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Casa di Giulietta
Verona, Venetien

Casa di Giulietta

Die Balkonszene aus Shakespeares Drama Romeo und Julia ist wohl jedem ein Begriff. Der Legende nach soll sie sich einst an der Casa di Giulietta in…

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Kaum ein Ort in Italien verbindet Weltliteratur und Massentourismus so eng wie die Casa di Giulietta in Verona, das sogenannte Haus der Julia. In einer engen Gasse der Altstadt drängen sich täglich Tausende Besucher in einen kleinen Innenhof, blicken zu einem steinernen Balkon hinauf und stellen sich vor, hier habe Julia auf Romeo gewartet. Der Ort lebt von Shakespeares Tragödie und von dem Wunsch vieler Reisender, der berühmtesten Liebesgeschichte der Weltliteratur einen greifbaren Schauplatz zu geben.

Wer die Casa di Giulietta besucht, sollte allerdings wissen, worauf er sich einlässt. Weder Julia noch Romeo haben jemals gelebt, und der vielfotografierte Balkon ist kein mittelalterliches Original, sondern eine Zutat des frühen 20. Jahrhunderts. Das mindert den Reiz des Hauses nicht, es hilft aber, die Kulisse als das zu sehen, was sie ist: ein geschickt inszenierter Erinnerungsort für eine erfundene Geschichte. Die folgenden Abschnitte erklären, was echt ist, was hinzugefügt wurde und wie sich der Besuch heute praktisch gestaltet.

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Die Casa liegt mitten im historischen Zentrum von Verona, in der Via Cappello, nur wenige Schritte von der Piazza delle Erbe und dem antiken Amphitheater entfernt. Sie gehört damit zu den Sehenswürdigkeiten, die sich fast beiläufig in einen Altstadtrundgang einfügen, auch wenn der Andrang vor dem schmalen Torbogen zu den beliebtesten Fotomotiven der Stadt gehört.

Was die Casa di Giulietta ist

Die Casa di Giulietta ist ein mittelalterliches Stadthaus aus dem 13. Jahrhundert, das im Laufe des 20. Jahrhunderts zum Denkmal für Shakespeares Julia umgestaltet wurde. Vom Ziegelbau mit den gotischen Spitzbogenfenstern gelangt man durch einen kurzen, dicht mit Graffiti bedeckten Torgang in einen kleinen Innenhof. Dort stehen die drei Elemente, die den Ruf des Hauses ausmachen: der Balkon an der Hoffassade, die Bronzestatue der Julia und die Mauern, an denen Besucher über Jahrzehnte Liebesbotschaften hinterlassen haben.

Im Inneren des Hauses ist ein kleines Museum eingerichtet. Es zeigt Fresken, Keramik, Truhen und Kostüme und stellt den Bezug zu den zahlreichen Verfilmungen und Bühnenfassungen des Stoffs her. Der Rundgang führt über mehrere Etagen bis zu jenem Raum, von dem aus man auf den Balkon hinaustreten kann. Die Casa ist also weniger ein authentisches Wohnhaus als eine Bühne, auf der die Stadt Verona die Geschichte von Romeo und Julia sichtbar macht.

Romeo und Julia sind literarische Figuren

Romeo und Julia haben nie gelebt. Sie sind Erfindungen der Literatur, und ihre Geschichte ist deutlich älter als Shakespeare. Der englische Dichter schrieb sein Drama gegen Ende des 16. Jahrhunderts, griff dabei aber auf ältere italienische Vorlagen zurück. Als entscheidend gilt die Novelle des Vicentiner Autors Luigi da Porto, der die Handlung um 1524 verfasste, sie in Verona ansiedelte und den Liebenden erstmals die Namen Romeo und Giulietta gab. Auch die verfeindeten Familien Montecchi und Cappelletti stammen aus dieser Fassung.

Da Porto stützte sich seinerseits auf frühere Erzählungen, unter anderem von Masuccio Salernitano. Wenig später baute Matteo Bandello den Stoff in seinen Novelle von 1554 weiter aus, und über französische und englische Übersetzungen gelangte er schließlich zu Shakespeare. Die Casa di Giulietta ist also kein historischer Tatort, sondern die räumliche Verankerung einer Literaturtradition, die sich über Jahrhunderte entwickelt hat. Wer sich für die frühen Wurzeln interessiert, findet in der Umgebung von Vicenza die Landschaft, in der da Porto seine Fassung niederschrieb.

