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Kaum eine Sehenswürdigkeit steht so sehr für die Insel Capri wie die Blaue Grotte. Die Grotta Azzurra, wie sie auf Italienisch heißt, ist eine Meereshöhle an der Nordwestküste der Insel, deren Inneres in einem tiefen, leuchtenden Blau erstrahlt. Das Licht wirkt so unwirklich, dass die Höhle über Jahrhunderte hinweg als verzaubert galt und heute zu den meistfotografierten Naturschauplätzen des Golfs von Neapel gehört.
Der Reiz der Grotte liegt in einer Mischung aus Naturphänomen und Zugangsritual. Wer sie besuchen will, muss vom Meer aus in ein kleines Ruderboot umsteigen und sich flach hinlegen, um durch den niedrigen Felsspalt zu gelangen. Erst im Inneren öffnet sich der Blick auf das blaue Leuchten, das aus dem Wasser selbst zu kommen scheint.
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Der folgende Überblick erklärt, wie das Licht entsteht, welche Geschichte die Grotte hat, wie der Besuch abläuft und was bei der Anreise und der Wahl des Zeitpunkts zu beachten ist.
Das intensive Blau der Grotte ist kein Zufall, sondern das Ergebnis der besonderen Bauweise des Felsens. Der sichtbare Eingang über der Wasseroberfläche ist nur etwa zwei Meter breit und bei niedrigem Wasserstand rund einen Meter hoch. Unterhalb dieses Eingangs liegt jedoch eine deutlich größere Öffnung unter Wasser, die vom Meer nach innen führt.
Durch diese untergetauchte Öffnung dringt das Sonnenlicht in die Höhle ein. Auf seinem Weg durch das Meerwasser werden die roten und gelben Anteile des Lichts herausgefiltert, sodass fast nur noch der blaue Anteil in die Grotte gelangt. Dieses blaue Licht breitet sich im Wasser aus und lässt den gesamten Innenraum in einem satten Azurton leuchten.
Ein zweiter Effekt kommt hinzu: Gegenstände, die ins Wasser getaucht werden, erscheinen silbrig glänzend. Grund sind winzige Luftbläschen, die das Licht anders brechen als das umgebende Wasser. Wer eine Hand oder ein Ruder ins Meer hält, sieht sie deshalb wie mit Silber überzogen. Am kräftigsten ist das Blau, wenn die Sonne hoch steht und der Himmel klar ist, also in den Mittagsstunden bei ruhiger See.
Die Blaue Grotte liegt an der Nordwestküste von Capri, unweit des Höhenortes Anacapri. Vom Wasser aus ist der Eingang leicht zu übersehen, denn er ist nur ein schmaler Spalt in der steil aufragenden Felswand. Hinter diesem unscheinbaren Zugang öffnet sich ein Hohlraum von rund 50 bis 60 Metern Länge und etwa 25 Metern Breite.
Die Höhle reicht tief in den Fels hinein, und das Wasser darin ist an manchen Stellen sehr tief. Die Decke wölbt sich einige Meter über der Wasseroberfläche, sodass im Inneren ausreichend Platz für die Ruderboote bleibt. Der helle, sandige Grund verstärkt das blaue Leuchten, weil er das einfallende Licht zusätzlich nach oben wirft. Geologisch gehört die Grotta Azzurra zu einer Reihe von Meereshöhlen, die das Wasser über lange Zeiträume in die Kalkfelsen der Insel gearbeitet hat.
Die Blaue Grotte war schon in der Antike bekannt. Kaiser Tiberius, der sich in seinen letzten Lebensjahren auf Capri niederließ, ließ oberhalb der Küste bei der Grotte eine Villa errichten, die Villa Damecuta. Die Höhle diente ihm der Überlieferung nach als eine Art privates Meeresbad. Die Römer schätzten solche Grotten als kühle, stimmungsvolle Orte und richteten sie mitunter als Nymphäen ein, also als Anlagen zu Ehren der Quell- und Wassergottheiten.
