Capo Vaticano ist keine Stadt, auch wenn viele Reisende das erwarten. Es ist ein Kap an der tyrrhenischen Küste Kalabriens und zugleich der Name der Ferienregion drumherum. Verwaltungsmäßig gehört das gesamte Gebiet zur Gemeinde Ricadi in der Provinz Vibo Valentia. Eine Altstadt mit Piazza und Kathedrale suchst du hier vergeblich. Was du stattdessen findest, sind Felsvorsprünge aus hellem Granit, tief eingeschnittene Buchten und ein Meer, das an ruhigen Tagen türkis bis dunkelblau leuchtet.
Das Kap liegt zwischen Tropea im Norden und Nicotera im Süden, mitten auf dem Abschnitt, den die Kalabresen Costa degli Dei nennen, die Küste der Götter. Der eigentliche Landvorsprung erhebt sich rund 120 Meter über dem Wasser und besteht aus einem weißgrauen Granit, der wegen seiner geologischen Eigenschaften auch außerhalb Italiens untersucht wird. Von oben blickst du bei klarer Sicht über die Meerenge hinweg bis zu den Äolischen Inseln.
Hergekommen wird wegen der Strände und der Landschaft, nicht wegen der Sehenswürdigkeiten. Die Ferienorte am Kap verteilen sich über mehrere kleine Ortsteile, dazwischen liegen Olivenhaine und die Felder, auf denen die rote Zwiebel von Tropea wächst. Das macht Capo Vaticano ruhiger als klassische Badeorte. Ohne Auto wird der Aufenthalt hier allerdings schnell mühsam.
Das Kap, der Leuchtturm und die Aussicht
Der bekannteste Punkt ist der Faro di Capo Vaticano, der Leuchtturm auf der Spitze des Kaps. Er stammt aus dem Jahr 1885, ist mit rund acht Metern selbst eher niedrig, steht aber so hoch über dem Meer, dass sein Feuer auf etwa 24 Seemeilen sichtbar ist. Er wird von der Marine betrieben und ist nicht zu besichtigen. Interessant ist ohnehin das, was ihn umgibt: die Aussichtspunkte am Belvedere, von denen aus du die zerklüftete Küste, die vorgelagerten Felsen und das offene Meer überblickst. Feste Schuhe sind sinnvoll, Schatten gibt es oben kaum.
Bei guter Fernsicht, meist morgens oder nach einem Wetterumschwung, erkennst du am Horizont die Umrisse der Äolischen Inseln. Lipari und Vulcano zeichnen sich als flache Schemen ab, dahinter der markante Kegel von Stromboli. Ob du davon etwas siehst, hängt allein vom Wetter ab, verlass dich also nicht darauf.
Die Strände von Capo Vaticano
Die Küste der Gemeinde Ricadi zieht sich über rund dreizehn Kilometer, von der Baia di Riaci im Norden bis über das Kap hinaus. Der bekannteste Strand ist die Spiaggia di Grotticelle, eine breite Bucht mit hellem, feinem Sand und flach abfallendem Wasser, die im Sommer gut besucht ist. Nördlich davon liegt Praia i Focu, eine kleine Bucht aus Sand und Fels direkt unterhalb des Kaps. Sie ist nicht über einen bequemen Weg zu erreichen, sondern in der Regel nur vom Wasser aus, also mit dem Boot oder schwimmend von Grotticelle her.
Weiter südlich schließen der Strand von Santa Maria und der Abschnitt bei Tonicello an, dazwischen liegen zahlreiche namenlose Buchten. Der Untergrund wechselt von feinem Sand über groben Sand bis zu Kies und Felsplatten, teils innerhalb weniger hundert Meter. Badeschuhe sind an vielen Stellen keine schlechte Idee.
Zu den Stränden von Capo Vaticano gehört auch der Zugang: Viele Buchten liegen unterhalb steiler Hänge und sind nur über lange Treppen oder steile, teils unbefestigte Pfade erreichbar. Mit Kinderwagen, viel Gepäck oder eingeschränkter Mobilität wird das anstrengend. Wer es bequem mag, wählt gezielt einen der größeren Strände mit Parkplatz und Strandbad. Einen Überblick über weitere Küstenabschnitte der Region findest du auf unserer Seite zu den Stränden in Kalabrien.
