Ortasee
Oberitalienische Seen

Ortasee

Ortasee: Idyllischer Urlaubsort in der Region Piemont

Der Ortasee (italienisch Lago d'Orta) liegt im Piemont, rund 20 Kilometer westlich des Lago Maggiore. Mit gut 18 Quadratkilometern Fläche und 13,4 Kilometern Länge ist er der kleinste unter den bekannten oberitalienischen Seen, und genau das macht seinen Reiz aus. Wo am Gardasee und am Comer See im Sommer Hochbetrieb herrscht, geht es am Ortasee auch in der Hauptsaison vergleichsweise ruhig zu. Der See liegt auf 290 Metern Höhe, wird an seiner tiefsten Stelle 143 Meter tief und ist auf drei Seiten von bewaldeten Bergrücken eingefasst, im Osten vom Monte Mottarone, der ihn vom Lago Maggiore trennt. Eine geographische Besonderheit hat der Ortasee allen anderen großen Alpenrandseen voraus: Er entwässert nach Norden, also in Richtung der Berge statt in die...
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Der Ortasee (italienisch Lago d'Orta) liegt im Piemont, rund 20 Kilometer westlich des Lago Maggiore. Mit gut 18 Quadratkilometern Fläche und 13,4 Kilometern Länge ist er der kleinste unter den bekannten oberitalienischen Seen, und genau das macht seinen Reiz aus. Wo am Gardasee und am Comer See im Sommer Hochbetrieb herrscht, geht es am Ortasee auch in der Hauptsaison vergleichsweise ruhig zu. Der See liegt auf 290 Metern Höhe, wird an seiner tiefsten Stelle 143 Meter tief und ist auf drei Seiten von bewaldeten Bergrücken eingefasst, im Osten vom Monte Mottarone, der ihn vom Lago Maggiore trennt.

Eine geographische Besonderheit hat der Ortasee allen anderen großen Alpenrandseen voraus: Er entwässert nach Norden, also in Richtung der Berge statt in die Po-Ebene. Eine Endmoräne am Südende versperrt dem Wasser den Weg nach Süden. Deshalb verlässt es den See in Omegna am Nordufer durch den kurzen Fluss Nigoglia, fließt über Strona und Toce und erreicht am Ende doch noch den Lago Maggiore. Die Omegneser haben aus der Laune der Natur ein trotziges Motto gemacht: Die Nigoglia fließt bergwärts, und wir machen, was wir wollen.

Berühmt ist der See vor allem für sein Postkartenmotiv: die kleine Insel San Giulio mit Basilika und Kloster, die vor dem alten Ortskern von Orta San Giulio im Wasser liegt. Dazu kommen ein UNESCO-Welterbe auf dem Hügel über dem Ort, eine gewachsene Industriekultur rund um Espressokannen und Designerhaushaltswaren in Omegna und stille Dörfer am Westufer, die vom großen Tourismus bis heute kaum berührt sind.

Orta San Giulio: autofreier Ortskern an der Piazza Motta

Hauptort und schönster Ausgangspunkt für einen Urlaub am See ist Orta San Giulio am Ostufer. Der historische Kern liegt auf einer kleinen Halbinsel und ist für Autos gesperrt; Besucher parken auf den ausgeschilderten Parkplätzen oberhalb des Ortes und gehen die letzten Minuten zu Fuß hinunter. Das Herz des Ortes ist die Piazza Motta, ein zum See hin offener Platz mit Arkadenhäusern, Cafés und dem kleinen Palazzo della Comunità aus dem 16. Jahrhundert, dessen Erdgeschoss auf offenen Bögen steht. Von hier blickt man direkt auf die Insel San Giulio.

