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Tignanello, der Super Tuscan, der die Toskana veränderte

Tignanello ist ein trockener Rotwein aus der Toskana, erzeugt vom Weinhaus Marchesi Antinori auf der gleichnamigen Tenuta bei San Casciano in Val di Pesa (Provinz Florenz), mitten im Gebiet des Chianti Classico. Er gilt als einer der ersten und bekanntesten…

Tignanello ist ein trockener Rotwein aus der Toskana, erzeugt vom Weinhaus Marchesi Antinori auf der gleichnamigen Tenuta bei San Casciano in Val di Pesa (Provinz Florenz), mitten im Gebiet des Chianti Classico. Er gilt als einer der ersten und bekanntesten Super Tuscans und wird als IGT Toscana klassifiziert, also bewusst außerhalb der strengen DOCG-Regeln der Region. Sein Kern ist Sangiovese, ergänzt durch Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc, ausgebaut im kleinen Barrique-Fass. Dieser Bruch mit der Tradition machte den Wein ab dem Jahrgang 1971 zum Wegbereiter einer ganzen Bewegung.

Herkunft und Geschichte

Der Name Tignanello geht auf eine Rebfläche der Tenuta Tignanello zurück, die die Familie Antinori in den Hügeln zwischen den Tälern von Greve und Pesa bewirtschaftet. In den 1960er und frühen 1970er Jahren schrieben die Regeln für Chianti Classico noch vor, dem Sangiovese einen Anteil weißer Rebsorten wie Trebbiano und Malvasia beizumischen. Piero Antinori und der Önologe Giacomo Tachis hielten diese Vorgabe für einen Bremsklotz und beschlossen, einen kompromisslos auf Rotwein ausgelegten Wein zu keltern.

Der erste Jahrgang, der diesen Weg einschlug, war 1971: In diesem Jahr löste sich der Wein von der Chianti-Classico-Herkunft und erschien als toskanischer Tafelwein, gereift in Barriques aus französischer Eiche statt in großen Holzfässern. Die beiden weiteren prägenden Schritte folgten mit dem Jahrgang 1975, als die weißen Rebsorten endgültig aus der Cuvée verschwanden und erstmals Cabernet hinzukam. Weil der Wein damit außerhalb des Regelwerks für Chianti Classico lag, durfte er keine kontrollierte Herkunftsbezeichnung tragen und wurde zunächst als einfacher Vino da Tavola eingestuft, die damals niedrigste Kategorie. Seit Einführung der Kategorie IGT (Indicazione Geografica Tipica) in den frühen 1990er Jahren firmiert Tignanello als IGT Toscana.

Diese scheinbar paradoxe Situation, dass ein herausragender Wein in der niedrigsten Klasse landete, brachte den Begriff Super Tuscan hervor. Gemeinsam mit dem Sassicaia aus der Küstenregion Bolgheri gilt Tignanello als Gründungswein dieser Kategorie. Er zeigte, dass Qualität und internationale Anerkennung nicht an ein Herkunftssiegel gebunden sein müssen, und ebnete Winzern in der ganzen Toskana den Weg, mit Rebsorten und Ausbau freier zu arbeiten.

Rebsorten und Ausbau

Tignanello ist im Kern ein Sangiovese-Wein. Die Cuvée besteht in der Regel zu etwa vier Fünfteln aus Sangiovese, der Rest verteilt sich auf Cabernet Sauvignon und einen kleineren Anteil Cabernet Franc. Der Sangiovese liefert das toskanische Rückgrat mit Aromen von Kirsche und roten Früchten, kräuterwürzigen Noten und der für die Rebsorte typischen straffen Säure. Die beiden Cabernet-Sorten steuern Struktur, dunkle Frucht und zusätzliche Tanninkraft bei, ohne den Charakter des Sangiovese zu überdecken.

Die Trauben stammen aus ausgewählten Lagen der Tenuta Tignanello auf kalkstein- und mergelhaltigen Böden, den sogenannten Galestro- und Alberese-Formationen, die dem Sangiovese in der Toskana entgegenkommen. Nach der getrennten Vergärung reift der Wein rund ein Jahr in Barriques aus französischer und teils ungarischer Eiche, gefolgt von einer weiteren Reifung in der Flasche vor der Freigabe. Der Ausbau im Barrique war zur Zeit der ersten Jahrgänge eine Neuerung für Sangiovese und prägt bis heute das Profil: feine Röstnoten, Vanille und eine geschliffene Tanninstruktur.

