Conegliano liegt im Norden der Region Venetien, rund 60 Kilometer nördlich von Venedig und knapp 30 Kilometer nordöstlich von Treviso. Die Stadt sitzt genau dort, wo die Poebene an die ersten Hügel der Voralpen stößt. Diese Lage ist kein Zufall: Auf den Hängen im Rücken der Stadt wächst der Prosecco Superiore, und Conegliano gilt als das offizielle Tor zu diesem Weinbaugebiet.
Conegliano lohnt aber auch für sich. Die Stadt verbindet eine ernsthafte Weinkultur mit langer Tradition und ein kunsthistorisch bedeutendes Zentrum. Hier wurde 1876 die älteste Weinbauschule Italiens gegründet, und hier kam um 1459 der Maler Giovanni Battista Cima zur Welt, den man bis heute Cima da Conegliano nennt. Beide Stränge prägen das Stadtbild bis in die Gegenwart.
Wer die Prosecco-Hügel bereisen will, plant Conegliano am besten als Basis ein. Die Altstadt ist kompakt und an einem halben Tag zu Fuß zu erkunden, die Weinberge beginnen direkt vor den Toren, und die Bahnanbindung nach Venedig und Treviso ist gut. Im Folgenden findest du die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die Weinlandschaft und alles zur Anreise.
Die Prosecco-Straße und die UNESCO-Hügel
Conegliano ist der Startpunkt der Strada del Prosecco, die von hier über rund 33 Kilometer durch die Weinberge bis nach Valdobbiadene führt. Die Route wurde am 10. September 1966 eingeweiht und war die erste ausgeschilderte Weinstraße Italiens. Sie verläuft durch das Anbaugebiet des Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore, der seit 2009 den höchsten Qualitätsrang DOCG trägt.
2019 hat die UNESCO die Colline del Prosecco di Conegliano e Valdobbiadene als Kulturlandschaft in die Welterbeliste aufgenommen. Ausschlaggebend war das ungewöhnliche Relief aus schmalen, steilen Hügelrücken sowie die jahrhundertealte Anbautechnik der ciglioni, grasbewachsener Terrassen, mit denen die Winzer die steilen Hänge bewirtschaften. Das Ergebnis ist ein Schachbrettmuster aus Rebzeilen, Wald und kleinen Dörfern, das du am besten bei einer Fahrt oder Wanderung von Conegliano aus erlebst.
Viele Weingüter entlang der Straße bieten Verkostungen an. Wer nicht selbst fahren möchte, bucht eine geführte Tour ab Conegliano oder Valdobbiadene, bei der du zwei bis drei Betriebe an einem Tag ansteuerst. Der Unterschied zum industriellen Prosecco aus dem Flachland ist auf den Steillagen deutlich zu schmecken.
Scuola Enologica: Italiens älteste Weinbauschule
Dass Conegliano zum Zentrum des Prosecco wurde, hat mit der Scuola Enologica zu tun. Die Weinbauschule wurde 1876 gegründet und ist die älteste ihrer Art in Italien; ihr erster Direktor war Giovanni Battista Cerletti, nach dem sie heute benannt ist. Bis heute bildet das Istituto Cerletti Önologen aus und betreibt eigene Weinberge, einen Keller und eine Brennerei. Die schuleigene Kellerei verkauft ihre Weine und Grappe direkt und bietet so einen unkomplizierten Einstieg in die lokale Weinwelt.
Ein entscheidender Impuls kam vom Chemiker Antonio Carpenè, der die wissenschaftliche Methode in den Weinbau der Region brachte. Aus diesem Umfeld heraus entwickelte sich die gezielte Zweitgärung, die den Prosecco als perlenden Wein überhaupt erst möglich machte. Ein Besuch der Schule verbindet sich gut mit einem Rundgang durch die Altstadt, da beide nur wenige Gehminuten auseinanderliegen.
Der Dom, die Sala dei Battuti und Cima da Conegliano
Der Dom von Conegliano geht auf einen Bau der Battuti-Bruderschaft von 1354 zurück, die hier zunächst ein Pilgerhospiz unterhielt. Von der Contrada Granda aus fällt die Kirche kaum auf, weil ihre Fassade hinter einer bemalten Loggia liegt. Im Inneren hängt über dem Hochaltar die Pala von Cima da Conegliano aus dem Jahr 1493, eine Madonna mit Kind, Engeln und Heiligen. Es ist das einzige Originalwerk des Malers, das in seiner Geburtsstadt geblieben ist.
