Teatro Massimo
Grandiose Baukunst, fulminante Opernaufführungen oder Juwelen der Filmgeschichte, das Teatro Massimo von Palermo verbindet jeder…
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Kaum ein italienischer Ortsname weckt so klare Bilder wie Corleone. Dabei haben die wenigsten, die den Namen kennen, je ein Foto der Stadt gesehen. Das reale Corleone liegt rund 60 Kilometer südlich von Palermo im Binnenland Siziliens, auf gut 540 Metern Höhe zwischen Getreidefeldern, Weinbergen und kahlen Bergrücken. Gut 10.000 Menschen leben hier, viele von ihnen von der Landwirtschaft. Zwei markante Felskuppen, Castello Soprano und Castello Sottano, rahmen die Altstadt ein und machen die Lage der Stadt schon von Weitem erkennbar.
Weltbekannt wurde der Name durch Mario Puzos Roman "Der Pate" von 1969 und Francis Ford Coppolas Verfilmung von 1972. Die Filmfamilie Corleone ist erfunden, und gedreht wurde in der Stadt nicht einmal. Die reale Geschichte des Ortes ist dagegen schwerer als jede Kinofassung: Aus Corleone stammten die Männer, die die sizilianische Cosa Nostra in ihren blutigsten Jahren anführten. Beides gehört zur Wahrheit über diese Stadt, und beides lässt sich hier heute besichtigen und verstehen.
Denn Corleone hat sich entschieden, seine Vergangenheit nicht zu verstecken und nicht zu vermarkten, sondern zu dokumentieren. Ein internationales Dokumentationszentrum bewahrt die Akten des großen Mafia-Prozesses der 1980er Jahre auf, und rund um die Stadt bewirtschaften Kooperativen Ländereien, die der Staat der Mafia abgenommen hat. Wer Corleone besucht, sieht deshalb keinen Schauplatz, sondern einen Ort, der an seiner eigenen Geschichte arbeitet.
Corleone ist zunächst einmal eine ganz normale sizilianische Landstadt, und gerade das überrascht viele Besucher. Die Altstadt zieht sich mit engen Gassen, Treppen und Plätzen über mehrere Hügel, überragt von den beiden Felsen, auf denen im Mittelalter Burgen standen. Die Gegend war schon in der Antike besiedelt, später prägten Araber und Normannen den Ort, im Mittelalter kamen lombardische Siedler dazu. Wegen seiner auffällig vielen Sakralbauten trägt Corleone den Beinamen Stadt der hundert Kirchen. Ganz so viele sind es nicht, aber für eine Stadt dieser Größe ist die Dichte an Kirchen und Klöstern tatsächlich ungewöhnlich.
Die Landschaft ringsum gehört zum Alto Belice Corleonese, einem Hügel- und Bergland, das vom Getreideanbau lebt und im Frühjahr grün, im Sommer strohgelb ist. Die Staatsstraße SS118 verbindet Corleone nach Norden mit Palermo und führt nach Süden weiter in Richtung Agrigent. Wer die Strecke fährt, erlebt ein Sizilien ohne Strandpromenaden und Souvenirstände, mit weiten Feldern, Schafherden und einzelnen Gehöften.
Mario Puzo gab seiner Romanfamilie den Namen der Stadt, aus der im Film der junge Vito als Waisenkind nach Amerika flieht. Die Figur ist frei erfunden, und auch die sizilianischen Szenen der Pate-Filme entstanden nicht in Corleone. Coppola fand die Stadt Anfang der 1970er Jahre zu modern für das Sizilien, das er zeigen wollte, und wich in die Provinz Messina aus. Die Hochzeit von Michael und Apollonia wurde in Savoca gedreht, einem Bergdorf oberhalb der Ionischen Küste unweit von Taormina. Dort stehen bis heute die Kirche San Nicolò und die Bar Vitelli, die im Film dem Vater der Braut gehört. Weitere Szenen entstanden im Nachbarort Forza d'Agrò.
Wer also Filmkulissen sucht, wird an der Ostküste fündig, nicht in Corleone selbst. In der Stadt erinnert wenig an Hollywood, und das ist durchaus gewollt. Die Gemeinde hat sich mehrfach dagegen gewehrt, auf die Rolle als Filmkulisse reduziert zu werden. Ein Besuch lohnt aus anderen Gründen: wegen der realen Geschichte und wegen der Menschen, die heute anders mit ihr umgehen als frühere Generationen.