Dass die Grotte in römischer Zeit eine Rolle spielte, belegen Statuenfunde. Auf dem Grund der Höhle wurden Skulpturen der Meeresgötter geborgen, darunter Figuren, die Neptun und Triton zugeordnet werden. Weitere Statuensockel kamen bei späteren Untersuchungen hinzu. Ein Teil dieser Funde ist heute in Anacapri zu sehen. Sie deuten darauf hin, dass die Grotte einst kunstvoll ausgestattet war und nicht nur als Badeplatz, sondern auch als geweihter Ort genutzt wurde.
Nach dem Ende der römischen Zeit geriet die Grotte in Vergessenheit. Die Bewohner der Insel mieden sie über Generationen, weil ihnen der dunkle Eingang unheimlich war. Erzählungen von bösen Geistern und Ungeheuern hielten sich hartnäckig, und so blieb die Höhle lange Zeit ein gemiedener Ort am Rand der Insel.
Das änderte sich im Jahr 1826. Der deutsche Schriftsteller August Kopisch und der Maler Ernst Fries ließen sich von einem einheimischen Fischer zu der Höhle bringen und schwammen hinein. Kopisch hielt das Erlebnis in seinen Aufzeichnungen fest und machte die Grotte so einem breiten Publikum bekannt. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich die Grotta Azzurra rasch zu einem festen Ziel der Bildungsreisenden des 19. Jahrhunderts. Künstler, Dichter und wohlhabende Touristen kamen nach Capri, und der Zustrom hält bis heute an.
Der Besuch der Blauen Grotte folgt einem festen Ablauf, der sich seit Langem kaum verändert hat. Größere Motorboote bringen die Gäste von der Marina Grande, dem Haupthafen von Capri, bis vor den Eingang der Grotte. Dort ankern sie im offenen Wasser, denn hineinfahren können nur die traditionellen Ruderboote, die eigens für diesen Zweck vor der Höhle warten.
Am Eingang steigen die Besucher in eines dieser kleinen Boote um, in dem neben dem Ruderer meist zwei bis vier Gäste Platz finden. Weil der Felsspalt so niedrig ist, müssen sich alle im Boot flach hinlegen, sobald die Einfahrt bevorsteht. Der Ruderer zieht das Boot dann an einer im Fels verankerten Kette durch die Öffnung und passt den Moment genau zwischen zwei Wellen ab. Wenige Sekunden später gleitet er das Boot in den Innenraum, wo sich das blaue Licht auftut. Der Aufenthalt in der Grotte dauert nur wenige Minuten, in denen der Ruderer eine kurze Runde dreht.
Die Ruderer der Blauen Grotte bilden eine eigene, seit Generationen bestehende Zunft. Sie kennen die See vor dem Eingang genau und beurteilen von Fall zu Fall, ob eine Einfahrt möglich ist. Ein kleines Trinkgeld für den Ruderer ist üblich und wird gern gesehen, auch wenn es nicht verpflichtend ist.
Für den Besuch fällt eine Gebühr an, die sich aus dem Eintritt in die Grotte und der Fahrt im Ruderboot zusammensetzt. Die genauen Beträge werden vor Ort erhoben und können sich von Saison zu Saison ändern, weshalb es sinnvoll ist, die aktuellen Preise kurz vor der Reise zu prüfen. Hinzu kommt in vielen Fällen der Preis für das Motorboot oder die Rundfahrt, mit der man überhaupt zum Eingang gelangt.
Wer den Andrang scheut, sollte die Wartezeit einplanen. Vor allem in den Sommermonaten sammeln sich viele Boote vor dem Eingang, und Wartezeiten von über einer Stunde sind keine Seltenheit. Früh am Vormittag oder am späteren Nachmittag ist der Betrieb oft ruhiger. Da immer nur wenige Ruderboote gleichzeitig einfahren dürfen, lässt sich der Ablauf grundsätzlich nicht beschleunigen.
Die Blaue Grotte ist die bekannteste, aber nicht die einzige Höhle der Insel. Rund um Capri liegen mehrere Meeresgrotten, die bei einer Bootsrundfahrt angesteuert werden. Die Grüne Grotte, die Grotta Verde, verdankt ihren Namen einem grünlichen Schimmer, der durch das einfallende Licht entsteht. Die Weiße Grotte, die Grotta Bianca, zeigt helle Kalkformationen im Inneren.
