Schiefer Turm von Pisa
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Cecina ist eine Kleinstadt mit rund 28.000 Einwohnern in der Provinz Livorno, im Süden der Toskana. Sie liegt flach am unteren Ende des Val di Cecina, kurz vor der Mündung des gleichnamigen Flusses ins Tyrrhenische Meer. Der Küstenstreifen heißt Costa degli Etruschi, Etruskische Küste. Von Livorno sind es rund 40 Kilometer nach Süden, von Florenz gut 110 Kilometer. Cecina ist kein historisches Bergstädtchen: Der heutige Ort ist eine junge Gründung des 19. Jahrhunderts auf einem Boden, der seit der Etruskerzeit besiedelt ist.
Für die Reiseplanung ist eine Unterscheidung wichtig, die oft untergeht. Cecina und Marina di Cecina sind zwei verschiedene Orte, etwa drei Kilometer voneinander entfernt. Cecina selbst ist die Stadt im Landesinneren: Bahnhof, Geschäfte, Wochenmarkt, Alltag. Marina di Cecina ist der Ortsteil direkt am Meer, mit Strand, Pinienwald, Hafen und dem Großteil der Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze. Wenn du zu Fuß ans Wasser willst, buchst du in Marina di Cecina. Viele Angebote werden schlicht als "Cecina" ausgeschrieben, obwohl sie kilometerweit vom Meer liegen. Schau also immer auf die genaue Adresse.
Der Strand von Marina di Cecina ist breit, flach abfallend und besteht aus feinem bis mittelgrobem Sand. Das flache Wasser und der weiche Untergrund sind der Hauptgrund, warum hier so viele Familien mit kleinen Kindern Urlaub machen. Marina di Cecina trägt seit 2006 durchgehend die Blaue Flagge, die unter anderem an Wasserqualität und Ausstattung des Badeorts geknüpft ist.
Die Küste wechselt zwischen zwei Typen von Abschnitten, und dieser Wechsel bestimmt deinen Tag am Meer:
Direkt hinter der Düne beginnt der Pinienwald. Die Riserva Naturale Biogenetica Tomboli di Cecina umfasst rund 400 Hektar alten Pinienbestand, der sich über etwa 15 Kilometer parallel zur Küste zieht. Für dich heißt das: Schatten in Strandnähe, ebene Wege zum Spazieren und Radfahren, und Abschnitte mit Dünen und Treibholz, die deutlich naturbelassener wirken als der Ortsstrand. Eine breitere Auswahl an Küstenzielen findest du in unserer Übersicht zu den Stränden in Italien.
Das Stadtzentrum ist im Raster angelegt, mit geraden Straßen und der alten Via Aurelia als Achse. Das ist das Ergebnis einer Planung aus dem 19. Jahrhundert. An Sommerabenden sind die Geschäftsstraßen gut gefüllt, es gibt Cafés, Eisdielen und normale Alltagsgeschäfte statt reiner Souvenirware. Jeden Dienstagvormittag zieht sich der Wochenmarkt mit Ständen für Lebensmittel, Kleidung und Haushaltswaren durch das Zentrum, ein kleinerer Markt findet freitags statt.
Der auffälligste Bau ist die Kirche der Heiligen Giuseppe und Leopoldo, der Duomo an der Piazza del Duomo. Sie wurde ab 1851 auf Anweisung von Großherzog Leopold II. an der Via Aurelia errichtet, in den Jahren danach fertiggestellt und 1855 geweiht. Sie ist einschiffig, mit Apsis, Holzbalkendecke und angebautem Glockenturm, und wurde zur Erzpriesterkirche erhoben. Der korrekte Namenszusatz lautet deshalb Chiesa Arcipretale, nicht "Acipretale", wie es in älteren deutschen Quellen zu lesen ist.
Im September prägt die Targa Cecina das Stadtbild. Das Stadtteilfest geht auf eine erste Ausgabe im Jahr 1929 zurück und wird seit 1952 mit allegorischen Wagen gefeiert. Die Stadtteile treten eine Woche lang mit Tanzabenden, Essen auf den Plätzen und Wettbewerben gegeneinander an, am Ende steht der Umzug der Wagen. Die genauen Termine wechseln jährlich.
Der Name Cecina geht wahrscheinlich auf die etruskische Familie Caecina aus Volterra zurück. Die antike Via Aurelia, die Küstenstraße von Rom nach Norden, führte direkt hier vorbei. Der Ort war also Durchgangspunkt, lange bevor er eine Stadt war.
Das wichtigste Zeugnis dieser Zeit ist die römische Villa von San Vincenzino am östlichen Stadtrand, heute ein archäologischer Park. Der Bau entstand um 30 vor Christus im Auftrag einer Familie aus dem Adel von Volterra und war bis ins 5. Jahrhundert nach Christus bewohnt. Der Hauptgrund für den Besuch ist die begehbare unterirdische Zisterne aus opus caementicium mit Tonnengewölbe: rund 16 Meter lang, 5 Meter breit, über 6 Meter hoch, mit etwa 540 Kubikmetern Fassungsvermögen für Regenwasser.
Die Funde aus den Grabungen liegen im Museo Archeologico Comunale. Es steht nicht im Zentrum, sondern im Gebäudekomplex der Villa Guerrazzi, genannt La Cinquantina, beim Ortsteil San Pietro in Palazzi. Gezeigt werden Objekte von der Altsteinzeit bis in die Spätantike, geordnet nach Zeit und Fundorten im unteren Cecinatal, dazu Funde aus der Meeresarchäologie und eine Alabasterfigur der Göttin Isis. Im selben Komplex sitzt ein volkskundliches Museum zum bäuerlichen Leben der nördlichen Maremma.
