Phlegräische Felder
Pozzuoli, Kampanien

Phlegräische Felder

Der unruhige Supervulkan vor den Toren Neapels

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Wer an einen Vulkan bei Neapel denkt, denkt meist an den Vesuv. Das größere System liegt jedoch auf der anderen Seite der Stadt: die Phlegräischen Felder, italienisch Campi Flegrei. Das Vulkanfeld erstreckt sich vom westlichen Stadtrand von Neapel über Pozzuoli bis zum Kap Miseno. Statt eines Berges findet sich hier eine flache, dicht besiedelte Landschaft aus mehr als zwanzig Einzelkratern, Thermalquellen und dampfenden Erdspalten, dazwischen Wohnviertel, Häfen und einige der ältesten antiken Stätten Italiens.

Der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie brennende Felder. Schon in der Antike war das Gebiet dicht besiedelt: In Cumae gründeten Griechen die älteste Kolonie auf dem italienischen Festland, Puteoli, das heutige Pozzuoli, war zeitweise der wichtigste Handelshafen Roms, und Baiae galt als mondänstes Seebad des Römischen Reiches. Kaum eine Ecke Kampaniens verbindet Vulkanlandschaft und Weltgeschichte auf so engem Raum.

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Seit 2023 machen Erdbebenschwärme das Gebiet regelmäßig zum Nachrichtenthema. Diese Seite erklärt, was die Phlegräischen Felder ausmacht, wie die Lage derzeit ist, was sich besichtigen lässt und wie die Anreise gelingt.

Eine Caldera statt eines Vulkankegels

Die Phlegräischen Felder sind kein einzelner Vulkan, sondern eine Caldera, ein riesiger Einbruchskessel mit einem Durchmesser von etwa zwölf bis fünfzehn Kilometern. Sie entstand durch zwei gewaltige Ausbrüche: vor rund 39.000 Jahren beim Ausbruch des Campanischen Ignimbrits, dessen Aschelagen bis nach Osteuropa nachweisbar sind, und vor rund 15.000 Jahren beim Ausbruch des Neapolitanischen Gelbtuffs. Wegen der Größe dieser Eruptionen wird das System häufig als Supervulkan bezeichnet, es zählt zu den am besten überwachten Vulkangebieten der Welt.

Der Vesuv, rund zwanzig Kilometer weiter östlich, ist ein klassischer Kegelvulkan und wirkt in der Landschaft weit bedrohlicher. Das Ausbruchspotenzial der Phlegräischen Felder übertrifft seines jedoch deutlich. Anders als in Pompeji oder Herculaneum erzählt hier keine verschüttete Stadt vom Vulkan, dafür liegt er buchstäblich unter den Füßen: Ein Teil der Caldera bildet den Golf von Pozzuoli, der Rest ist bebaut, bewaldet oder landwirtschaftlich genutzt.

Bradyseismus: der Boden von Pozzuoli hebt sich

Typisch für die Phlegräischen Felder ist der Bradyseismus, ein langsames Heben und Senken des Bodens über Jahre und Jahrzehnte. Das bekannteste Zeugnis steht mitten in Pozzuoli: Die Säulen des Macellum, eines römischen Markts, der lange als Serapis-Tempel galt, sind in mehreren Metern Höhe von Bohrmuscheln durchlöchert. Das Bauwerk lag also zeitweise unter dem Meeresspiegel und wurde später wieder herausgehoben, ein Auf und Ab, das sich über Jahrhunderte mehrfach wiederholte.

Auch die jüngere Geschichte kennt solche Phasen. Anfang der 1980er Jahre hob sich der Boden binnen zwei Jahren um rund 1,8 Meter, zehntausende Bewohner Pozzuolis mussten ihre Häuser zeitweise verlassen. Die aktuelle Hebungsphase läuft seit etwa 2005: Am Rione Terra, dem Punkt der stärksten Verformung, summiert sie sich inzwischen auf gut 1,6 Meter, allein seit Anfang 2024 kamen knapp 30 Zentimeter hinzu. Seit Februar 2026 hat sich das Tempo laut dem Vesuv-Observatorium des INGV auf etwa einen Zentimeter pro Monat verlangsamt, nachdem es im Herbst 2025 zeitweise doppelt so hoch lag.

Erdbeben und Alarmstufe: die Lage seit 2023

Mit der Hebung gehen Erdbebenschwärme einher, die seit 2023 deutlich zugenommen haben. Die stärksten Ereignisse der laufenden Phase: ein Beben der Magnitude 4,4 am 20. Mai 2024, ein weiteres Beben der Magnitude 4,4 am 13. März 2025, ein Beben der Magnitude 4,6 am 30. Juni 2025, das stärkste in diesem Gebiet seit rund vierzig Jahren, und zuletzt erneut ein Beben der Magnitude 4,4 am 21. Mai 2026, nach dem Schulen in Pozzuoli und Bacoli vorsorglich geschlossen blieben. Die Herde liegen sehr flach, meist in zwei bis vier Kilometern Tiefe. Deshalb sind schon mittlere Magnituden in Pozzuoli, Bacoli und den westlichen Vierteln Neapels deutlich zu spüren; bei den stärksten Beben wurden einzelne Gebäude beschädigt.

