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Fünf kleine Kuppeln aus Ziegeln auf einem Würfel von sieben mal sieben Metern, am Hang des Monte Consolino über dem Dorf Stilo: Die Cattolica ist winzig, und sie ist das wichtigste byzantinische Bauwerk Italiens. Gebaut im 9. oder 10. Jahrhundert, als Kalabrien noch zu Konstantinopel gehörte und griechisch sprach, hat sie tausend Jahre ohne Umbau überstanden. Wer davor steht, sieht die Architektur von Byzanz in Reinform, wie sie sonst nur in Griechenland und auf dem Balkan zu finden ist. Seit 2006 steht die Cattolica auf der Kandidatenliste des UNESCO-Welterbes, und sie ist im italienischen Reisepass abgebildet.
Der Name bedeutet nicht katholisch. Katholikí hießen in der byzantinischen Kirchenordnung die Hauptkirchen mit Taufrecht, die Mutterkirchen eines Bezirks. Die Cattolica war das Zentrum der Basilianermönche, die in den Höhlen und Klöstern des Stilaro-Tals lebten; einer von ihnen, der heilige Johannes Theristis, ist der Patron der Gegend. In Stilo selbst wurde 1568 Tommaso Campanella geboren, der Dominikaner und Philosoph, der 27 Jahre in neapolitanischen Kerkern saß und dort den Sonnenstaat schrieb.
Der Grundriss ist ein Quadrat, das vier Säulen in neun Felder teilen. Über dem mittleren und den vier Eckfeldern sitzen die Kuppeln, jede auf einem Tambour mit kleinen Fenstern, nach Osten öffnen sich drei Apsiden. Das Mauerwerk aus Ziegeln ist außen in Mustern verlegt, Zickzack, Fischgrät, Rauten, die Kuppeln tragen Ziegeldächer. Die vier Säulen im Inneren sind antike Spolien aus Tempeln der Gegend, und sie stehen auf dem Kopf: Die Kapitelle sind unten, die Basen oben. Die gängige Deutung sagt, die Mönche hätten damit den Sieg des Christentums über die heidnische Welt ausgedrückt.
Die Wände tragen Fresken aus dem 10. bis 15. Jahrhundert in mehreren Schichten übereinander: ein Christus Pantokrator, eine Verkündigung, Heilige der Ostkirche mit griechischen Beischriften, dazu Johannes der Täufer und die Dormitio, das Entschlafen Mariens. Vieles ist verblasst, manches bei der Restaurierung des 20. Jahrhunderts freigelegt worden. Auf den Säulen fanden Forscher arabische Inschriften, darunter Koranverse, was darauf hindeutet, dass die Kirche in der Zeit der arabischen Überfälle zeitweise als Moschee diente oder von Muslimen genutzt wurde. Kaum ein anderer Ort in Italien zeigt so dicht, wie Byzanz, Islam und Latein hier aufeinander trafen.
Die Cattolica ist ganzjährig geöffnet, im Sommer mit längeren Zeiten, der Eintritt ist gering; Zeiten und Preise stehen auf der Seite der Gemeinde Stilo. Der Weg führt vom Ortsrand in zehn Minuten bergauf, ein Parkplatz liegt unterhalb der Kirche. Innen ist es dunkel und kühl, die Fresken braucht man ein paar Minuten, bis das Auge sie erkennt; ein Fernglas hilft bei den Kuppeln. Für die Kirche selbst reicht eine halbe Stunde, die Terrasse davor mit dem Blick über das Tal des Stilaro bis zum Ionischen Meer hält einen länger.
Stilo ist ein Bergdorf mit Dom, dem Campanella-Denkmal auf der Piazza und Gassen, die in Treppen enden. Im Tal liegen die Reste der byzantinischen Klöster, darunter San Giovanni Theristis bei Bivongi, wo heute wieder orthodoxe Mönche leben, und die Wasserfälle des Marmarico, mit 114 Metern die höchsten des Südapennin. Die Küste mit Monasterace und den Ausgrabungen der griechischen Stadt Kaulon ist zehn Kilometer entfernt. Die Ionische Küste ist hier ruhig, mit langen Kiesstränden und wenigen Hotels; wer Kalabrien ohne Trubel sucht, findet es im Stilaro-Tal.
Stilo liegt an der Straße SS110, die von Monasterace an der Ionischen Küste in die Serre-Berge steigt. Von Reggio Calabria sind es anderthalb Stunden über die SS106, von Catanzaro eine Stunde, vom Flughafen Lamezia Terme knapp zwei. Der nächste Bahnhof ist Monasterace-Stilo an der Ionischen Linie, von dort fahren wenige Busse; ein Auto ist die praktische Wahl.
Sie ist das am besten erhaltene byzantinische Bauwerk Italiens, eine Kreuzkuppelkirche aus dem 9. oder 10. Jahrhundert mit fünf Kuppeln, Fresken vom 10. bis 15. Jahrhundert und arabischen Inschriften. Seit 2006 ist sie UNESCO-Kandidat.
Nicht katholisch: Katholikí waren in der byzantinischen Kirche die Hauptkirchen mit Taufrecht. Die Cattolica war die Mutterkirche der Basilianermönche des Stilaro-Tals.
Die vier antiken Säulen im Inneren sind mit dem Kapitell nach unten eingebaut. Die Deutung: Die Mönche wollten den Sieg des Christentums über die heidnische Antike zeigen.
Nach Stilo über die SS110 von Monasterace, dann zehn Minuten zu Fuß bergauf ab dem Parkplatz. Ohne Auto ist die Kirche schwer zu erreichen.
Ein 1568 in Stilo geborener Dominikaner und Philosoph, der wegen einer Verschwörung gegen die spanische Herrschaft 27 Jahre im Kerker saß und dort die Utopie Der Sonnenstaat schrieb. Sein Denkmal steht auf der Piazza von Stilo.
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