Der Toblacher See (italienisch: Lago di Dobbiaco) liegt auf 1.259 Metern Höhe am Eingang des Höhlensteintals, das von Toblach im Hochpustertal nach Süden in Richtung Cortina d'Ampezzo führt. Wer auf der Landstraße zwischen den beiden Orten unterwegs ist, fährt direkt an seinem Ufer entlang und erlebt einen der stimmungsvollsten Talabschnitte der Dolomiten. Steile, bewaldete Hänge rahmen das Wasser ein, im Süden öffnet sich der Blick auf die Felswände des Höhlensteintals.
Mit einer Fläche von rund 14,3 Hektar und einer maximalen Tiefe von etwa 3,5 Metern ist der Toblacher See ein flaches, ruhiges Gewässer, das von der Rienz durchflossen wird. Der junge Gebirgsfluss speist den See im Süden und verlässt ihn am Nordufer wieder. Wegen seines Fischbestands, seiner ausgedehnten Schilfzonen und seiner Bedeutung für ziehende Wasservögel steht der See als Naturdenkmal unter Schutz.
Anders als der wenige Kilometer entfernte Pragser Wildsee ist der Toblacher See kein überlaufenes Fotomotiv, sondern ein vergleichsweise stilles Ausflugsziel für Familien, Spaziergänger und Naturbeobachter. Ein flacher Rundweg, ein Naturlehrpfad, Bootsverleih im Sommer und eine Natureisfläche im Winter machen ihn zu einem lohnenden Ziel zu jeder Jahreszeit.
Ein See aus Fels: die Entstehung durch Bergstürze
Der Toblacher See verdankt seine Existenz gewaltigen Felsstürzen, die sich vor langer Zeit von den Bergflanken am Westufer lösten. Die abgestürzten Gesteinsmassen, vor allem aus dem Bereich des Sarlkofels, des Toblacher Hausbergs, schütteten das Tal der Rienz ab und stauten den Fluss zu einem See auf. Noch heute ist die Blockhalde am Westufer gut zu erkennen, der Rundweg führt auf diesem Abschnitt über und zwischen den bemoosten Felsbrocken hindurch.
Weil die Rienz laufend Geschiebe und Sedimente in den See trägt, verlandet er von Süden her langsam. Aus dem einst größeren Gewässer ist über die Jahrhunderte ein flacher See mit ausgedehnten Flachwasserzonen, Schwemmflächen und Schilfgürteln geworden. Genau diese Verlandungszonen machen den See ökologisch wertvoll, denn sie bieten Lebensraum für Arten, die an tiefen, kalten Bergseen keine Nische finden.
Zwischen zwei Naturparks
Eine Besonderheit des Toblacher Sees ist seine Lage an der Nahtstelle zweier Schutzgebiete: Der See selbst gehört zum Naturpark Fanes-Sennes-Prags und ist als Naturdenkmal geschützt, unmittelbar östlich des Tals beginnt der Naturpark Drei Zinnen. Beide Naturparks sind Teil des UNESCO-Welterbes Dolomiten, das für seine einzigartigen Fels- und Landschaftsformen ausgezeichnet wurde.
Für Besucher bedeutet die Schutzgebietslage vor allem eines: Die Natur hat Vorrang. Wildes Zelten, offenes Feuer und das Betreten der Schilf- und Verlandungszonen sind untersagt, Hunde gehören an die Leine. Im Gegenzug bleibt eine Landschaft erhalten, die in dieser Form in den Alpen selten geworden ist, ein naturnaher Talsee mit intakten Ufern, umgeben von altem Bergwald und hohen Dolomitgipfeln.
Die Wälder rund um den See sind Lebensraum für Rehe, Gämsen und Rotwild, das in den Wintermonaten bis in den Talboden herabzieht. Mit etwas Glück kreist ein Steinadler über den Felswänden des Höhlensteintals, in den Morgenstunden sind am Ufer häufig Spuren von Fuchs und Marder zu entdecken. Wer tiefer in die Naturkunde des Gebiets einsteigen möchte, besucht das Naturparkhaus Drei Zinnen im historischen Grand Hotel von Toblach, das mit einer Dauerausstellung über Geologie, Pflanzen- und Tierwelt der umliegenden Berge informiert.
