
Minestrone ist Italiens großer Gemüseeintopf, ein einfaches bäuerliches Gericht, das sich von Region zu Region und mit den Jahreszeiten verändert. Was ihn so gut macht, ist die Menge an Gemüse, eine mitgekochte Parmesanrinde und genug Zeit auf dem Herd, damit sich alle Aromen verbinden.
Tipp: Heb die Rinde vom Parmigiano immer auf und koche sie mit. Sie gibt dem Minestrone Tiefe und eine feine Umami-Note. Am nächsten Tag schmeckt der Eintopf übrigens noch besser.
Das Wort ist die Vergrößerungsform von minestra, und minestra kommt vom alten Verb minestrare, dem Ausschöpfen bei Tisch. Das Wörterbuch Treccani definiert Minestrone als Suppe aus Reis oder kleiner Pasta mit vielen Gemüsesorten nach regionalen Rezepten. Es gibt also kein Originalrezept, sondern ein Bauprinzip.
Der Soffritto ist keine Pflicht. Die meisten traditionellen Genueser Rezepte verzichten darauf, in Mailand bildet ein Speckansatz die Basis.
Ligurien: Im Minestrone alla genovese köcheln Zucchini, grüne Bohnen, Borlotti, Kartoffeln, Mangold, Auberginen und Kürbis langsam mit kurzen Nudeln wie Bricchetti oder dem körnigen Scucuzzun. Erst wenn der Topf vom Herd ist, rührst du Pesto alla genovese unter, damit Basilikum und Farbe erhalten bleiben. Gegessen wird er lauwarm, im Sommer auch am nächsten Tag bei Zimmertemperatur. So isst ihn Ligurien.
Mailand: Der Minestrone alla milanese hat seit dem 17. März 2008 ein von der Stadt Mailand kodifiziertes Rezept (De.Co.). Darin stehen Reis der Sorten Maratelli oder Originario, frische Schweineschwarten, mit Petersilie und Knoblauch gehackter Lardo, Wirsing, Borlotti, kleine Zwiebeln, Karotten, Sellerie, Kartoffeln, Salbei und Tomate, im Sommer außerdem Zucchini und Basilikum. Alles außer dem Reis kocht rund vier Stunden, der Reis nur die letzten 20 Minuten. Für die kalte Sommerversion legst du eine dünne Scheibe rohe Pancetta in die Schale, gießt den kochenden Minestrone darauf und stürzt ihn erkaltet wie einen kleinen Pudding. Heiß isst ihn die Lombardei mit geriebenem Grana.
Toskana: Hier heißt der Wintereintopf Ribollita, die „nochmals Gekochte". Schwarzkohl (Cavolo nero), Cannellini, Wirsing, Mangold und Kartoffeln werden mit altem toskanischem Brot geschichtet, über Nacht ruhen gelassen und am nächsten Tag wieder aufgekocht. Der Name kommt vom bäuerlichen Brauch, die Gemüsesuppe der fleischlosen Tage mit altem Brot ein zweites Mal aufzukochen. Bester Zeitpunkt ist nach dem ersten Frost, wenn der Schwarzkohl am besten ist. Die Ribollita der Toskana ist von Haus aus vegetarisch, serviert mit rohem Olivenöl.
Venetien: Venetiens bekanntester Bohneneintopf heißt Pasta e fasioi. Grundlage sind Borlotti, am besten der Fagiolo di Lamon aus dem Belluneser Tal, seit 1996 IGP-geschützt. Der Ansatz besteht aus Lardo oder Schinkenfett mit Zwiebel, Sellerie, Knoblauch, Rosmarin und Petersilie, die Einlage aus Eiernudeln in Fetzen. Kartoffeln kamen früher hinein, um Bohnen zu sparen. Ein Wintergericht, auch lauwarm gut.
Von Frühling bis Sommer nimmst du Zucchini, grüne Bohnen, frische Borlotti, Tomaten, Paprika und Basilikum. Die Kochzeit bleibt kurz, damit Farbe und Biss erhalten bleiben, gegessen wird lauwarm oder bei Zimmertemperatur. In Genua ist das die Zeit des Pesto, in Mailand die des gestürzten kalten Minestrone. Im Herbst und Winter kommen Wirsing, Schwarzkohl, Kürbis, Lauch und Wurzelgemüse hinein, getrocknete Bohnen weichen vorher ein, im Mailänder Rezept 48 Stunden, und statt Pasta passen Gerste oder Dinkel. Vegetarisch wird jede Variante ohne Speckansatz, vegan zusätzlich ohne Rinde und Käse, dafür mit rohem Olivenöl am Ende, so wie es die Ribollita seit jeher macht.
Im Kühlschrank hält er sich im geschlossenen Behälter drei bis vier Tage, im Gefrierfach zwei bis drei Monate. Friere nur die Gemüse- und Bohnenbasis ein, ohne Pasta, Reis und Pesto, und gib die Einlage beim Aufwärmen frisch dazu. Für Vorräte blanchierst du das gewürfelte Gemüse zwei bis drei Minuten, schreckst es ab und frierst es roh in Portionen ein. Aus dem Gefrierfach kommt es ohne Auftauen direkt ins Wasser und köchelt wie frisches Gemüse. Beim Aufwärmen genügen sanfte Hitze und ein Schuss Wasser, weil Pasta und Kartoffeln über Nacht Flüssigkeit ziehen. Am zweiten Tag ist er besser, in Genua wie in der Toskana, wo die Ribollita ihren Namen daraus bezieht. Weitere Suppen findest du bei den Vorspeisen und in der Rezepte-Übersicht.
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Ein klassischer Minestrone lebt von viel Saisongemüse wie Zwiebel, Sellerie, Karotte, Kartoffel und Zucchini, dazu Borlotti- oder Cannellini-Bohnen und oft eine mitgekochte Parmesanrinde. Ein festes Rezept gibt es nicht, er wechselt von Region zu Region und mit der Jahreszeit.
Ja, ganz einfach. Lass die Pancetta weg und nimm Gemüsebrühe, dann ist er vegetarisch. Für die vegane Variante verzichtest du zusätzlich auf die Parmesanrinde und den Käse und würzt dafür kräftiger mit Kräutern und gutem Olivenöl.
Die Rinde gibt beim langsamen Köcheln herzhafte Tiefe und etwas Bindung an die Brühe, ohne dass du extra Käse brauchst. Es ist eine typische italienische Sparsamkeit: Nichts vom Parmesan wird weggeworfen. Vor dem Servieren nimmst du die Rinde wieder heraus.
Beides ist möglich und regional verschieden. Im Norden, etwa in Mailand, kommt oft Reis hinein, anderswo kleine Pasta wie Ditalini. Gib die Einlage erst gegen Ende dazu und koche sie im Topf gar, damit sie nicht matschig wird.
Püriere einen Teil der gekochten Bohnen oder des Gemüses und rühre ihn wieder unter. Das macht die Suppe cremig, ohne Sahne. Auch genug Zeit auf dem Herd hilft, weil sich die Stärke aus Kartoffeln und Bohnen löst.
Im Kühlschrank hält er sich abgedeckt drei bis vier Tage und schmeckt am nächsten Tag oft noch besser. Einfrieren geht gut, am besten ohne Pasta oder Reis, die du dann frisch nachkochst. Aufgetaut einfach wieder aufkochen.