Abbazia San Galgano
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Carrara liegt im äußersten Nordwesten der Toskana, dort wo die Apuanischen Alpen steil aus der Küstenebene aufsteigen. Die Stadt gehört zur Provinz Massa-Carrara und sitzt am Ausgang des Tals, durch das der Fluss Carrione von den Bergen zum Ligurischen Meer läuft. Über der Stadt leuchten die Steinbrüche so hell, dass viele Besucher sie zuerst für Schneefelder halten. Es ist kein Schnee, sondern Marmor.
Der weiße Marmor aus Carrara wird seit der Römerzeit gebrochen. Aus ihm entstanden die Trajanssäule in Rom, unzählige Statuen und Fassaden, und Michelangelo wählte im 16. Jahrhundert genau diesen Stein für seine wichtigsten Werke. Bis heute prägt der Marmor alles im Ort: die Straßenschilder, die Kirchen, die Ateliers der Bildhauer und die schweren Lastwagen, die den Stein aus den Bergen ins Tal fahren. Wer Carrara besucht, kommt nicht wegen einer hübschen Altstadtkulisse, sondern wegen dieser Verbindung aus Handwerk, Geologie und Kunst.
Carrara ist bis heute eine Arbeitsstadt, kein Freilichtmuseum. Das macht den Reiz aus. Neben der Akademie der Bildhauer und den Werkstätten liegt das rohe Geschäft mit dem Stein, und beides trifft man im Zentrum an einem einzigen Vormittag. Für einen Ausflug reicht ein Tag, wer die Steinbrüche und die Küste verbinden will, plant besser zwei.
Der Marmor wird in drei großen Tälern oberhalb der Stadt gebrochen: Torano, Miseglia und Colonnata. Das bekannteste Abbaugebiet liegt bei Fantiscritti im Tal von Miseglia, rund acht Kilometer vom Zentrum entfernt. Hier fährt man durch enge Serpentinen und alte Bahntunnel bis auf Höhe der Brüche, wo sich weiße Wände hunderte Meter hoch auftürmen. Am Fantiscritti liegt die Cava Museo, ein privates Freilichtmuseum, das alte Werkzeuge, Maschinen und die Arbeitsweise der Steinbrucharbeiter zeigt. Vom benachbarten Stollen Galleria Ravaccione starten geführte Touren, die tief in den Berg hineinführen, wo bei konstanten Temperaturen um die 16 Grad noch heute Marmor abgebaut wird. Feste Schuhe und eine Jacke sind auch im Hochsommer sinnvoll.
Wer die Brüche auf eigene Faust ansehen will, sollte nicht ohne Führung in die aktiven Bereiche fahren, denn dort gelten die Regeln eines Industriebetriebs. Die Aussichtspunkte an der Straße nach Colonnata und Fantiscritti sind dagegen frei zugänglich und liefern die spektakulärsten Blicke. Colonnata selbst, ein Bergdorf über der Stadt, ist über den Marmor hinaus für seinen Lardo di Colonnata bekannt, einen in Marmorwannen gereiften Speck mit geschützter geografischer Angabe, den man in den kleinen Läden des Orts kostet.
Wer den Stein nicht nur im Berg, sondern auch in seiner Verarbeitung verstehen will, geht ins Museo Civico del Marmo an der Straße Richtung Küste. Die Sammlung erklärt die Geologie der Apuanischen Alpen, zeigt Gesteinsproben aus aller Welt, historische Abbautechniken und moderne Skulpturen. Es ist der beste Ort, um die Zusammenhänge zu begreifen, bevor oder nachdem man die Brüche gesehen hat.
Die künstlerische Seite Carraras hat ihren festen Sitz in der Accademia di Belle Arti, der Akademie der schönen Künste, die 1769 gegründet wurde und ihren Sitz im Palazzo Cybo Malaspina im Stadtzentrum hat. Bildhauer aus der ganzen Welt lernen hier seit über zwei Jahrhunderten den Umgang mit dem Stein. In den Gassen ringsum stößt man immer wieder auf Werkstätten, in denen Blöcke bearbeitet werden, und im Sommer bespielt die Skulpturenbiennale die öffentlichen Plätze mit zeitgenössischen Arbeiten.
Das Herz der Altstadt ist der Dom Sant'Andrea, dessen Bau vom 11. bis ins späte 14. Jahrhundert reichte und der 1395 vollendet wurde. Die Fassade im Übergang von Romanik zur Gotik besteht aus weißem Marmor mit horizontalen Streifen aus dunklerem Stein und trägt eine große gotische Fensterrose. Das gesamte Bauwerk ist mit Marmor verkleidet, ein Sinnbild dafür, dass der Stein hier nicht Luxus, sondern Baumaterial ist. Vor dem Dom steht ein Marmorbrunnen, und wenige Schritte weiter beginnt das Netz der schmalen Gassen des historischen Zentrums.