Für das Vulkanrisiko gilt die Alarmstufe Gelb, die zweite von vier Stufen. Der Zivilschutz hat sie zuletzt im Februar 2026 bestätigt, verbunden mit einer verstärkten Beobachtungsphase. Gelb bedeutet: Das System ist aus dem Gleichgewicht, die Messwerte werden engmaschig ausgewertet, ein Ausbruch steht nach Einschätzung der Fachleute aber nicht unmittelbar bevor. Anzeichen einer aufsteigenden Magmablase, wie sie vor einer Eruption zu erwarten wären, wurden bislang nicht festgestellt.

Ist ein Besuch derzeit sicher?

Die kurze Antwort: Ein Besuch ist möglich, das Leben in der Region läuft normal weiter. Die archäologischen Stätten, Restaurants und Fährverbindungen sind geöffnet, eine Reisewarnung besteht nicht. Die Phlegräischen Felder werden vom INGV mit einem dichten Netz aus Seismometern, GPS-Stationen und Gasmessungen rund um die Uhr überwacht, kaum ein Vulkangebiet weltweit ist besser instrumentiert.

Ausblenden sollte man die Lage trotzdem nicht. Spürbare Erdbeben sind jederzeit möglich, in der Regel bleiben sie kurz und moderat. Wer sich im Gebiet aufhält, verhält sich dabei wie überall bei Erdbeben: von Fassaden und Stromleitungen fernhalten, in Gebäuden Schutz unter stabilen Möbeln suchen, Anweisungen der Behörden folgen. Der Zivilschutz hält für den unwahrscheinlichen Fall einer Eskalation ausgearbeitete Evakuierungspläne bereit. Wer aktuelle Informationen sucht, findet sie in den wöchentlichen Bulletins des INGV und beim italienischen Zivilschutz.

Sehenswertes in Pozzuoli

Pozzuoli ist der beste Ausgangspunkt für das Gebiet. Auf dem Tuffsporn über dem Hafen liegt der Rione Terra, der älteste Stadtkern: Unter den barocken Gassen führt ein unterirdischer Rundgang durch die Straßenzüge der römischen Kolonie Puteoli, vorbei an Bäckerei, Lagerhäusern und Kryptoportiken. Der Rundgang ist täglich von 9 bis 17.30 Uhr geöffnet, das Ticket kostet 5 Euro. Wenige Gehminuten entfernt steht das Macellum mit seinen durchlöcherten Säulen, dem Wahrzeichen des Bradyseismus.

Oberhalb der Altstadt liegt das Anfiteatro Flavio, nach dem Kolosseum in Rom und der Arena von Capua das drittgrößte Amphitheater Italiens. Es bot rund 40.000 Zuschauern Platz, vor allem die unterirdischen Anlagen mit Käfigräumen und Hebevorrichtungen sind ungewöhnlich gut erhalten. Das Amphitheater ist täglich außer dienstags geöffnet. Wer tiefer in die Antike der Region einsteigen will, findet im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel eine der bedeutendsten Antikensammlungen der Welt.

Die Solfatara, der berühmte dampfende Krater am Stadtrand, ist dagegen gesperrt. Im September 2017 brach dort der Boden ein, drei Mitglieder einer Familie kamen ums Leben. Seither ist das Gelände geschlossen, und daran hat sich auch Stand Juli 2026 nichts geändert; ein Termin für eine Wiedereröffnung ist nicht absehbar. Die Fumarolen lassen sich teils von außen erahnen, betreten werden darf der Krater nicht.

Baiae, Piscina Mirabilis und Cumae

Westlich von Pozzuoli, auf dem Gebiet der Gemeinde Bacoli, liegt Baiae, das Luxusbad der römischen Oberschicht. Weil der Bradyseismus die Küste hier absinken ließ, liegt ein großer Teil der antiken Stadt heute in vier bis sieben Metern Tiefe im Meer. Der 2002 eingerichtete Unterwasserpark, der Parco Sommerso di Baia, schützt auf rund 177 Hektar Villen, Thermen, Mosaike und Statuen; besichtigen lässt sich das versunkene Baiae per Glasbodenboot, beim Schnorcheln oder beim Tauchgang, etwa am Nymphäum des Kaisers Claudius vor der Punta Epitaffio. An Land ergänzen die Thermenanlagen von Baia und das Aragonesische Kastell mit dem Archäologiemuseum der Phlegräischen Felder das Bild.

In Bacoli selbst lohnt die Piscina Mirabilis, eine gewaltige, in den Tuff geschlagene Zisterne mit 48 Pfeilern. Sie bildete den Endpunkt einer römischen Fernwasserleitung und versorgte die Kriegsflotte im Hafen von Misenum. Weiter nördlich liegt Cumae: Die um 740 vor Christus von Griechen aus Chalkis gegründete Stadt gilt als älteste griechische Kolonie auf dem italienischen Festland, gegründet von Siedlern, die zuvor auf Ischia Fuß gefasst hatten. Im Archäologiepark führt ein in den Fels geschlagener Gang von 131 Metern Länge zur sogenannten Grotte der Sibylle, dem Ort, an dem der Sage nach die berühmteste Seherin der Antike weissagte.

