Alassio liegt an der Riviera delle Palme im Westen Liguriens, etwa hundert Kilometer westlich von Genua und nur eine knappe Autostunde von der französischen Grenze entfernt. Der Ort in der Provinz Savona ist vor allem für eines bekannt: für seinen langen, feinen Sandstrand. An dieser Küste ist das die Ausnahme, denn zwischen Genua und Ventimiglia dominieren Kies, Fels und schmale Buchten. In Alassio dagegen zieht sich heller Sand in einem weiten Bogen durch den ganzen Ort.
Alassio wurde im 10. Jahrhundert gegründet und stand bis ins 16. Jahrhundert unter der Herrschaft der Nachbarstadt Albenga. Ende des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Badegäste, viele davon Briten, die die milden Winter an der Riviera di Ponente schätzten. Aus dem Fischerort wurde ein Seebad, und Alassio entwickelte sich zu einem der beliebtesten Ziele an diesem Küstenabschnitt. Vom alten Charakter ist trotzdem einiges geblieben: Auf dem Wochenmarkt kaufen die Einheimischen ein, und morgens gibt es am Hafen frischen Fisch und Meeresfrüchte.
Wer nach Alassio fährt, kommt meist wegen der Kombination aus Strand, kurzen Wegen und Hinterland. Vom Sand bis in die Gassen sind es wenige Schritte, hinter dem Ort steigen Hügel mit Olivenhainen und Weinbergen an, und die Nachbarorte liegen so dicht beieinander, dass du auch ohne Auto viel sehen kannst. Viele Gäste sind Stammgäste und kommen seit Jahren mit ihren Familien wieder.
Der Strand und die Bucht
Die Bucht von Alassio reicht rund drei Kilometer von der Cappelletta im Norden bis zur Felsböschung an der Grenze zu Laigueglia. Der Sand ist feinkörnig, das Ufer fällt flach ab, und das Wasser wird erst nach vielen Metern tiefer. Genau das macht den Ort für Familien mit kleinen Kindern so praktisch. Entlang der Bucht reihen sich über hundert Badeanstalten, die sogenannten Bagni, bei denen du Liegen und Sonnenschirme mieten kannst. Dazwischen liegen frei zugängliche Abschnitte.
Weil die Bucht nach Süden offen und zugleich von Landzungen gefasst ist, bleibt das Meer meist ruhig. Tretboote, Stand-up-Paddling und Segelkurse gehören zum festen Angebot der Saison. Einen Überblick über weitere Küstenabschnitte der Region findest du auf unserer Seite zu den Stränden in Ligurien.
Das Muretto mit den Keramikkacheln
Am Corso Dante Alighieri, gegenüber dem alten Caffè Roma, steht die bekannteste Sehenswürdigkeit des Ortes: das Muretto, wörtlich das Mäuerchen. Die Idee stammt von Mario Berrino, der im Café die Autogramme prominenter Gäste sammelte. 1953 schlug er vor, die Unterschriften auf bunte Keramikkacheln zu übertragen und damit die niedrige Mauer neben dem Café zu schmücken. Ernest Hemingway, damals Gast im Caffè Roma, reagierte begeistert und bestärkte ihn.
Die ersten drei Kacheln wurden im Morgengrauen und ohne Genehmigung angebracht, um Behördenwege zu umgehen. Eine davon trug Hemingways Namen. Aus dem Einfall wurde eine Tradition: Seither verewigen sich Persönlichkeiten aus Musik, Film, Kunst und Sport auf dem Muretto, das heute rund tausend Kacheln zählt. Ein Rundgang an der Mauer entlang ist ein kleiner Streifzug durch die italienische Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Der Budello, die schmale Einkaufsgasse
Parallel zum Meer zieht sich die Via XX Settembre durch den gesamten Ortskern. Alle nennen sie nur Budello, was so viel wie Darm bedeutet und die enge, langgestreckte Form gut beschreibt. Die Fußgängergasse ist fast zwei Kilometer lang und damit eine der längsten ihrer Art an der Riviera. Boutiquen, Konditoreien, Eisdielen und alteingesessene Cafés liegen dicht an dicht, von der Gasse zweigen schmale Quergassen ab, die Caruggi, die direkt zum Strand führen.
Der Bummel durch den Budello ist der Abendtermin in Alassio. Kulinarisch lohnt sich der Blick in die Auslagen: Neben Fischgerichten und ligurischen Klassikern sind die Baci di Alassio bekannt, ein Gebäck aus Haselnuss und Kakao, das mit Schokoladencreme zusammengesetzt wird.
