Cappella degli Scrovegni
Die Cappella degli Scrovegni in Padua: berühmt für Giottos revolutionären Freskenzyklus, UNESCO-Welterbe. Geschichte und Tipps…
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Chioggia liegt am Südrand der Lagune von Venedig und wird gern als Klein-Venedig bezeichnet. Der Vergleich stimmt auf den ersten Blick: Kanäle, Brücken, enge Gassen, ein Markuslöwe auf einer Säule. Auf den zweiten Blick ist Chioggia aber etwas anderes, nämlich eine Stadt, die bis heute vom Fischfang lebt. Hier legen morgens die Kutter an, im Großmarkt wird der Fang der Nacht versteigert, und in den Gassen hängen Netze zum Trocknen. Wer das echte, unpolierte Venetien sucht, findet es in dieser Hafenstadt eher als in den großen Touristenzielen der Lagune.
Zur Stadt gehört außerdem der Ortsteil Sottomarina, der auf einer vorgelagerten Landzunge zwischen Lagune und offenem Meer liegt. Dort erstreckt sich ein breiter Sandstrand mit flach abfallendem Wasser, Strandbädern und Campingplätzen. Diese Kombination macht den Reiz des Ziels aus: vormittags über den Fischmarkt in der Altstadt schlendern, nachmittags an der Adria baden. Venedig ist nah genug für einen Tagesausflug, und zwar auf einem der schönsten Wege, die es dorthin gibt, nämlich quer durch die Lagune über die Insel Pellestrina.
Der Grundriss der Altstadt ist ungewöhnlich klar und wird oft mit einer Fischgräte verglichen. Das Rückgrat bildet der Corso del Popolo, eine breite, gepflasterte Flaniermeile, die die Insel von Norden nach Süden durchzieht. Parallel dazu verläuft der Canal Vena, der wichtigste Kanal der Stadt, an dem bunte Fischerboote vertäut liegen. Von dieser Doppelachse zweigen im rechten Winkel Dutzende schmale Gassen ab, die Calli, die auf beiden Seiten zum Wasser führen. Verlaufen kann sich hier niemand: Wer eine Calle bis zum Ende geht, steht entweder am Kanal oder an der Lagune.
Am Nordende der Insel überspannt die Ponte Vigo den Canal Vena, die bekannteste Brücke der Stadt. Sie wurde 1685 aus Stein errichtet und 1762 mit istrischem Marmor verkleidet. Direkt daneben steht auf einer Säule ein Markuslöwe, den die Venezianer spöttisch "el gato", die Katze, nennen, weil er deutlich kleiner ausfällt als sein berühmtes Gegenstück auf der Piazzetta in Venedig. Die Chioggiotti tragen den Spitznamen mit einer Mischung aus Ärger und Selbstironie. Von der Piazzetta Vigo aus öffnet sich der Blick über die Lagune, und hier legen auch die Schiffe Richtung Pellestrina ab.
Chioggia gehört zu den wichtigsten Fischereihäfen Italiens und ist der bedeutendste an der oberen Adria. Die Flotte umfasst einige Hundert Boote, vom kleinen Lagunenkahn bis zum Hochseekutter. Im Mercato Ittico, dem Fischgroßmarkt am Hafen, wird der Fang versteigert und von hier aus in weite Teile Norditaliens geliefert. Für Besucher greifbarer ist der Einzelhandelsmarkt, die Pescheria am Canal Vena: An den Vormittagen türmen sich dort Seezungen, Sardellen, Muscheln und Schalentiere aus der Nacht zuvor, montags ruht der Betrieb, weil die Flotte sonntags nicht ausläuft.
Wie sehr die Stadt am Fisch hängt, zeigt sich auch auf den Speisekarten. Typisch sind frittierte Meeresfrüchte, Sardinen in Saor, also süßsauer eingelegt mit Zwiebeln, und Spaghetti mit Venusmuscheln. Im Juli feiert die Stadt die Sagra del Pesce, ein traditionsreiches Fischfest, bei dem an langen Tischen aufgetischt wird, was die Adria hergibt. Wer die Fischerei von ihrer stillen Seite erleben will, bucht eine Bootstour in den Süden der Lagune: Dort liegen die Valli, alte Fischzuchtgebiete, und die Casoni, hölzerne Fischerhütten, die zwischen Schilf und Wattflächen aus dem Wasser ragen.
