La Maddalena
Region Sardinien

La Maddalena

Felsige Inselwelt an der Straße von Bonifacio

Vor der Nordostküste Sardiniens, dort wo die Straße von Bonifacio Sardinien von Korsika trennt, liegt der Archipel von La Maddalena: sieben Hauptinseln und je nach Zählung rund 60 kleinere Inseln und Felseneilande aus rosa schimmerndem Granit. Seit 1994 steht die gesamte Inselgruppe als Parco Nazionale dell'Arcipelago di La Maddalena unter Schutz, es war der erste Nationalpark Sardiniens. Das Schutzgebiet umfasst über 20.000 Hektar Land- und Meeresfläche mit etwa 180 Kilometern Küstenlinie. Bewohnt ist im Wesentlichen nur die Hauptinsel La Maddalena mit dem gleichnamigen Hafenstädtchen, in dem gut 10.000 Menschen leben. Die Nachbarinsel Caprera ist über einen Damm mit dem Auto erreichbar, alle übrigen Inseln des Archipels lassen sich nur per Boot besuchen. Genau das macht den Reiz aus: Wer hier...
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Vor der Nordostküste Sardiniens, dort wo die Straße von Bonifacio Sardinien von Korsika trennt, liegt der Archipel von La Maddalena: sieben Hauptinseln und je nach Zählung rund 60 kleinere Inseln und Felseneilande aus rosa schimmerndem Granit. Seit 1994 steht die gesamte Inselgruppe als Parco Nazionale dell'Arcipelago di La Maddalena unter Schutz, es war der erste Nationalpark Sardiniens. Das Schutzgebiet umfasst über 20.000 Hektar Land- und Meeresfläche mit etwa 180 Kilometern Küstenlinie.

Bewohnt ist im Wesentlichen nur die Hauptinsel La Maddalena mit dem gleichnamigen Hafenstädtchen, in dem gut 10.000 Menschen leben. Die Nachbarinsel Caprera ist über einen Damm mit dem Auto erreichbar, alle übrigen Inseln des Archipels lassen sich nur per Boot besuchen. Genau das macht den Reiz aus: Wer hier Urlaub macht, pendelt zwischen Gassenbummel im Hafenort, Badebuchten mit türkisfarbenem Wasser und Bootstouren zu Stränden, die zu den schönsten des Mittelmeers gezählt werden.

Erreicht wird die Insel ganzjährig mit der Autofähre ab Palau. Die Überfahrt dauert nur 15 bis 20 Minuten, tagsüber legen die Schiffe im dichten Takt ab. La Maddalena eignet sich deshalb sowohl als Standort für einen ganzen Urlaub als auch als Tagesausflug von der Costa Smeralda oder aus Santa Teresa Gallura.

Nationalpark seit 1994: Was Besucher wissen sollten

Der Nationalpark wurde mit Gesetz vom 4. Januar 1994 eingerichtet und schützt neben den sieben Hauptinseln La Maddalena, Caprera, Santo Stefano, Spargi, Budelli, Santa Maria und Razzoli auch die umliegenden Gewässer. Die Granitfelsen des Archipels wurden von Wind und Salz zu bizarren Formen geschliffen, dazwischen wächst dichte Macchia aus Wacholder, Myrte, Rosmarin und Zistrosen. In den Gewässern der Straße von Bonifacio leben Zackenbarsche und Meerbarben, am Meeresgrund wachsen ausgedehnte Seegraswiesen, die das Wasser klar halten und vielen Arten als Kinderstube dienen. Die Inselwelt ist außerdem Rast- und Brutgebiet zahlreicher Seevögel, darunter Korallenmöwen und Krähenscharben. Die Größenverhältnisse sind überschaubar: Die Hauptinsel misst rund 20 Quadratkilometer, Caprera knapp 16, die übrigen Inseln sind deutlich kleiner und unbewohnt.