Die Mafia in Corleone war keine Filmerfindung. Der örtliche Clan, nach seiner Herkunft die Corleonesi genannt, stieg in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur bestimmenden Kraft innerhalb der Cosa Nostra auf. Auf den Arzt und Clanchef Michele Navarra, der 1958 erschossen wurde, folgte Luciano Leggio, auf diesen Salvatore Riina und Bernardo Provenzano, beide in Corleone geboren. Unter Riina rissen die Corleonesi Anfang der 1980er Jahre in einem innermafiösen Krieg mit Hunderten Toten die Führung der gesamten Organisation an sich. Auf ihr Konto gingen 1992 auch die Sprengstoffanschläge auf die Ermittlungsrichter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, die Italien tief erschütterten.
Der Staat antwortete mit einer bis dahin beispiellosen Verfolgung. Riina wurde im Januar 1993 in Palermo festgenommen, nachdem er über zwei Jahrzehnte im Untergrund gelebt hatte, und starb 2017 in Haft. Provenzano wurde erst im April 2006 gefasst, in einem unscheinbaren Landhaus wenige Kilometer außerhalb von Corleone, nach mehr als vier Jahrzehnten auf der Flucht. Auch er starb als Häftling. Für die Stadt waren diese Jahre eine Hypothek: Ihr Name stand weltweit für ein System aus Gewalt und Schweigen, unter dem die eigene Bevölkerung am längsten gelitten hat. Wie die Cosa Nostra entstand und wie Italien heute gegen sie vorgeht, beschreibt ausführlich die Seite zur Mafia in Italien.
Wie ernst Corleone die Aufarbeitung nimmt, zeigt das CIDMA, das Centro Internazionale di Documentazione sulla Mafia e del Movimento Antimafia. Es wurde im Dezember 2000 eröffnet und hat seinen Sitz im ehemaligen Komplex San Ludovico in der Altstadt. Kernstück der Sammlung sind Kopien der Prozessakten des sogenannten Maxi-Prozesses, in dem ab 1986 in Palermo 475 Angeklagte der Cosa Nostra vor Gericht standen, vorbereitet maßgeblich von Falcone und Borsellino. Dazu kommen Fotografien, die die Gewalt der Mafia-Jahre und die Trauer der Angehörigen dokumentieren, sowie Räume, die dem Anti-Mafia-Engagement gewidmet sind.
Der Besuch findet in geführten Rundgängen statt, die sich vorab anfragen lassen, auch auf Englisch. Das Zentrum versteht sich nicht als Museum zum Gruseln, sondern als Lernort: Schulklassen aus ganz Italien gehören zu den häufigsten Gästen. Wer nur eine einzige Station in Corleone besucht, sollte diese wählen, denn sie erklärt, warum die Stadt heute so entschieden auf Distanz zu ihrer alten Rolle geht. Für den Rundgang sollte man etwa eine Stunde einplanen; aktuelle Öffnungszeiten und Anmeldung nennt die Website des Zentrums.
Seit 1996 erlaubt ein italienisches Gesetz, beschlagnahmten Mafia-Besitz für soziale Zwecke zu nutzen. Rund um Corleone bewirtschaften seither Genossenschaften unter dem Dach von Libera Terra ehemalige Ländereien der Bosse. Die bekannteste trägt den Namen Placido Rizzotto, nach dem Gewerkschafter aus Corleone, der 1948 ermordet wurde, weil er landlose Bauern gegen die Großgrundbesitzer und ihre Aufseher organisierte. Auf den Feldern wachsen heute Hartweizen, Hülsenfrüchte und Wein, verarbeitet zu Nudeln, Olivenöl und anderen Produkten, die in Italien in vielen Läden ausdrücklich als mafiafreie Ware verkauft werden.
Für Besucher ist das mehr als eine Fußnote. Einige Höfe und Verkaufsstellen der Kooperativen lassen sich besichtigen, und wer ein Paket Pasta von konfisziertem Land mit nach Hause nimmt, unterstützt damit ein Modell, das aus enteignetem Mafia-Vermögen Arbeitsplätze für die Region macht. Gerade in einer strukturschwachen Gegend wie dem sizilianischen Binnenland ist das ein sichtbares Zeichen, dass sich die Verhältnisse ändern lassen.
