Alessandria
Piemont

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Alessandria: Traumurlaub in der Region Piemont

Alessandria liegt im Südosten des Piemont, dort wo die Po-Ebene flach und weit wird und der Fluss Tanaro die Stadt von der Bormida trennt. Rund 90.000 Menschen leben hier, damit ist Alessandria nach Turin und Novara die drittgrößte Stadt der Region. Wer ehrlich plant, sollte wissen: Die Stadt gehört nicht zu den großen Touristenzielen Italiens. Es gibt keine überlaufene Piazza, keine Warteschlangen vor den Museen, kein Postkartenpanorama am Wasser. Genau darin liegt aber auch ihr Reiz für alle, die Norditalien ohne Gedränge erleben wollen. Alessandria ist vor allem eine gute Basis. Die Stadt ist ein Eisenbahnknoten ersten Ranges und liegt fast in der Mitte des Dreiecks Turin, Mailand und Genua. Von hier aus sind die Weinhügel des Monferrato, die Langhe...

Alessandria liegt im Südosten des Piemont, dort wo die Po-Ebene flach und weit wird und der Fluss Tanaro die Stadt von der Bormida trennt. Rund 90.000 Menschen leben hier, damit ist Alessandria nach Turin und Novara die drittgrößte Stadt der Region. Wer ehrlich plant, sollte wissen: Die Stadt gehört nicht zu den großen Touristenzielen Italiens. Es gibt keine überlaufene Piazza, keine Warteschlangen vor den Museen, kein Postkartenpanorama am Wasser. Genau darin liegt aber auch ihr Reiz für alle, die Norditalien ohne Gedränge erleben wollen.

Alessandria ist vor allem eine gute Basis. Die Stadt ist ein Eisenbahnknoten ersten Ranges und liegt fast in der Mitte des Dreiecks Turin, Mailand und Genua. Von hier aus sind die Weinhügel des Monferrato, die Langhe rund um Alba und die ligurische Küste in kurzer Zeit erreichbar. Dazu kommt eine eigene Geschichte, die überraschend groß ausfällt: Alessandria wurde als Trotzstadt gegen einen Kaiser gegründet, trägt den Namen eines Papstes und besitzt mit der Cittadella eine der besterhaltenen Sternfestungen Europas.

Dieser Text sammelt die konkreten Dinge, die einen Aufenthalt lohnen: was in der Stadt selbst zu sehen ist, was die Umgebung bietet und wie man am sinnvollsten anreist.

Eine Stadt, gegen einen Kaiser gegründet

Alessandria ist eine planmäßige Gründung, und ihr Gründungsdatum steht fest: der 3. Mai 1168. Damals schlossen sich mehrere Dörfer der Umgebung, darunter Gamondio, Bergoglio und Marengo, auf Betreiben des Lombardenbundes zu einer neuen Stadt zusammen. Der Lombardenbund war ein Bündnis oberitalienischer Kommunen gegen Kaiser Friedrich I., besser bekannt als Barbarossa, der die Städte Norditaliens unter seine Kontrolle bringen wollte. Die neue Festungsstadt sollte die Grenze zum Kaiser sichern.

Den Namen erhielt sie zu Ehren von Papst Alexander III., der den Widerstand der Städte unterstützte und Barbarossa mit dem Kirchenbann belegt hatte. 1176 unterlag der Kaiser dem Bund in der Schlacht von Legnano, ein Jahr darauf kam es zum Friedensschluss. Alessandria hatte damit von Anfang an eine politische Bedeutung, die über eine gewöhnliche Marktstadt weit hinausging. Diese Rolle als militärischer Vorposten sollte die Stadt über Jahrhunderte prägen, bis hin zur großen Festung, die heute ihr Wahrzeichen ist.