Tignanello wird nicht in jedem Jahrgang produziert. In Jahren, in denen die Qualität der Trauben nicht dem Anspruch entspricht, verzichtet das Weingut auf die Abfüllung, was den Wein zu einer bewusst limitierten Erzeugung macht. Diese Zurückhaltung hat über die Jahrzehnte zu seinem Ruf als einer der gesuchtesten Rotweine Italiens beigetragen.

Genuss und Serviervorschläge

Tignanello ist ein kräftiger, lagerfähiger Rotwein, der jung bereits zugänglich ist, sein volles Potenzial aber oft erst nach einigen Jahren Flaschenreife zeigt. Empfehlenswert ist eine Serviertemperatur von etwa 18 Grad. Bei jüngeren Jahrgängen hilft es, den Wein ein bis zwei Stunden vor dem Trinken zu dekantieren, damit sich die Aromen entfalten und die Tannine geschmeidiger wirken.

Zum Wein passen kräftige Gerichte, die seiner Struktur standhalten. Klassische Begleiter sind rotes Fleisch und Wild, gegrillte oder geschmorte Speisen und die berühmte Bistecca alla Fiorentina. Auch gereifter Hartkäse wie Pecorino Toscano oder Parmesan harmoniert gut mit der Tanninkraft. Insgesamt zeigt sich der Wein als typischer Botschafter der toskanischen Küche, die auf einfachen, hochwertigen Zutaten und deftigen Fleischgerichten beruht.

Tignanello im Überblick

Merkmal Beschreibung

Herkunft

Toskana, Tenuta Tignanello bei San Casciano in Val di Pesa (Provinz Florenz), Gebiet Chianti Classico

Art/Typ Trockener Rotwein, Super Tuscan
Rebsorten Überwiegend Sangiovese, ergänzt durch Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc
Schutzstatus IGT Toscana (bewusst kein DOCG)
Besonderheit Einer der ersten Super Tuscans, Jahrgang 1971 als Pionier, früher Ausbau von Sangiovese im Barrique, Erzeuger Marchesi Antinori
Passt zu / Serviertemperatur Rotes Fleisch, Wild, gegrillte Speisen, gereifter Käse; etwa 18 Grad

Häufige Fragen zu Tignanello

Was ist Tignanello?

Tignanello ist ein trockener Rotwein aus der Toskana, den das Weinhaus Marchesi Antinori auf der Tenuta Tignanello bei San Casciano in Val di Pesa erzeugt. Er gilt als einer der ersten Super Tuscans und besteht überwiegend aus Sangiovese mit Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc.

Warum ist Tignanello nur IGT und kein DOCG?

Der Wein verzichtet auf die weißen Rebsorten, die die Chianti-Classico-Regeln früher vorschrieben, und setzt stattdessen auf Cabernet sowie den Ausbau im Barrique. Weil er damit außerhalb des Regelwerks liegt, trägt er nicht die DOCG-Bezeichnung, sondern die Kategorie IGT Toscana. Genau dieser bewusste Verzicht begründete den Begriff Super Tuscan.

Welche Rebsorten stecken im Tignanello?

Die Basis bildet Sangiovese, der den größten Teil der Cuvée ausmacht. Ergänzt wird er durch Cabernet Sauvignon und einen kleineren Anteil Cabernet Franc, die dem Wein zusätzliche Struktur und dunkle Frucht verleihen.

Wozu passt Tignanello?

Der kräftige Rotwein passt zu rotem Fleisch, Wild, gegrillten und geschmorten Gerichten sowie zur Bistecca alla Fiorentina. Auch gereifter Hartkäse wie Pecorino Toscano oder Parmesan ist ein guter Begleiter. Serviert wird er am besten bei etwa 18 Grad.

Wer sich für die Weinkultur der Region begeistert, findet in der Toskana weit mehr als nur diesen einen Wein. Von den Sangiovese-Hügeln des Chianti bis zu den großen Roten aus Montalcino und Bolgheri reicht ein Spektrum, das die Vielfalt der italienischen Weinwelt eindrucksvoll zeigt.

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Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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