Krater und Seen: Monte Nuovo, Astroni, Averner See

Der jüngste Vulkanberg des europäischen Festlands ist eine unscheinbare bewaldete Kuppe bei Arco Felice: der Monte Nuovo, entstanden beim bislang letzten Ausbruch der Phlegräischen Felder. Am 29. September 1538 riss hier die Erde auf, binnen einer Woche schüttete die Eruption einen 133 Meter hohen Kegel auf und begrub das Thermaldorf Tripergole. Heute ist der Monte Nuovo eine frei zugängliche Naturoase mit Wegen auf den Kraterrand und Blick über den Golf.

Gleich daneben liegt der Averner See in einem rund 4.000 Jahre alten Krater. Für die Antike war der dunkle, windstille See der Eingang zur Unterwelt, Vergil ließ Aeneas hier in das Totenreich hinabsteigen. Am Ufer stehen die Reste des sogenannten Apollo-Tempels, einer römischen Thermenhalle. Näher an Neapel liegt der Astroni-Krater, ein vom WWF betreutes Naturschutzgebiet von rund 247 Hektar: Auf dem bewaldeten Kraterboden mit seinen kleinen Seen lassen sich etwa 130 Vogelarten beobachten, ein seltenes Stück ursprünglicher Natur am Rand der Großstadt.

Anreise und beste Reisezeit

Die Phlegräischen Felder sind von Neapel aus einfach zu erreichen. Die Metro-Linie 2 fährt von der Stadtmitte, unter anderem ab Piazza Garibaldi am Hauptbahnhof, bis nach Pozzuoli. Noch praktischer für die Küstenorte ist die Cumana-Bahn: Sie startet an der Station Montesanto in der Altstadt von Neapel und hält auf ihrem rund zwanzig Kilometer langen Weg nach Torregaveta unter anderem in Pozzuoli, Lucrino (für Averner See und Monte Nuovo), Baia und Fusaro (für Cumae und Bacoli), auf der Gesamtstrecke etwa im Halbstundentakt. Vom Hafen von Pozzuoli setzen zudem Fähren nach Ischia und Procida über, ein Abstecher auf die Inseln lässt sich gut mit der Region verbinden.

Beste Reisezeit sind das Frühjahr von April bis Juni und der Herbst von September bis Oktober: Dann sind die Ausgrabungen und Kraterwanderungen angenehm zu begehen, und das Wasser im Unterwasserpark von Baia ist im Herbst noch warm. Im Hochsommer wird es in den schattenlosen Ausgrabungsstätten heiß, Besuche legt man dann besser in die Morgenstunden. Die Wintermonate sind mild und ruhig, einzelne Anlagen haben dann verkürzte Öffnungszeiten.

Häufige Fragen

Was sind die Phlegräischen Felder?

Die Phlegräischen Felder sind ein aktives Vulkangebiet westlich von Neapel, eine Caldera von zwölf bis fünfzehn Kilometern Durchmesser mit mehr als zwanzig Einzelkratern. Wegen der enormen Stärke früherer Ausbrüche gilt das System als Supervulkan. Das Gebiet umfasst Pozzuoli, Bacoli und Teile des westlichen Neapel.

Wann bricht der Supervulkan aus und wie gefährlich ist er?

Ein Ausbruch steht nach Einschätzung des INGV derzeit nicht bevor, Anzeichen für aufsteigendes Magma fehlen bislang. Es gilt die Alarmstufe Gelb, die zweite von vier Stufen, verbunden mit engmaschiger Überwachung. Spürbare Erdbeben sind aber jederzeit möglich, das stärkste der laufenden Phase hatte im Juni 2025 die Magnitude 4,6.

Was kann man in den Phlegräischen Feldern besichtigen?

Zu den Höhepunkten zählen der Rione Terra und das Amphitheater in Pozzuoli, das versunkene Baiae mit seinem Unterwasserpark, die Zisterne Piscina Mirabilis in Bacoli und die antike Stadt Cumae mit der Grotte der Sibylle. Dazu kommen Naturziele wie der Monte Nuovo, der Averner See und der Astroni-Krater.

Wie kommt man von Neapel in die Phlegräischen Felder?

Am einfachsten mit der Bahn: Die Metro-Linie 2 fährt bis Pozzuoli, die Cumana-Bahn ab Montesanto bedient die Küste mit Halten in Pozzuoli, Lucrino, Baia und Fusaro. Für entlegenere Ziele wie Cumae oder das Kap Miseno sind Bus oder Mietwagen praktisch.

Ist die Solfatara wieder geöffnet?

Nein. Der Solfatara-Krater ist seit einem tödlichen Unfall im September 2017 für Besucher gesperrt, auch Stand Juli 2026 gibt es keinen Termin für eine Wiedereröffnung. Als Ersatz bieten sich der Rundweg auf dem Monte Nuovo und die Thermalgebiete am Averner See an.

Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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