Vulkan Vesuv bei Neapel, Kampanien | italien.de

Vesuv

Damoklesschwert über dem Golf von Neapel

Seine finstere Silhouette erhebt sich drohend hinter der Stadt Neapel. Wie ein schlafender Drache liegt er da. Allzeit bereit, sein Haupt zu erheben und glühende Lava weit über das Land zu speien. Der Vesuv – Kampaniens Schicksalsberg.

Feuerberg von gewaltigen Ausmaßen

Der Vesuv ist Europas einziger noch aktiver Vulkan, der nicht auf einer Insel, sondern auf dem Festland liegt. Er befindet sich in einer Zone, in der es bereits seit hunderttausenden von Jahren vulkanische Aktivitäten gegeben hat, zwischen der afrikanischen und der europäischen Kontinentalplatte. An seinem Fuße bringt es der über 1.280 Meter hohe Gigant auf einen Umfang von 80 Kilometern und eine Fläche von fast 500 Quadratkilometern.

 

Der Vesuv ruht auf mehrere Kilometer dicken Sedimenten, die über 60 Millionen Jahre alt sind und aus dem Mesozoikum und Tertiär stammen. Er ist aus einem älteren Schichtvulkan, dem noch teilweise vorhandenen Monte Somma, hervorgegangen. Die Ursprünge des Somma entstanden vor zehntausenden von Jahren. Nach dem Einsturz seiner Spitze entstand Jahrtausende später ein vier Kilometer breiter Kessel, eine so genannte Caldera, in der sich ein neuer Kegel als Tochter-Vulkan bildete - der Vesuv.

Objekt von Mythen und Legenden

Die Menschen der Antike sahen den Vesuv als Eingang zur Unterwelt und zum Totenreich an. Giganten und der Feuergott Vulcanus https://de.wikipedia.org/wiki/Vulcanussollten hier zu Hause sein. Auch im Mittelalter rankte sich manch geheimnisvolle Legende um den Berg: Dämonen, so hieß es, schürten hier das Höllenfeuer. Die Schwefelausdünstungen des Vesuvs wurden gar als Beweis für die Existenz von Hölle und Fegefeuer angeführt.

Vulkanausbrüche und pyroklastische Ströme

Die Ausbrüche des Vesuvs sind durch eine besonders hohe Explosivität gekennzeichnet. In Form von so genannten plinianischen Eruptionen steigt zunächst eine Säule kilometerweit in die Höhe und es werden gewaltige Mengen vulkanischen Materials ausgestoßen. In einer zweiten Phase stürzt die Staub- und Aschewolke in sich zusammen und es entsteht ein pyroklastischer Strom: Dabei bildet sich ein Feststoff-Gas-Gemisch, das mit einer Geschwindigkeit von bis zu 700 Stundenkilometern den Berg hinabschießt und über eine gewaltige Zerstörungskraft verfügt.

 

Bereits vor 18.000 Jahren hat es im Bereich des heutigen Vesuvs erste plinianische Eruptionen gegeben. Nach einer längeren Ruhephase kam es vor 8.000 bis 3.000 Jahren erneut zu starken Ausbrüchen, durch die unter anderem bronzezeitliche Siedlungen zerstört wurden.

Der Untergang von Pompeji

Der wohl bekannteste, spektakulärste und verheerendste Großausbruch war die Pompeji-Eruption im Jahre 79 n. Chr., die von Plinius dem Jüngeren detailliert überliefert wurde. Der Ausbruch erwischte die Menschen am Vesuv kalt, denn der Vulkan galt seit 800 v. Chr. als erloschen. Ein folgenschwerer Irrtum, wie sich nun herausstellte: Es war der 24. August, als die Orte Pompeji, Herculaneum, Oplontis und Stabiae vollständig zerstört und durch meterdicke Staub- und Aschemassen verschüttet wurden. 18 Stunden währte der furchtbare Ausbruch, in dessen Verlauf der Vulkan mehr als drei Kubikkilometer Felsgestein und Asche auswarf und Ascheregen und pyroklastische Ströme eine 20 Meter hohe Schicht über den Ortschaften aufhäuften. 5.000 Menschen fanden damals den Tod. Die teils gut erhaltenen sterblichen Überreste von mehr als 1.000 von ihnen sowie die Reste römischer Villen und Landhäuser wurden später bei Ausgrabungen freigelegt und sind bis heute in Pompeji zu sehen.

Der Vesuv heute

Nach der Pompeji-Eruption begann die letzte postplinianische Aktivitätsperiode, die bis heute andauert. Lediglich zwei größere subplinianische Ausbrüche in den Jahren 472 und 1631 und zahlreiche kleinere vulkanische Aktivitäten wurden seitdem verzeichnet.

 

Besonders hervorzuheben ist der bislang letzte Ausbruch vom März 1944, mit Lavaflüssen und pyroklastischen Strömen, die trotz hastiger Evakuierung 26 Menschenleben forderten. Die Orte Massa di Somma und San Sebastiano wurden fast vollständig vernichtet und auf dem nahen Militärflugplatz von Terzigno wurden 80 Bomber der US-Air Force zerstört.

 

Seitdem ist der Vesuv weitgehend ruhig geblieben und zieht viele Touristen an. Zur Bewahrung des Gebietes wurde 1995 der Parco Nazionale del Vesuvio gegründet. Direkt am Vulkan führt eine Straße hinauf bis auf 1.000 Meter Höhe. Hier befindet sich ein Parkplatz für Busse und Pkws. Zu Fuß geht es dann über einen Schotterweg weiter bis zum Krater, der im Rahmen von Führungen besichtigt werden kann.

 

Viele Vesuv-Anrainer wiegen sich nach Ansicht von Experten allerdings in trügerischer Sicherheit: Die fruchtbaren Hänge des Vulkans sind dicht besiedelt und selbst die Metropole Neapel liegt nur knapp zehn Kilometer vom Vulkan entfernt. Zwar gehört der Vesuv zu den am besten überwachten Vulkanen überhaupt und es gibt Evakuierungspläne für den Ernstfall. Die Vorwarnsysteme der Vulkanologen sind allerdings nicht hundertprozentig sicher und es könnte jederzeit zu einem neuen plinianischen Ausbruch mit wenig Vorwarnzeit kommen. So ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Neapels schlafender Drache erwacht, sein unheilvolles Werk wiederaufnimmt und die Region aufs Neue ins Verderben stürzt.

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