Der Schutzstatus hat praktische Folgen. Wer mit einem eigenen oder gemieteten Boot in die Gewässer des Parks fährt, braucht eine kostenpflichtige Genehmigung der Parkverwaltung. Die Gebühr richtet sich nach Bootslänge und Aufenthaltsdauer und lässt sich online über die offizielle Seite lamaddalenapark.it kaufen. Ankern ist nur in ausgewiesenen Bereichen erlaubt, Seegraswiesen sind tabu. Einzelne Strände unterliegen Sonderregeln, dazu unten mehr. Für organisierte Bootsausflüge müssen sich Gäste um nichts kümmern, dort sind die Parkgebühren im Preis enthalten.

Der Hauptort La Maddalena

Das Städtchen La Maddalena wurde im 18. Jahrhundert von Hirten- und Fischerfamilien besiedelt, die überwiegend von der nahen Insel Korsika stammten, was sich bis heute im lokalen Dialekt und in der Küche niederschlägt. Der Ort schmiegt sich um den alten Hafen Cala Gavetta, in dem heute Fischerboote neben Segelyachten liegen. Vom Hafen aus führen die Gassen des Centro storico hinauf zur Piazza Umberto I und zur Kirche Santa Maria Maddalena. Dort werden zwei silberne Leuchter und ein Kruzifix aufbewahrt, ein Geschenk des britischen Admirals Horatio Nelson, dessen Flotte zwischen 1803 und 1805 immer wieder vor der Insel ankerte. Rund um die Fußgängerzone der Via Garibaldi reihen sich Bars, Eisdielen und Restaurants, die sardische Küche mit spürbar korsischen Einflüssen servieren.

Abends füllt sich der Ort mit Leben, denn anders als viele reine Badeziele ist La Maddalena eine gewachsene Kleinstadt mit ganzjährig geöffneten Geschäften. Sehenswert ist auch das Hafenpanorama von der Mole aus: Gegenüber liegt die Insel Santo Stefano, dahinter zieht sich die sardische Küste von Palau bis zum Kegel des Capo d'Orso. Wer die Insel ohne Auto besucht, kommt gut zurecht, denn Linienbusse verbinden den Ort mit den wichtigsten Stränden, außerdem lassen sich Fahrräder und Roller mieten.

Strände auf der Hauptinsel

Eine rund 20 Kilometer lange Panoramastraße führt einmal um die Hauptinsel und erschließt die meisten Strände. Im Nordwesten liegt die Spiaggia Bassa Trinita, ein heller Sandstrand mit flach abfallendem Wasser, der zu den beliebtesten der Insel gehört. An der Ostküste bietet die Cala Spalmatore eine windgeschützte Bucht zwischen Granitfelsen, die auch zum Schnorcheln taugt. Im Südwesten erstreckt sich bei Punta Tegge ein flaches Ufer mit rötlichen Felsplatten und Blick auf die Abendsonne, im Norden lockt der Sandbogen von Monte d'a Rena.

Gerade im Juli und August sind die mit dem Auto erreichbaren Strände gut besucht, denn zu den Urlaubern kommen Tagesgäste von der Fähre. Wer Ruhe sucht, weicht auf die Buchten aus, die nur zu Fuß über kurze Pfade durch die Macchia erreichbar sind, oder plant den Strandtag für den frühen Morgen. Einen Überblick über weitere Küstenziele der Region gibt unsere Übersicht der Strände Sardiniens.

Caprera: Garibaldis Insel

Ein rund 600 Meter langer Damm, der Passo della Moneta, verbindet die Hauptinsel mit Caprera, der zweitgrößten Insel des Archipels. Caprera ist nahezu unbebaut und steht komplett unter Naturschutz, berühmt wurde sie durch ihren prominentesten Bewohner: Giuseppe Garibaldi, die zentrale Figur der italienischen Einigung, lebte hier seine letzten 26 Jahre und starb am 2. Juni 1882 auf der Insel. Sein weißes Wohnhaus, die Casa Bianca, ist heute Teil des Compendio Garibaldino, eines Museums mit originalem Mobiliar, persönlichen Gegenständen und dem Grab Garibaldis im Garten. Das 1976 eröffnete Haus zählt zu den meistbesuchten Museen Sardiniens.