Das Haus der Familie dal Cappello

Der reale Kern hinter der Legende ist ein mittelalterliches Anwesen, das über lange Zeit der Familie dal Cappello gehörte. Deren Name klingt an die literarischen Cappelletti und an das englische Capulet an, und genau diese Ähnlichkeit dürfte im 19. und frühen 20. Jahrhundert dazu geführt haben, dass man das Gebäude mit Julias Familie in Verbindung brachte. Ein Hinweis auf die einstigen Eigentümer findet sich bis heute in Form eines steinernen Huts, italienisch cappello, im Schlussstein des Torbogens.

Die Stadt Verona erwarb das Haus zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In den folgenden Jahrzehnten wurde es umfassend restauriert und dabei bewusst mittelalterlich überformt, um die gewünschte romantische Atmosphäre zu erzeugen. Verantwortlich war Antonio Avena, der damalige Direktor der Museen von Verona. Unter seiner Leitung entstand aus einem gewöhnlichen Altstadthaus die Kulisse, die Millionen Besucher heute als Casa di Giulietta kennen. Die gotischen Fenster und die Ziegelfassade sind teils historisch, teils im Sinne dieser Inszenierung ergänzt worden.

Der Balkon ist ein Anbau aus den 1930er Jahren

Der berühmteste Teil der Casa ist zugleich der jüngste. Der Marmorbalkon an der Hoffassade wurde erst in den 1930er Jahren angebaut, im Zuge der Umgestaltung durch Antonio Avena. Er besteht aus alten Marmorteilen, die bis dahin im Bestand der städtischen Sammlungen lagen, unter anderem aus Fragmenten eines gotischen Sarkophags. Es handelt sich also nicht um einen originalen Balkon, von dem Julia gesprochen haben könnte, sondern um ein bewusst geschaffenes Fotomotiv.

Das ist keine Nebensächlichkeit, denn genau dieser Balkon prägt das Bild, das die meisten Reisenden von Verona mitnehmen. Historisch betrachtet gab es die berühmte Balkonszene bei den frühen italienischen Autoren ohnehin nicht in der heute bekannten Form, sie ist stark von der Bühnentradition geprägt. Der steinerne Balkon der Casa verbindet damit zwei Fiktionen, die Erfindung der Figur und die Erfindung des Schauplatzes. Wer ihn fotografiert, hält ein Werk des 20. Jahrhunderts fest, das sich hervorragend in die mittelalterliche Fassade einfügt.

Die Bronzestatue im Innenhof

Im Hof steht eine lebensgroße Bronzestatue der Julia. Sie geht auf den Bildhauer Nereo Costantini zurück, dessen Figur 1969 entstand und 1972 auf Betreiben des Lions Club von Verona im Innenhof aufgestellt wurde. Über die Jahre entwickelte sich der Brauch, die rechte Brust der Statue zu berühren, was Glück in der Liebe bringen soll. Durch die vielen Hände wurde die Bronze an dieser Stelle blank poliert und mit der Zeit sogar beschädigt.

Um das Original zu schützen, wurde die stark abgenutzte Figur ins Innere des Hausmuseums gebracht. Im Hof steht heute eine originalgetreue Kopie, die einige Jahre später gefertigt und aufgestellt wurde. Wer die Statue sieht, betrachtet also in der Regel den Nachguss, während das ältere Werk drinnen geschützt ausgestellt ist. Auch das ist bezeichnend für die Casa di Giulietta, an der Kopie und Original, Legende und Nachbildung dicht beieinanderliegen.

Briefe an Julia und der Club di Giulietta

Über Jahrzehnte war die Casa auch für ihre beschriebenen Mauern bekannt. Besucher hefteten Zettel mit Liebesbotschaften an die Wände des Torgangs, klebten Kaugummi darüber oder ritzten Namen in den Putz. Aus Gründen des Denkmalschutzes wurde ein Teil dieser Zettel und Aufkleber immer wieder entfernt, und die Stadt hat versucht, den Andrang zu lenken, etwa über bereitgestellte Tafeln für Botschaften.

Eine Besonderheit ist der Club di Giulietta. Diese Vereinigung beantwortet Briefe, die aus aller Welt an Julia in Verona adressiert werden. Ehrenamtliche Schreiberinnen, oft als Sekretärinnen der Julia bezeichnet, gehen auf die zumeist persönlichen Anliegen der Absender ein. Jedes Jahr erreichen die Stadt Tausende solcher Briefe. Der Club vergibt zudem einen Preis rund um das Thema Liebesbrief und trägt dazu bei, dass die Casa nicht nur ein Fotostopp bleibt, sondern als lebendiger Mythos weiterwirkt.

Das Museum und der Eintritt

Das Hausmuseum im Inneren der Casa lässt sich über mehrere Etagen besichtigen und endet an der Tür zum Balkon. Zu sehen sind Fresken, historisches Mobiliar, Keramik und Ausstellungsstücke, die den Stoff von Romeo und Julia in Malerei, Film und Bühne dokumentieren. Der Rundgang ist überschaubar und lässt sich gut mit einem Bummel durch die Altstadt verbinden.