Direkt neben dem Dom liegt die Sala dei Battuti, der frühere Versammlungssaal der Bruderschaft. Der rechteckige Raum mit Holzdecke ist über und über mit Fresken bemalt, der älteste Zyklus stammt von 1511 von Francesco da Milano und erzählt Szenen des Evangeliums von der Verkündigung bis zum Jüngsten Gericht. Der Saal ist nur zu bestimmten Zeiten geöffnet, prüfe die Öffnungszeiten vor deinem Besuch. Wer sich für Cima interessiert, findet in der Stadt außerdem ein ihm gewidmetes Haus und mehrere Reproduktionen seiner in Venedig und London verstreuten Werke.
Das Castello und die Contrada Granda
Über der Altstadt thront das Castelvecchio mit der Torre della Guardia, dem Wachturm der einstigen Burg. Im Turm ist heute das Museo Civico del Castello untergebracht, von der Aussichtsplattform reicht der Blick über die Dächer bis in die Weinberge und an klaren Tagen bis zu den Voralpen. Der Aufstieg vom Zentrum dauert zu Fuß etwa 15 Minuten und lohnt sich vor allem im Abendlicht.
Das Herz der Altstadt ist die Contrada Granda, die alte Hauptstraße rund um die Via XX Settembre und die Piazza Cima. Hier reihen sich die Adelspaläste der Stadt aneinander, darunter der Palazzo Sarcinelli von 1518, der heute die städtische Galerie beherbergt und Wechselausstellungen zeigt. Viele Häuser tragen noch Reste von Fassadenmalerei, ein Merkmal, das für die venezianischen Städte des Umlands typisch ist. Cafés und Weinbars unter den Arkaden laden zu einer Pause bei einem Glas Prosecco ein.
Ausflüge in die Umgebung
Der naheliegendste Ausflug führt entlang der Prosecco-Straße nach Valdobbiadene, dem zweiten Zentrum des Anbaugebiets, wo der besonders geschätzte Cartizze wächst. Nur wenige Kilometer nördlich von Conegliano liegt Vittorio Veneto mit seiner sehenswerten Altstadt Serravalle und einem Museum zum Ersten Weltkrieg, dessen entscheidende Schlacht sich hier abspielte.
Nach Süden erreichst du in einer knappen halben Stunde Treviso, die von Kanälen durchzogene Provinzhauptstadt, die oft als kleinere und ruhigere Alternative zu Venedig gilt. Für einen Tagesausflug ans Wasser bietet sich Venedig selbst an, das per Regionalzug in gut einer Stunde erreichbar ist. Auch das mittelalterliche Hügelstädtchen Asolo im Westen lässt sich gut mit einer Runde durch die Weinberge verbinden.
Anreise und beste Reisezeit
Der nächste größere Flughafen ist Venedig-Marco Polo, rund 52 Kilometer entfernt. Von dort erreichst du Conegliano per Bahn in gut einer Stunde und 15 Minuten, meist mit einem Umstieg in Venezia Mestre oder Treviso. Etwas näher, aber schlechter angebunden, liegt der Flughafen Treviso-Antonio Canova. Der Bahnhof von Conegliano liegt an der Linie Venedig-Udine und wird stündlich von Regionalzügen bedient, die Fahrt ab Venedig dauert etwa eine Stunde.
Mit dem Auto kommst du über die Autobahn A27 (Venedig-Belluno) mit eigener Abfahrt Conegliano oder über die A28 aus Richtung Pordenone. Aus Österreich fährst du über den Tauern und Villach nach Udine und weiter auf der A28, aus der Schweiz führt der Weg über Verona und die A4 bis Venezia Mestre, dann auf die A27. Einen historischen Kern hat Conegliano zwar, aber keine strenge ZTL wie in den großen Kunststädten; dennoch parkst du am besten auf den ausgewiesenen Parkplätzen am Rand des Zentrums und gehst die letzten Meter zu Fuß.
Die beste Reisezeit ist der Herbst. Von September bis Oktober läuft die Weinlese, die Hügel färben sich, und viele Weingüter feiern Erntefeste. Auch das Frühjahr von April bis Juni ist angenehm, wenn die Reben austreiben und die Temperaturen mild sind. Der Sommer kann in der Poebene schwül werden, bleibt in den Hügeln aber erträglich. Im Winter ist es ruhig und oft neblig, dafür hast du die Altstadt fast für dich allein.

