Wenige Kilometer entfernt wurde 2012 im Forte Arbuticci, einer Festungsanlage aus dem späten 19. Jahrhundert, das Memoriale Giuseppe Garibaldi eingerichtet. Die moderne Ausstellung ordnet Garibaldis Leben zwischen Südamerika, dem Zug der Tausend und dem Alterssitz auf Caprera ein, von der Anhöhe reicht der Blick weit über den Archipel. Seglern ist Caprera außerdem ein Begriff, weil hier seit 1967 das Centro Velico Caprera arbeitet, eine der bekanntesten Segelschulen Italiens.

Die berühmteste Bucht der Insel ist die Cala Coticcio an der Ostküste, wegen ihres türkisfarbenen Wassers auch "Tahiti" genannt. Der Zugang über Land ist inzwischen streng reglementiert: Die Wanderung dorthin ist nur in Begleitung zertifizierter Führer erlaubt, die Besucherzahl ist auf wenige Dutzend Personen pro Tag begrenzt, und pro Person fällt eine kleine Parkgebühr an. Plätze sollten in der Hochsaison mehrere Wochen im Voraus gebucht werden. Alternativ lässt sich die Bucht vom Wasser aus bewundern, viele Bootstouren halten davor zum Badestopp.

Bootstour durch den Archipel

Die klassische Art, den Nationalpark zu erleben, ist eine ganztägige Bootstour. Ausgangspunkte sind der Hafen von La Maddalena und Palau auf der sardischen Seite, angeboten werden Sammeltouren auf Motorschiffen ebenso wie kleine Gruppen auf Schlauchbooten und Segeltörns. Die üblichen Routen führen zur Cala Corsara auf Spargi, einer weißen Sandbucht mit auffällig geformten Granitfelsen, weiter zu den Naturhäfen zwischen Budelli, Razzoli und Santa Maria und zurück entlang der Küste von Caprera. Badestopps in zwei bis drei Buchten gehören ebenso dazu wie ein Blick auf die Leuchttürme an der Straße von Bonifacio. Die Saison für die Ausflüge reicht ungefähr von April bis Oktober, gestartet wird meist am Vormittag, zurück geht es am späten Nachmittag, auf vielen Touren ist ein einfaches Mittagessen an Bord enthalten. In der Hochsaison lohnt es sich, Plätze einige Tage im Voraus zu reservieren.

Ein Sonderfall ist die Spiaggia Rosa auf Budelli. Ihr rosafarbener Sand entsteht aus den zerriebenen Kalkschalen winziger Meeresorganismen, jahrzehntelang füllten Touristen ihn flaschenweise als Souvenir ab. Seit 1998 ist das Betreten des Strandes deshalb komplett verboten, auch Ankern und Schwimmen unmittelbar davor sind untersagt. Verstöße werden mit empfindlichen Geldstrafen geahndet, die Parkaufsicht kontrolliert regelmäßig. Bootstouren fahren dennoch an der Bucht vorbei, denn der rosa Schimmer des Strandes ist auch vom Wasser aus gut zu erkennen. Wer selbst tauchen möchte, findet in der Region mehrere Stützpunkte, eine Übersicht bieten die Tauchschulen auf Sardinien.

Von Nelson bis zur US Navy: Geschichte einer strategischen Insel

Die Lage an der Meerenge zwischen Sardinien und Korsika machte den Archipel über Jahrhunderte zum militärischen Schauplatz. 1767 nahm das Königreich Sardinien-Piemont die Inseln in Besitz und baute La Maddalena zum Marinestützpunkt aus. 1793 scheiterte ein Angriff französischer Truppen, an dem ein junger Artillerieoffizier namens Napoleon Bonaparte beteiligt war, an der Gegenwehr der Inselbewohner um den Steuermann Domenico Millelire. Wenige Jahre später nutzte Admiral Nelson die geschützten Gewässer als Basis seiner Mittelmeerflotte. Aus all diesen Epochen sind Festungswerke erhalten, die heute Wanderziele mit Aussicht sind.

