Circus Maximus
Rom, Latium

Circus Maximus

Das größte Stadion der Antike

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Zwischen Palatin und Aventin erstreckt sich eine langgezogene grüne Senke, die auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Stadtpark wirkt. Tatsächlich steht man hier im Circus Maximus, dem größten Stadion, das die Antike je hervorgebracht hat. Rund 600 Meter lang und 140 Meter breit war die Anlage in ihrer größten Ausdehnung, und an Renntagen drängten sich hier mehr Menschen, als das Kolosseum je fassen konnte.

Über mehr als tausend Jahre fanden im Circus Maximus Wagenrennen statt, von der Zeit der etruskischen Könige bis ins 6. Jahrhundert nach Christus. Die Tribünen sind längst verschwunden, doch die Form der Rennbahn ist im Gelände bis heute klar ablesbar. Wer die Senke abschreitet, läuft exakt dort, wo einst Viergespanne mit hoher Geschwindigkeit um die Wendemarken jagten.

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Für einen Besuch in Rom ist der Circus Maximus eine unkomplizierte Station: Das Gelände ist als Park frei zugänglich, ein archäologischer Bereich mit Resten der Sitzränge kostet wenige Euro Eintritt, und eine Virtual-Reality-Führung lässt das antike Stadion wieder entstehen.

Das größte Stadion der Antike

Der Circus Maximus füllte das gesamte Tal der Vallis Murcia zwischen den Hügeln Palatin und Aventin aus. Die Maße sind gewaltig: etwa 600 Meter Länge, rund 140 Meter Breite, eine Grundfläche von ungefähr 8,5 Hektar. Zum Vergleich: Das Kolosseum, das als Inbegriff römischer Massenunterhaltung gilt, fasste rund 50.000 Zuschauer und würde flächenmäßig mehrfach in den Circus passen.

Bei der Zuschauerzahl ist Vorsicht angebracht. Der antike Autor Plinius der Ältere nennt 250.000 Plätze, eine Zahl, die bis heute oft zitiert wird. Die moderne Forschung hält etwa 150.000 Sitzplätze für realistisch; die höheren antiken Angaben dürften Stehplätze und Zuschauer an den umliegenden Hängen einschließen. Selbst mit der vorsichtigen Schätzung bleibt der Circus Maximus das mit Abstand größte Sportbauwerk der Antike.

Die Anlage folgte einem klaren Schema: eine langgestreckte Arena mit einer geraden Startseite und einer halbrunden Schmalseite, umschlossen von ansteigenden Sitzrängen. An der Startseite lagen die Carceres, zwölf Startboxen mit Schleusenmechanismus, aus denen die Gespanne gleichzeitig auf die Bahn schossen. Kaiser Trajan ließ die Ränge im 2. Jahrhundert komplett in Stein ausbauen.

Wagenrennen: Ablauf, Farben und Fangemeinden

Ein Renntag im Circus folgte festen Regeln. Die Bahn wurde in der Mitte durch die Spina geteilt, eine langgestreckte Barriere von über 300 Metern, geschmückt mit Statuen, Wasserbecken und Obelisken. An beiden Enden der Spina standen die Metae, kegelförmige Wendemarken, um die die Gespanne in engem Bogen steuern mussten. An diesen Wendepunkten passierten die meisten Unfälle.

Ein Rennen führte in der Regel über sieben Runden. Damit Fahrer und Publikum den Überblick behielten, wurden auf der Spina große Zählmarken in Form von Eiern und Delfinen umgelegt, für jede absolvierte Runde eine. Gefahren wurde meist mit der Quadriga, dem Viergespann, seltener mit zwei oder mehr Pferden.

Die Fahrer traten für vier Rennställe an, die sogenannten Factiones, erkennbar an ihren Farben: Rot, Weiß, Blau und Grün. Diese Parteien hatten feste Anhängerschaften, die sich mit heutigen Fußball-Fangemeinden vergleichen lassen, samt Rivalitäten, Wettgeschäft und Starkult um erfolgreiche Fahrer. Wer sich das Spektakel bildlich vorstellen will, kennt es vermutlich aus dem Film Ben-Hur von 1959: Dessen berühmte Rennszene spielt zwar im Circus von Antiochia, vermittelt aber bis heute eine Ahnung davon, wie es im Circus Maximus zugegangen sein muss.

Geschichte: von den etruskischen Königen bis zum letzten Rennen

Die Anfänge des Circus reichen in die römische Königszeit zurück. Der Überlieferung nach ließ der etruskische König Tarquinius Priscus im 6. Jahrhundert vor Christus die ersten hölzernen Sitzgelegenheiten im Tal errichten. Über Jahrhunderte blieb die Anlage ein Zweckbau aus Holz, der immer wieder erweitert und nach Bränden erneuert wurde.

