Am Rand der Altstadt von L'Aquila, auf einer Wiese außerhalb der Mauern, steht die Kirche, die die Stadt am meisten liebt. Die Fassade von Santa Maria di Collemaggio ist ein Teppich aus rosa und weißem Stein, in geometrischen Mustern verlegt, mit drei Portalen und drei Rosetten, breit und ruhig, ohne Turm. Sie ist das Wahrzeichen der Abruzzen und die Kirche eines Papstes, der nur fünf Monate im Amt blieb und trotzdem jedes Jahr Zehntausende hierherbringt.
Pietro da Morrone, ein Eremit aus den Bergen der Maiella, gründete das Kloster 1287. Sieben Jahre später wählten ihn die Kardinäle nach zwei Jahren Sedisvakanz zum Papst, und er ließ sich am 29. August 1294 in seiner eigenen Kirche zu Coelestin V. krönen. Vor Tausenden verkündete er einen vollständigen Ablass für alle, die die Kirche an diesem Tag reuig betreten, die Perdonanza. Nach fünf Monaten trat er zurück, als erster Papst aus freien Stücken, und starb 1296 als Gefangener seines Nachfolgers. In Dantes Inferno wird meist er in dem Schatten erkannt, der aus Feigheit die große Verweigerung beging; die Kirche sprach ihn 1313 heilig.
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Die Perdonanza Celestiniana wird seit 1294 jedes Jahr gefeiert, älter als das Heilige Jahr in Rom, das erst 1300 eingeführt wurde. Am Abend des 28. August zieht ein Festzug in Kostümen des Mittelalters durch L'Aquila zur Basilika, der Kardinal öffnet mit einem Olivenzweig die Heilige Pforte an der Seitenfassade, die älteste der Christenheit, und bis zum Abend des 29. August gehen die Pilger hindurch. 2019 nahm die UNESCO das Fest in die Liste des immateriellen Kulturerbes auf. Wer in diesen Tagen in L'Aquila ist, erlebt die Stadt im Ausnahmezustand, mit Konzerten, Prozessionen und einer Kirche, die die ganze Nacht offen bleibt.
Innen ist die Basilika ein dreischiffiger Bau von 90 Metern Länge, romanisch in den Grundzügen, gotisch in den Spitzbögen, mit einem Boden aus rosa und weißem Stein, der das Muster der Fassade wiederholt. Die Barockausstattung, die den Raum über Jahrhunderte gefüllt hatte, wurde in den 1970er Jahren entfernt, seither ist die Kirche wieder so karg und hell wie im Mittelalter. Im rechten Seitenschiff steht das Mausoleum Coelestins, 1517 von Girolamo da Vicenza aus weißem Marmor geschaffen, in dem die Gebeine des Papstes ruhen. An den Wänden haben sich Fresken des 15. Jahrhunderts erhalten.
Am 6. April 2009 stürzten beim Erdbeben von L'Aquila die Vierung und Teile des Querhauses ein, die Kuppel brach, die Orgel wurde zerstört. Acht Jahre lang war die Basilika eine Baustelle, finanziert vom Energiekonzern Eni und begleitet von drei Universitäten, die den Wiederaufbau mit erdbebensicheren Techniken planten. Am 20. Dezember 2017 wurde sie wieder geöffnet, und 2020 erhielt die Restaurierung den Europäischen Kulturerbepreis. Wer die Kirche heute betritt, sieht die neuen Pfeiler der Vierung, bewusst in hellerem Stein, damit der Bruch sichtbar bleibt.
Die Basilika ist täglich geöffnet, der Eintritt ist frei; während der Messen ruht die Besichtigung. Die Wiese vor der Fassade ist ein Park, von dem aus der ganze Bau zu überblicken ist, am besten am Nachmittag, wenn die Sonne auf den rosafarbenen Stein fällt. Zur Altstadt mit dem Dom, der Piazza del Duomo und der Fontana delle 99 Cannelle, dem Brunnen mit 99 Wasserspeiern, sind es 15 Minuten zu Fuß. Ein Besuch von L'Aquila ist auch ein Gang durch eine Stadt, die nach dem Beben mühsam wieder aufgebaut wird; viele Palazzi sind fertig, andere stehen noch im Gerüst.
L'Aquila liegt am Fuß des Gran Sasso. In 30 Minuten bist du auf der Hochebene Campo Imperatore, in 20 Minuten in den Grotte di Stiffe mit ihrem unterirdischen Fluss. Die Burgruine Rocca Calascio und das Dorf Santo Stefano di Sessanio liegen eine Dreiviertelstunde östlich. Die Adria bei Pescara ist über die Autobahn A25 in einer Stunde erreicht.
Mit dem Auto über die A24 aus Rom (rund 90 Minuten) oder die A25 von Pescara, Ausfahrt L'Aquila Est. Die Basilika liegt am östlichen Stadtrand an der Via Collemaggio, Parkplätze gibt es direkt am Park. Bahnverbindungen nach L'Aquila sind langsam, schneller sind die Fernbusse ab Rom Tiburtina, die in gut anderthalb Stunden am Busbahnhof Collemaggio halten, wenige Schritte von der Kirche.
Die Fassade aus rosa und weißem Stein, die Krönung Papst Coelestins V. hier im Jahr 1294 und die Perdonanza mit der ältesten Heiligen Pforte der Christenheit. Die Basilika ist das Wahrzeichen der Abruzzen.
Jedes Jahr am 28. und 29. August. Am Abend des 28. wird die Heilige Pforte geöffnet, bis zum Abend des 29. ziehen die Pilger hindurch. Seit 2019 ist das Fest immaterielles UNESCO-Kulturerbe.
Ja, seit dem 20. Dezember 2017. Vierung und Querhaus wurden erdbebensicher neu aufgebaut, die Restaurierung erhielt 2020 den Europäischen Kulturerbepreis.
Nein, die Basilika ist frei zugänglich und täglich geöffnet, außer während der Gottesdienste.
Pietro da Morrone, ein Eremit aus den Abruzzen, der 1294 zum Papst gewählt wurde und nach fünf Monaten zurücktrat. Er gründete die Kirche 1287 und ist im Mausoleum im rechten Seitenschiff begraben.
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