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Sassi di Matera
Matera, Basilikata

Sassi di Matera

Die Höhlenstadt: seit der Jungsteinzeit bewohnt, 1952 geräumt, heute Welterbe.

Von der gegenüberliegenden Seite der Schlucht sieht Matera aus wie ein Bienenstock aus Stein. Haus über Haus, Höhle über Höhle, Treppen, die auf Dächern enden, Dächer, die Straßen sind, alles in derselben Farbe wie der Fels, aus dem es gehauen wurde. Die Sassi, die beiden Altstadtviertel Sasso Caveoso und Sasso Barisano, sind eine der ältesten dauerhaft bewohnten Siedlungen der Welt: Menschen leben in diesen Höhlen seit der Jungsteinzeit, und sie leben wieder darin, seit die Stadt ihre Schande zum Weltkulturerbe gemacht hat.

Der Weg dahin war lang. 1945 beschrieb Carlo Levi in seinem Buch Christus kam nur bis Eboli die Sassi als Hölle aus Höhlen, in denen Familien mit Ziegen und Hühnern in einem Raum hausten, Malaria und Kindersterblichkeit inbegriffen. Der Skandal zwang Rom zum Handeln: 1952 verabschiedete die Regierung De Gasperi ein Sondergesetz, das die Sassi räumte und ihre rund 15.000 Bewohner in neue Viertel umsiedelte, ein Vorgang, der bis 1965 dauerte. Danach stand die Felsenstadt leer, ein Steinbruch für Vandalen und ein Versteck für Hunde. Erst in den 1980er Jahren begann die Rückkehr, 1993 kam die UNESCO, 2019 war Matera Kulturhauptstadt Europas.

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Sasso Caveoso und Sasso Barisano

Die beiden Viertel liegen zu Seiten des Felssporns, auf dem die Civita mit dem Dom thront, und fallen zur Gravina ab, der Schlucht, die die Stadt von der Hochfläche der Murgia trennt. Der Sasso Caveoso im Süden ist der ursprünglichere: Hier sind viele Häuser noch reine Höhlen mit vorgesetzter Fassade, die Gassen enden an Felswänden, und die Kirche San Pietro Caveoso steht am Rand des Abgrunds. Der Sasso Barisano im Norden wurde früher überbaut, seine Höhlen tragen Fassaden aus Renaissance und Barock, hinter denen die Räume in den Berg gehen. Beide sind heute Wohnviertel, mit Hotels, Restaurants und Werkstätten in den Höhlen, aber auch mit Bewohnern, die Wäsche auf die Terrassen hängen.

Felsenkirchen, Höhlenwohnung, Zisternen

Rund 150 Felsenkirchen liegen in und um Matera, aus dem Fels gehauen von byzantinischen und benediktinischen Mönchen zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert, viele mit Fresken. Santa Maria de Idris auf dem Felsen des Monterrone mitten im Sasso Caveoso und San Pietro Barisano mit seiner unterirdischen Krypta gehören zu den zugänglichen. Die Casa Grotta di Vico Solitario zeigt eine Höhlenwohnung so, wie sie 1950 aussah: ein Raum, ein Bett, in dem die ganze Familie schlief, der Stall für das Maultier daneben, das Plumpsklo ein Eimer. Unter der Piazza Vittorio Veneto liegt der Palombaro Lungo, eine Zisterne von 16 Metern Tiefe, die die Stadt jahrhundertelang mit Wasser versorgte und heute begehbar ist. Das Wassersystem der Sassi mit seinen Kanälen und Zisternen war einer der Gründe für die UNESCO-Auszeichnung.

Filme und Kulissen

Weil die Sassi aussehen wie das Jerusalem der Bibel, drehte Pasolini hier 1964 sein Matthäus-Evangelium, Mel Gibson 2004 Die Passion Christi, und 2021 raste James Bond in Keine Zeit zu sterben mit dem Aston Martin über die Piazza und durch die Gassen. Wer die Drehorte sucht, findet sie an jeder Ecke.

Besuch: Rundgang, Belvedere, Dauer

Die Sassi sind offen, der Rundgang kostet nichts, nur Kirchen, Casa Grotta und Zisterne verlangen Eintritt. Beginne an der Piazza Vittorio Veneto, wo sich vom Belvedere der erste Blick auf den Sasso Barisano öffnet, und gehe hinunter in die Gassen; ohne Plan verläuft man sich, aber das ist Teil der Sache. Der große Blick von außen gehört zum Besuch dazu: Vom Belvedere Murgia Timone auf der anderen Seite der Schlucht, im Parco della Murgia Materana, liegt die ganze Stadt wie ein Relief vor einem. Eine Hängebrücke und ein Weg führen durch die Gravina hinüber, rund eine Stunde hin und zurück, oder man fährt mit dem Auto. Rechne mit einem vollen Tag, besser mit einer Nacht: Am Abend, wenn die Lichter in den Höhlen angehen, ist Matera am schönsten. Die Gassen sind steil und aus glattem Stein, feste Schuhe helfen, Kinderwagen kommen kaum durch.

Anreise und beste Zeit

Matera hat keinen Bahnhof der Staatsbahn. Der nächste Flughafen ist Bari, 65 Kilometer entfernt, von dort fahren Shuttlebusse in gut eine Stunde in die Stadt; die Privatbahn Ferrovie Appulo Lucane verbindet Bari und Matera in anderthalb Stunden. Mit dem Auto über die SS96 oder SS99 von Bari, Parkplätze liegen am Rand der Altstadt, die Sassi selbst sind für Besucherautos gesperrt. Beste Zeit sind Frühjahr und Herbst; im Sommer heizt sich der Stein auf, im Winter kann es hier auf 400 Metern kalt und windig werden.

Häufige Fragen

Was sind die Sassi di Matera?

Die beiden Altstadtviertel Sasso Caveoso und Sasso Barisano, in denen die Häuser in den Fels gehauen sind, bewohnt seit der Jungsteinzeit. Seit 1993 UNESCO-Welterbe, 2019 Kulturhauptstadt Europas.

Warum wurden die Sassi geräumt?

Wegen der Zustände, die Carlo Levi 1945 beschrieb: Familien mit Tieren in einem Raum, Malaria, hohe Kindersterblichkeit. Ein Gesetz von 1952 siedelte die rund 15.000 Bewohner bis 1965 in neue Viertel um.

Kostet der Besuch der Sassi Eintritt?

Nein, die Viertel sind frei zugänglich. Eintritt kosten die Felsenkirchen, die Casa Grotta und die Zisterne Palombaro Lungo.

Wo hat man den besten Blick auf Matera?

Vom Belvedere Murgia Timone auf der anderen Seite der Schlucht, zu Fuß über die Hängebrücke oder mit dem Auto über den Parco della Murgia. In der Stadt vom Belvedere an der Piazza Vittorio Veneto und von der Kirche Santa Maria de Idris.

Wie kommt man nach Matera?

Über den Flughafen Bari und Shuttlebus oder die Privatbahn Ferrovie Appulo Lucane, jeweils gut eine Stunde. Mit dem Auto über die SS96 oder SS99, Parkplätze am Rand der Altstadt.

Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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