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Dom von Orvieto
Orvieto, Umbrien

Dom von Orvieto

Gotische Fassade, Signorellis Weltende und das Wunder von Bolsena: der Dom von Orvieto.

Wer den Domplatz von Orvieto betritt, bleibt erst einmal stehen. Die Fassade des Doms leuchtet in Gold, Blau und Rot, als hätte jemand ein riesiges Altarbild in die Stadt gestellt. Vier schlanke Pfeiler, drei Giebel, eine Fensterrose und dazwischen Mosaiken, die in der Nachmittagssonne aufflammen. Kaum eine andere Kirche Italiens setzt ihre Schauseite so konsequent in Szene, und kaum eine steht auf einem so dramatischen Sockel: Orvieto thront auf einem Tuffsteinfelsen hoch über dem Tal der Paglia, der Dom bildet die Krone dieses Felsens.

Der Bau begann 1290, nachdem Papst Nikolaus IV. den Grundstein gelegt hatte. Anlass war das Wunder von Bolsena von 1263, bei dem eine Hostie in der Hand eines zweifelnden Priesters geblutet haben soll. Das blutgetränkte Altartuch kam nach Orvieto und brauchte ein würdiges Haus. Aus dem geplanten romanischen Bau wurde unter Lorenzo Maitani, der ab 1310 die Leitung übernahm, eine der wichtigsten gotischen Kathedralen Mittelitaliens. Seit 1889 trägt sie den Titel einer Basilica minor.

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Innen ist der Dom schlichter, als die Fassade vermuten lässt: schwarz-weiß gestreifte Wände aus Basalt und Travertin, eine offene Holzdecke, dünne Alabasterscheiben in den Fenstern, die das Licht warm färben. Der eigentliche Schatz liegt rechts vom Chor, in der Cappella di San Brizio, mit einem der großen Freskenzyklen der Renaissance.

Die Fassade: ein Bilderbuch aus Marmor und Mosaik

Lorenzo Maitani entwarf die Schauseite als dreiteilige Wand, die von vier Pfeilern gegliedert wird. Die unteren Abschnitte dieser Pfeiler tragen Marmorreliefs, die ab etwa 1310 entstanden und zu den feinsten Bildhauerarbeiten des italienischen Trecento gehören. Von links nach rechts erzählen sie die Schöpfungsgeschichte, den Stammbaum Christi, das Leben Jesu und das Jüngste Gericht. Wer sich Zeit nimmt, erkennt im Jüngsten Gericht Verdammte, die von Dämonen in die Hölle gezerrt werden, ausgeführt mit einer Drastik, die Signorelli zwei Jahrhunderte später im Inneren wieder aufgreifen sollte.

Die Bronzesymbole der vier Evangelisten über den Reliefs stammen ebenfalls von Maitani. Die Fensterrose in der Mitte wird Andrea Orcagna zugeschrieben und entstand um die Mitte des 14. Jahrhunderts. Die Mosaiken darüber wurden über Jahrhunderte immer wieder erneuert, das große Bild der Marienkrönung im obersten Giebel ist eine Arbeit des 19. Jahrhunderts. Genau deshalb wirkt die Fassade so frisch: Sie ist ein Werk von sechs Jahrhunderten, das nie fertig wurde und doch aus einem Guss erscheint.

Cappella di San Brizio: Signorellis Weltende

In der Kapelle rechts des Chors begann Fra Angelico 1447 mit der Ausmalung des Gewölbes, kam aber nur bis zu zwei Feldern, darunter Christus als Weltenrichter. Ein halbes Jahrhundert blieb die Kapelle unvollendet, bis die Dombauhütte 1499 Luca Signorelli aus Cortona verpflichtete. Er malte bis 1504 die Wände aus und schuf einen Zyklus zum Ende der Welt: die Predigt des Antichrists, den Weltuntergang, die Auferstehung des Fleisches, die Verdammten in der Hölle, die Erwählten im Paradies.

Das Besondere ist die Körperlichkeit. Signorelli malte nackte Menschen in allen denkbaren Verrenkungen, Skelette, die aus dem Boden steigen und sich mit Fleisch überziehen, Dämonen in Grün und Violett, die Sünder auf dem Rücken davontragen. Michelangelo kannte diese Fresken, als er dreißig Jahre später das Jüngste Gericht in der Sixtinischen Kapelle begann. In der Szene mit dem Antichrist hat Signorelli sich selbst verewigt: die Figur in Schwarz am linken Bildrand, neben ihm Fra Angelico im Ordensgewand.

Cappella del Corporale und das Wunder von Bolsena

Gegenüber, links des Chors, liegt die Kapelle, für die der Dom überhaupt gebaut wurde. Hier wird das Corporale aufbewahrt, das Altartuch aus Bolsena mit den Blutflecken des Hostienwunders. Der Reliquienschrein aus vergoldetem Silber und Emaille, 1338 vom Sieneser Goldschmied Ugolino di Vieri geschaffen, wiederholt in seinen Formen die Domfassade und gilt als Meisterwerk der gotischen Goldschmiedekunst. Die Wandfresken von Ugolino di Prete Ilario erzählen die Geschichte des Wunders. An Fronleichnam wird das Corporale in einer Prozession durch die Stadt getragen, die Straßen sind dann mit Blumenteppichen ausgelegt.

