Valcamonica
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Der Idrosee, italienisch Lago d'Idro, liegt im Herzen der Voralpen zwischen dem Gardasee und dem Iseosee und gehört zu den kleineren, aber besonders ursprünglichen Seen Oberitaliens. Rund 16 Kilometer westlich des Gardasees erstreckt er sich schmal und langgezogen durch das Valle Sabbia, ein grünes Bergtal in der Provinz Brescia. Mit einer Fläche von etwa 11 Quadratkilometern und einer größten Tiefe von rund 120 Metern ist er kein Riese unter den italienischen Seen, dafür aber ein stiller Rückzugsort für alle, die Natur, Wassersport und Bergluft suchen.
Auf rund 368 Metern über dem Meer gelegen, ist der Idrosee der höchstgelegene der lombardischen Voralpenseen. Gespeist wird er vor allem vom Fluss Chiese, der ihn im Norden erreicht und im Süden als einziger Abfluss wieder verlässt. Sein Wasser gilt als klar und kühl, seine Ufer sind von bewaldeten Hängen, kleinen Kiesstränden und alten Bergdörfern gesäumt. Wo der Nordteil des Sees an das Trentino grenzt, wird die Landschaft noch alpiner, mit Blick auf die hohen Berge rund um das Val Camonica und die Adamello-Gruppe.
Anders als die großen, mondänen Seen weiter südlich hat sich der Idrosee viel von seiner Ruhe bewahrt. Statt eleganter Promenaden prägen kleine Fischerorte, Campingplätze und schmale Uferstraßen das Bild. Das Valle Sabbia, in dem der See eingebettet liegt, ist ein traditionsreiches Tal, dessen Dörfer bis heute vom Rhythmus der Berge leben. Wer die Region besucht, findet einen See zum Durchatmen, an dem der Massentourismus weitgehend vorübergegangen ist.
Gerade diese Natürlichkeit macht den Idrosee zu einem beliebten Ziel für Familien und Aktivurlauber. Die überschaubare Größe, die guten Sportmöglichkeiten und die vergleichsweise moderaten Preise ziehen jedes Jahr vor allem Gäste aus dem deutschsprachigen Raum an, die einen Urlaub abseits der großen Touristenströme schätzen. Die Provinzhauptstadt Brescia und die weitere Region der Lombardei sind von hier aus gut zu erreichen.
Sein guter Ruf unter Wassersportlern verdankt der Idrosee einem verlässlichen Wind: dem Ander. Dieser thermische Südwind setzt an schönen Tagen regelmäßig gegen Mittag ein und frischt am Nachmittag deutlich auf. Für Surfer und Segler beginnt dann die beste Zeit auf dem Wasser. Weil der Wind auflandig weht, gilt der See als vergleichsweise sicher, denn wer die Kontrolle verliert, treibt zum Ufer zurück statt auf den offenen See hinaus.
Windsurfen, Segeln und Kitesurfen haben am Idrosee eine lange Tradition. In Fachkreisen zählt der See neben dem Gardasee und dem Comer See zu den besten Surfrevieren Oberitaliens. Mehrere Surf- und Segelschulen an den Ufern bieten Kurse an, die berechenbaren Windverhältnisse und die geschützte Lage machen den See zugleich zu einem idealen Ort für Anfänger und Kinder. In den windstillen Morgenstunden lässt sich das Wasser ruhig mit dem Kanu oder Stand-up-Paddle erkunden.
Im Sommer erreicht das Wasser des Idrosees angenehme Badetemperaturen, und die flachen Kiesstrände laden zum Sonnen und Schwimmen ein. Rund um den See, besonders in der Bucht von Vantone und in den Orten Anfo, Vesta und Baitoni, reihen sich gepflegte Campingplätze und moderne Glamping-Anlagen aneinander. Viele von ihnen liegen direkt am Ufer und richten sich mit Spiel- und Sportangeboten gezielt an Familien.
