
Valpolicella ist ein Rotwein-Anbaugebiet und zugleich der Name der dort erzeugten Weine im Norden der Provinz Verona in der Region Venetien. Das Hügelland zwischen der Stadt Verona und dem Gardasee bringt Weine aus den heimischen Rebsorten Corvina, Corvinone und Rondinella hervor. Der einfache Valpolicella trägt den Schutzstatus DOC (Denominazione di Origine Controllata), die konzentrierten Spitzenweine Amarone und Recioto sind als DOCG (Denominazione di Origine Controllata e Garantita) klassifiziert. Kennzeichnend ist die Bandbreite: Aus denselben Trauben entstehen vier sehr unterschiedliche Weintypen, vom leichten, frischen Alltagswein bis zum kräftigen, aus getrockneten Beeren gekelterten Amarone.
Das Anbaugebiet liegt nördlich von Verona und erstreckt sich über mehrere Täler, die von den Ausläufern der Monti Lessini in Richtung Etschtal und Poebene abfallen. Der historische Kern, die sogenannte Zona Classica, umfasst die Gemeinden Fumane, Marano, Negrar, Sant'Ambrogio di Valpolicella und San Pietro in Cariano. Weine aus diesem Kerngebiet dürfen den Zusatz Classico führen. Östlich davon reicht die Herkunftsbezeichnung bis in das Valpantena-Tal und weitere Hügelzonen rund um Verona.
Der Weinbau in dieser Gegend ist sehr alt und reicht in die Antike zurück. Der Name selbst wird häufig mit dem Lateinischen in Verbindung gebracht und als Tal der vielen Keller gedeutet, doch diese Herleitung gilt sprachlich als unsicher und ist nicht eindeutig belegt. Gesichert ist dagegen die lange Tradition der Beerentrocknung: Schon in der Spätantike beschrieben Autoren im Raum Verona süße Weine aus eingetrockneten Trauben. Aus dieser Technik ist der historisch süße Recioto hervorgegangen, aus dem sich später der trockene Amarone entwickelte. Der Amarone gilt als vergleichsweise junger Wein, der erst im 20. Jahrhundert unter diesem Namen bekannt wurde.
Klima und Böden begünstigen den Rotweinbau. Die Nähe zum Gardasee mildert die Temperaturen, die Hanglagen sorgen für kühle Nächte und gute Belüftung, was für die spätere Traubentrocknung wichtig ist. Die Böden reichen von kalkhaltigen Verwitterungsböden in den höheren Lagen bis zu tonigeren Böden in der Ebene. Verona ist bis heute das wirtschaftliche Zentrum der Region und Austragungsort der Vinitaly, einer der größten Weinmessen der Welt.
Der Charakter des Valpolicella wird von einer festen Gruppe autochthoner Rebsorten geprägt. Rückgrat jeder Cuvée ist die Corvina, die dem Wein Frucht, Säure und typische Aromen nach Sauerkirsche beisteuert. Ergänzt wird sie durch den Corvinone, eine eigenständige Sorte mit größeren Beeren und kräftigerem Gerbstoff, sowie durch die Rondinella, die für Farbe und Ertragssicherheit sorgt. Weitere lokale Sorten wie die Molinara sind zugelassen, sie war früher Pflichtbestandteil und ist heute nur noch optionaler Verschnittpartner. Für Weißwein ist das Gebiet nicht bekannt, es geht durchweg um Rotwein.
Entscheidend für die Vielfalt der Valpolicella-Weine ist weniger die Rebsorte als die Art der Verarbeitung. Der Basiswein wird wie ein klassischer Rotwein aus frisch gelesenen Trauben vergoren. Für die konzentrierten Typen kommt dagegen die Appassimento zum Einsatz, das kontrollierte Trocknen der Trauben. Dabei werden gesunde Beeren nach der Lese auf Holzhorden, Rohrmatten oder in Kisten in luftigen Trockenräumen für mehrere Wochen bis Monate gelagert. Die Trauben verlieren dabei einen erheblichen Teil ihres Wassers, Zucker und Aromen konzentrieren sich. Erst danach werden sie gepresst und vergoren, was zu deutlich höherem Alkohol und dichterer Struktur führt.
