Castellammare del Golfo liegt an der Nordwestküste Siziliens, in der Provinz Trapani, und gibt dem weiten Golf zwischen Capo Rama und der Halbinsel von San Vito seinen Namen. Die Stadt mit rund 15.000 Einwohnern zieht sich vom Hafenbecken an einem Amphitheater aus Hügeln hinauf, Treppengassen verbinden die Altstadt mit der Uferpromenade. Wer zum ersten Mal von der Küstenstraße aus auf den Ort hinunterschaut, versteht sofort, warum Castellammare zu den meistfotografierten Küstenstädten Westsiziliens gehört: unten der Hafen mit dem Kastell auf der Landzunge, dahinter das tiefblaue Wasser des Golfs.
Der Ort ist mehr als eine hübsche Kulisse. Er blickt auf eine Geschichte als Hafen der antiken Elymerstadt Segesta zurück, lebte jahrhundertelang vom Thunfischfang und wurde im 20. Jahrhundert zur Mutterstadt tausender Auswanderer, die ihr Glück in Amerika suchten. Heute ist Castellammare del Golfo vor allem ein Badeort und ein idealer Standort für Ausflüge: Das Fischerdorf Scopello mit dem Naturreservat Zingaro, die Tempelruinen von Segesta und die Bergstadt Erice liegen alle in weniger als einer Stunde Fahrzeit.
Gleichzeitig ist die Stadt groß genug, um auch abends zu funktionieren. Rund um den Hafen Cala Marina und entlang des Corso Garibaldi reihen sich Fischrestaurants, Bars und Eisdielen, im Sommer ist hier bis spät in die Nacht Betrieb. Wer es ruhiger mag, findet in den Gassen oberhalb des Hafens schnell stille Ecken mit Blick über den Golf.
Vom Hafen Segestas zur Hafenstadt
In der Antike hieß der Ort Emporium Segestanorum, denn er diente der Elymerstadt Segesta als Hafen. Über diesen Umschlagplatz wickelte die einige Kilometer landeinwärts gelegene Stadt ihren Handel mit dem Mittelmeerraum ab. Von Segesta selbst sind bis heute ein dorischer Tempel aus dem 5. Jahrhundert vor Christus und ein antikes Theater erhalten, beides zählt zu den bedeutendsten antiken Stätten Siziliens.
Seine heutige Gestalt verdankt der Ort den Arabern, die hier um das 10. Jahrhundert eine Festung errichteten und die Siedlung Al Madarig nannten, was so viel wie die Stufen bedeutet. Der Name passt bis heute: Treppen prägen das Ortsbild. Unter den Normannen und später unter den Aragonesen wurde die Burg auf der Landzunge ausgebaut, aus der arabischen Festung wurde das Castello a Mare, das Kastell am Meer, von dem sich der heutige Stadtname ableitet.
Vom 15. bis ins 19. Jahrhundert lebte Castellammare vom Export von Getreide, Wein und Thunfisch. Der Fischfang, allen voran die traditionelle Thunfischjagd, blieb bis weit ins 20. Jahrhundert hinein die wichtigste Einnahmequelle. An diese Zeit erinnert heute unter anderem die alte Thunfischfabrik im nahen Scopello, eine der ältesten Tonnare Siziliens.
Das Castello a Mare und die Altstadt
Das Kastell sitzt auf einer felsigen Landzunge, die das Hafenbecken nach Osten abschirmt. Ursprünglich war es nur über eine Zugbrücke zu erreichen, die Ende des 16. Jahrhunderts durch eine gemauerte Brücke ersetzt wurde, über die man das Gelände heute betritt. Die restaurierte Anlage beherbergt einen Museumskomplex mit dem Titel La Memoria del Mediterraneo, der sich in mehrere Abteilungen gliedert: ein archäologisches Museum, ein Museum der Meeresaktivitäten mit Zeugnissen des Thunfischfangs, eine Abteilung zu Wasser und Mühlen sowie eine zu den traditionellen Handwerken der Region. Der Eintritt ist günstig, der Rundgang in einer guten Stunde zu schaffen.
Von der Burg aus lohnt ein Spaziergang durch die Altstadt. Die Chiesa Madre, die Pfarrkirche Maria Santissima del Soccorso, steht wenige Schritte oberhalb des Hafens und ist der Schutzpatronin der Stadt geweiht. Der Corso Garibaldi führt als Hauptachse durch das Zentrum, von ihm zweigen Gassen und Treppen ab, die immer wieder Blicke auf das Wasser freigeben. Den besten Gesamtblick auf Stadt, Kastell und Golf bietet der Belvedere, ein Aussichtspunkt an der Küstenstraße oberhalb des Ortes: Von der Terrasse aus liegt einem das gesamte Panorama zu Füßen, besonders eindrucksvoll am späten Nachmittag, wenn die Sonne das Kastell anstrahlt.