Besuch: Öffnungszeiten, Eintritt und was dazugehört

Der Dom ist täglich geöffnet, von November bis Februar 9.30 bis 17 Uhr, im März, April, Mai und Oktober bis 19 Uhr, von Juni bis September bis 20 Uhr. An Sonn- und Feiertagen gelten kürzere Zeiten mit einer Pause um die Mittagsmessen. Die Eintrittskarte kostet 8 Euro (Stand 2026) und schließt neben dem Dom mit der Cappella di San Brizio auch das Museo Emilio Greco und die unterirdischen Räume der Dombauhütte ein, dazu einen Audioguide. Für 11 Euro gibt es die Kombikarte mit dem Etruskischen Museum Claudio Faina auf der anderen Seite des Platzes. Kinder unter elf Jahren sind frei. Während der Gottesdienste am Hauptaltar und in der Signorelli-Kapelle ruhen die Besichtigungen.

Plane für Dom und Kapellen gut eine Stunde ein, für die Fassade noch einmal eine halbe. Das beste Licht liegt am späten Nachmittag auf der Westfassade. Ein Fernglas hilft bei den Reliefs und den Mosaiken in den Giebeln.

Orvieto rundherum: Felsen, Brunnen, Etrusker

Vom Domplatz sind es wenige Schritte zum Palazzo del Popolo und zum Torre del Moro, dessen Aussichtsplattform die ganze Tuffsteinstadt zeigt. Am östlichen Stadtrand liegt der Pozzo di San Patrizio, der 54 Meter tiefe Renaissancebrunnen mit seiner doppelten Wendeltreppe. Unter der Stadt zieht sich ein Labyrinth aus etruskischen und mittelalterlichen Höhlen, das bei Führungen der Orvieto Underground zugänglich ist. Der Wein der Umgebung, der Orvieto Classico, passt zu einem Abend auf einer der Terrassen über dem Tal. Wer weiter nach Norden fährt, erreicht in einer guten Stunde Perugia und den Trasimenischen See, nach Süden liegt der Bolsenasee mit dem Ort des Wunders.

Anreise und beste Reisezeit

Orvieto liegt an der Autobahn A1 zwischen Florenz und Rom, die Ausfahrt trägt den Namen der Stadt. Autos bleiben am besten unten am Bahnhof oder auf dem Parkplatz am Campo della Fiera stehen; von dort bringen eine Standseilbahn beziehungsweise Rolltreppen und Aufzüge die Besucher auf den Felsen. Mit dem Zug ist Orvieto von Rom in gut einer Stunde erreichbar, von Florenz in knapp zwei. Die Standseilbahn vom Bahnhof endet an der Piazza Cahen, ein Minibus fährt weiter bis zum Dom, zu Fuß sind es rund 15 Minuten.

Frühjahr und Herbst sind die angenehmsten Zeiten, im Hochsommer brennt die Sonne auf den Felsen, und die Kapelle wird eng. Wer die Fassade mit den Blumenteppichen sehen will, kommt an Fronleichnam, wer Ruhe sucht, an einem Werktag im November, wenn der Dom um halb zehn öffnet und die ersten Besucher die Kapelle für sich haben.

Häufige Fragen

Was kostet der Eintritt in den Dom von Orvieto?

Die Karte kostet 8 Euro (Stand 2026) und gilt für den Dom mit der Cappella di San Brizio, das Museo Emilio Greco und die unterirdischen Räume der Dombauhütte, ein Audioguide ist inbegriffen. Die Kombikarte mit dem Etruskischen Museum Faina kostet 11 Euro, Kinder unter elf Jahren zahlen nichts.

Wann ist der Dom geöffnet?

Täglich ab 9.30 Uhr; im Winter bis 17 Uhr, im Frühjahr und Oktober bis 19 Uhr, von Juni bis September bis 20 Uhr. Sonn- und feiertags gibt es eingeschränkte Zeiten wegen der Gottesdienste, die Signorelli-Kapelle ist während der Messen nicht zugänglich.

Warum ist der Dom von Orvieto so berühmt?

Wegen der Fassade mit Maitanis Marmorreliefs und den Mosaiken, wegen des Freskenzyklus von Luca Signorelli in der Cappella di San Brizio, der Michelangelo beeinflusste, und wegen des Corporale von Bolsena, der Reliquie, für die der Dom ab 1290 gebaut wurde.

Wie lange dauert ein Besuch?

Für den Dom mit beiden Kapellen reicht eine Stunde, mit Fassade, Museum und Unterwelt der Dombauhütte werden es zwei bis drei. Wer den Torre del Moro und den Pozzo di San Patrizio anschließt, füllt einen ganzen Tag in Orvieto.

Wie kommt man vom Bahnhof zum Dom?

Mit der Standseilbahn hinauf zur Piazza Cahen, von dort mit dem Minibus oder in rund 15 Minuten zu Fuß durch den Corso Cavour. Wer mit dem Auto kommt, parkt unten am Bahnhof oder am Campo della Fiera und nutzt Standseilbahn oder Aufzüge.

Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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