Der repräsentativste Platz der Stadt ist die Piazza Alberica, eine langgezogene, leicht abfallende Fläche, die von Palästen in warmen Farben gerahmt wird. In der Mitte steht ein Denkmal, und an den Rändern liegen Cafés, an denen sich das Leben der Stadt beobachten lässt. Von hier führt die zentrale Achse ins Geschäftsviertel, während sich in den Seitengassen kleine Läden, Trattorien und wieder Bildhauerwerkstätten aneinanderreihen.
Etwa sechs Kilometer vom Zentrum entfernt liegt Marina di Carrara, der Küstenteil der Stadt. Hier verlädt der große Hafen die Marmorblöcke, die von den Bergen ins Tal kommen, und zugleich beginnt der Sandstrand, der sich nach Süden bis an die Nachbarstädte zieht. Der Strand ist breit und flach, teils frei zugänglich, teils in bewirtschaftete Abschnitte mit Liegen und Bar aufgeteilt. Wer den Marmor am Vormittag und das Meer am Nachmittag verbinden will, hat hier den kürzesten Weg. Einen Überblick über die Küste der Region geben die Strände der Toskana.
Carrara liegt günstig für Ausflüge in beide Richtungen. Direkt südlich schließt Massa an, die zweite Hälfte der Doppelprovinz, mit einer eigenen Burg und ebenfalls Zugang zum Meer. Wenige Kilometer weiter beginnt die mondäne Versilia-Küste mit Forte dei Marmi, dessen Name auf die einstige Verladung des Marmors zurückgeht, und dem lebhaften Badeort Viareggio mit seiner langen Strandpromenade und dem berühmten Karneval.
Landeinwärts erreicht man rasch die Kunststädte der Region. Das von einer intakten Stadtmauer umschlossene Lucca und der Schiefe Turm samt Domplatz in Pisa liegen beide innerhalb einer Autostunde. Nach Norden hin, jenseits der Regionsgrenze in Ligurien, beginnen die Steilküstendörfer der Cinque Terre, die sich gut als Tagesausflug mit der Bahn anhängen lassen.
Der nächste Flughafen ist Pisa (Galileo Galilei), rund 55 bis 60 Kilometer entfernt und mit dem Auto in etwa einer Stunde erreichbar. Auch der Flughafen Florenz kommt in Frage, liegt aber deutlich weiter. Mit der Bahn hält man am Bahnhof Carrara-Avenza an der Küstenlinie Genua-Pisa; er liegt rund vier Kilometer vom Zentrum entfernt, das man von dort per Bus oder Taxi erreicht. Mit dem Auto führt die Autobahn A12 direkt an der Stadt vorbei, die Abfahrt Carrara liegt nahe der Küste. Im historischen Zentrum gilt eine verkehrsberuhigte Zone (ZTL), Autos stellt man daher besser auf einem der Parkplätze am Rand der Altstadt ab und geht die letzten Meter zu Fuß.
Aus Österreich fährt man von Wien über die Tauern- oder Brennerroute nach Norditalien und weiter über Genua an die Küste, eine lange, aber gut ausgebaute Strecke; alternativ fliegt man ab Wien über einen Umstieg nach Pisa. Aus der Schweiz ist Carrara von Zürich über den Gotthard, Mailand und Genua in einem langen Tag mit dem Auto zu schaffen, per Bahn mit Umstieg in Mailand oder Genua.
Die beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst. Von April bis Juni und im September ist es warm genug für die Küste, die Steinbruchtouren sind angenehm, und die Berge zeigen sich klar. Der Hochsommer im Juli und August bringt heiße, teils schwüle Tage und volle Strände, was die Fahrten in die kühleren Brüche umso lohnender macht. Im Winter bleibt Carrara eine ruhige Arbeitsstadt; die Steinbruchtouren pausieren dann meist, der Dom und das Marmormuseum aber sind ganzjährig ein Grund für einen Besuch.
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Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: März bis Mai sowie Oktober bis November.
| Region | Toskana |
| Provinz | Massa-Carrara |
| Einwohnerzahl | 63.133 |
| Provinzkürzel | MS |
| Postleitzahl | 54033 |
| Vorwahl | 0585 |
| Prominente Bürger | Domenico Guidi (Bildhauer) Gianluigi Buffon (Fußballspieler) Frederico Bernardeschi (Fußballspieler) |
| Produkte / Marken | Carrara Marmor |
| Städtepartnerschaft | Ingolstadt (Deutschland) Grasse (Frankreich) Opole (Polen) Jerewan (Armenien) Kragujevac (Serbien) |
| Sport | Carrarese Calcio (Fußball) |
| Geschichte | Funde aus der Altsteinzeit zeigen eine sehr frühe Besiedelung des Gebietet |
| Lage | in Apuanischen Alpen, direkt am Tyrrhenischen Meer gelegen |
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