Diese Höhlen liegen an der Süd- und Ostseite der Insel und werden meist im Rahmen einer Umrundung Capris besucht. Sie sind weniger überlaufen als die Grotta Azzurra und lassen sich oft ohne Umstieg vom Boot aus betrachten. Wer Zeit hat, kombiniert den Besuch der Blauen Grotte gut mit einer Inselrundfahrt, die auch an den berühmten Faraglioni-Felsen und an markanten Bauwerken wie der Villa Malaparte vorbeiführt. Auch die kaiserliche Villa Jovis im Osten der Insel erinnert an die römische Vergangenheit, die schon die Blaue Grotte prägte.
Capri liegt im Golf von Neapel und ist nicht mit dem Auto erreichbar. Von Neapel und von Sorrent aus verkehren regelmäßig Fähren und schnelle Tragflügelboote zur Insel. Von der Amalfiküste gibt es in der Saison ebenfalls Bootsverbindungen. Die Überfahrt endet an der Marina Grande, von wo aus die Boote zur Grotta Azzurra starten.
Zur Grotte selbst gibt es zwei Wege. Am bequemsten ist die Fahrt mit dem Boot direkt von der Marina Grande. Alternativ lässt sich der Eingang von Anacapri aus über Land erreichen, per Bus oder zu Fuß bis zur Küste, wo man dann auf ein Ruderboot umsteigt. Der Landweg spart die Motorbootfahrt, führt aber ebenfalls zum selben Umstieg am Eingang.
Die beste Reisezeit richtet sich vor allem nach dem Wetter, denn die Grotte ist stark von der See abhängig. Bei Seegang, starkem Wind oder hohem Wasserstand bleibt der niedrige Eingang unpassierbar, und die Höhle wird aus Sicherheitsgründen geschlossen. Solche Sperrungen kommen außerhalb der ruhigen Sommermonate häufig vor und lassen sich nicht vorhersagen. Wer sicher hineinkommen möchte, plant den Besuch am besten für einen windstillen Tag zwischen spätem Frühjahr und Frühherbst ein und wählt die Mittagszeit, wenn das Blau am kräftigsten leuchtet. Wegen der Wetterabhängigkeit ist es ratsam, einen zeitlichen Puffer einzuplanen, damit ein geschlossener Tag nicht die einzige Gelegenheit bleibt. Die Region Kampanien bietet für solche Wartetage genügend weitere Ziele.
Das Sonnenlicht dringt durch eine große Öffnung unter dem Wasserspiegel in die Höhle ein. Auf dem Weg durch das Meerwasser werden die roten und gelben Lichtanteile herausgefiltert, sodass fast nur das blaue Licht übrig bleibt. Der helle Sandgrund verstärkt das Leuchten zusätzlich.
Der Eingang ist nur etwa einen Meter hoch, deshalb ist eine Einfahrt nur in kleinen Ruderbooten möglich. Alle Insassen müssen sich flach hinlegen, während der Ruderer das Boot an einer im Fels verankerten Kette durch den Spalt zieht. Die Fahrt im Inneren dauert nur wenige Minuten.
Für den Besuch fällt eine Gebühr für den Eintritt und die Ruderbootfahrt an, dazu meist der Preis für das Motorboot zum Eingang. Die genauen Beträge werden vor Ort erhoben und ändern sich je nach Saison, daher lohnt sich eine kurze Preisprüfung vor der Reise. Ein kleines Trinkgeld für den Ruderer ist üblich.
Die Grotte ist tagsüber geöffnet, solange die See ruhig ist. Bei Seegang, starkem Wind oder hohem Wasserstand wird der niedrige Eingang unpassierbar, und die Höhle bleibt aus Sicherheitsgründen geschlossen. Solche Sperrungen treten außerhalb der ruhigen Sommermonate oft auf und lassen sich nicht sicher vorhersagen.
Das Farbenspiel im Inneren ist ein seltenes Naturschauspiel und gilt vielen als Höhepunkt eines Capri-Besuchs. Wer den Andrang der Mittagsstunden meidet und einen ruhigen Seetag abwartet, wird mit einem eindrucksvollen Erlebnis belohnt. Wer wenig Zeit hat, sollte die möglichen Wartezeiten und Wetterrisiken einkalkulieren.
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Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: März bis Mai sowie Oktober bis November.
Tipp: Juli und August werden sehr heiß; Frühling und Herbst sind am angenehmsten.
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