Die Abruzzen bereist du am schönsten von Mai bis Oktober, im Winter locken die Skigebiete des Apennin. Der Gran Sasso, die Nationalparks mit Wölfen und Bären, die Trabocchi-Küste an der Adria und die Bergstadt L'Aquila gehören zu den Highlights einer Abruzzen-Reise. Dieser Reiseführer zeigt dir die schönsten Orte, die beste Reisezeit und wo du in den Abruzzen übernachtest.
Die Abruzzen liegen östlich von Rom, dort wo der Apennin am höchsten aufragt und in gut hundert Kilometern zur Adria abfällt. Kaum eine andere Region Italiens packt so viel Landschaft auf so wenig Raum: Gipfel bis fast 3000 Meter, rund 130 Kilometer Küste und ein Drittel der Fläche unter Naturschutz. Drei Nationalparks und mehrere Regionalparks machen die Abruzzen zur grünsten Region Europas, wie man hier gern sagt. Wer Ruhe, Natur und ursprüngliche Bergdörfer sucht, ist hier richtig, ohne dabei auf das Meer zu verzichten. Genau diese Mischung aus Hochgebirge und Adria ist das Besondere an einer Reise in die Abruzzen. Der Massentourismus hat die Region lange links liegen gelassen, und das merkt man: Die Preise sind moderat, die Dörfer echt, und die Gastfreundschaft ist herzlich. Wer den ersten Ort seiner Reise wählt, sollte sich entscheiden, ob er von der Küste aus startet oder gleich in die Berge zieht. Beides lässt sich in einem längeren Aufenthalt gut verbinden, denn die Strecken sind kurz und die Kontraste groß.
Gran Sasso und Campo Imperatore
Das Herzstück der abruzzesischen Bergwelt ist der Nationalpark Gran Sasso e Monti della Laga. Über allem thront der Corno Grande mit 2912 Metern, der höchste Berg des italienischen Festlands außerhalb der Alpen. An seinem Fuß breitet sich Campo Imperatore aus, eine weite Hochebene auf etwa 1500 bis 1900 Metern, die durch einen Gletscher geformt wurde und rund 80 Quadratkilometer misst. Die kahle, baumlose Weite mit ihren grasenden Pferden hat der Landschaft den Beinamen Klein-Tibet eingebracht. Über den Corno Grande führen anspruchsvolle Bergtouren, während die Hochebene selbst schon vom Parkplatz aus beeindruckt. Mehr zu Touren und Anfahrt findest du auf unserer Seite zum Gran Sasso.
Nationalpark Abruzzo, Lazio und Molise
Im Süden der Region liegt einer der ältesten Nationalparks Italiens, gegründet 1923. Der Parco Nazionale d'Abruzzo, Lazio e Molise schützt ausgedehnte Buchenwälder rund um das obere Sangro-Tal und ist bekannt für seine seltene Tierwelt. Hier lebt der Marsische Braunbär, eine eigene Unterart mit nur noch etwa 50 bis 60 Tieren, dazu die elegante Abruzzen-Gämse, die einst kurz vor dem Aussterben stand und durch den Park gerettet wurde. Auch Wölfe, Steinadler und Rothirsche streifen durch die Wälder. Ortszentren wie Pescasseroli oder Civitella Alfedena bieten Besucherzentren, geführte Wanderungen und Wildbeobachtung. Vom Dorf Civitella Alfedena führt ein Weg zum Lago di Barrea, einem türkis schimmernden Bergsee, an dessen Ufern sich gut wandern lässt. Der Park ist mit einem dichten Netz markierter Pfade erschlossen, die von leichten Talwanderungen bis zu langen Gipfeltouren reichen. Wer früh am Morgen oder in der Dämmerung leise unterwegs ist, hat die besten Chancen auf eine Begegnung mit den scheuen Tieren. Fernglas und Geduld gehören dabei ins Gepäck, denn Bär und Wolf zeigen sich nur selten, und meist verrät nur eine Spur im Schnee ihre Anwesenheit.
L'Aquila, Sulmona und die Bergstädte
Die Regionalhauptstadt L'Aquila liegt in einem Talkessel unterhalb des Gran Sasso. Im April 2009 zerstörte ein schweres Erdbeben große Teile der Altstadt und forderte viele Menschenleben. Seither wird das historische Zentrum Stück für Stück wieder aufgebaut, viele Kirchen und Paläste erstrahlen inzwischen restauriert, und das Leben ist in die Gassen zurückgekehrt. Ein Besuch lohnt sich gerade wegen dieser Geschichte des Wiederaufbaus. Südöstlich davon liegt Sulmona im Valle Peligna, die Geburtsstadt des römischen Dichters Ovid. Berühmt ist die Kleinstadt für ihre Confetti, kunstvoll verzierte Mandeln in Zuckerhülle, die als Hochzeitsgeschenk in ganz Italien bekannt sind. Nicht weit entfernt thront Rocca Calascio auf 1460 Metern, eine der höchstgelegenen Burgruinen Italiens, deren Silhouette schon als Filmkulisse diente. Rund um die Festung liegt das nahezu verlassene Dorf Santo Stefano di Sessanio, das behutsam als verstreutes Hotel wiederbelebt wurde und zu den schönsten Bergdörfern der Region zählt. In den Provinzstädten Chieti und Teramo lohnt ein Blick auf römische Ausgrabungen und mittelalterliche Kirchen, und wer die Museen der Region kennenlernen will, findet in Chieti das archäologische Museum mit dem berühmten Krieger von Capestrano. So verbindet sich in den Bergstädten der Abruzzen Geschichte von der Antike bis in die Gegenwart.
