Unberührte Natur, malerische Orte und kulinarische Genüsse: Der Lago Trasimeno (deutsch: Trasimenischer See oder Trasimener See) in Umbrien ist zwar schon lange kein Geheimtipp mehr, doch er blieb vom Massentourismus relativ verschont. Große Ferienanlagen findest du hier kaum. Stattdessen gibt es am Lago Trasimeno ein breites Angebot an schön gelegenen Ferienwohnungen und Agriturismo-Unterkünften.
Mit rund 128 Quadratkilometern Fläche ist der Trasimeno der viertgrößte See Italiens und zugleich der größte der Apenninhalbinsel. Nur der Gardasee, der Lago Maggiore und der Comer See sind größer. Anders als die oberitalienischen Seen liegt der Trasimeno nicht in einem Gletschertrog, sondern in einer flachen Senke auf etwa 259 Metern Höhe, umgeben von sanften Hügeln. Er misst höchstens sieben Meter in der Tiefe, im Schnitt sind es vier bis fünf. Gespeist wird er nur von kleinen Zuflüssen, einen natürlichen Abfluss hat er nicht. Seit 1898 reguliert ein künstlicher Ablaufkanal Richtung Tiber den Wasserstand.
Genau diese Flachheit macht den Reiz aus: Das Wasser erwärmt sich im Sommer schnell und wird deutlich wärmer als in den tiefen Seen des Nordens. Dazu kommt ein Tempo, das spürbar ruhiger ist als am Gardasee oder am Comer See. Keine Uferstraße mit Dauerstau, keine Promenadenmeile mit Designerläden, dafür Schilfgürtel, Olivenhänge, Fischerorte und drei Inseln. Der See liegt nordwestlich von Perugia und ist ein idealer Standort, um Umbrien und das südliche Toskana-Hinterland zu erkunden.
Die drei Inseln im Lago Trasimeno
Im See liegen drei Inseln, und zwei davon kannst du besuchen. Die Isola Maggiore ist die einzige dauerhaft bewohnte. Sie ist autofrei, und ihr Dorf mit den Häusern aus hellem Stein geht auf eine Fischersiedlung des Mittelalters zurück. Schon im 13. Jahrhundert lebten hier mehrere Dutzend Fischerfamilien. Der Legende nach zog sich Franz von Assisi 1211 zur Fastenzeit auf die Insel zurück, später siedelten sich Franziskaner an. Bekannt ist die Isola Maggiore außerdem für ihre Spitzenklöppelei, die im frühen 20. Jahrhundert eingeführt wurde und bis heute gepflegt wird. Sehenswert sind die kleinen Dorfkirchen und die Villa Isabella am Nordufer. Wer auf der Insel übernachtet, erlebt die stille Abendstimmung, die eintritt, sobald die Tagesgäste abgereist sind.
Die Isola Polvese ist mit rund 70 Hektar die größte der drei Inseln und gehört der Provinz Perugia. Sie ist Teil des Regionalparks und wird als Naturschutz- und Bildungsstandort geführt. Auf der Insel stehen eine Burgruine und das ehemalige Kloster der Olivetaner, das zwischen 1404 und 1624 bewohnt war und heute ein Zentrum für Umweltbildung und Forschung beherbergt. Ein Kuriosum ist der Wasserpflanzengarten, den der Landschaftsarchitekt Pietro Porcinai 1959 in einem alten Steinbruch anlegte. Anlegestelle für die Überfahrt ist San Feliciano. Die dritte Insel, die Isola Minore, ist in Privatbesitz und darf nicht betreten werden. Du siehst sie nur vom Boot aus.
Die Orte am Ufer
Castiglione del Lago ist der größte Ort am See und liegt auf einem Kalksteinsporn am Westufer. Über der Altstadt thront die Rocca del Leone, eine fünfeckige Festung aus dem 13. Jahrhundert, deren Mauern und Türme begehbar sind und einen weiten Blick über das Wasser freigeben. Ein gedeckter Wehrgang verbindet die Burg mit dem Palazzo della Corgna, dem Renaissancepalast der Adelsfamilie, die hier im 16. Jahrhundert herrschte. Seine Säle sind reich mit Fresken ausgemalt.
Passignano sul Trasimeno am Nordufer ist der lebhafteste Ort am See, mit einer Uferpromenade, einem Fährhafen und einer engen Oberstadt, die sich den Hang hinaufzieht. Tuoro sul Trasimeno etwas weiter westlich ist Ausgangspunkt für die Fähren zur Isola Maggiore und für das Schlachtfeld Hannibals. San Feliciano am Ostufer hat sich seinen Charakter als Fischerort am deutlichsten bewahrt. Hier liegen die Boote der Berufsfischer, und von hier legen die Schiffe zur Isola Polvese ab. Landeinwärts lohnen Castel Rigone und Sant Arcangelo. Kulinarisch dreht sich am See vieles um Süßwasserfisch, etwa Karpfen, Hecht und Aal, dazu kommen Bohnen aus Trasimeno-Anbau, Olivenöl und im Herbst Trüffel aus den Eichenwäldern.
Hannibal und die Schlacht von 217 vor Christus
Am Nordufer des Sees fand eine der schwersten Niederlagen der römischen Geschichte statt. Am 24. Juni 217 vor Christus lockte der karthagische Feldherr Hannibal im Zweiten Punischen Krieg das Heer des Konsuls Gaius Flaminius in einen Hinterhalt. Die Römer marschierten im Morgennebel durch den schmalen Streifen zwischen Hügelkette und Ufer, als die Karthager von den Höhen angriffen. Der Kampf war nach wenigen Stunden entschieden, Flaminius fiel, und die römischen Verluste gingen in die Zehntausende.