Orta San Giulio gehört der Vereinigung der Borghi più belli d'Italia an, der schönsten Dörfer Italiens, und der Titel ist keine Übertreibung. Enge Gassen mit Kopfsteinpflaster, pastellfarbene Fassaden, schmiedeeiserne Balkone und alte Adelshäuser prägen das Bild. Wer dem Trubel der Tagesausflügler entgehen will, kommt am frühen Morgen oder bleibt über Nacht: Abends, wenn die Busse abgefahren sind, gehört der Ort wieder den Einheimischen und den wenigen Hotelgästen.

Isola San Giulio: Basilika, Kloster und der Weg der Stille

Vom Bootsanleger an der Piazza Motta pendeln Motorboote, die Motoscafi, im Minutentakt zur Insel San Giulio hinüber; die Überfahrt dauert nur wenige Minuten. Die kleine Insel wird fast vollständig von Sakralbauten eingenommen. Ihr wichtigstes Bauwerk ist die Basilika San Giulio, eine dreischiffige romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Ihr größter Schatz ist der Ambo, eine Kanzel aus grünlichem Serpentinstein aus Oira, getragen von vier Säulen und mit Reliefs aus der romanischen Bildhauerkunst verziert.

Den Großteil der Insel nimmt das Benediktinerinnenkloster Mater Ecclesiae ein, das 1973 in einem ehemaligen Seminar gegründet wurde. Die Nonnen leben zurückgezogen, ihre Anwesenheit prägt aber die Atmosphäre der Insel. Um das Kloster führt ein einziger schmaler Rundweg, der Weg der Stille (Via del Silenzio), an dem Tafeln mit Sätzen zur Besinnung hängen: in der einen Richtung Gedanken zur Stille, in der Gegenrichtung zur Meditation. Wer sich darauf einlässt und tatsächlich schweigend über die Insel geht, erlebt einen der eigentümlichsten Orte Norditaliens.

Sacro Monte di Orta: UNESCO-Welterbe über dem See

Auf dem bewaldeten Hügel direkt über dem Ortskern von Orta San Giulio liegt der Sacro Monte di Orta. Ab 1583 entstanden hier nach dem Vorbild von Varallo 20 Kapellen, die mit lebensgroßen Terrakottafiguren und Fresken das Leben des heiligen Franz von Assisi erzählen. Damit ist der Sacro Monte von Orta unter den heiligen Bergen eine Ausnahme: Er ist als einziger vollständig einem einzelnen Heiligen gewidmet. Seit 2003 gehört er gemeinsam mit acht weiteren Anlagen zum UNESCO-Welterbe der Sacri Monti von Piemont und Lombardei.

Der Rundgang durch den Park ist frei zugänglich und kostenlos, der Weg vom Ortszentrum hinauf dauert etwa 15 bis 20 Minuten. Zwischen den Kapellen öffnen sich immer wieder Blicke auf den See und die Insel. Literaturgeschichte hat der Hügel ebenfalls geschrieben: Im Mai 1882 stiegen Friedrich Nietzsche und Lou Salomé gemeinsam auf den Monte Sacro. Nietzsche schwärmte später von diesem Spaziergang als einem der kostbarsten Momente seines Lebens, und ob es dabei zu einem Kuss kam, hat Lou Salomé zeitlebens offengelassen.

Omegna: Espressokannen, Design und das Forum-Museum

Am Nordufer liegt mit Omegna die größte Stadt am See, und sie erzählt eine ganz andere Geschichte als das beschauliche Orta. Das Cusio, wie die Gegend um den See heißt, ist seit weit über hundert Jahren ein Zentrum der italienischen Haushaltswarenindustrie. Alessi, weltbekannt für Designobjekte vom Wasserkessel bis zur Zitruspresse, hat seinen Sitz im Ortsteil Crusinallo. Alfonso Bialetti eröffnete 1919 ebenfalls in Crusinallo eine Gießerei; 1933 entwarf er dort die achteckige Moka Express, die bis heute in Millionen italienischer Küchen steht. Auch die Töpfe von Lagostina stammen aus Omegna.