Die Altstadt von Corleone lässt sich gut zu Fuß erkunden. Wichtigster Sakralbau ist die Chiesa Madre San Martino, deren Ursprünge ins 14. Jahrhundert zurückreichen; die Kuppel wurde 1663 vollendet, im 18. Jahrhundert erhielt die Kirche ihre heutige Gestalt. Im Inneren finden sich Statuen und Altarbilder aus mehreren Jahrhunderten. Sehenswert sind daneben die Chiesa di Santa Rosalia, die Chiesa di San Domenico und das oberhalb der Stadt gelegene Kloster Santissimo Salvatore mit seinem Kreuzgang. Zwischen den Kirchen liegen stille Gassen, kleine Bars und Plätze, auf denen abends das übliche sizilianische Leben stattfindet.
Am Rand der Altstadt stürzt der Fluss San Leonardo in einer Schlucht zwischen zwei Felswänden in die Tiefe: die Cascata delle Due Rocche. Der Wasserfall ist nicht hoch, aber seine Lage direkt unterhalb der Häuser ist ungewöhnlich. Am meisten Wasser führt er nach den Regenfällen im Winter und Frühjahr; im Hochsommer bleibt oft nur ein Rinnsal. Ein kurzer Fußweg führt von der Stadt hinunter zum Aussichtspunkt.
Etwa eine Viertelstunde nördlich von Corleone liegt eines der schönsten Naturgebiete Westsiziliens: das Naturschutzgebiet um den Bosco della Ficuzza, mit gut 7.000 Hektar eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete der Insel. Über den Eichen- und Eschenwäldern ragt die Rocca Busambra auf, ein 1.613 Meter hoher Kalkriegel, dessen Steilwände weithin sichtbar sind. Das Gebiet ist ein Revier für Wanderer und Vogelbeobachter, markierte Wege führen durch den Wald und an den Fuß des Berges.
Im Dorf Ficuzza steht die Palazzina Reale, ein um 1800 für den Bourbonenkönig Ferdinand III. errichtetes Jagdschloss, dessen schlichte, breite Fassade den Dorfplatz beherrscht. Der Kontrast könnte kaum größer sein: ein königliches Jagdrevier in Sichtweite der Stadt, deren Name später für etwas ganz anderes stand. Wer mehr Zeit mitbringt, findet in der weiteren Umgebung zahlreiche lohnende Ziele; eine Übersicht bietet die Seite mit Ausflugszielen auf Sizilien.
Ausgangspunkt für einen Besuch ist fast immer Palermo. Vom Flughafen Falcone Borsellino und aus der Stadt führt die SS118 in rund einer bis eineinviertel Stunden über kurvige 58 Kilometer nach Corleone; ein Mietwagen ist die flexibelste Lösung, zumal sich unterwegs ein Abstecher zur Normannenkathedrale von Monreale anbietet. Parken ist unkompliziert: Am Rand der Altstadt finden sich ausreichend Stellplätze, die engen Gassen des Zentrums erkundet man ohnehin besser zu Fuß. Alternativ verkehren von Montag bis Samstag Linienbusse des Unternehmens Gallo zwischen Palermo und Corleone, die Fahrt dauert etwa eine Stunde und zwanzig Minuten. Eine Bahnverbindung gibt es nicht mehr, die alte Strecke wurde schon in den 1950er Jahren stillgelegt. Geführte Tagestouren ab Palermo verbinden häufig das CIDMA mit einem Besuch bei den Kooperativen.
Die beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst. Von April bis Juni ist das Hügelland grün und die Temperaturen sind angenehm, im September und Oktober lässt sich der Besuch gut mit der Weizen- und Weinlandschaft nach der Ernte erleben. Im Hochsommer wird es im Binnenland deutlich heißer als an der Küste, oft über 35 Grad, dann empfiehlt sich ein früher Start am Morgen. Viele Urlauber kombinieren Corleone als Tagesausflug mit einem Standort an der Nordküste, etwa in Palermo oder im Badeort Cefalù, und erleben so an einem einzigen Tag zwei sehr verschiedene Gesichter Siziliens.
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