Den Ausbau zur Monumentalanlage leitete Julius Caesar ein, der den Circus um 50 vor Christus auf die später bekannten Ausmaße bringen ließ. Augustus ergänzte eine Kaiserloge mit Blickverbindung zu den Palästen auf dem Palatin und ließ als Schmuck der Spina den ersten Obelisken aus Ägypten aufstellen, der heute auf der Piazza del Popolo steht. Ein zweiter, noch größerer Obelisk kam im Jahr 357 unter Constantius II. hinzu; er steht heute vor der Lateranbasilika.

In die Geschichte des Circus fällt auch eine der größten Katastrophen der Stadt: Der große Brand Roms im Juli 64 nach Christus brach in den Verkaufsbuden am Circus Maximus aus. In den Tabernae lagerten leicht brennbare Waren, starker Wind trieb die Flammen in die engen Gassen, und am Ende waren große Teile der Stadt zerstört. Kaiser Nero machte dafür bekanntlich die Christen verantwortlich.

Rennbetrieb gab es im Circus erstaunlich lange, auch nach dem Ende des weströmischen Reiches. Die letzten überlieferten Wagenrennen fanden im Jahr 549 statt, veranstaltet vom Ostgotenkönig Totila. Danach verfiel die Anlage und diente als Steinbruch und Ackerland, bis das Areal im 20. Jahrhundert freigelegt und in die heutige Parkform gebracht wurde.

Was heute zu sehen ist

Der größte Teil des Circus Maximus ist heute eine frei zugängliche Grünfläche. Die Form der antiken Rennbahn mit der erhöhten Mittelachse und den ansteigenden Rändern ist deutlich erkennbar, und von den Wegen am Rand bietet sich ein guter Blick hinüber zu den Palastruinen des Palatin. Römer nutzen das Gelände zum Joggen und Spazierengehen.

Wer mehr sehen will als die Geländeform, besucht den archäologischen Bereich an der halbrunden Südostseite, Eingang an der Piazza di Porta Capena. Dort sind originale Substruktionen der Sitzränge, Reste der Arkaden mit ehemaligen Läden und Teile des antiken Straßenpflasters freigelegt. Zum Rundgang gehört die Torre della Moletta, ein mittelalterlicher Wehrturm aus dem 12. Jahrhundert, der über eine innenliegende Treppe bestiegen werden kann und einen Überblick über das gesamte Tal bietet.

Der archäologische Bereich ist dienstags bis sonntags geöffnet, montags bleibt er geschlossen. Im Sommerhalbjahr gelten Öffnungszeiten von 9.30 bis 19 Uhr, im Winterhalbjahr von 9.30 bis 16 Uhr, letzter Einlass jeweils eine Stunde vor Schließung. Der Eintritt kostet für Nicht-Residenten 7 Euro, ermäßigt 4 Euro, Einwohner Roms zahlen nichts. Die Angaben sollten vor dem Besuch auf der Seite der Sovrintendenza Capitolina geprüft werden, da bei Veranstaltungen Teile des Geländes gesperrt sein können.

Eine Besonderheit bleibt den meisten Besuchern verborgen: Unter den Gebäuden an der Stirnseite des Circus liegt ein Mithräum, ein unterirdisches Heiligtum des Mithras-Kults aus der Kaiserzeit, entdeckt im Jahr 1931. Es gehört zu den größten bekannten Mithras-Heiligtümern Roms. Regulär geöffnet ist es nicht, der Zugang ist nur mit gebuchter Führung in kleinen Gruppen möglich; üblich sind ein Eintritt von wenigen Euro plus Führungsgebühr.

Circo Maximo Experience: das Stadion in Virtual Reality

Weil vom aufgehenden Bauwerk wenig erhalten ist, setzt Rom hier auf Technik: Die Circo Maximo Experience führt mit Augmented- und Virtual-Reality-Brillen in acht Stationen durch den archäologischen Bereich. Über die reale Ruinenlandschaft legen die Brillen Rekonstruktionen der verschiedenen Bauphasen, vom archaischen Tal über den Circus der Kaiserzeit bis zum Mittelalter, inklusive eines nachgestellten Renntages.

Der Rundgang dauert etwa 40 Minuten und ist unter anderem auf Deutsch verfügbar. Das Ticket kostet 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, Familien zahlen 22 Euro für zwei Erwachsene mit Kindern unter 18 Jahren. Montags bleibt die Experience geschlossen, bei Regen fällt sie aus. Die Einlasszeiten wechseln mit der Jahreszeit: tagsüber im Winterhalbjahr, in den Sommermonaten in den Abendstunden, was den angenehmen Nebeneffekt hat, dass man der Mittagshitze entgeht.

