Von der Adria aus sieht man sie schon von der Autobahn: eine Burg mit Zinnen und Ecktürmen auf einem Hügel, darunter ein Dorf, das in einem doppelten Mauerring steckt. Gradara liegt am Nordrand der Marken, wenige Kilometer hinter Cattolica und Gabicce Mare, und ist eine der am besten erhaltenen Burganlagen Italiens. Fast 800 Meter Mauern mit Wehrgang umschließen den Ort, die Rocca selbst ist ein Viereck aus Backstein mit einem Bergfried, der 1150 begonnen wurde. Berühmt ist sie aber nicht wegen ihrer Mauern, sondern wegen einer Liebesgeschichte, die Dante in die Hölle versetzte.
Paolo Malatesta und Francesca da Polenta, die Frau seines Bruders Gianciotto, wurden um 1285 vom betrogenen Ehemann beim Lesen ertappt und erstochen. Dante lässt die beiden im fünften Gesang des Inferno als Liebende im Sturm der Wollüstigen kreisen, und Francesca erzählt ihm, wie das Buch von Lancelot sie verführte: An diesem Tag lasen wir nicht weiter. Ob die Tat in Gradara geschah, ist nicht belegt, aber die Burg der Malatesta hat die Geschichte zu ihrer gemacht, bis hin zum Zimmer, das als Kammer Francescas gezeigt wird.
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Den ersten Turm errichtete die Familie De Griffo um 1150. Die Malatesta aus Rimini, die im 13. Jahrhundert die Herrschaft übernahmen, bauten daraus die Festung und legten zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert die beiden Mauerringe um das Dorf. 1446 belagerte Francesco Sforza die Burg 40 Tage lang vergeblich, Regen und Entsatz retteten die Verteidiger; wenige Jahre später fiel Gradara doch an die Sforza, dann an die Della Rovere von Urbino, kurz an Cesare Borgia und schließlich an den Kirchenstaat. Lucrezia Borgia wohnte hier als Gattin von Giovanni Sforza, das nach ihr benannte Zimmer ist Teil des Rundgangs.
Nach Jahrhunderten des Verfalls kaufte 1920 der Ingenieur Umberto Zanvettori die Ruine und ließ sie auf eigene Kosten restaurieren, mit dem Ehrgeiz eines Romantikers, der das Mittelalter so wiederherstellte, wie er es sich vorstellte. 1928 übernahm der Staat die Anlage. Heute ist die Rocca ein staatliches Museum mit mehr als 200.000 Besuchern im Jahr.
Über die Zugbrücke geht es in den Hof und von dort durch die Wohnräume: die Kapelle mit einer glasierten Terrakotta aus der Werkstatt der Della Robbia, den Saal der Folter, die Kammer Lucrezias, das Zimmer Francescas mit dem Alkoven und der Falltür, durch die Paolo der Legende nach fliehen wollte. Die Einrichtung stammt zum Teil aus Zanvettoris Zeit, die Wände zeigen Fresken und Wappen der Sforza. Vom Bergfried blickt man über das Dorf, die Mauern und bis zum Meer.
Getrennt von der Burg lässt sich der Camminamento di Ronda begehen, der Wehrgang auf der äußeren Mauer, von dem aus das Dorf mit seinen Ziegeldächern und die Hügel bis Pesaro zu sehen sind. Der Ort selbst besteht aus einer einzigen Hauptgasse mit Läden, Restaurants und dem Tor, durch das man hineinkommt.
Die Rocca ist als staatliches Museum von Dienstag bis Sonntag geöffnet, montags nur am Vormittag; die Zeiten und der Eintritt stehen auf der Seite der Museumsdirektion der Marken, am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei. Der Wehrgang wird von der Gemeinde separat verkauft, oft als Kombikarte. Rechne mit einer Stunde für die Burg und einer halben für Wehrgang und Dorf. Im Sommer, wenn die Badegäste von der Küste heraufkommen, ist es am Nachmittag voll; morgens und in der Nebensaison hat man die Säle fast für sich. Im Juli findet das historische Fest Assedio al Castello statt, bei dem die Belagerung von 1446 nachgespielt wird.
Gradara liegt fünf Kilometer von den Badeorten Gabicce Mare und Cattolica entfernt, an der Grenze zur Emilia-Romagna; Rimini ist 20 Minuten entfernt. Nach Süden führt die Küste über den Naturpark Monte San Bartolo mit seinen Steilküsten nach Pesaro, im Hinterland liegen Urbino mit dem Palazzo Ducale und die Republik San Marino, beide in rund 40 Minuten zu erreichen.
Mit dem Auto über die A14, Ausfahrt Cattolica-San Giovanni-Gabicce, dann fünf Minuten landeinwärts; Parkplätze liegen unterhalb der Mauern, im Sommer gebührenpflichtig. Der nächste Bahnhof ist Cattolica an der Adrialinie, von dort fahren Busse und im Sommer ein Shuttle nach Gradara. Der Flughafen Rimini ist 30 Minuten entfernt, Bologna anderthalb Stunden.
Hier soll Gianciotto Malatesta um 1285 seine Frau Francesca und seinen Bruder Paolo ermordet haben. Dante erzählt ihre Geschichte im fünften Gesang des Inferno, die Burg zeigt das Zimmer Francescas.
Der Bergfried stammt von etwa 1150, die Malatesta bauten Burg und Mauerringe im 13. und 14. Jahrhundert aus. 1920 bis 1923 wurde die Ruine von Umberto Zanvettori restauriert.
Die Rocca ist ein staatliches Museum mit moderatem Eintritt, am ersten Sonntag im Monat frei. Der Wehrgang auf der Stadtmauer kostet extra, es gibt Kombikarten.
Ja, der Camminamento di Ronda führt auf der äußeren Mauer um das Dorf mit Blick auf Dächer, Burg und Adria. Er ist rund 20 Minuten lang.
Von Cattolica oder Gabicce Mare in fünf Minuten mit dem Auto, im Sommer auch mit dem Shuttle-Bus. Vom Bahnhof Cattolica fahren Linienbusse.
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