Dogenpalast

Venedigs Dogenpalast: Meisterwerk gotischer Baukunst

Der Dogenpalast in Venedig gilt als eines der bedeutendsten weltlichen Bauwerke der Gotik. Die berühmtesten Künstler der Lagunenstadt waren an Bau und Ausstattung beteiligt.

 

Der Palast war einst der Sitz des so genannten Dogen, des Staatsoberhauptes der Republik Venedig, das über militärische und richterliche Befugnisse verfügte. Auch der dem Dogen zur Seite gestellte Große Rat, später der Rat der Zehn, tagte in dem Prachtbau.

Baugeschichte des Palastes

Ein kleinerer Vorgängerbau entstand bereits im 9. Jahrhundert, unter dem Dogen Giovanni I. Particiaco. Im 12. Jahrhundert wurde unter der Herrschaft Sebastiano Zianis dann ein dreiflügeliger Palast mit Innenhof errichtet. Bartolomeo Gradenigo ließ diesen Mitte des 14. Jahrhunderts komplett umgestalten und schuf damit das Bauwerk, das wir heute kennen. Auch im 15. Jahrhundert, unter Francesco Foscari, kam es aber noch zu umfangreichen Umbauten und Erweiterungen. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde der Dogenpalast mehrfach durch Brände beschädigt, aber jedes Mal nahezu originalgetreu wieder aufgebaut.

Gotische Baukunst mit orientalischen Akzenten

Der Dogenpalast wurde überwiegend im Stil der Gotik errichtet. Anders als die mitteleuropäischen Bauwerke dieser Epoche weist er jedoch eine geringere Höhe auf. Dies ist vor allem dem instabilen Baugrund der Lagunenstadt geschuldet.

 

Die Fundamente des Palastes bestehen aus Holz, hellem, Istrischen Stein und Ziegeln, die Verkleidungen überwiegend aus Marmor. Das gotische Bauwerk zeichnet sich durch auffällig viele orientalische Akzente aus, wie die lebhafte Farbigkeit, das Rautendekor im Obergeschoss oder auch die Zinnenkrone, die an ähnliche Gestaltungselemente nordafrikanischer Moscheen erinnert.

Die einzelnen Gebäudeteile

Die Paläste wurden überwiegend dreigeschossig konstruiert, der Ostflügel verfügt über vier Geschosse. Auffällig sind die Kapitelle des Bauwerks, insbesondere die kunstvollen Eckkapitelle mit den Darstellungen des „Sündenfalls“ von Adam und Eva und der „Trunkenheit des Noah“.

 

Die Mitte des 15. Jahrhunderts errichtete Porta della Carta führt zum Innenhof. Das spätgotische Tor ist mit Spitzbögen und seitlichen Pfeilern versehen und üppig mit Reliefs und Skulpturen verziert. Dargestellt sind unter anderem die vier Herrschertugenden (Tapferkeit, Mäßigung, Klugheit und Wohltätigkeit), die Justitia, der Heilige Markus und – an prominenter Stelle auf dem Sockel des mittigen dreiteiligen Fensters - der Doge Francesco Foscari mit dem geflügelten Markuslöwen.

 

Vom Innenhof aus fällt der Blick auf den im Renaissancestil errichteten Durchgang Arco Foscari und auf die eindrucksvolle Scala dei Giganti, die in die Innenräume des Obergeschosses führt und auf der einst die Dogen inthronisiert wurden. Ihren Namen verdankt sie den überdimensionalen Mars- und Neptun-Skulpturen auf dem Treppenabsatz.

 

Zum Dogenpalast gehören auch die berüchtigten Gefängniszellen Venedigs – die Bleikammern und die Pozzi (deutsch: Schächte). Das Schicksal der Gefangenen, die in diese feuchten Kerker gesperrt wurden, war zumeist besiegelt. Viele sahen das Tageslicht nie wieder.

 

Erträglicher waren die Bedingungen in den später errichteten, helleren und trockenen Gefängniszellen der Prigioni Nuove, die durch die berühmte Seufzerbrücke mit dem Dogenpalast verbunden sind.

Die prächtigen Innenräume

Mit großem Prunk wurden die Innenräume des Dogenpalastes ausgestattet; besonders hervorzuheben sind die kunstvoll gestalteten Decken. Im über 50 Meter langen Saal „Sala del Maggior Consiglio“ ist das berühmte Gemälde „Das Paradies“ von Paolo Veronese und Jacopo Tintoretto zu bewundern. Zu seiner Entstehungszeit, im 16. Jahrhundert, galt es als das größte Ölgemälde der Welt.

 

Seit Mitte der 1990er Jahre gehört der Dogenpalast zu den Venezianischen Stadtmuseen. Besuchern ist ein Kombi-Ticket für die Besichtigung von Dogenpalast und benachbartem Markusdom zu empfehlen. Damit vermeidet man auch lange Wartezeiten.

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