiten Tisch dasselbe leuchtend orangerote Glas steht. Der Aperol Spritz ist das Getränk dieser Stunde. Bitter und süß zugleich, prickelnd, kaum stärker als ein Glas Wein, und mit einer Farbe, die man aus fünfzig Metern erkennt. Er ist kein Cocktail für Kenner mit langer Zutatenliste, sondern ein Ritual: das Zeichen, dass der Arbeitstag vorbei ist und der Abend beginnt.

Das Geheimnis liegt in einem simplen Verhältnis, das jede Bar in Venetien im Schlaf beherrscht: 3 Teile Prosecco, 2 Teile Aperol, 1 Teil Soda. Erst der Wein, dann der Likör, zum Schluss ein Spritzer Sodawasser, und das alles über ein Glas voller Eis. Nicht Sekt, sondern ein trockener Prosecco. Nicht knausrig mit dem Eis, denn es kühlt und verwässert kaum, wenn genug davon im Glas liegt. Serviert wird das Ganze im großen, bauchigen Weinglas, nie im schmalen Tumbler.

Rund um den Aperol Spritz liegt die ganze Kultur des Aperitivo: dieses halbe Stündchen vor dem Essen, in dem man mit Freunden zusammensteht, ein bitteres Getränk trinkt und ein paar Kleinigkeiten dazu isst. In den venezianischen Bacari sind das Cicchetti, in Mailand ganze Buffets. Der Spritz gehört zu diesem Übergang, nicht zum Rausch. Genau deshalb ist er so leicht gebaut.

Herkunft: Padua, Venetien und der gespritzte Wein

Aperol wurde 1919 in Padua von den Brüdern Luigi und Silvio Barbieri vorgestellt, ein leuchtend oranger Bitterlikör mit gerade einmal elf Prozent Alkohol, aromatisiert unter anderem mit Bitterorange, Enzian und Rhabarber. Der Spritz selbst ist älter und hat einen österreichischen Ursprung: Soldaten und Beamte der Habsburgermonarchie sollen die kräftigen venetischen Weine mit einem Schuss Wasser verdünnt haben, daher der Name, vom deutschen „spritzen".

Aus diesem gespritzten Wein wurde im Lauf des zwanzigsten Jahrhunderts der bittere Aperitif, den wir heute kennen, als in Venedig und Umgebung ein Schuss Aperol oder Select dazukam. Ehrlich gesagt lässt sich das genaue Geburtsdatum der modernen Rezeptur nicht auf ein einzelnes Jahr festnageln; verbreitet wurde sie ungefähr ab den Fünfzigern. Zum weltweiten Phänomen stieg der Aperol Spritz aber erst nach 2003 auf, als die Campari-Gruppe die Marke übernahm und mit großer Kampagne über die Terrassen der Welt schickte. Seit 2011 führt ihn auch die International Bartenders Association als offiziellen Cocktail.

1 Glas · ca. 3 Min.

Zutaten

  • 9 cl Prosecco, gut gekühlt (3 Teile)
  • 6 cl Aperol (2 Teile)
  • 3 cl Soda bzw. Sodawasser (1 Teil)
  • Eine Handvoll große Eiswürfel
  • 1 Scheibe unbehandelte Orange

Zubereitung

  1. Ein großes, bauchiges Weinglas randvoll mit Eiswürfeln füllen.
  2. Zuerst den Prosecco angießen (3 Teile).
  3. Den Aperol dazugeben (2 Teile), die Farbe zieht sofort ins Glas.
  4. Mit einem Spritzer Soda auffüllen (1 Teil).
  5. Einmal kurz mit dem Barlöffel von unten heben, nicht wild rühren.
  6. Die Orangenscheibe hineingleiten lassen und sofort servieren.

Tipp: Die Reihenfolge zählt. Kommt der Prosecco zuerst und die Soda ganz zum Schluss, bleibt der Spritz spritzig und die Kohlensäure hält länger. Und lieber ein paar Eiswürfel zu viel als zu wenig, ein halb leeres Glas wird nur schnell warm und flach.

Die richtige Balance: Eis, Glas und Reihenfolge

Ein guter Aperol Spritz steht und fällt mit drei Dingen, die nichts kosten. Erstens das Eis: Das Glas gehört randvoll, mit möglichst großen Würfeln. Große Würfel schmelzen langsamer, kühlen besser und verwässern den Drink kaum. Wer zwei kleine Eiswürfel hineinlegt, bekommt nach fünf Minuten eine lauwarme, verwässerte Brühe.

