Eine Mauer, 88 Meter lang, 18 Meter hoch, ohne Fenster, dahinter ein Halbrund aus Säulen und Logen unter freiem Himmel: Der Sferisterio von Macerata sieht aus wie ein antikes Theater, ist aber ein Sportbau des 19. Jahrhunderts. Hundert Bürger der Stadt ließen ihn zwischen 1820 und 1829 errichten, damit Macerata eine Arena für das Ballspiel mit dem Armschlag hatte, den Pallone col bracciale, den populärsten Sport Italiens vor dem Fußball. Heute ist der Sferisterio eine der schönsten Opernbühnen des Landes, und der Sommer in Macerata ist ohne ihn nicht zu denken.
Die Inschrift über dem Eingang nennt die Stifter und den Zweck: zur Zierde der Stadt, zum Vergnügen des Volkes, erbaut von der Großzügigkeit hundert Gesellschafter, 1829. Die Cento Consorti waren Adlige und Bürger, die das Geld für den Bau zusammenlegten, im Gegenzug bekam jede Familie eine eigene Loge. Den Entwurf lieferte Ireneo Aleandri, ein junger Architekt aus San Severino Marche, der im Stil des Klassizismus baute: 56 dorische Säulen tragen die zwei Logengeschosse, die sich als flacher Bogen um das Spielfeld legen.
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Das Ballspiel, für das die Mauer gebaut wurde, brauchte genau diese Form: Die Spieler schlugen den Ball mit einem hölzernen Armschutz gegen die hohe Wand, das Publikum saß im Halbrund gegenüber. Bis ins frühe 20. Jahrhundert zogen die Spiele Tausende an, dazu kamen Zirkus, Stierkämpfe nach spanischer Art und Ballonfahrten. 1921 wagte die Stadt etwas Neues und setzte Verdis Aida in die Arena. Der Erfolg war so groß, dass die Oper blieb; 1967 wurde daraus das Macerata Opera Festival, das seither jeden Juli und August drei bis vier Inszenierungen auf die Bühne bringt.
Was Sänger und Dirigenten an dem Ort schätzen, ist die Akustik. Die lange Mauer wirft den Klang gleichmäßig ins Halbrund, sodass der Sferisterio als eines der wenigen Freilufttheater Italiens ohne Verstärkung auskommt. Rund 2.500 Zuschauer finden Platz, in den Logen der Consorti-Familien, im Parkett und auf den Stufen unter der Mauer. Die Bühne mit ihren 40 Metern Breite gehört zu den breitesten Europas, was Regisseuren Bilder erlaubt, die in einem Opernhaus nicht möglich wären.
Das Macerata Opera Festival läuft von Mitte Juli bis Mitte August, die Vorstellungen beginnen um 21 Uhr, wenn die Hitze nachlässt und das Licht auf der Mauer verlischt. Auf dem Programm stehen meist Werke des großen Repertoires, Verdi, Puccini, Rossini, dazu Konzerte und Ballett. Karten gibt es je nach Platz von günstigen Stufenplätzen bis zu den Logen; die Nachfrage ist hoch, für die Wochenenden solltest du Monate vorher buchen. Bei Regen wird die Vorstellung unterbrochen oder verschoben, ein leichter Pullover gehört auch im August mit, weil es nach Mitternacht kühl werden kann.
Auch ohne Vorstellung lässt sich der Sferisterio besichtigen. Führungen zeigen die Logen, die Bühne und die Gänge hinter der Mauer, die Zeiten wechseln mit der Saison und stehen auf der Seite des Theaters. Von außen wirkt der Bau am stärksten von der Piazza Nazario Sauro aus, wo die geschlossene Mauer wie eine Festung steht. Die Altstadt von Macerata mit ihrem Dom, der Piazza della Libertà und dem Teatro Lauro Rossi, einem Logentheater des 18. Jahrhunderts, liegt wenige Schritte entfernt hinter den Stadtmauern.
Macerata liegt auf einem Hügel zwischen den Flüssen Chienti und Potenza, in der Mitte der Marken. Nach Osten sind es 30 Minuten zur Adria bei Civitanova Marche und zur Wallfahrtsbasilika von Loreto. Nach Westen führt die Straße in die Monti Sibillini, nach Norden nach Recanati, der Stadt Leopardis. Die Abtei von Fiastra, ein Zisterzienserkloster des 12. Jahrhunderts in einem Naturreservat, liegt zehn Kilometer südlich.
Mit dem Auto verlässt du die A14 bei Civitanova Marche und folgst der Schnellstraße nach Macerata. Parkplätze liegen am Fuß der Altstadt, am Sferisterio selbst gibt es an Vorstellungsabenden Parkplätze gegen Gebühr. Der Bahnhof Macerata an der Linie Civitanova-Fabriano liegt unterhalb der Stadt, Aufzüge und Rolltreppen führen hinauf. Der Flughafen Ancona ist eine knappe Stunde entfernt.
Eine klassizistische Freiluftarena in Macerata, 1820 bis 1829 von hundert Bürgern für das Ballspiel Pallone col bracciale gebaut. Seit 1921 wird hier Oper gespielt, seit 1967 als Macerata Opera Festival.
Jedes Jahr von Mitte Juli bis Mitte August, mit Vorstellungen ab 21 Uhr. Das Programm und die Karten stehen ab dem Winter auf der Seite des Festivals.
Ja, es gibt Führungen durch Logen, Bühne und Gänge. Die Zeiten hängen von der Saison ab und stehen auf der Seite des Theaters.
Rund 2.500, verteilt auf Logen, Parkett und Stufen. Die Bühne ist etwa 40 Meter breit.
Die Vorstellung wird unterbrochen und bei anhaltendem Regen verschoben oder abgesagt. Ein Regenschutz und ein Pullover gehören auch im Sommer in die Tasche.
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