Die Trabocchi-Küste und die Via Verde
Zwischen Ortona und Vasto zieht sich die Costa dei Trabocchi entlang der Adria. Ihren Namen tragen die Trabocchi, alte Fischerstege aus Holz, die weit über das Wasser hinausragen und einst dem Fischfang dienten. Viele wurden restauriert, einige beherbergen heute kleine Fischrestaurants direkt über den Wellen. Entlang der Küste verläuft die Via Verde, ein rund 42 Kilometer langer Rad- und Wanderweg auf der Trasse einer stillgelegten Bahnlinie. Der Weg führt fast eben durch Tunnel, an Buchten und Klippen vorbei und verbindet sieben Küstengemeinden miteinander. Für Familien und Genussradler ist die Via Verde ideal, weil sie autofrei und flach ist. Weitere Radtouren gehören zu den vielen Strecken, die die Abruzzen für Radwanderer bereithalten.
Küstenorte an der Adria
Die abruzzesische Adriaküste reiht flache Sandstrände und lebendige Badeorte aneinander. Pescara ist mit rund 120.000 Einwohnern die größte Stadt der Region. Im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört, präsentiert sie sich heute modern, mit langer Strandpromenade, Cafés und einem quirligen Nachtleben. Weiter südlich liegt Vasto mit rund 40.000 Einwohnern, dessen Altstadt auf einem Hügel über dem Meer thront. Sehenswert sind der Palazzo d'Avalos und das Castello Caldoresco. Im Norden reihen sich ruhigere Familienbadeorte wie Alba Adriatica, Giulianova und Roseto degli Abruzzi aneinander, alle mit breiten, sanft abfallenden Stränden und Pinienpromenaden. Von Vasto aus ist auch ein Ausflug ins benachbarte Termoli in der Region Molise schnell gemacht. Einen Überblick über die schönsten Buchten gibt unsere Seite zu den Stränden der Abruzzen.
Skigebiete im Apennin
Im Winter verwandeln sich die Hochlagen der Abruzzen in eine Skiregion, die viele nicht auf dem Schirm haben. Roccaraso im Süden ist das größte und bekannteste Skigebiet Mittelitaliens, mit zahlreichen Pisten für alle Könnerstufen und guter Infrastruktur. Ovindoli und Campo Felice liegen näher an L'Aquila und sind beliebte Ziele für Tagesausflügler aus Rom, das nur gut anderthalb Autostunden entfernt ist. Die Skisaison reicht je nach Schneelage von Dezember bis in den März. Auch abseits der Lifte lohnt sich der Winter: Auf Campo Imperatore und in den Nationalparks lassen sich Schneeschuhtouren und Skitouren durch stille Winterlandschaften unternehmen. Die Kombination aus überschaubaren Preisen, kurzen Wegen und schneesicheren Hochlagen macht die Abruzzen zu einer guten Adresse für alle, die dem Trubel der Alpen entgehen wollen. Familien schätzen die ruhigen Pisten von Ovindoli und Campo Felice, während sportliche Fahrer in Roccaraso auch längere Abfahrten finden.
Küche und Wein der Abruzzen
Die abruzzesische Küche ist bodenständig und kräftig, geprägt von Bergen und Meer. Das bekannteste Gericht sind die Arrosticini, kleine Spieße vom Schaf oder Lamm, die über glühender Holzkohle gegrillt werden und zu jedem Dorffest gehören. Aus dem Hochland um Navelli stammt einer der teuersten Safran der Welt, in mühevoller Handarbeit geerntet und mit einer geschützten Herkunftsbezeichnung versehen. An der Küste kommen Fisch und Meeresfrüchte auf den Teller, oft als würziger Eintopf, das Brodetto. Beim Wein führt der Montepulciano d'Abruzzo, ein kräftiger Rotwein, den man in fast jeder Trattoria findet. Dazu kommt der herzhafte Schafskäse Pecorino. Wer den ländlichen Charme mit Wein verbinden will, findet in Weingütern und Schlosshotels die passende Adresse, etwa im Castello di Semivicoli bei Casacanditella in der Provinz Chieti, einem Palazzo aus dem 17. Jahrhundert, der zum Weingut Masciarelli gehört.
Anreise und beste Reisezeit
Die Abruzzen erreichst du am bequemsten über Rom, von wo aus die Autobahn A24 und A25 in gut anderthalb bis zwei Stunden durch die Berge bis an die Adria führt. Auch der Flughafen Pescara wird aus mehreren deutschen Städten angeflogen und liegt direkt an der Küste. Mit dem Zug bestehen Verbindungen von Rom nach L'Aquila, Sulmona und Pescara, für die Erkundung der Bergdörfer und Nationalparks ist ein Mietwagen jedoch klar die beste Wahl. Von Deutschland aus ist die Anfahrt mit dem Auto über den Brenner und die Adria-Autobahn möglich, sie dauert aber einen langen Tag. Die beste Reisezeit für die Küste und die Berge ist von Mai bis Oktober, wenn die Hochebenen blühen und das Meer warm genug zum Baden ist. Im Hochsommer bleibt es in den Bergen angenehm kühl, während die Küste heiß und belebt ist. Der Winter von Dezember bis März gehört den Skigebieten und den verschneiten Nationalparks. Passende Unterkünfte für jede Jahreszeit findest du unter Ferienhäuser in den Abruzzen.




