Neben dem Baden bietet der See auch Anglern gute Bedingungen. In seinem klaren Wasser leben zahlreiche Fischarten wie Barsch, Hecht und Aal, weshalb der Idrosee bei Sportanglern seit jeher beliebt ist. Wer es ruhiger mag, findet an den weniger belebten Uferabschnitten stille Plätze, an denen sich der Blick über das Wasser bis zu den Bergkämmen weiten kann.
Das kulturelle Wahrzeichen des Idrosees ist die Rocca d'Anfo, die größte napoleonische Festungsanlage Italiens. Sie klammert sich am Westufer über dem Ort Anfo an den steilen Hang des Monte Censo und erstreckt sich über rund 50 Hektar vom Seeufer bis weit hinauf zum Gipfel. Errichtet wurde die Anlage im 15. Jahrhundert von der Republik Venedig, um die nördliche Grenze ihres Territoriums zu sichern.
Ihre heutige Gestalt erhielt die Festung vor allem unter napoleonischer Herrschaft, als sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts stark ausgebaut wurde. Später prägten italienische Militäringenieure die Anlage weiter, sodass sich verschiedene Epochen des Festungsbaus an den gestaffelten Mauern, Batterien und Kasematten ablesen lassen. 1866 diente die Rocca dem Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi als Stützpunkt für die Gefechte am nahen Monte Suello. Heute ist das weitläufige Areal über geführte Rundgänge zugänglich und belohnt den Aufstieg mit weiten Blicken über den See.
Auch abseits der Festung lohnt sich ein Blick in die Geschichte der Region. Sehenswert ist vor allem das mittelalterliche Bergdorf Bagolino oberhalb des Sees, mit seinen verwinkelten Gassen, Laubengängen und verzierten Fassaden. Bekannt ist der Ort für seinen jahrhundertealten Karneval, dessen Tänze und Masken zu den bedeutendsten volkskundlichen Traditionen Italiens zählen, und für den würzigen Bergkäse Bagoss.
Rund um den See laden weitere kleine Ortschaften zum Verweilen ein. In Anfo, Idro oder Ponte Caffaro spürt man das ruhige Leben der Bergdörfer, in denen sich Sportmöglichkeiten und ländliche Ursprünglichkeit auf natürliche Weise verbinden. Die kurzen Wege zwischen Wasser, Wald und Fels sind ein Teil des Reizes, den der Idrosee gerade für Wiederkehrer bereithält.
Die Berge rund um den Idrosee sind ein weitläufiges Revier für Wanderer und Mountainbiker. Vom Ufer führen Wege hinauf in die Wälder und auf die umliegenden Höhen, von denen sich der schmale See in seiner ganzen Länge überblicken lässt. Auch für Kletterer, Gleitschirmflieger und Freunde des Canyoning bietet die Umgebung geeignete Ziele, sodass sich sportliche und ruhige Tage bequem abwechseln lassen.
Wer mehr sehen möchte, nutzt den Idrosee als Ausgangspunkt für Ausflüge in die weitere Region. Der Gardasee ist in gut einer halben Stunde erreicht, nach Norden öffnet sich das Trentino mit dem Val Camonica und der hochalpinen Adamello-Gruppe. So lässt sich ein Aufenthalt am See gut mit einer größeren Rundreise durch die norditalienische Bergwelt verbinden.
Der Idrosee liegt zwar abseits der großen Verkehrsachsen, ist aber dennoch gut zu erreichen. Mit dem Auto fährt man in der Regel über die Brennerautobahn A22 bis Rovereto Süd und von dort durch das Val Sabbia zum See, alternativ über Brescia von der Autobahn A4 kommend. Von Norden her bietet sich auch die Anfahrt über den Gardasee an. Weitere Hinweise zu Wegen und Verbindungen finden sich auf der Seite zur Anreise nach Italien.
Die beste Reisezeit für einen Urlaub am Idrosee sind die Monate von Mai bis September. Im Frühsommer und Frühherbst locken mildes Wetter und wenig Andrang, während im Hochsommer die Badesaison und der zuverlässige Ander für volle Strände und belebte Surfreviere sorgen. Wer Wandern und Wassersport verbinden möchte, findet zwischen Juni und September die besten Bedingungen, wenn Wasser und Berge gleichermaßen zu ihren Aktivitäten einladen.
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