Die Cittadella: Sternfestung über dem Tanaro

Das eindrucksvollste Bauwerk der Stadt liegt nicht in der Altstadt, sondern jenseits des Tanaro auf dem anderen Flussufer. Die Cittadella di Alessandria ist eine gewaltige Sternfestung, deren Bau 1732 unter dem Königreich Sardinien begann. Entworfen hat sie der Militärarchitekt Ignazio Bertola, die Hauptteile waren in den 1740er Jahren fertig, gearbeitet wurde bis ins frühe 19. Jahrhundert. Die Anlage folgt dem Prinzip des sechseckigen Sterns mit vorspringenden Bastionen und einem breiten Wassergraben, wie es die Festungsbaukunst dieser Zeit verlangte.

Das Besondere: Die Cittadella zählt zu den wenigen Festungen dieser Art in Europa, die noch vollständig in ihrer ursprünglichen freien Umgebung liegen. Keine späteren Gebäude verstellen den Blick auf Wälle und Gräben, was die Wucht der Anlage bis heute erlebbar macht. Der Wassergraben ist mit dem Tanaro verbunden, das Gelände wirkt dadurch bis heute wie eine eigene, in sich geschlossene Welt jenseits der Stadt. Die Anlage steht auf der Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe und beherbergt eine Ausstellung mit rund 1.500 Uniformen, Waffen und Erinnerungsstücken der italienischen Armee. Der Palazzo del Governatore im Inneren ist seit 1943 als Nationaldenkmal ausgewiesen. Ein Rundgang über die weiten Wälle ist kostenlos, für Veranstaltungen wird Eintritt fällig. Vor der Anreise lohnt ein Blick auf die aktuellen Öffnungszeiten, da die Cittadella auch als Veranstaltungsort genutzt wird.

Der Dom und die Altstadt

Das Zentrum von Alessandria ist übersichtlich und lässt sich gut zu Fuß erkunden. Herzstück ist die Kathedrale der Heiligen Petrus und Markus, der Duomo di Alessandria. Anders als oft zu lesen, ist der heutige Bau nicht mittelalterlich: Die Kathedrale wurde zwischen 1807 und 1810 neu errichtet, die klassizistische Fassade stammt aus den 1820er Jahren. Weithin sichtbar ist vor allem der Glockenturm, der zwischen 1889 und 1922 entstand und mit rund 106 Metern zu den höchsten Kirchtürmen Italiens gehört. Er ist das eigentliche Wahrzeichen der Stadt in der Silhouette.

Rund um den Dom liegen die Plätze und Arkadengänge der Innenstadt, darunter die Piazza della Libertà mit dem Rathaus, dem Palazzo del Municipio. Die Altstadt ist keine geschlossene mittelalterliche Kulisse wie in manchen toskanischen Orten, sondern eine gewachsene Stadt mit Bauten aus mehreren Epochen. Ein markantes Bauwerk ist der Palazzo Ghilini aus dem 18. Jahrhundert, heute Sitz der Provinzverwaltung. Über den Tanaro führt die weithin sichtbare Ponte Meier, eine 2016 eröffnete Bogenbrücke des Architekten Richard Meier, die den älteren Flussübergang ersetzt hat. Wer sich Zeit nimmt, findet ruhige Cafés unter den Bögen und ein Alltagsleben, das nicht auf Besucher ausgerichtet ist. Für einen halben Tag in der Stadt reicht das Zentrum gut aus.

Borsalino: Wo der berühmteste Hut Italiens entstand

Alessandria hat der Welt ein Objekt geschenkt, das weit bekannter ist als die Stadt selbst: den Borsalino. Giuseppe Borsalino gründete hier am 4. April 1857 eine kleine Hutmanufaktur, aus der eine weltberühmte Marke wurde. Der weiche Filzhut aus Alessandria wurde im 20. Jahrhundert zum Inbegriff des eleganten Herrenhuts und ist bis heute mit dem Bild des klassischen Kinos verbunden. Ein einzelner Hut durchläuft in der Herstellung über hundert Arbeitsschritte, vom Haarfilz bis zur Formgebung mit Dampf. Die Firma produziert noch immer in der Region, und die Stadt trägt diese Geschichte mit einigem Stolz.