Wer den Schauplatz sehen will, folgt bei Tuoro sul Trasimeno dem historisch-archäologischen Rundweg zur Schlacht, der 2010 eröffnet wurde. Er verläuft auf etwa 14 Kilometern durch das mutmaßliche Schlachtgelände und erklärt an mehreren Stationen den Verlauf im Gelände. Im Ort selbst ergänzt ein Dokumentationszentrum die Route mit Karten, Modellen und Filmen. Zu beachten ist, dass die genaue Lage des Geschehens in der Forschung bis heute diskutiert wird.
Baden, Radfahren und Vogelbeobachtung
Der Trasimeno ist ein Badesee, aber einer mit eigenem Charakter. Die Ufer fallen flach ab, was für Familien mit kleinen Kindern angenehm ist, und das Wasser erreicht im Hochsommer Temperaturen weit über 20 Grad. Gleichzeitig ist es durch den lehmigen Grund und die geringe Tiefe eher trüb und nicht mit einem klaren Bergsee zu vergleichen. In heißen, niederschlagsarmen Sommern sinkt der Wasserstand teils deutlich, und es kann zu Algenwachstum kommen. Die ausgewiesenen Badestellen werden regelmäßig beprobt, ein Blick auf die aktuellen Aushänge vor Ort lohnt sich. Sandstrände mit Liegewiesen gibt es unter anderem bei Castiglione del Lago, Passignano und Tuoro.
Rund um den See führt die Ciclovia del Trasimeno, ein Radrundkurs von etwa 60 Kilometern, der Uferwege, Wirtschaftswege und ruhige Straßen kombiniert und in Etappen gut aufteilbar ist. Der gesamte See samt Ufergürtel ist als Regionalpark geschützt, nicht als Nationalpark, wie oft zu lesen ist. Für Vogelbeobachter ist der Trasimeno eine der wichtigsten Adressen Mittelitaliens: Die Flachwasserzonen und Schilfgürtel sind Rast- und Brutgebiet auf der Zugroute zwischen Nordeuropa und Afrika. Am Südostufer bei San Savino liegt die Oasi La Valle mit einem langen Holzsteg durch das Schilf und einem Beobachtungsstand. Wanderwege in den umliegenden Hügeln ergänzen das Angebot.
Ausflüge in die Umgebung
Die Lage an der Grenze zwischen Umbrien und Toskana macht den See zu einem guten Standort für Tagestouren. Perugia, die umbrische Regionalhauptstadt mit ihrem etruskischen Stadttor, dem Corso Vannucci und der Galleria Nazionale, liegt rund 30 Kilometer entfernt. Cortona in der Toskana ist vom Nordwestufer aus in etwa einer halben Stunde erreichbar und belohnt mit einem weiten Blick über das Chianatal und den See. Nach Assisi mit der Basilika des heiligen Franziskus sind es rund 60 Kilometer. Wer sich für Wein interessiert, fährt westlich über die Regionsgrenze nach Montepulciano im Val d'Orcia. Weitere Ziele und Routen findest du in unserem Überblick zu Umbrien.
Anreise und beste Reisezeit
Mit der Bahn ist der See gut zu erreichen. Die klassische Strecke zwischen Florenz und Rom, die sogenannte Langsamlinie, hält in Castiglione del Lago direkt am Westufer und in Terontola-Cortona nordwestlich des Sees. Von Terontola zweigt die Linie nach Perugia ab, die auch in Passignano sul Trasimeno hält. Mit dem Auto kommst du über die Autobahn A1 zwischen Florenz und Rom, passende Ausfahrten sind Valdichiana und Chiusi-Chianciano Terme. Von Osten führt die Schnellstraße zwischen Perugia und Bettolle ans Ufer. Der nächstgelegene Flughafen ist Perugia, rund 40 Kilometer entfernt. Größere Auswahl an Verbindungen bieten Florenz und Rom, von dort sind es etwa zwei Stunden Fahrt.
Aus Österreich fährst du über den Brenner, Verona, Bologna und Florenz. Ab Innsbruck sind es grob gerundet 600 Kilometer, also ein Tag Fahrt mit Pausen. Für Österreich brauchst du die Autobahnvignette, für die Brennerautobahn kommt eine gesonderte Streckenmaut dazu. Aus der Schweiz führt der Weg über den Gotthard, Mailand, Bologna und Florenz, ab Zürich rund 650 Kilometer. In der Schweiz gilt die Jahresvignette, in Italien zahlst du an den Mautstationen nach gefahrener Strecke.
Die beste Reisezeit reicht vom Frühjahr bis in den Frühherbst. April, Mai und Juni sind ideal für Radtouren, Wanderungen und Städtebesuche, dann blüht das Umland und die Temperaturen bleiben angenehm. Die Badesaison läuft üblicherweise von Juni bis in den September, am wärmsten ist das Wasser im Juli und August. Der September ist ein guter Kompromiss aus warmem Wasser, ruhigen Ufern und mildem Licht. Im Oktober beginnt die Trüffel- und Olivensaison, dann wird es abends spürbar frisch. Wie warm das Wasser an italienischen Zielen gerade ist, zeigt dir unsere Übersicht zur Wassertemperatur. Weitere Ziele findest du in unserem Überblick zu den Seen in Italien.

