Ricadi und die Orte ringsum
Der Hauptort Ricadi liegt ein Stück im Landesinneren und ist ein nüchternes kalabrisches Dorf mit Supermarkt, Apotheke und Bar, kein Postkartenmotiv. Das touristische Leben spielt sich in den Ortsteilen an der Küste ab, vor allem in Santa Maria di Ricadi und in Santa Domenica, wo sich Ferienanlagen, Apartments und Restaurants konzentrieren. Auch San Nicolò und Brivadi gehören zur Gemeinde. Wer abends etwas mehr Betrieb sucht, fährt nach Tropea, wer Ruhe will, bleibt am Kap. Die Wege sind kurz, aber kurvig, und die Beschilderung ist stellenweise sparsam.
Costa degli Dei und Tropea als Nachbar
Die Costa degli Dei erstreckt sich über etwa 55 Kilometer von Pizzo im Norden bis Nicotera im Süden, vollständig in der Provinz Vibo Valentia. Capo Vaticano bildet ihren südwestlichen Eckpunkt. Bekanntester Nachbar ist Tropea, gut zehn Kilometer nordöstlich: Altstadt auf dem Felsen, die Wallfahrtskirche Santa Maria dell'Isola im Meer, enge Gassen mit Läden und Lokalen. Im Hochsommer ist Tropea voll, am frühen Abend angenehmer als mittags.
Nach Norden lohnen Parghelia, Zambrone und Pizzo, nach Süden Joppolo und Nicotera. Kulinarisch bestimmen die rote Zwiebel von Tropea und die scharfe Streichwurst 'Nduja die Speisekarten, dazu Fisch und die kalabrische Chilischote.
Schnorcheln, Bootstouren und Wandern
Das klare Wasser und der felsige Grund machen Capo Vaticano zu einem guten Ziel zum Schnorcheln und Tauchen. Rund um die Felsvorsprünge und in den kleinen Buchten findest du Steilabbrüche, Grotten und Felsfelder dicht unter der Oberfläche. Tauchbasen gibt es in den Küstenorten der Umgebung.
Bootstouren gehören zum festen Angebot der Saison. Sie starten meist in Tropea oder an den Stränden am Kap und führen zu Buchten, die vom Land aus nicht erreichbar sind, darunter Praia i Focu. Von Tropea aus gibt es im Sommer außerdem Tagesfahrten zu den Äolischen Inseln.
An Land führen Küstenpfade über die Klippen und zu den Aussichtspunkten. Hinter der Küste steigt das Gelände zum Monte Poro an, einem Hochplateau mit Weiden und weiten Blicken über das Meer. Die Wege sind nicht durchgehend markiert, eine Karte oder eine Wander-App hilft.
Anreise und beste Reisezeit
Der nächste Flughafen ist Lamezia Terme, rund 65 Kilometer entfernt, mit dem Mietwagen etwa eine Stunde. Mit der Bahn erreichst du die Region über die tyrrhenische Küstenstrecke zwischen Lamezia Terme und Rosarno. Es gibt einen kleinen Bahnhof Ricadi, deutlich besser angebunden ist aber Tropea. Mit dem Auto führt der Weg über die A2, die Autostrada del Mediterraneo zwischen Salerno und Reggio Calabria, danach auf Landstraßen über Tropea oder von Süden über Rosarno und Nicotera ans Kap.
Aus Österreich fliegst du ab Wien direkt nach Lamezia Terme, allerdings nur saisonal und an einzelnen Wochentagen. Sonst geht es mit Umstieg über Rom oder Mailand. Mit dem Auto sind es von Wien aus etwa 1.500 Kilometer, das ist realistisch nur mit einer Übernachtung unterwegs zu schaffen.
Aus der Schweiz bestehen ab Zürich ebenfalls saisonale Direktverbindungen nach Lamezia Terme, ansonsten fliegst du über eine italienische Drehscheibe. Die Autostrecke ab Zürich liegt bei etwa 1.400 Kilometern durch den Gotthard und über die gesamte italienische Halbinsel, also ebenfalls eine sehr weite Fahrt.
Die Badesaison reicht üblicherweise von Ende Mai bis in den Oktober, am wärmsten ist das Wasser im August und September. Der Hochsommer bringt zuverlässig Hitze, dazu volle Strände und höhere Unterkunftspreise, besonders in der zweiten Augusthälfte rund um Ferragosto. Angenehmer sind Juni und September: warmes Meer, erträgliche Temperaturen, spürbar mehr Platz. Wie warm das Meer aktuell ist, zeigt dir unsere Übersicht zur Wassertemperatur in Italien. Plane fest mit einem Mietwagen: Strände, Orte und Aussichtspunkte liegen weit auseinander, der öffentliche Nahverkehr ist dünn.



