Cala Marina: der Hafen als Herz der Stadt
Das eigentliche Zentrum des Ortslebens ist der Hafen Cala Marina. Hier liegen Fischerboote neben Ausflugsbooten und Segelyachten, entlang der Kaimauer reihen sich Restaurants und Bars mit Terrassen am Wasser. Morgens verkaufen Fischer ihren Fang direkt vom Boot, abends füllt sich die Promenade zur Passeggiata. Steile Treppengassen verbinden den Hafen mit der höher gelegenen Altstadt, die bekannteste ist die breite Freitreppe, die vom Zentrum hinunter zur Marina führt.
Vom Hafen aus starten in der Saison Bootsausflüge entlang der Küste, etwa zu den Buchten des Naturreservats Zingaro oder nach San Vito Lo Capo. Wer die Kalksteilküste mit ihren Grotten und Badebuchten vom Wasser aus sehen will, ist damit gut bedient, denn viele der schönsten Stellen sind über Land nur zu Fuß erreichbar. Auch Taucher kommen auf ihre Kosten: Die Unterwasserwelt am Golf gilt als eine der reichsten Westsiziliens, mehrere Basen vor Ort bieten Kurse und geführte Tauchgänge an. Eine Übersicht bietet unsere Seite zu den Tauchschulen auf Sizilien.
Strände in und um Castellammare del Golfo
Der Hausstrand der Stadt ist die Spiaggia Playa, örtlich auch Plaja geschrieben. Sie beginnt westlich des Hafens und zieht sich als langer, feiner Sandstrand am Golf entlang in Richtung Alcamo Marina. Das Wasser fällt flach ab, was den Strand für Familien mit Kindern angenehm macht. In der Hauptsaison wechseln sich bewirtschaftete Lidos mit Liegen und Schirmen und frei zugängliche Abschnitte ab, Bars und Strandlokale gibt es in ausreichender Zahl.
Direkt am Ortsrand, nur wenige Gehminuten vom Zentrum, liegt die Cala Petrolo, eine kleine Stadtbucht mit Sand und ruhigem Wasser. Sie ist schnell voll, dafür muss man für einen Sprung ins Meer nicht einmal das Auto holen. Wer Kieselbuchten mit klarem Wasser sucht, fährt in Richtung Scopello: Auf halber Strecke liegt die Bucht Guidaloca, ein geschwungener Kiesstrand mit türkisfarbenem Wasser. Die berühmten Badestellen um die Faraglioni von Scopello und die Buchten des Zingaro schließen sich weiter nördlich an. Einen Überblick über die schönsten Küstenabschnitte der Insel gibt unsere Seite zu den Stränden auf Sizilien.
Ein Kuriosum der Umgebung sind die Terme Segestane, warme Schwefelquellen im Hinterland. Das Thermalwasser tritt dort an mehreren Stellen aus, unter anderem in frei zugänglichen Becken am Flusslauf, in denen man kostenlos baden kann. Der Schwefelgeruch ist gewöhnungsbedürftig, das warme Bad unter freiem Himmel dafür ein Erlebnis, gerade außerhalb des Hochsommers.
Feste und die Festa della Madonna del Soccorso
Der wichtigste Termin im Jahreskalender ist das Patronatsfest der Madonna del Soccorso vom 19. bis 21. August. Am ersten Abend wird die Marienstatue in einer Prozession durch die Gassen zum Hafen getragen, dort auf ein festlich geschmücktes Boot gesetzt und aufs Meer hinausgefahren, begleitet von den Booten der Fischer und unzähligen Lichtern auf dem Wasser. Den Abschluss bildet ein großes Feuerwerk über dem Golf, das zu den spektakulärsten Westsiziliens zählt. Wer im August in der Gegend ist, sollte sich das Fest vormerken, muss aber mit vollen Unterkünften und Straßen rechnen.
Dazu kommt eine historische Nachstellung, bei der die Bewohner an die Ereignisse des Jahres 1718 erinnern, als die Stadt ihre Rettung vor Beschuss der Fürsprache der Madonna zuschrieb. Kostümumzüge und Musik füllen dann die Altstadt.