Wer sich für diese Industriegeschichte interessiert, besucht das Forum Omegna, ein Kulturzentrum in einem ehemaligen Industriebau am Seeufer. Seine Dauerausstellung zeigt die Haushaltsobjekte der lokalen Firmen, von frühen Schnellkochtöpfen bis zu Designklassikern. Ansonsten bietet Omegna eine hübsche Uferpromenade, eine Altstadt mit der romanischen Kirche Sant'Ambrogio und donnerstags einen großen Wochenmarkt. Direkt an der Promenade lässt sich die Nigoglia besichtigen, jener kurze Fluss, durch den der See nach Norden abfließt.

Westufer und Aussichtspunkte: Pella, Ronco und die Madonna del Sasso

Das Westufer ist die stillste Seite des Sees. Das Fischerdorf Pella mit seiner kleinen Uferpromenade und der Fraktion Ronco ist ein guter Ausgangspunkt für Spaziergänge am Wasser; von Orta San Giulio aus ist Pella auch per Boot erreichbar. Hoch über dem Westufer thront auf einem Felsvorsprung die Wallfahrtskirche Madonna del Sasso aus dem 18. Jahrhundert. Der Platz vor der Kirche ist der schönste Aussichtspunkt am ganzen See: Der Blick reicht über die gesamte Wasserfläche mit der Insel San Giulio bis zum Mottarone. Die Kirche ist über eine kurvige Straße von Pella aus zu erreichen, sportliche Besucher steigen zu Fuß hinauf.

Am Ostufer zwischen Orta und Omegna liegt Pettenasco, ein ruhiger Ferienort mit Badestrand, Campingplätzen und einem kleinen Museum zur Drechslerhandwerkstradition. Von hier führt der alte Maultierpfad am Hang entlang nach Orta San Giulio, eine leichte Wanderung von etwa einer Stunde mit schönen Seeblicken.

Baden, Kajak und ruhiger Wassersport

Der Ortasee ist kein See für Motorbootlärm und große Strandbäder, und genau dafür lieben ihn seine Gäste. Dass sein Wasser heute als sauber gilt, ist dabei alles andere als selbstverständlich: Ab 1926 leitete eine Kunstseidenfabrik in Gozzano jahrzehntelang Kupfer und Ammoniumverbindungen in den See, der dadurch zeitweise als größter versauerter See der Welt galt. Erst eine spektakuläre Sanierung in den Jahren 1989 und 1990, bei der Spezialschiffe rund 15.000 Tonnen Kalk im See verteilten, neutralisierte das Wasser wieder. Heute haben sich Fische und Kleinlebewesen zurückgemeldet, und der See erreicht im Hochsommer angenehme Badetemperaturen. Badestellen und kleine Strände gibt es unter anderem in Pettenasco, bei Omegna und am Lido von Gozzano am Südende; eine Übersicht über Strände in der Region bietet die Seite zu den Stränden im Piemont. Weil kaum Motorboote unterwegs sind, ist der See ideal für Kajak und Stand-up-Paddling. Mehrere Verleihstationen rund um den See vermieten Boote und Boards, und die Umrundung der Insel San Giulio mit dem Kajak gehört zu den schönsten Touren. Auch Segler und Ruderer schätzen das ruhige Wasser, im Sommer sorgt am Nachmittag meist eine leichte thermische Brise für Wind.

Ausflüge: Mottarone, Lago Maggiore und Mergozzo

Zwischen Ortasee und Lago Maggiore erhebt sich der Monte Mottarone, mit 1.492 Metern der Hausberg der Region. Von seinem Gipfel überblickt man bei klarem Wetter beide Seen und die Alpenkette vom Monte Rosa bis weit in die Schweiz. Eine Mautstraße führt von Armeno auf der Ortasee-Seite hinauf, Wanderwege gibt es von mehreren Seiten. Damit ist auch der Lago Maggiore ein naheliegendes Tagesziel: Stresa mit den Borromäischen Inseln liegt nur rund 20 Autominuten von Orta San Giulio entfernt, Verbania mit den Gärten der Villa Taranto etwa eine halbe Stunde. Ein stiller Geheimtipp auf halbem Weg ist der kleine Lago di Mergozzo, auf dem Motorboote ganz verboten sind. Wanderer finden rund um den Ortasee ein dichtes Wegenetz, vom Uferweg bis zu den Höhenwegen über dem Westufer, etwa zum Naturschutzgebiet des Monte Fenera mit seinen Höhlen im Süden.

