San Fruttuoso
Camogli, Ligurien

San Fruttuoso

Malerisch gelegener Klosterkomplex in einer Bucht am Golfo Paradiso

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Zwischen Camogli und Portofino schiebt sich der bewaldete Monte di Portofino ins Meer, und genau dort, wo die Steilküste kurz zurückweicht, liegt San Fruttuoso. Die Abtei steht direkt am Kies der kleinen Bucht, mit den Füßen fast im Wasser. Eine Straße führt nicht hierher. Wer die alten Mauern sehen will, nimmt das Boot oder wandert über die Höhenwege des Naturparks. Diese Abgeschiedenheit ist der Grund, warum San Fruttuoso bis heute so ruhig wirkt und einer der eigenwilligsten Orte an der ligurischen Küste geblieben ist.

Der Reiz liegt in der Kombination aus zwei Dingen, die du sonst kaum zusammen findest: eine benediktinische Abtei aus dem Mittelalter und, wenige Meter davor im Meer, eine Bronzestatue am Grund der Bucht. Der Christus der Tiefe streckt seine Arme nach oben, Richtung Wasseroberfläche. Taucher besuchen ihn direkt, alle anderen sehen bei ruhiger See von den Booten aus die Umrisse. San Fruttuoso ist damit weniger ein klassisches Ausflugsziel als eine kleine Bühne aus Fels, Kirche und Wasser, die in dieser Form in ganz Ligurien einmalig ist.

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Eine Abtei, die fast im Wasser steht

Die Ursprünge gehen auf das 10. und 11. Jahrhundert zurück, als hier Benediktinermönche eine Kirche über dem Grab des heiligen Fruttuoso errichteten. Der Bau wuchs über Jahrhunderte: Der Kreuzgang kam im 12. Jahrhundert dazu, der zum Meer gerichtete Flügel im 13. Jahrhundert. Heute stehen die Gebäude in mehreren Ebenen dicht an der Bucht, mit Rundbögen, einem stillen Innenhof und einem achteckigen Turm, der die Silhouette prägt. Von der Kiesbucht aus wirkt das Ganze, als sei es aus dem Fels der Küste gewachsen.

Über die Nutzung entscheidet seit langem der italienische Denkmalfonds FAI, der die Abtei betreut und für Besucher geöffnet hält. Im Inneren führt der Rundgang durch die Kirche, die Krypta mit den Gräbern und die alten Wohnräume der Mönche. Rechne für den reinen Besuch der Abtei etwa 45 bis 60 Minuten ein, dazu kommt Zeit am Strand und für das Warten aufs nächste Boot.

Turm, Doria-Gräber und Kreuzgang

Ein Teil der Geschichte gehört der Genueser Adelsfamilie Doria. In der Krypta liegen ihre Familiengräber aus den Jahren 1275 bis 1305, gestaltet im ligurischen Streifenmuster aus schwarzem Schiefer und weißem Marmor. Weil die einsame Bucht immer wieder Ziel von Piratenüberfällen war, ließ die Familie 1562 zusätzlich einen Wehrturm errichten, die Torre Doria, gebaut von Giovanni Ponzello. Der Turm steht etwas erhöht über der Bucht und lässt sich beim Besuch mit ansehen. Von oben hast du den besten Blick über Kirche, Strand und das offene Ligurische Meer.

Der Christus der Tiefe

Das bekannteste Bild von San Fruttuoso liegt unter Wasser. Der Cristo degli Abissi, der Christus der Tiefe, ist eine rund 2,5 Meter hohe Bronzestatue, die seit dem 29. August 1954 in rund 15 Metern Tiefe auf dem Grund der Bucht steht. Die Figur erinnert an einen 1947 verunglückten Taucher und ist zugleich ein Schutzpatron für alle, die im Meer arbeiten. Wer taucht oder schnorchelt, kommt der Statue am nächsten. Bei klarem, ruhigem Wasser lässt sie sich auch von der Oberfläche erahnen. In der Abtei selbst steht ein zweiter Abguss, sodass du die Figur auch ohne Neoprenanzug aus der Nähe sehen kannst.

Anreise, Tickets und Tipps

Nach San Fruttuoso kommst du nur per Boot oder zu Fuß, eine Autostraße gibt es nicht. Am einfachsten ist die Fähre. Von Camogli dauert die Überfahrt etwa 30 Minuten, von Portofino nur rund 15 Minuten. Weitere Linien fahren aus Santa Margherita Ligure, Rapallo und Recco. Betrieben werden die Verbindungen unter anderem vom Servizio Marittimo del Tigullio und von Golfo Paradiso. Ein Retourticket kostet je nach Startort ungefähr 13 bis 18 Euro. Wichtig: Bei starkem Wind oder rauer See fallen Fahrten aus, und dann bleibt die Bucht praktisch unerreichbar. Prüfe den Fahrplan am Morgen und sichere dir früh ein Rückticket, damit du nicht am Strand festsitzt.