Rundweg und Naturlehrpfad um den See
Um den Toblacher See führt ein durchgehend flacher Rundweg von rund 2,6 Kilometern Länge, für den je nach Tempo und Pausen 45 Minuten bis eine Stunde einzuplanen sind. Der Weg verläuft am Ostufer auf breiter, bequemer Trasse, am Westufer etwas naturbelassener über die alte Bergsturzhalde. Mit einem geländegängigen Kinderwagen ist die Runde gut zu bewältigen, auch für ältere Menschen und ungeübte Geher ist sie problemlos machbar.
Seit dem Jahr 2000 ist der Rundweg als Naturlehrpfad angelegt. An elf Stationen erklären Schautafeln die Entstehung des Sees, die Verlandung, die Pflanzenwelt der Ufer- und Schilfzonen sowie die Tierarten des Gebiets. Die Stationen sind bewusst einfach gehalten und eignen sich gut für Familien mit Kindern, die unterwegs immer wieder Halte- und Entdeckungspunkte finden. Mehrere Stege und Aussichtspunkte öffnen dabei den Blick über die Wasserfläche bis zu den Bergen des Höhlensteintals.
Als Startpunkt bietet sich der Parkplatz am Nordufer an, von dort lässt sich die Runde in beide Richtungen gehen. Wer mehr Zeit mitbringt, verlängert die Tour und wandert von Toblach aus auf dem Weg entlang der Rienz zum See, womit sich eine Halbtagestour von rund acht Kilometern ergibt. Festes Schuhwerk ist auf dem Weststück über die Bergsturzblöcke von Vorteil, ansonsten genügt normale Freizeitkleidung. Bänke und Rastplätze verteilen sich über die gesamte Runde, sodass sich der Weg auch mit kleinen Kindern gut in Etappen aufteilen lässt.
Vogelbeobachtung am Schilfgürtel
Der Toblacher See zählt zu den wichtigsten Vogelrastplätzen Südtirols. Weil große Wasserflächen in den Dolomiten selten sind, nutzen zahlreiche Zugvogelarten den flachen See im Frühjahr und Herbst als Zwischenstation auf ihrem Weg über die Alpen. In den Schilfgürteln und Flachwasserzonen rasten dann Enten, Reiher, Rallen und Limikolen, auch seltenere Durchzügler werden hier regelmäßig beobachtet. Brutvögel wie Stockente, Blässhuhn und verschiedene Singvögel der Röhrichtzone sind ganzjährig oder im Sommerhalbjahr am See zu sehen.
Am besten gelingt die Beobachtung in den frühen Morgenstunden vom Rundweg aus, ein Fernglas lohnt sich. Auch Angler kommen am Toblacher See auf ihre Kosten: Das Gewässer ist als Fischrevier bewirtschaftet, mit gültiger Fischerlizenz und Tageskarte darf auf Forellen und andere Arten gefischt werden. Tageskarten sind vor Ort erhältlich, die Bestimmungen des Reviers sind zu beachten.
Boote im Sommer, Eis im Winter
In den Sommermonaten ist am Nordufer ein Bootsverleih geöffnet, der Ruder- und Tretboote stundenweise vermietet. Eine Runde auf dem Wasser ist die ruhigste Art, den See zu erleben, denn Motorboote sind nicht zugelassen. Zum Baden eignet sich der Toblacher See dagegen nicht, das Wasser des von der Rienz gespeisten Bergsees bleibt auch im Hochsommer empfindlich kalt, und der See ist kein ausgewiesenes Badegewässer. Am Nordufer laden ein Kiosk und ein Gasthaus mit Seeterrasse zur Einkehr ein, unmittelbar am See liegt zudem ein Campingplatz.
Im Winter zeigt der See ein völlig anderes Gesicht. Friert die Wasserfläche bei anhaltender Kälte zu, entsteht eine große Natureisfläche, auf der Eislaufen und Eisstockschießen möglich sind. Ob die Eisfläche freigegeben ist, hängt von der Witterung ab und wird vor Ort angezeigt. Rund um Toblach führen außerdem bestens gespurte Langlaufloipen durch die verschneite Landschaft, das Hochpustertal gehört zu den bekanntesten Langlaufregionen der Alpen.