Eine Sonderstellung nimmt der Ripasso ein. Für ihn wird ein bereits fertiger Valpolicella über den noch warmen Trester von Amarone oder Recioto gegeben und ein zweites Mal zur Gärung gebracht. Dieser Wein gewinnt dadurch Farbe, Alkohol und Extrakt, ohne die volle Konzentration eines Amarone zu erreichen. Der Ripasso wird deshalb oft als kleiner Bruder des Amarone bezeichnet.
In der Praxis lassen sich vier Ausbaustufen unterscheiden. Der einfache Valpolicella ist ein leichter, fruchtiger Rotwein mit moderatem Alkohol, gedacht als unkomplizierter Speisebegleiter. Als Superiore erreicht er etwas mehr Alkohol und eine kurze Reifezeit. Der Ripasso steht in der Mitte, mit mehr Körper und würziger Tiefe. An der Spitze steht der Amarone della Valpolicella, ein kräftiger, trockener Wein mit hohem Alkoholgehalt und langer Reife, sowie der süße Recioto della Valpolicella, ein Dessertwein aus getrockneten Trauben, bei dem die Gärung vor dem vollständigen Zuckerabbau gestoppt wird.
Zum Trinken empfiehlt sich beim leichten Valpolicella eine Temperatur von etwa 14 bis 16 Grad, leicht gekühlt betont das die frische Kirschfrucht. Kräftigere Typen wie Ripasso und Amarone werden wärmer serviert, meist um 16 bis 18 Grad. Der einfache Valpolicella passt zu Pizza, Pasta mit Tomatensugo, gegrilltem Gemüse und jungen bis mittelreifen Käsesorten. Ripasso und Amarone verlangen kräftigere Begleiter, etwa geschmortes Rind, Wild, reifen Hartkäse oder das regionale Risotto all'Amarone. Der süße Recioto begleitet klassisch Mandelgebäck und Schokoladendesserts.
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
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Herkunft |
Hügelland nördlich von Verona, Region Venetien |
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Art/Typ |
Rotwein, in vier Stufen von leicht bis konzentriert (Valpolicella, Ripasso, Amarone, Recioto) |
| Rebsorten | Corvina, Corvinone, Rondinella, ergänzend Molinara und weitere lokale Sorten |
| Schutzstatus | Valpolicella und Ripasso DOC, Amarone und Recioto DOCG |
| Besonderheit | Appassimento (Trocknung der Trauben) für Amarone und Recioto, Ripasso-Verfahren über dem Trester |
| Passt zu / Serviertemperatur | Basiswein zu Pizza, Pasta, jungem Käse bei 14 bis 16 Grad; kräftige Typen zu Schmorgerichten und Wild bei 16 bis 18 Grad |
Valpolicella ist ein Rotwein-Anbaugebiet nördlich von Verona in der Region Venetien und zugleich die Bezeichnung der dort erzeugten Rotweine. Aus den Rebsorten Corvina, Corvinone und Rondinella entstehen mehrere Weintypen vom leichten Alltagswein bis zum kräftigen Amarone.
Hauptsorte ist die Corvina, die für Frucht und Säure sorgt. Dazu kommen Corvinone mit mehr Struktur und Rondinella für Farbe. Weitere lokale Sorten wie die Molinara sind erlaubt, sind aber heute nicht mehr vorgeschrieben.
Der einfache Valpolicella wird aus frischen Trauben vergoren und ist leicht und fruchtig. Für den Ripasso wird dieser Wein ein zweites Mal über den Trester von Amarone oder Recioto vergoren und gewinnt an Körper. Der Amarone entsteht aus getrockneten Trauben (Appassimento) und ist deutlich kräftiger, dichter und alkoholreicher.
Den leichten Valpolicella serviert man bei etwa 14 bis 16 Grad zu Pizza, Pasta mit Tomatensauce und jungem Käse. Kräftige Typen wie Ripasso und Amarone kommen wärmer bei 16 bis 18 Grad ins Glas und passen zu Schmorgerichten, Wild und reifem Hartkäse. In Verona und im Anbaugebiet lässt sich die ganze Bandbreite bei Weinproben verkosten.
Wer sich in die Weine der Region einlesen möchte, findet einen guten Einstieg über die Weinlandschaft der Region Venetien und die Stadt Verona als ihr Zentrum. Vertieft geht es im eigenen Beitrag zum Amarone weiter, dem konzentrierten Aushängeschild der Valpolicella-Familie.
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Bildnachweis: Foto „Corvina bunches in august valpolicella region“ von Jonathanischoice, Lizenz CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.