
Der Gardasee ist mit rund 370 Quadratkilometern nicht nur der größte See Italiens, sondern auch ein artenreiches Angelrevier von der flachen Südbucht bis zum tiefen, alpin geprägten Norden. Wer hier die Rute auswirft, sollte zwei Dinge kennen: die Fische, die im See leben, und die Regeln, die sich rund um den See von Ufer zu Ufer unterscheiden.
Denn der Gardasee gehört zu drei Regionen mit je eigenem Fischereirecht: dem Trentino im Norden (Provinz Trient), der Lombardei im Westen und Südwesten (Provinz Brescia) und Venetien im Osten (Provinz Verona). Eine einheitliche Gardasee-Lizenz gibt es nicht. Maßgeblich sind immer die Vorschriften der Region, in deren Uferabschnitt du gerade angelst. Einen allgemeinen Überblick zum See findest du auf unserer Seite zum Gardasee.
Der oft gehörte Satz, am Gardasee dürfe man ohne Schein angeln, stimmt nur für das Trentiner Nordufer und auch dort nur vom Ufer aus. An den anderen Ufern brauchst du eine gültige Lizenz. Die drei Regelungen im Überblick:
Wer ohne gültige Lizenz angelt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und zahlt eine Verwaltungsstrafe. Deutlich teurer wird es bei verbotenem Gerät oder schweren Verstößen. Die Höhe legt jede Region in ihrem eigenen Sanktionskatalog fest.
Der See beherbergt eine bunte Mischung aus heimischen und eingeführten Arten. Zu den wichtigsten zählen:
Eine echte Besonderheit ist der Carpione del Garda (Salmo carpio), ein Lachsfisch, der ausschließlich im Gardasee vorkommt und nirgends sonst auf der Welt. Er lebt im Tiefenwasser, gilt als stark bedroht und steht auf der Roten Liste. Wegen des Bestandsrückgangs wurde Ende 2023 ein mehrjähriges, absolutes Fangverbot verhängt, das für Sport- und Berufsfischer gleichermaßen gilt. Im Mai 2025 wurden rund 5.000 Jungfische in den See eingesetzt, um den Bestand zu stützen. Fängst du versehentlich einen Carpione, setzt du ihn sofort und schonend zurück.
Die größten Fische im Gardasee sind die Welse. Sie erreichen regelmäßig anderthalb Meter, Spitzenexemplare messen über zwei Meter. Im August 2023 wurde vor Sirmione ein Wels von 2,10 Metern und rund 90 Kilogramm gefangen, im Juli 2026 folgte vor Rivoltella ein weiterer von fast zwei Metern. Auch der Hecht wird stattlich: Fänge um 13 Kilogramm und bis etwa 1,2 Meter sind belegt.
Hartnäckig hält sich die Geschichte von Piranhas im Gardasee. Sie gehört ins Reich der Legenden. Vereinzelte Fänge exotischer Fische entpuppten sich als Pacu, harmlose Verwandte, die als ausgesetzte Aquarienfische im See landeten. Echte Piranhas könnten in einem kühlen Alpensee ohnehin nicht überwintern. Und der Wels? Für den Menschen ist er nicht gefährlich, seine Größe kann Badende höchstens erschrecken. Das eigentliche Problem ist ökologisch, denn als Raubfisch setzt er heimischen und teils bedrohten Arten zu.
Damit sich die Bestände erholen, gelten Schonzeiten, Mindestmaße und Tageslimits. Weil jede Region eigene Verordnungen hat, weichen die Werte am selben See voneinander ab. Ein paar Beispiele für die beiden großen Ufer Lombardei und Venetien:
Übergreifend gilt eine Fangmenge von höchstens fünf Kilogramm Fisch pro Tag, der Wels ist davon ausgenommen. Für einzelne Arten kommen Stückgrenzen dazu, etwa zwei Hechte am Tag. Fische, die zu klein sind oder in der Schonzeit anbeißen, setzt du sofort und schonend zurück. Die Regeln werden regelmäßig aktualisiert: Die Lombardei hat 2024 ein neues Fischereireglement erlassen, Venetien 2025 einen eigenen Plan zum Schutz des Karpfens.
Geangelt wird am Gardasee klassisch auf drei Arten: mit der Spinnrute auf Hecht und Barsch, mit dem Schleppangeln (traina) auf Forelle, Renke und Carpione sowie mit der Grundrute auf Karpfen, Schleie und Wels. Erlaubt ist das Angeln von einer Stunde vor Sonnenaufgang bis eine Stunde nach Sonnenuntergang, vom Ufer mit bis zu drei Ruten. Nachts darfst du vom Ufer nur auf Aal, Wels, Quappe und friedliche Grundfische wie Karpfen und Schleie angeln. Als Köder sind der Europäische Aal und exotische Arten tabu, lebende Köderfische dürfen nur heimische Arten sein.