Seit 2023 gibt es dazu wieder ein Museum: das Museo del Cappello Borsalino. Es zeigt die Geschichte der Manufaktur von 1857 an und präsentiert rund 2.000 Hüte in historischen Vitrinen, dazu Einblicke in die aufwendige Herstellung des Filzes. Für alle, die sich für Handwerk, Mode oder Industriegeschichte interessieren, ist es die eigenständigste Sehenswürdigkeit der Stadt. Öffnungszeiten und Ticketpreise sollte man vorab prüfen, da das Haus erst vor Kurzem neu eröffnet wurde.

Marengo: Napoleons Sieg und ein Hühnergericht

Wenige Kilometer östlich der Stadt liegt der Ort Spinetta Marengo, heute ein Ortsteil von Alessandria. Hier fand am 14. Juni 1800 die Schlacht bei Marengo statt, in der Napoleon Bonaparte ein österreichisches Heer unter General Melas schlug und damit die Habsburger vorerst aus Italien verdrängte. Die Schlacht gilt als eine der wichtigen Etappen im Aufstieg Napoleons und ist bis heute im kollektiven Gedächtnis der Region verankert. Jedes Jahr am zweiten Sonntag im Juni wird sie mit einer kostümierten Nachstellung erinnert.

Der Name Marengo lebt auch am Esstisch weiter. Das Gericht Pollo alla Marengo, geschmortes Huhn mit Tomaten, Pilzen und Weißwein, soll der Legende nach nach der Schlacht aus dem entstanden sein, was Napoleons Koch gerade auftreiben konnte. Ob die Geschichte stimmt, ist offen, doch das Gericht hat es dauerhaft auf die Speisekarten geschafft. Wer das Thema vertiefen will, findet in Spinetta Marengo einen Gedenkort zur Schlacht.

Wein und Küche des Monferrato

Alessandria liegt am Rand des Monferrato, einer Hügellandschaft, die zusammen mit den Langhe und dem Roero seit 2014 zum UNESCO-Welterbe der piemontesischen Weinbaulandschaften gehört. Die Provinz Alessandria ist selbst Weinland: Aus dem Ort Gavi südlich der Stadt kommt der bekannte Weißwein Cortese di Gavi, aus dem Monferrato der kräftige Barbera. Wer die Region mag, verbindet den Aufenthalt in der Stadt am besten mit Fahrten hinaus zu den Weingütern und kleinen Kellereien der Umgebung.

Die Küche des Piemont ist deftig und bodenständig: Pasta wie Agnolotti, Fleischgerichte, im Herbst Trüffel und Pilze, dazu die kräftigen Rotweine der Gegend. In Alessandria isst man weit weniger touristisch als in den großen Städten, entsprechend fair fallen oft die Preise aus. Das Piemont ist zudem die Heimat der Slow-Food-Bewegung, die 1986 in der Provinz Cuneo entstand und sich in einer ausgeprägten Wertschätzung für regionale Produkte niederschlägt. Bekannt ist auch das Gebäck der Region, etwa die Amaretti und die Haselnusstorte aus piemontesischen Haselnüssen. Rund um die Weinorte finden im Herbst zahlreiche Feste zur Ernte statt.

Ausflüge: Turin, Genua und die Weinorte

Die zentrale Lage macht Alessandria zu einem praktischen Ausgangspunkt für Tagesfahrten. Nach Westen erreicht man in gut einer Stunde Turin, die alte Hauptstadt des Piemont mit ihren Arkadenstraßen, Museen und der königlichen Residenz. Nach Süden führt die Bahn durch die Apenninen nach Genua und damit ans Ligurische Meer, mit Hafen, Altstadt und Aquarium. Nach Osten liegt die Metropole Mailand in Reichweite.

