Es gibt Plätze, die man betritt, und Plätze, die man betritt wie einen Saal. Die Piazza del Popolo in Ascoli Piceno gehört zur zweiten Sorte. Ein Rechteck von rund 2.500 Quadratmetern, gepflastert mit Travertin, der nach Regen glänzt wie poliert, auf drei Seiten Arkaden mit Backsteingewölben, an der Stirnseite der Palazzo dei Capitani mit seinem Turm, gegenüber die Apsis von San Francesco. Die Einheimischen nennen den Platz ihr Salotto, ihr Wohnzimmer, und genau so benutzen sie ihn: zum Aperitif, zum Spazierengehen, zum Sehen und Gesehenwerden.
Ascoli ist eine Stadt aus Travertin, dem hellen Kalkstein aus den Brüchen des Tronto-Tals, und die Piazza ist sein Schaustück. Was heute so einheitlich wirkt, ist das Ergebnis einer Anordnung vom Anfang des 16. Jahrhunderts: Der päpstliche Gouverneur Raniero de' Ranieri ließ die Hausbesitzer ihre Fassaden nach einem gemeinsamen Muster mit Arkaden und Zinnen umbauen. Der Schriftsteller Guido Piovene zählte den Platz zu den harmonischsten Italiens, und 1987 kam er auf eine Briefmarke.
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Der Palast an der Nordwestseite war im 13. Jahrhundert der Sitz der Volkshauptleute, der gewählten Anführer der Stadtkommune, und später der päpstlichen Gouverneure. Über dem Portal von 1549, einem Werk des Malers und Architekten Cola dell'Amatrice, sitzt die Statue Papst Pauls III., der Ascoli nach Jahren der Fehden befriedete. Der zinnenbewehrte Turm überragt den Platz. Im Inneren gibt es einen Renaissancehof und darunter Ausgrabungen mit römischen Resten, die bei Führungen zugänglich sind. 1535 brannte der Palast bei einem Aufstand, der Wiederaufbau prägte sein heutiges Gesicht.
Die Kirche San Francesco schließt den Platz nach Osten ab, allerdings mit ihrer Rückseite: Die Apsis mit den beiden schlanken Türmen und der Kuppel steht zum Platz, das Hauptportal liegt an der Seite. Begonnen 1258, wurde die Kirche erst 1549 vollendet, ein gotischer Bau mit wenig Schmuck und viel Ruhe. An ihre Flanke lehnt sich die Loggia dei Mercanti, 1509 bis 1513 von der Wollweberzunft gebaut, eine offene Halle auf korinthischen Säulen, in deren Wand die Maße für Ziegel und Dachpfannen eingemeißelt sind, damit jeder Käufer nachmessen konnte.
Unter den Arkaden an der Südseite liegt das Caffè Meletti, 1907 im Jugendstil eröffnet, mit Spiegeln, Stuck und einer Theke aus Marmor. Hier wurde die Anisetta Meletti ausgeschenkt, ein Anislikör, den Silvio Meletti 1870 erfand und der das Kaffeehaus berühmt machte; Hemingway, Sartre und Mascagni sollen an diesen Tischen gesessen haben. Der Likör wird bis heute in Ascoli hergestellt, mit Espresso als Caffè corretto oder mit einer Kaffeebohne im Glas, der Mosca. Dazu gehören die Olive all'ascolana, gefüllte und frittierte Oliven, die ihren Namen von der Stadt haben.
Zweimal im Jahr wird der Platz zur Bühne. Im Februar tanzt hier der Karneval, einer der ausgelassensten der Marken, mit Masken und Spott auf die Stadtpolitik. Im Juli und August folgt die Quintana, ein Ritterturnier, bei dem die sechs Stadtviertel zu Pferd gegen eine drehbare Puppe antreten. Der Umzug in Kostümen des 15. Jahrhunderts mit rund 1.500 Teilnehmern zieht über die Piazza, das Turnier selbst findet im Stadion statt. Wer dann kommt, sieht Ascoli in seinem Element, sollte aber früh ein Zimmer buchen.
Der Platz ist immer offen, kostet nichts und ist am schönsten am frühen Abend, wenn das Licht den Travertin färbt und die Arkaden sich füllen. Von hier führt die Via del Trivio zur Piazza Arringo mit dem Dom und der Pinakothek, die Rua delle Stelle hinunter zum Fluss und zu den mittelalterlichen Türmen, von denen Ascoli einst hundert hatte. Der Ponte Romano über den Tronto trägt seit 2.000 Jahren Verkehr. In die Berge sind es 30 Minuten: Die Monti Sibillini mit dem Lago di Pilato liegen im Westen, die Adria bei San Benedetto del Tronto ist in einer halben Stunde erreicht.
Ascoli Piceno liegt am Ende der Schnellstraße Ascoli-Mare, die von der Autobahn A14 bei San Benedetto del Tronto ins Tal führt. Parkhäuser liegen am Rand der Altstadt, etwa an der Porta Torricella, der Platz selbst ist Fußgängerzone. Mit dem Zug erreichst du Ascoli über die Nebenlinie von San Benedetto, der Bahnhof liegt zehn Minuten zu Fuß vom Zentrum. Der nächste Flughafen ist Pescara, gut eine Stunde entfernt.
Wegen ihrer Geschlossenheit: Travertinpflaster, Renaissance-Arkaden auf drei Seiten, der Palazzo dei Capitani mit Turm und die Apsis von San Francesco bilden einen der harmonischsten Plätze Italiens.
Ein Jugendstilcafé von 1907 unter den Arkaden, bekannt für die Anisetta Meletti, den Anislikör der Stadt. Ein Aperitif dort gehört zum Besuch dazu.
Das Ritterturnier der sechs Stadtviertel wird zweimal im Sommer ausgetragen, im Juli und am ersten Augustsonntag, mit einem historischen Umzug über die Piazza del Popolo.
Der Innenhof ist frei zugänglich, die Ausgrabungen im Untergeschoss und die Säle werden bei Führungen gezeigt. Informationen gibt die Touristeninformation am Platz.
Olive all'ascolana, die mit Fleisch gefüllten und frittierten Oliven, dazu Anisetta Meletti mit einer Kaffeebohne im Glas. Beides gibt es rund um die Piazza.
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