Ausflugsziele rund um den Toblacher See
Der See ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in die östlichen Dolomiten. Wenige Kilometer talein liegt der Dürrensee, hinter dem sich der markante Monte Cristallo erhebt. Über das Höhlensteintal geht es weiter zum Misurinasee und zur Auffahrt Richtung Drei Zinnen, dem Wahrzeichen der Dolomiten. Auch das mondäne Cortina d'Ampezzo auf der Südseite des Tals ist vom See aus in einer guten halben Stunde mit dem Auto erreichbar.
Häufig wird der Toblacher See mit dem Pragser Wildsee verwechselt, der ebenfalls zur Gemeindeumgebung von Toblach gezählt wird, tatsächlich aber im benachbarten Pragser Tal liegt, rund eine Viertelstunde Fahrzeit entfernt. Der Pragser Wildsee ist tiefer, türkisgrün und international berühmt, in der Hochsaison gilt dort eine Zufahrtsregelung. Der Toblacher See ist kleiner, flacher und deutlich ruhiger, wer beide Seen an einem Tag verbinden möchte, besucht den Pragser Wildsee am besten früh am Morgen und den Toblacher See am Nachmittag. Auch der Ortskern von Toblach mit der barocken Pfarrkirche und dem Grand Hotel, in dem heute ein Kulturzentrum untergebracht ist, lohnt einen Abstecher. Musikfreunde kennen Toblach als Sommerfrische Gustav Mahlers, der hier zwischen 1908 und 1910 seine letzten Werke komponierte, an ihn erinnern ein Komponierhäuschen bei Altschluderbach und die alljährlichen Gustav-Mahler-Musikwochen.
Anreise und beste Reisezeit
Der Toblacher See liegt gut drei Kilometer südlich des Ortszentrums von Toblach an der Straße Richtung Cortina. Mit dem Auto führt die Anreise über die Pustertaler Staatsstraße bis Toblach und von dort auf die Abzweigung ins Höhlensteintal, die Zufahrt zum Seeparkplatz ist ausgeschildert. Wer mit der Bahn anreist, steigt am Bahnhof Toblach an der Pustertalbahn aus und nimmt die Buslinie 445 in Richtung Cortina, die direkt an der Haltestelle am See hält. Alternativ ist der See vom Bahnhof aus in rund 45 Minuten zu Fuß erreichbar, der Weg führt angenehm entlang der Rienz. Radfahrer erreichen den See über den Radweg, der von Toblach durch das Höhlensteintal weiter nach Cortina führt und zu den schönsten Radstrecken in Trentino-Südtirol zählt. Die Trasse folgt über weite Abschnitte der ehemaligen Dolomitenbahn, steigt entsprechend sanft an und passiert den See unmittelbar am Ostufer, sodass sich Radtour und Seerunde gut verbinden lassen.
Direkt am Nordufer steht ein großer gebührenpflichtiger Parkplatz zur Verfügung. Die Gebühren liegen bei rund 2 Euro pro Stunde mit einem Tageshöchstsatz von etwa 7 Euro, bezahlt wird am Automaten. In der Hochsaison ist der Parkplatz an schönen Tagen ab dem späten Vormittag gut gefüllt, die Anreise mit Bus oder Fahrrad ist dann die entspanntere Wahl.
Die beste Reisezeit für den Rundweg und den Bootsverleih reicht von Juni bis September, wenn alle Einrichtungen am See geöffnet sind und die Wege schneefrei liegen. Wer Vögel beobachten möchte, kommt idealerweise während der Zugzeiten im April und Mai oder im September und Oktober. Für Eislaufen und Winterstimmung eignen sich Januar und Februar, wenn die Kälte im schattigen Talboden am zuverlässigsten trägt. Der Herbst mit klarer Luft und golden verfärbten Lärchen gilt vielen als die schönste Zeit am Toblacher See.





