Zweitens das Glas: Der klassische Aperol Spritz kommt ins große, bauchige Weinglas, nicht in den Tumbler und schon gar nicht in die Sektflöte. Der weite Kelch gibt dem Eis Platz und lässt das Aroma von Orange und Bitterlikör frei. Drittens die Reihenfolge. Prosecco zuerst, dann Aperol, Soda zum Schluss. So mischt sich der Likör sanft ein, und die Kohlensäure aus Wein und Soda bleibt erhalten, statt beim Rühren zu verpuffen.

Zum Verhältnis noch eine ehrliche Anmerkung: Die klassische Formel ist 3-2-1. Manche Bars und auch der Hersteller schenken heute gern zu gleichen Teilen Prosecco und Aperol aus, was den Drink süßer und kräftiger macht. Wer es trockener und leichter mag, bleibt bei den originalen drei Teilen Wein auf zwei Teile Aperol. Am Ende ist es Geschmackssache, aber die 3-2-1-Version gilt als die klassisch venezianische.

Varianten: Select, Campari und alkoholfrei

Der Aperol Spritz ist nur einer aus einer ganzen Familie. Tauscht man den Aperol gegen einen anderen Bitter, ändert sich der Charakter deutlich. Mit Select, dem ursprünglichen Bitterlikör aus Venedig, wird der Spritz herber und würziger, und viele Einheimische halten den Select Spritz für den eigentlich venezianischen. Mit Campari wird es dunkler, stärker und deutlich bitterer, der Campari Spritz ist etwas für Menschen, die es weniger süß mögen. Auch Cynar, ein Likör auf Artischockenbasis, ergibt einen eigenwilligen, erdigen Spritz.

Und alkoholfrei? Geht gut. Statt Aperol nimmst du einen der inzwischen zahlreichen alkoholfreien Bitteraperitife, statt Prosecco eine alkoholfreie Schaumwein-Alternative oder einfach mehr Soda mit einem Schuss Orangensaft. Farbe und bitteres Spiel bleiben erhalten, nur der Alkohol fehlt. Für den Nachmittag oder wenn du noch fahren musst, eine ernstzunehmende Option.

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Was zum Aperol Spritz passt

Der Aperol Spritz ist ein Aperitif, kein Begleiter fürs große Menü. Seine Bitterstoffe regen den Appetit an, deshalb gehört etwas Salziges dazu. In Venetien reicht man Cicchetti, kleine Häppchen auf Weißbrot, dazu Oliven, gesalzene Mandeln, Grissini oder Taralli, die knackigen Teigringe aus dem Süden. Auch ein Stück würziger Käse passt. Wichtig ist nur das Prinzip: salzig gegen bitter, klein und leicht. Zum vollen Essen wechselt man danach ohnehin auf Wein.

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Häufige Fragen

Aperol Spritz mit Prosecco oder Sekt?

Klassisch immer mit Prosecco. Ein trockener italienischer Prosecco ist leichter und fruchtiger als deutscher Sekt und passt besser zum bitteren Aperol. Sekt oder gar Champagner überdecken das Spiel eher.

Wie viel Alkohol hat ein Aperol Spritz?

Recht wenig. Aperol selbst hat nur elf Prozent, verdünnt mit Prosecco und Soda landet ein fertiger Aperol Spritz meist bei ungefähr acht bis neun Prozent im Glas. Das macht ihn zum leichten Aperitif.

Gibt es Aperol Spritz alkoholfrei?

Ja. Mit einem alkoholfreien Bitteraperitif und alkoholfreiem Schaumwein oder Soda plus einem Schuss Orangensaft bekommst du Farbe und Bittergeschmack ganz ohne Alkohol.

Was ist das richtige Mischverhältnis?

Die klassische Formel lautet 3-2-1: drei Teile Prosecco, zwei Teile Aperol, ein Teil Soda. Manche schenken Prosecco und Aperol zu gleichen Teilen aus, das wird süßer und kräftiger.

In welchem Glas serviert man Aperol Spritz?

Im großen, bauchigen Weinglas, randvoll mit Eis. Der weite Kelch gibt dem Eis Platz und lässt die Aromen von Orange und Bitterlikör frei entfalten.

Welche Orange gehört in den Spritz?

Eine dünne Scheibe unbehandelte Orange, direkt ins Glas. Sie sieht nicht nur schön aus, sondern gibt etwas Fruchtaroma ab. Eine Scheibe genügt, mehr macht den Drink nicht besser.

Was ist der Unterschied zwischen Aperol und Campari?

Aperol ist mit elf Prozent leichter, süßer und milder im Bitter. Campari hat mehr Alkohol, ist dunkler und deutlich bitterer. Ein Campari Spritz schmeckt entsprechend herber und intensiver.

Was isst man zum Aperol Spritz?

Etwas Salziges als Kontrast zum Bitteren: Oliven, Grissini, Taralli, gesalzene Mandeln oder venezianische Cicchetti. Der Spritz ist ein Aperitif und soll den Appetit anregen.

Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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