Auswanderer, Amerika und ein dunkles Kapitel
Wie viele Orte Westsiziliens verlor Castellammare del Golfo um die Wende zum 20. Jahrhundert einen großen Teil seiner Bevölkerung an die Auswanderung, vor allem in die Vereinigten Staaten. In Brooklyn entstand eine große castellammaresische Gemeinde, und bis heute haben viele amerikanische Familien ihre Wurzeln hier. Diese Verbindung hat auch eine Schattenseite: Unter den Auswanderern waren einige Männer, die in New York zu bekannten Figuren der organisierten Kriminalität wurden, darunter Salvatore Maranzano und Joseph Bonanno. Der Machtkampf in der New Yorker Unterwelt um 1930 ging als Castellammarese War in die Geschichte ein, benannt nach der Herkunft vieler Beteiligter. Im heutigen Stadtbild spielt dieses Kapitel keine Rolle, der Ort lebt längst vom Tourismus und nicht von seiner Vergangenheit.
Ausflüge: Scopello, Zingaro, Segesta, Erice
Kaum ein Ort in Westsizilien eignet sich besser als Ausgangspunkt für Tagesausflüge. Das nächstliegende Ziel ist Scopello, gut zehn Kilometer nördlich: ein winziges Dorf um einen alten Gutshof, davor die berühmte Tonnara mit den Felsnadeln im Meer. Direkt dahinter beginnt die Riserva Naturale dello Zingaro, das älteste Naturschutzgebiet Siziliens mit sieben Kilometern unverbauter Steilküste und einsamen Kiesbuchten. Alle Details zu Dorf, Tonnara und Reservat stehen auf unserer Seite zu Scopello.
Etwa eine Viertelstunde Fahrt landeinwärts liegt der archäologische Park von Segesta. Der unvollendet gebliebene dorische Tempel steht frei auf einer Hügelkuppe und gehört zu den am besten erhaltenen griechischen Tempelbauten überhaupt, das Theater am Monte Barbaro bietet einen weiten Blick, der bis zum Golf von Castellammare reicht. Wer Antike und Meer an einem Tag verbinden will, kann den Besuch gut mit einem Nachmittag am Strand kombinieren.
Richtung Westen lohnen Trapani mit seiner Altstadt auf der Landzunge und den Salinen sowie die mittelalterliche Bergstadt Erice, die auf rund 750 Metern über der Küste thront und von Trapani aus mit einer Seilbahn erreichbar ist. Badeurlauber zieht es nach San Vito Lo Capo am Nordende des Golfs, dessen heller Sandstrand vor dem Monte Monaco regelmäßig zu den schönsten Italiens gezählt wird. Weinfreunde werden im nahen Alcamo fündig, dem Zentrum eines der ältesten Weißweingebiete Siziliens: Der Bianco d'Alcamo aus der Catarratto-Traube passt gut zu Fisch und ist in den Restaurants der Stadt allgegenwärtig. Auch Palermo mit seinen Märkten und normannischen Kirchen ist als Tagesausflug machbar.
Anreise und beste Reisezeit
Der nächste Flughafen ist Palermo Punta Raisi (PMO), der westlich der Hauptstadt direkt an der A29 liegt. Von dort sind es rund 40 Kilometer bis Castellammare del Golfo, mit dem Mietwagen über die Autobahn A29 in Richtung Trapani eine gute halbe Stunde, Abfahrt Castellammare del Golfo. Aus Palermo selbst sind es etwa 65 Kilometer, die Fahrt dauert rund eine Stunde. Auch Busverbindungen von Palermo in Richtung Castellammare und San Vito Lo Capo bestehen, die Fahrpläne sollte man vorab prüfen, da sie außerhalb der Saison ausgedünnt sind.
Castellammare del Golfo hat einen Bahnhof an der Linie Palermo Richtung Trapani, er liegt allerdings einige Kilometer außerhalb des Zentrums bei Alcamo Marina. Regionalzüge aus Palermo brauchen etwa anderthalb Stunden, für die letzte Etappe in die Stadt ist man auf Bus oder Taxi angewiesen. Wer die Umgebung erkunden will, kommt um einen Mietwagen kaum herum, denn Scopello, Segesta und die Zufahrten zum Zingaro sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur eingeschränkt erreichbar. Parken ist im Sommer im Zentrum knapp, gebührenpflichtige Plätze gibt es unter anderem am Hafen und entlang der Playa.
Die beste Reisezeit sind die Monate Mai, Juni, September und Oktober: Das Meer ist warm genug zum Baden, die Wanderwege im Zingaro sind nicht überlaufen und die Temperaturen bleiben angenehm. Im Juli und August klettert das Thermometer regelmäßig über 30 Grad, die Strände und der Ort sind dann voll, zum Patronatsfest Ende August zusätzlich. Für Besichtigungen und Wanderungen eignen sich auch Frühjahr und Spätherbst, viele Restaurants und Lidos schließen allerdings zwischen November und März.


