Chioggia ist seit 1110 Bischofssitz, damals wurde der Sitz von der bedrohten Laguneninsel Malamocco hierher verlegt. Der heutige Dom, die Cattedrale di Santa Maria Assunta am Südende des Corso, ist allerdings deutlich jünger: Nachdem der mittelalterliche Vorgängerbau Weihnachten 1623 einem Brand zum Opfer gefallen war, entwarf Baldassare Longhena, der später die Salute-Kirche in Venedig baute, den barocken Neubau. Sehenswert sind daneben die Chiesa di San Domenico auf einer eigenen kleinen Insel am Ende der Calle San Domenico, in der ein Gemälde von Vittore Carpaccio hängt, und die vielen kleineren Kirchen entlang des Corso.
Ein Kuriosum von Weltrang verbirgt sich im Glockenturm der Kirche Sant'Andrea: eine Turmuhr, deren Mechanik auf das Jahr 1386 zurückgeführt wird. Chioggia beansprucht damit, die älteste noch funktionierende Turmuhr der Welt zu besitzen, älter noch als die berühmte Uhr der Kathedrale von Salisbury. Der Anspruch ist umstritten, gut begründet ist er trotzdem. Ursprünglich schlug das Uhrwerk am Turm des alten Stadtpalastes, seit 1839 versieht es seinen Dienst im Campanile von Sant'Andrea. Der Turm ist heute als Museum eingerichtet und kann bestiegen werden, auf den Etagen wird die Geschichte des Uhrwerks erklärt, oben wartet der Blick über Dächer, Lagune und Meer.
Dass diese Fischerstadt einmal im Zentrum der europäischen Politik stand, ahnt heute kaum jemand. Im sogenannten Chioggia-Krieg kämpften die Seerepubliken Genua und Venedig um die Vorherrschaft im Mittelmeerhandel. 1379 eroberte die genuesische Flotte Chioggia und stand damit unmittelbar vor Venedig, die Lage der Serenissima war verzweifelt. Doch die Venezianer schlossen die Genuesen ihrerseits in Chioggia ein und belagerten sie monatelang, bis die Besatzung im Juni 1380 kapitulierte. Der Frieden von Turin beendete 1381 den Krieg. Er gilt als Wendepunkt: Genua erholte sich von der Niederlage nie mehr als Seemacht, Venedig dominierte fortan den Handel im östlichen Mittelmeer.
Ein friedlicheres Denkmal setzte der Stadt Carlo Goldoni, der große venezianische Komödiendichter, der in jungen Jahren selbst eine Zeit lang in Chioggia arbeitete. Seine Komödie "Le baruffe chiozzotte" von 1762 bringt die lautstarken Streitereien der Fischersfrauen und Bootsleute auf die Bühne, im Dialekt der Stadt. Das Stück wird bis heute gespielt, und wer einmal einem Wortwechsel auf dem Fischmarkt zugehört hat, versteht, wo Goldoni seinen Stoff fand.
Über eine Brücke mit der Altstadt verbunden liegt Sottomarina, der Badeort der Gemeinde. Sein Sandstrand zieht sich viele Kilometer an der Adria entlang und ist stellenweise mehrere Hundert Meter breit, so viel Platz bietet kaum ein anderer Strand der Region. Das Wasser fällt flach ab, was Familien mit kleinen Kindern entgegenkommt, und der Ort wird regelmäßig mit der Blauen Flagge für Wasserqualität ausgezeichnet. Strandbäder mit Liegen und Schirmen wechseln sich mit frei zugänglichen Abschnitten ab, dahinter reihen sich Hotels, Ferienwohnungen und große Campingplätze. Einen Überblick über weitere Badeorte der Region gibt die Seite zu den Stränden in Venetien.
Den nördlichen Abschluss des Strandes bildet die Diga von San Felice, ein langer Steindamm, der die Hafeneinfahrt schützt. Der Spaziergang über die Steinblöcke hinaus aufs Meer gehört zu den schönsten kostenlosen Unternehmungen des Ortes, mit Blick auf ein- und auslaufende Fischerboote und bei klarer Sicht bis zu den Inseln der Lagune. Abends verlagert sich das Leben auf den Lungomare Adriatico, die Strandpromenade mit Bars, Gelaterien und Spielplätzen.