Die Gegend war jahrhundertelang Sumpf, die Maremma galt als malariaverseucht und war kaum dauerhaft bewohnbar. Das änderte sich erst, als Großherzog Leopold II. von Toskana ab 1828 die systematische Trockenlegung anordnete. Im Zuge dieser Arbeiten entstand um die Mitte des 19. Jahrhunderts der planmäßig angelegte Ort an der Via Aurelia. 1852 gilt als Gründungsjahr, im selben Zeitraum wurden Kirche und Infrastruktur errichtet, 1853 kam eine steinerne Brücke über den Fluss dazu. Eine eigenständige Gemeinde wurde Cecina allerdings erst 1906, zur Provinz Livorno kam der Ort erst 1925.
Der Siedlungsboden ist also sehr alt, die Stadt selbst ist jung. Wer mittelalterliche Gassen sucht, sucht hier am falschen Ort.
Von Cecina aus hast du fast die gesamte Etruskische Küste und ein gutes Stück Hinterland als Tagesziele. Rund zehn Kilometer südlich beginnt das Gebiet von Bolgheri mit der Zypressenallee vom Oratorium San Guido zum Ort und den Weingütern, die den Namen international bekannt gemacht haben. Weiter südlich folgt San Vincenzo mit langen Sandstränden. Nach Norden liegt Castiglioncello mit Felsbuchten und Pinien statt Sandstrand, dahinter die Hafenstadt Livorno mit den Kanälen im Viertel Venezia Nuova.
Landeinwärts führt das Val di Cecina nach Volterra, der Etruskerstadt auf dem Hügel mit Alabasterverarbeitung und römischem Theater. Nach Süden erreichst du Piombino, von wo die Fähren nach Elba ablegen. Eine Tagestour auf die Insel ist machbar, wird aber ein langer Tag. In diesem Radius hast du Weinorte, Etruskerfunde, Bergstädte und Küste, ohne je mehr als gut eine Stunde zu fahren.
Cecina hat einen eigenen Bahnhof an der tyrrhenischen Küstenbahn Genua, Livorno, Grosseto, Rom. Regionalzüge halten dort regelmäßig, dazu zweigt die Nebenstrecke Richtung Saline di Volterra ab. Vom Bahnhof nach Marina di Cecina fährt ein Ortsbus, die Strecke ist auch mit dem Rad gut machbar. Mit dem Auto erreichst du den Ort über die SS1 Aurelia parallel zur Küste. Die nächsten Flughäfen sind Pisa, rund 60 Kilometer nördlich, und Florenz, gut 110 Kilometer entfernt.
Aus Deutschland fährst du in der Regel über den Brenner oder den Gotthard nach Süden, dann über Mailand oder Bologna Richtung Florenz und Livorno und zuletzt auf der Aurelia. Von München sind es je nach Route etwa 800 Kilometer, eine lange, aber machbare Tagesetappe. Ohne Auto fliegst du nach Pisa und steigst in den Regionalzug Richtung Grosseto oder Rom, der in Cecina hält.
Aus Österreich ist der Brenner der naheliegende Weg, weiter über Verona, Modena und Florenz oder über die Küstenroute via La Spezia. Von Innsbruck rechne mit rund 700 Kilometern, von Wien mit deutlich mehr, dort lohnt eine Zwischenübernachtung. Per Flug bietet sich ebenfalls Pisa an.
Aus der Schweiz führt der kürzeste Weg über den Gotthard oder den San Bernardino nach Mailand und weiter über Genua an der Küste entlang. Von Zürich sind es etwa 600 Kilometer, von Basel etwas mehr. An Ferienwochenenden kostet der Stau vor dem Gotthard viel Zeit. Per Bahn geht es über Mailand und Genua auf die Küstenlinie.
Die Badesaison läuft etwa von Juni bis Mitte September, mit dem stärksten Andrang im August, wenn auch italienische Familien Ferien haben. Juni und September sind ausgeglichener: Das Wasser ist warm genug, die Strandbäder haben geöffnet, Unterkünfte sind leichter zu bekommen. Im April, Mai und Oktober ist Baden meist kein Thema mehr, dafür sind die Weinorte im Hinterland ruhig, die Wege durch den Pinienwald angenehm zu gehen, und in Volterra oder Bolgheri stehst du nicht in der Menge. Wer wegen Wein und Ernte kommt, plant September oder frühen Oktober ein.
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Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: März bis Mai sowie Oktober bis November.
| Region | Toskana |
| Provinz | Livorno |
| Einwohnerzahl | 28.120 |
| Provinzkürzel | LI |
| Postleitzahl | 57023 |
| Vorwahl | 0586 |
| Prominente Bürger | Paolo Bettini (Radrennfahrer) Augustin Hadelich (Violinist) Diego Ulissi (Radrennfahrer) |
| Städtepartnerschaft | Gilching (Deutschland) Sagunto (Spanien) Sin-le-Noble (Frankreich) |
| Geschichte | im 19. Jhd. gegründet und nach den Zerstörungen im 2. Weltkrieg wieder modern aufgebaut worden. |
| Lage | 40 km südlich von Livorno Nahe dem Tyrrhenischen Meer |
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