Landschaftlich passt jedes Ufer zu einer anderen Methode. Das steile, tiefe Nordufer bei Riva del Garda und Torbole eignet sich zum Schleppangeln auf Forelle und Carpione. Zwischen Malcesine und Brenzone am Ostufer fällt der See ebenfalls steil ab, früh morgens und abends ist es hier am ergiebigsten. Der flache Süden um Peschiera, Sirmione und Desenzano ist gut zugänglich und ideal fürs Grundangeln. Ein Umkreis von 100 Metern um Fischzuchtanlagen ist tabu, dazu kommen örtliche Sperren etwa in Badezonen und an Hafenanlagen, die die Gemeinden festlegen. Fürs Angeln vom Boot gelten zusätzlich die Schifffahrtsregeln des Sees, darunter der Bootsführerschein ab mehr als 30 Kilowatt Motorleistung und die motorfreie 300-Meter-Uferzone. Wer lieber am Wasser wohnt, findet passende Quartiere unter Ferienhäuser am Gardasee.
Das hängt vom Ufer ab. In der Lombardei (West- und Südufer) und in Venetien (Ostufer) brauchst du eine gültige Lizenz Typ B. Nur am Trentiner Nordufer ist das Angeln vom Ufer nach Provinzrecht ohne staatlichen Fischereischein möglich, fürs Boot ist auch dort eine Lizenz nötig. Der Satz, am Gardasee dürfe man frei ohne Schein angeln, gilt also nur eingeschränkt.
In der Lombardei kostet die Jahreslizenz Typ B 23 Euro, gezahlt online über das Zahlungsportal der Region oder in einer Tabaccheria. In Venetien sind es 34 Euro im Jahr, alternativ gibt es Tageskarten für 8 Euro und Wochenkarten für 20 Euro. Am Trentiner Nordufer gibt der Angelverein Basso Sarca Tageskarten für rund 15 Euro aus, erhältlich in den Infobüros und online.
Jede der drei Regionen hat ihr eigenes Fischereirecht, eine einheitliche Gardasee-Lizenz gibt es nicht. Lombardei und Venetien verlangen die Lizenz Typ B (im Kern der Beleg der jährlichen Regionalabgabe), Venetien bietet zusätzlich Tages- und Wochenkarten. Im Trentino genügt fürs Uferangeln ein Permesso des örtlichen Vereins, für längere Aufenthalte gibt es eine kostenlose Touristenkarte für 30 Tage. Maßgeblich ist immer die Region, in deren Uferabschnitt du angelst.
Häufig sind Renke (coregone), Hecht, Flussbarsch, Seeforelle, Karpfen, Schleie, Aal und der eingewanderte Wels. Eine Besonderheit ist der Carpione del Garda, ein nur hier lebender Lachsfisch, der allerdings streng geschützt ist und nicht beangelt werden darf.
Welse sind die größten Fische im See, sie erreichen regelmäßig anderthalb Meter und in Spitzen über zwei Meter. Vor Sirmione wurde 2023 ein Wels von 2,10 Metern und rund 90 Kilogramm gefangen. Hechte werden bis etwa anderthalb Meter lang, Fänge um 13 Kilogramm sind belegt.
Nein. Es gibt keinen Piranha-Bestand im Gardasee. Vereinzelte Fänge exotischer Fische waren meist Pacu, harmlose Verwandte, die als ausgesetzte Aquarienfische in den See gelangten. In einem kühlen Alpensee könnten Piranhas ohnehin nicht überwintern.
Die Schonzeiten unterscheiden sich je Region. Der Hecht ist etwa vom 22. Februar bis 15. April geschont, der Karpfen in Venetien seit 2025 vom 1. April bis 30. Juni, die Forelle vom 15. Oktober bis 15. Januar. Der endemische Carpione unterliegt einem mehrjährigen, absoluten Fangverbot und muss sofort zurückgesetzt werden.
Angeln ohne gültige Lizenz ist eine Ordnungswidrigkeit und wird mit einer Verwaltungsstrafe geahndet. Für verbotenes Gerät oder schwere Verstöße steigen die Beträge deutlich an. Die genaue Höhe legt jede Region in ihrem eigenen Sanktionskatalog fest.
Der Europäische Aal und exotische Fischarten dürfen nicht als Köder verwendet werden. Als lebende Köderfische sind nur heimische Arten erlaubt. Im Trentino sind in vielen Zonen Maden verboten, in No-Kill-Bereichen nur künstliche Köder ohne Widerhaken.