Zwischen Meer, Lagune und den Mündungen von Brenta und Etsch liegen sandige Schwemmböden, auf denen seit Jahrhunderten Gemüse angebaut wird. Das bekannteste Produkt trägt den Namen der Stadt: der Radicchio di Chioggia, ein kugelrunder, fest geschlossener Kopf mit weinroten, weiß geäderten Blättern, als geschützte geografische Angabe (IGP) anerkannt. Er landet gegrillt, im Risotto oder roh im Salat auf den Tellern der Region. Auf den Märkten der Stadt gibt es ihn je nach Sorte fast das ganze Jahr über, dazu Zwiebeln, Karotten und Kürbisse aus den Gärten von Sottomarina.
Wer mehr Natur sucht, fährt weiter nach Süden: Hinter der Etschmündung beginnt mit Rosolina und Rosolina Mare das Gebiet des Po-Deltas, eine Landschaft aus Flussarmen, Pinienwäldern und Lagunen, die zu den wichtigsten Vogelschutzgebieten Italiens zählt. Radfahrer finden dort wie rund um Chioggia flache Dammwege, die sich auch mit Kindern gut fahren lassen.
Der schönste Weg nach Venedig führt nicht über die Straße, sondern durch die Lagune. Von der Piazzetta Vigo legt das Schiff der Linie 11 ab und quert das Wasser zur schmalen Insel Pellestrina, die kaum breiter ist als ihre Häuserzeile und ihre murazzi genannten Schutzmauern. Ein Bus fährt die Insel entlang, rollt auf eine Fähre und setzt auf den Lido über, dessen Nordende die Vaporetti Richtung Markusplatz erreichen. Die Fahrt dauert insgesamt gut anderthalb Stunden und ist selbst schon ein Ausflug, mit Fischerdörfern, Lagunenblick und Meer auf der anderen Seite des Damms. Was in der Lagunenstadt wartet, zeigt die Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Venedig. Alternativ verkehren Direktbusse über die Landstraße zum Piazzale Roma.
Auch das Festland von Venetien liegt in Reichweite: Padua mit der Scrovegni-Kapelle und einem der ältesten botanischen Gärten der Welt ist rund 50 Kilometer entfernt. Wer Strandorte vergleichen möchte, findet nördlich der Lagune mit Cavallino und Jesolo die bekannten Badeziele der oberen Adria, die deutlich stärker auf Tourismus ausgerichtet sind als das bodenständige Chioggia.
Mit dem Auto ist Chioggia über die Staatsstraße SS309 Romea erreichbar, die von Venedig-Mestre im Norden und von Ravenna im Süden direkt am Ort vorbeiführt. Von Venedig sind es auf der Straße rund 50 Kilometer. Wer aus Deutschland oder Österreich über die Brennerroute kommt, verlässt die Autobahn im Raum Padua und fährt über das Land Richtung Küste. In der Hochsaison empfiehlt sich für die Altstadt einer der Parkplätze an der Inselzufahrt, denn im Gassennetz selbst gibt es praktisch keine Stellplätze. Der nächste Flughafen ist Venedig Marco Polo in gut 50 Kilometern Entfernung.
Chioggia hat einen eigenen Bahnhof am Rand der Altstadt, allerdings nur an einer Nebenbahn: Die Regionalzüge fahren über Adria nach Rovigo und brauchen für die knapp 60 Bahnkilometer etwa anderthalb Stunden, in Rovigo besteht Anschluss an die Hauptstrecke Bologna Padua. Schneller geht es meist mit dem Bus von Venedig oder Padua. Die beste Reisezeit hängt vom Vorhaben ab: Für Stadtbesichtigung, Lagunentouren und Radausflüge sind Mai, Juni und September ideal, mit angenehmen Temperaturen und weniger Betrieb. Der Badebetrieb in Sottomarina läuft von Ende Mai bis Mitte September, Hochsaison sind Juli und August. Der Fischmarkt hat das ganze Jahr über geöffnet, und gerade im Winterhalbjahr zeigt sich Chioggia von seiner authentischsten Seite, wenn die Stadt wieder ganz den Fischern gehört.
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Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: April bis Juni sowie September bis Oktober.
| Region | Venetien |
| Provinz | Venedig |
| Einwohnerzahl | 49.650 |
| Provinzkürzel | VE |
| Postleitzahl | 30015 |
| Vorwahl | 041 |
| Prominente Bürger | Flavio Poli (Designer) |
| Produkte / Marken | größter Fischmarkt Italiens |
| Städtepartnerschaft | Lamia (Griechenland) Saint-Tropez (Frankreich) |
| Spezialitäten des Ortes | Radicchio rosso |
| Geschichte | erste schriftliche Erwähnungen finden sich in byzantinischen Schriften aus dem 5. Jhd. |
| Lage | in der Lagune von Venedig |
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