Die Isola Gallinara vor der Küste
Vom Strand aus siehst du eine kleine Insel im Wasser liegen, deren Umriss an eine Schildkröte erinnert: die Isola Gallinara. Ihren Namen verdankt sie den Wasserhühnern, die dort einst nisteten. Im 4. Jahrhundert soll sich der heilige Martin von Tours auf die Insel zurückgezogen haben, später stand hier ein Benediktinerkloster, dessen Mönche auch an der Küste bauten.
Heute ist die Insel als regionales Naturschutzgebiet ausgewiesen. Betreten kannst du sie nicht frei, im Sommer werden aber Bootsausflüge angeboten, die einmal um die Gallinara herumführen. Auch bei Tauchern ist das Gebiet beliebt, weil die Unterwasserwelt rund um die Insel geschützt ist.
Wandern und Aussicht
Hinter Alassio steigen sanfte Hügel an, auf denen Oliven und Wein wachsen. Der bekannteste Weg beginnt an der Kirche Santa Croce oberhalb des Ortes. Die romanische Kirche wurde im 11. Jahrhundert von Benediktinermönchen der Gallinara errichtet und steht so, dass du von dort den gesamten Golf von Alassio überblickst.
Von Santa Croce führt die Via Julia Augusta weiter nach Albenga. Die Strecke folgt dem Verlauf der römischen Straße, die unter Kaiser Augustus im Jahr 13 vor Christus angelegt wurde, verläuft weitgehend eben oberhalb des Meeres und ist etwa fünfeinhalb Kilometer lang. Unterwegs kommst du an Resten römischer Grabbauten vorbei, dazwischen öffnet sich immer wieder der Blick auf die Küste. Weitere Wege führen in die bewaldeten Täler des Hinterlands zu kleinen Bergdörfern und Wallfahrtskirchen.
Ausflüge in die Umgebung
Die Nachbarorte liegen dicht beieinander. Direkt südlich schließt das Fischerdorf Laigueglia an, zu Fuß über die Landzunge oder mit dem Zug in wenigen Minuten erreichbar. Etwas weiter westlich liegt Andora mit seiner Marina und einem mittelalterlichen Kastell. Nördlich lockt Finale Ligure, ein Ziel für Kletterer und Mountainbiker. Albenga punktet mit einer gut erhaltenen Altstadt samt Geschlechtertürmen und einem Baptisterium aus dem 5. Jahrhundert. Für einen längeren Tagesausflug bietet sich San Remo an, das rund fünfzig Kilometer weiter westlich an der Blumenriviera liegt.
Anreise und beste Reisezeit
Alassio hat einen eigenen Bahnhof an der Küstenlinie zwischen Genua und Ventimiglia, Regionalzüge halten dort mehrmals stündlich. Vom Bahnsteig sind es nur wenige Minuten zu Fuß bis zum Strand, weshalb sich der Ort gut ohne Auto bereisen lässt. Mit dem Wagen kommst du über die Autobahn A10, die parallel zur Küste verläuft, passende Ausfahrten sind Albenga und Andora. Die nächsten Flughäfen sind Genua, rund hundert Kilometer entfernt, und Nizza mit etwa hundertdreißig Kilometern.
Aus Österreich fährst du über den Brenner Richtung Verona und Mailand und von dort nach Genua an die Küste. Neben der österreichischen Vignette fällt auf der Brennerautobahn eine gesonderte Streckenmaut an, in Italien zahlst du an den Mautstationen der Autobahnen. Aus der Schweiz ist Alassio besonders gut zu erreichen: Ab Zürich sind es grob gerundet fünfhundert Kilometer über den Gotthard oder den San Bernardino nach Mailand und weiter nach Genua. Für die Schweizer Autobahnen brauchst du die Jahresvignette, für die italienische Strecke ab der Grenze gilt wieder die Streckenmaut.
Das Klima an der Riviera di Ponente ist mild, die Winter bleiben frostfrei, und schon im Frühjahr lässt es sich hier gut wandern. Die Badesaison reicht üblicherweise von Mai bis in den September, am wärmsten ist das Meer im August. Im Juli und August ist Alassio spürbar voll, Strandzeilen und Parkplätze sind dann knapp. Ruhiger und trotzdem warm genug zum Baden sind Juni und September. Wie warm das Wasser gerade ist, zeigt dir unsere Übersicht zur Wassertemperatur in Italien.








