Konzerte, Feiern und Großveranstaltungen

Seiner ursprünglichen Bestimmung als Massenveranstaltungsort ist der Circus Maximus bis heute treu geblieben. Die weite Rasenfläche ist Roms Bühne für Großereignisse: Konzerte internationaler Stars, Public Viewing, Feiern der Fußballvereine und Silvesterveranstaltungen finden regelmäßig hier statt. Zu den bekanntesten Abenden zählt das Konzert der Rolling Stones im Juni 2014 vor mehr als 70.000 Zuschauern.

Wer die Ruinen in Ruhe sehen will, sollte vor dem Besuch den Veranstaltungskalender prüfen, denn beim Auf- und Abbau großer Bühnen ist das Gelände teilweise gesperrt und die Sicht über das Tal eingeschränkt.

Umgebung: Aventin, Bocca della Verità und Forum Boarium

Der Circus Maximus liegt mitten im antiken Kerngebiet Roms und lässt sich gut mit den Nachbarzielen verbinden. Direkt nördlich erhebt sich der Palatin mit den Kaiserpalästen, dahinter das Forum Romanum, das Kolosseum ist zu Fuß in rund einer Viertelstunde erreichbar. Auf der anderen Talseite steigt der Aventin an, ein ruhiges Wohnviertel mit dem Orangengarten und dem berühmten Blick durch das Schlüsselloch des Malteserordens.

Wenige Gehminuten westlich, Richtung Tiber, liegt das Forum Boarium, der antike Rindermarkt mit zwei ungewöhnlich gut erhaltenen Tempeln. An der Kirche Santa Maria in Cosmedin wartet dort die Bocca della Verità, der Wahrheitsmund, vor dem sich meist eine Schlange für das obligatorische Foto bildet. Weitere Ziele wie das Pantheon und die Engelsburg schließen sich flussabwärts an; eine Übersicht bietet die Seite zu den Sehenswürdigkeiten Roms.

Für alle, die das Thema antike Alltagswelt vertiefen wollen, lohnt ein Ausflug nach Ostia Antica, die Ruinenstadt am alten Hafen Roms, oder in das Umland der Region Latium mit seinen Kaiservillen und Nekropolen.

Anreise und beste Besuchszeit

Die Anreise ist denkbar einfach: Die Station Circo Massimo der Metrolinie B liegt direkt am südöstlichen Ende des Geländes, eine Station vom Kolosseum entfernt. Mehrere Buslinien halten am Viale Aventino und an der Via del Circo Massimo. Wer vom Zentrum kommt, kann auch zu Fuß gehen, vom Kapitol sind es etwa 15 Minuten am Palatin entlang.

Der Park selbst ist jederzeit frei zugänglich und kostet keinen Eintritt. Die stimmungsvollsten Stunden sind der frühe Morgen und der späte Nachmittag, wenn die Palatin-Ruinen in der Abendsonne liegen. Im Hochsommer sollte man die Mittagszeit meiden, denn die Senke bietet kaum Schatten. Für den archäologischen Bereich und die Circo Maximo Experience empfiehlt sich die Buchung im Voraus, besonders an Wochenenden.

Häufige Fragen

Was ist der Circus Maximus?

Der Circus Maximus war das größte Stadion der Antike, eine rund 600 Meter lange Wagenrennbahn zwischen Palatin und Aventin in Rom. Über tausend Jahre fanden hier Rennen statt, die letzten im Jahr 549. Heute ist das Gelände eine Parkanlage mit archäologischem Bereich.

Kostet der Circus Maximus Eintritt?

Der Park ist frei zugänglich und kostet nichts. Nur der abgegrenzte archäologische Bereich mit den Resten der Sitzränge kostet Eintritt, 7 Euro für Nicht-Residenten, ermäßigt 4 Euro, montags geschlossen. Die Virtual-Reality-Führung Circo Maximo Experience kostet 12 Euro.

Was sieht man heute vom Circus Maximus?

Erhalten ist vor allem die Geländeform der antiken Rennbahn als langgestreckte Grünfläche. Im archäologischen Bereich an der Südostseite sind Substruktionen der Ränge, antikes Pflaster und der mittelalterliche Turm Torre della Moletta zu besichtigen. Eine VR-Führung rekonstruiert das komplette Stadion.

Wie viele Zuschauer fasste der Circus Maximus?

Antike Quellen wie Plinius nennen bis zu 250.000 Plätze. Die moderne Forschung geht von etwa 150.000 Sitzplätzen aus, die höheren Zahlen schließen wohl Stehplätze und Zuschauer an den Hängen ein. Damit war er in jedem Fall das größte Stadion der Antike.

Wie kommt man zum Circus Maximus?

Am einfachsten mit der Metrolinie B bis zur Station Circo Massimo, die direkt am Gelände liegt. Vom Kolosseum ist es eine Station oder rund 15 Minuten zu Fuß. Mehrere Buslinien halten am Viale Aventino.

Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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