Auch die jüngere Geschichte war militärisch geprägt: Von 1972 bis 2008 unterhielt die US Navy auf der vorgelagerten Insel Santo Stefano einen Stützpunkt für U-Boote samt Versorgungsschiffen. Erst mit dem Abzug der Amerikaner endete die militärische Nutzung weitgehend, seither setzt die Inselgemeinde ganz auf Tourismus und Nationalpark. Wer sich für die Geschichte interessiert, findet im Hauptort das Marinemuseum Nino Lamboglia. Sein wichtigstes Exponat stammt aus der Antike: die Ladung eines römischen Handelsschiffs aus dem 2. Jahrhundert vor Christus, das vor der Insel Spargi gesunken war und mit Hunderten Amphoren geborgen wurde.

Anreise und beste Reisezeit

Ausgangspunkt für die Anreise ist Palau im Norden Sardiniens. Der nächstgelegene Flughafen ist Olbia, rund 40 Kilometer entfernt und von vielen deutschen Städten aus direkt angeflogen. Vom Flughafen fahren Mietwagen und Busse nach Palau, von dort setzen die Autofähren von Delcomar und Maddalena Lines ganzjährig über. Die Überfahrt dauert 15 bis 20 Minuten, tagsüber gibt es mehrere Abfahrten pro Stunde, nachts verkehrt ein ausgedünnter Takt. Eine Reservierung ist meist nicht nötig, in der Hochsaison muss man mit dem Auto aber Wartezeiten einplanen. Wer mit der Fähre vom Festland kommt, nutzt die Häfen Olbia oder Golfo Aranci und fährt von dort über Arzachena nach Palau.

Die beste Reisezeit für Badeurlaub reicht von Juni bis September, das Meer bleibt oft bis in den Oktober angenehm warm. Juli und August sind die vollsten Monate, dann sind Bootstouren und Fähren stark ausgelastet und die Preise am höchsten. Als ideale Fenster gelten Ende Mai bis Ende Juni sowie der September: warmes Wasser, freie Strände, mildere Preise. Im Frühjahr blüht die Macchia und macht den Archipel zum Wanderziel, allerdings kann der Mistral zu jeder Jahreszeit kräftig wehen und Bootsausflüge kurzfristig ausfallen lassen. Wer den Aufenthalt verlängern möchte, kombiniert La Maddalena gut mit den Granitlandschaften am Capo Testa oder einem Abstecher in die mondänen Häfen von Porto Cervo.

Über den Autor

Jürgen Lex

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Weingüter

Jürgens Liebe zu Italien begann bereits in der Kindheit mit den alljährlichen Ferien in Lido di Jesolo. Seither hat er das Land von den Dolomiten bis in den tiefen Süden bereist, doch seine Neugier ist bis heute ungebrochen. Abseits der bekannten Routen entdeckt er immer wieder neue Lieblingsorte. Und an einem interessanten Weingut führt für ihn kaum ein Weg vorbei.

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La Maddalena: Häufige Fragen

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Wann ist die beste Reisezeit für La Maddalena?
Am angenehmsten sind März bis Mai sowie Oktober bis November. Im Hochsommer erreichen die Tageshöchstwerte bis zu 31 Grad, der Winter fällt ruhiger und kühler aus.
Wie warm wird es auf La Maddalena?
Im Hochsommer erreichen die Tageshöchstwerte rund 31 Grad, im Winter bleibt es mit etwa 14 Grad deutlich kühler. Am angenehmsten für Wanderungen und Ausflüge sind die milderen Monate im Frühling und Herbst.

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