Wer lieber wandert, startet meist in Camogli. Über das Bergdorf San Rocco und die alten Batterie-Stellungen brauchst du gut 2,5 Stunden, teils auf steilen, felsigen Pfaden. Da einzelne Küstenabschnitte zeitweise gesperrt sein können, ist der binnenländische Weg über die Passhöhe Pietre Strette die verlässlichere Variante und dauert etwa 2 bis 2,5 Stunden. Auch von Portofino aus führt ein Höhenweg in ähnlicher Zeit herüber. Feste Schuhe und Wasser sind Pflicht, in der Mittagshitze des Sommers ist der Aufstieg anstrengend.

Der Eintritt in die Abtei kostet 10 Euro für Erwachsene und 5 Euro ermäßigt, etwa für Jugendliche von 6 bis 18 Jahren und Studierende bis 25. FAI-Mitglieder kommen frei hinein. Geöffnet ist ganzjährig, im Hochsommer von Juni bis Mitte September täglich von 10 bis 17.45 Uhr, der letzte Einlass liegt 45 Minuten vor Schluss. Außerhalb der Sommermonate schließt die Abtei früher. Die beste Zeit für einen Besuch sind Vormittag oder später Nachmittag: Dann sind die Tagesboote noch nicht oder nicht mehr voll, und du hast die Bucht fast für dich. Geführte Bootstouren ab Portofino oder Camogli lassen sich vorab online buchen und verbinden die Überfahrt oft mit einem Stopp über der Statue.

In der Umgebung

San Fruttuoso lässt sich gut mit dem übrigen Golfo del Tigullio verbinden. Das Fischerdorf Camogli mit seinen hohen, bunt bemalten Häusern ist der klassische Ausgangspunkt und selbst einen halben Tag wert. Weiter östlich liegt Portofino, der kleine Nobelhafen mit seiner berühmten Piazzetta, von wo das Boot am schnellsten herüberfährt. Ruhiger und größer ist Santa Margherita Ligure mit Uferpromenade und Palmen. Für einen längeren Aufenthalt bietet sich die Provinzhauptstadt Genua an, gut eine Zugstunde entfernt. Wer mehr von der Küste sehen will, findet in unserem Überblick zu Ligurien weitere Orte, Strände und Wandertipps.

Häufige Fragen

Wie kommt man nach San Fruttuoso?

Nur per Boot oder zu Fuß, denn eine Straße führt nicht in die Bucht. Die Fähre braucht von Camogli etwa 30 Minuten, von Portofino nur etwa 15 Minuten. Weitere Linien fahren aus Santa Margherita Ligure, Rapallo und Recco.

Was kostet der Eintritt in die Abtei San Fruttuoso?

Der Eintritt kostet 10 Euro für Erwachsene und 5 Euro ermäßigt (Jugendliche von 6 bis 18 Jahren und Studierende bis 25). FAI-Mitglieder kommen frei hinein. Das Bootsticket ist separat und liegt bei etwa 13 bis 18 Euro hin und zurück.

Wo steht der Christus der Tiefe und wie tief liegt er?

Der Cristo degli Abissi liegt in rund 15 Metern Tiefe am Grund der Bucht von San Fruttuoso, dort versenkt am 29. August 1954. Die rund 2,5 Meter hohe Bronzestatue erreichen Taucher direkt; einen zweiten Abguss siehst du in der Abtei.

Wann ist die beste Reisezeit für San Fruttuoso?

Am angenehmsten sind Mai, Juni und September, wenn das Meer ruhig ist und die Boote zuverlässig fahren. Im Hochsommer ist die kleine Bucht oft voll. Komm früh am Vormittag oder am späten Nachmittag, dann sind die Tagesboote weniger stark besetzt.

Wie lange dauert die Wanderung von Camogli nach San Fruttuoso?

Rund 2,5 Stunden über das Dorf San Rocco, teils auf steilen, felsigen Pfaden. Da einzelne Küstenabschnitte zeitweise gesperrt sein können, ist der binnenländische Weg über die Passhöhe Pietre Strette mit etwa 2 bis 2,5 Stunden die verlässlichere Route.

Kann man eine Bootstour zum Christus der Tiefe buchen?

Ja, ab Portofino und Camogli lassen sich Fährfahrten und geführte Bootstouren vorab online buchen, viele mit einem Stopp über der Statue. Sichere dir am selben Tag früh ein Rückticket, da Fahrten bei rauer See ausfallen und die Bucht dann nicht erreichbar ist.

Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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