Anreise und beste Reisezeit

Mit dem Auto ist der Ortasee aus Deutschland und der Schweiz gut erreichbar: über die Simplon- oder die Gotthardroute und dann über die Autobahn A26, die östlich am See vorbeiführt. Von den Ausfahrten sind es noch etwa 15 bis 20 Minuten über die Staatsstraße 229 ans Ufer. Der nächste größere Flughafen ist Mailand-Malpensa, nur rund 50 bis 60 Kilometer entfernt und damit näher als an den meisten anderen oberitalienischen Seen. Bahnreisende nutzen die Linie von Novara nach Domodossola, die am Ostufer entlangführt: Der Bahnhof Orta-Miasino liegt oberhalb von Orta San Giulio, etwa 20 Gehminuten vom Ortskern, weitere Halte gibt es unter anderem in Pettenasco und Omegna. Domodossola ist ein Halt der Simplon-Fernzüge aus der Schweiz, Novara liegt an der Strecke von Mailand nach Turin.

Die beste Reisezeit reicht von Mai bis Ende September. Im Frühjahr blühen Kamelien, Azaleen und Rhododendren in den Gärten, die Temperaturen sind mild und die Orte noch leer. Juli und August bringen verlässliches Badewetter mit Temperaturen um 28 Grad, dazu an Wochenenden die meisten Tagesgäste in Orta San Giulio. Der September ist mit warmem Wasser, klarer Luft und ruhigen Orten für viele der schönste Monat. Im Oktober taucht der Herbst die Wälder rund um den See in warme Farben, danach schließen viele Hotels und Restaurants bis zum Frühjahr. Auch als Etappe lohnt sich der See: Wer eine Rundreise zu den oberitalienischen Seen plant, findet hier den stillsten und vielleicht poetischsten Auftakt.

Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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Am angenehmsten: April bis Mai sowie September bis Oktober.

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Gut zu wissen

Informationen

Informationen über Ortasee

Region Piemont
Provinz Verbano-Cusio-Ossola
Novara
italienischer Name Lago d'Orta
Cusio
deutscher Name Ortasee
Zufluss Pescone
Bergbäche
unterirdische Quellen
Abfluss Nigoglia
Inseln Isola San Giulio
Höhe ü. M. 290 m s.l.m.
max. Tiefe 143 m
mittlere Tiefe 70,3 m
Volumen 1,3 km³
Fläche 18,2 km²
Länge 13,4 km
Breite 2,5 km
Uferlinie 35,6 km
Einzugsgebiet 116 km²
Sport­möglichkeiten Sportfischerei
Rudersport
Kajak
Häufige Fragen

Ortasee: Häufige Fragen

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Was sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten am Ortasee?
Zu den bekanntesten zählen Santa Caterina del Sasso, Villa Taranto und Nationalpark Val Grande. Die vollständige Übersicht findest du im Abschnitt Sehenswürdigkeiten.
Wann ist die beste Reisezeit für Ortasee?
Am angenehmsten sind April bis Mai sowie September bis Oktober. Im Hochsommer erreichen die Tageshöchstwerte bis zu 31 Grad, der Winter fällt ruhiger und kühler aus.
Wie viele Tage sollte man für Ortasee einplanen?
Für die wichtigsten Ziele genügt oft ein Tag, etwa als Tagesausflug in Kombination mit der Umgebung.

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