Bei den Eintrittsregeln hat sich zuletzt einiges verändert. Der Innenhof war lange kostenlos zugänglich, doch seit Ende 2025 verlangt die Stadt auch für den Hof ein Ticket und eine Reservierung. Für 2026 gilt eine neue Regelung, bei der der Zugang zu Hof und Casa über das benachbarte Teatro Nuovo organisiert wird. Ein Kombiticket für Hof und Hausmuseum liegt bei rund zwölf Euro, ein reines Hofticket ist günstiger. Da sich Preise, Öffnungszeiten und Zugangswege ändern können, empfiehlt sich vor dem Besuch ein Blick auf die offiziellen Informationen der Stadt Verona, zumal eine Onlinebuchung inzwischen auch für ermäßigte oder freie Eintritte vorgesehen ist.

Lage, Anreise und beste Reisezeit

Die Casa di Giulietta liegt in der Via Cappello im Herzen der Altstadt von Verona, unmittelbar südlich der Piazza delle Erbe. Von der Arena von Verona erreicht man das Haus in wenigen Minuten zu Fuß, ebenso vom mittelalterlichen Burgkomplex Castelvecchio und von der Etsch mit der Ponte Pietra. Ein Besuch lässt sich damit bequem mit den übrigen Höhepunkten der Stadt und mit dem Aufstieg auf den Torre dei Lamberti verbinden.

Wer mit der Bahn anreist, erreicht Verona über den Bahnhof Porta Nuova, der von München und anderen deutschsprachigen Städten gut angebunden ist. Vom Bahnhof fahren Stadtbusse in die Innenstadt, der Fußweg dorthin dauert gut zwanzig Minuten. Mit dem Flugzeug landet man am Flughafen Verona, von dem ein Zubringerbus zum Hauptbahnhof verkehrt. Innerhalb der Altstadt bewegt man sich am besten zu Fuß, da große Teile des Zentrums verkehrsberuhigt sind. Verona ist zudem ein guter Ausgangspunkt für die weitere Region Venetien.

Als beste Reisezeit gelten Frühjahr und Herbst, wenn die Temperaturen angenehm sind und der Andrang etwas geringer ausfällt als im Hochsommer. Im Juli und August wird es in der Poebene sehr heiß, gleichzeitig ist die Casa dann am stärksten besucht. Wer den Innenhof ohne dichtes Gedränge sehen möchte, kommt am besten früh am Morgen oder am späteren Abend. Im Dezember lohnt sich ein Besuch wegen der weihnachtlichen Stimmung in der Altstadt, dann kann es rund um den Balkon allerdings besonders eng werden.

Häufige Fragen

Hat Julia wirklich in diesem Haus gelebt?

Nein. Romeo und Julia sind literarische Figuren, keine historischen Personen. Das Gebäude gehörte im Mittelalter der Familie dal Cappello, deren Name an die literarischen Cappelletti und an Capulet erinnert. Erst dadurch wurde das Haus später mit Julia in Verbindung gebracht.

Ist der berühmte Balkon echt?

Der Balkon ist kein mittelalterliches Original. Er wurde erst in den 1930er Jahren angebaut, im Zuge der Umgestaltung durch den Museumsdirektor Antonio Avena, und dabei aus altem Marmor gefertigt, unter anderem aus Fragmenten eines gotischen Sarkophags. Er ist also ein bewusst geschaffenes Fotomotiv.

Was kostet der Eintritt in den Innenhof und die Casa?

Der Innenhof war lange gratis, doch seit Ende 2025 sind auch für den Hof ein Ticket und eine Reservierung nötig. Ein Kombiticket für Hof und Hausmuseum liegt bei rund zwölf Euro, ein reines Hofticket ist günstiger. Da sich die Regeln zuletzt geändert haben, sollte man die aktuellen Angaben der Stadt Verona prüfen.

Darf man die Bronzestatue der Julia anfassen?

Das Berühren der rechten Brust der Statue gilt als Glücksbringer für die Liebe und ist geduldet. Im Hof steht heute allerdings eine Kopie, während das durch die vielen Hände beschädigte Original zum Schutz im Hausmuseum ausgestellt ist.

Wo genau befindet sich die Casa di Giulietta?

Die Casa liegt in der Via Cappello in der Altstadt von Verona, nur wenige Schritte von der Piazza delle Erbe und der Arena entfernt. Vom Bahnhof Verona Porta Nuova erreicht man sie zu Fuß in gut zwanzig Minuten oder mit dem Stadtbus.

Bildnachweis: trolvag, Lizenz: CC BY-SA 3.0

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