Reizvoller sind für viele die näheren Ziele im Weinland. Asti ist bekannt für seinen Schaumwein und den großen Palio im September. In den Langhe liegen mit Alba, der Stadt des weißen Trüffels, und Barolo, dem Namensgeber eines der berühmtesten Rotweine Italiens, gleich zwei Orte, die einen eigenen Tag wert sind. Wer Meer und Berge kombinieren will, erreicht die Küste Liguriens von Alessandria aus in überschaubarer Fahrzeit.

Anreise und beste Reisezeit

Alessandria ist vor allem eines: gut erreichbar. Der Bahnhof, eröffnet 1850, liegt an der Strecke Turin-Genua und ist ein Knotenpunkt mehrerer Linien, unter anderem in Richtung Mailand, Novara, Piacenza und zur ligurischen Küste. Direkte Regional- und Fernzüge verbinden die Stadt in rund einer Stunde mit Turin, Genua und Mailand. Wer mit der Bahn nach Italien reist, kann Alessandria als Umsteige- und Übernachtungsort gut in eine größere Route einbauen. Weitere Hinweise zur Anreise nach Italien finden sich in unserem Überblick.

Mit dem Auto liegt die Stadt am Schnittpunkt der Autobahnen A21 (Turin-Piacenza) und A26 (Genua-Richtung Norden), dazu ist die A7 zwischen Mailand und Genua nah. Aus dem deutschsprachigen Raum führt der Weg meist über den Gotthard oder den Brenner und dann durch die Po-Ebene. Wer selbst fährt, sollte die italienischen Verkehrsregeln kennen, etwa die Mautpflicht auf den Autobahnen und die Zufahrtsbeschränkungen in vielen Innenstädten. Die nächsten größeren Flughäfen sind Turin und Mailand-Malpensa.

Die beste Reisezeit sind das späte Frühjahr und der frühe Herbst. Von Mai bis Juni und von September bis Oktober ist das Klima der Po-Ebene angenehm, im Herbst kommt die Weinlese in der Umgebung dazu. Der Hochsommer kann in der Ebene heiß und schwül werden, während im Winter über der Po-Ebene häufig Nebel liegt. Für Ausflüge ins Weinland und an die ligurische Küste sind die Übergangsmonate ohnehin die schönste Wahl.

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Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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Am angenehmsten: April bis Mai sowie September bis Oktober.

Beste ReisezeitÜbrige Monate

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Gut zu wissen

Informationen

Informationen über Alessandria

Region Piemont
Provinz Alessandria
Einwohner­zahl 93.839
Provinzkürzel AL
Postleitzahl 15100
Vorwahl 0131
Prominente Bürger Umberto Eco (Schriftsteller)
Mustapha Kanit (Pokerspieler)
Italienischer Name Alessandria
Städte­partnerschaft Alba Iulia (Rumänien)
Argenteuil (Frankreich)
Hradec Králové (Tschechien)
Jericho (Palästinensische Autonomiegebiete)
Karlovac (Kroatien)
Rjasan (Russland)
Rosario (Argentinien)
Geschichte 1168 gegründet und nach Papst Alexander III genannt.
Lage am Fluss Tanaro gelegen

 

Häufige Fragen

Alessandria: Häufige Fragen

Die wichtigsten Antworten für deine Reiseplanung auf einen Blick.

Wann ist die beste Reisezeit für Alessandria?
Am angenehmsten sind April bis Mai sowie September bis Oktober. Im Hochsommer erreichen die Tageshöchstwerte bis zu 30 Grad, der Winter fällt ruhiger und kühler aus.
Wie reist man nach Alessandria an?
Die meisten Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen mit dem eigenen Auto. Wer fliegen möchte, nutzt den nächstgelegenen Flughafen Turin (TRN) und fährt von dort mit Bahn, Bus oder Mietwagen weiter.

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