An der Riviera dei Fiori, in der Provinz Imperia, liegt ein Badeort, der auch als Stadt der Orangen (Città degli aranci) bekannt ist: Diano Marina. Der Ort schmiegt sich in den Golfo Dianese, eine weite Bucht, die dem Städtchen etwas gibt, das an Liguriens sonst felsiger Küste selten ist: einen langen, flach ins Meer laufenden Sandstrand.
Diano Marina liegt an der ligurischen Küste, dort wo die Riviera dei Fiori in die Riviera di Ponente übergeht, gut auf halbem Weg zwischen der französischen Grenze und Genua. Rund um den Ort ziehen sich die Olivenhaine des Diano-Tals, in denen die kleine Taggiasca-Olive gedeiht, aus der eines der bekanntesten Öle der Region gepresst wird. Zum Meer hin öffnet sich die Bucht mit ihrem breiten Strand, dahinter steigt das Land rasch in Terrassen und Hügel an.
Diano Marina ist kein historisches Postkartenstädtchen wie das benachbarte Cervo, sondern ein durch und durch auf den Badeurlaub ausgerichteter Ort. Ein Erdbeben zerstörte 1887 den alten Kern fast vollständig, der Wiederaufbau gab dem Ort sein heutiges, gleichmäßiges Straßenraster. Wer hierherkommt, kommt für den Strand, die Promenade und die kurzen Wege zu den Olivendörfern und den Nachbarorten der Blumenriviera.
Der Golfo Dianese und die Lage an der Riviera
Der Golfo Dianese ist der Küstenabschnitt zwischen dem Capo Berta im Westen und der Landzunge bei Cervo im Osten. In diese sanfte Bucht liegen drei Orte eingebettet, die praktisch ineinander übergehen: Diano Marina in der Mitte, San Bartolomeo al Mare im Osten und die kleinen Weiler des Hinterlands. Weil die Küste hier nicht steil abfällt, sondern flach ausläuft, konnte sich ein durchgehender Strand bilden, wie er sonst eher an der Adria als in Ligurien zu finden ist.
Diano Marina gehört zur Provinz Imperia und liegt in Ligurien, der schmalen, bogenförmigen Küstenregion im Nordwesten Italiens. Der westliche Teil dieser Küste heißt Riviera di Ponente, ihr blütenreicher Abschnitt um Imperia, Diano Marina und San Remo trägt den Namen Riviera dei Fiori. Das milde Klima, das den Blumen- und Olivenanbau begünstigt, ist derselbe Grund, aus dem der Küstenstreifen seit dem 19. Jahrhundert zu den Badeorten Italiens zählt.
Der Sandstrand und die Blaue Flagge
Der Sandstrand von Diano Marina zieht sich über rund dreieinhalb Kilometer am Golfo Dianese entlang und gehört zu den längsten zusammenhängenden Stränden der ligurischen Riviera. Der Sand ist fein und golden, das Wasser fällt flach ab, was den Ort seit jeher zu einem Ziel für Familien mit Kindern macht. Die Strandabschnitte sind teils in private Strandbäder mit Liegen, Schirmen und Bars aufgeteilt, dazwischen liegen frei zugängliche, öffentliche Stücke.
Für die Wasserqualität und die Ausstattung der Strände trägt Diano Marina seit mehreren Jahren in Folge die Blaue Flagge (Bandiera Blu), eine Auszeichnung der Foundation for Environmental Education für Badeorte mit sauberem Wasser, geordneter Infrastruktur und Umweltstandards. Das flach abfallende Wasser gilt als sicher für Kinder, viele der Strandbäder bieten Spielbereiche, Verleih und Bewirtung direkt am Sand. Wer lieber selbst aktiv ist, findet entlang der Bucht Anbieter für Tretboote, Kajaks und Stand-up-Paddling, dazu Tauch- und Schnorchelausflüge zum nahen Meeresschutzgebiet.
Wie warm das Meer zur jeweiligen Jahreszeit ist, lässt sich vorab in der Übersicht zur Wassertemperatur in Italien nachsehen. Einen Überblick über die schönsten Küstenabschnitte der Region bietet die Seite zu den Stränden in Ligurien. Weil der Strand über mehrere Kilometer durchgehend verläuft, verteilt sich das Publikum auch in der Hochsaison, und zwischen den privaten Bädern bleiben freie Abschnitte, an denen kein Eintritt fällig wird.
Die Lungomare und die Città degli aranci
Das Herzstück des Ortes ist die Lungomare, die Uferpromenade, die sich am Golfo Dianese entlangzieht. Zwischen Palmen, Cafés und Strandbädern lässt es sich hier flanieren, morgens beim Espresso und abends bei der Passeggiata. Parallel dazu verläuft die weitgehend verkehrsberuhigte Innenstadt mit ihren Piazze, Eisdielen und Geschäften, in denen sich abends das Leben verlagert.
Charakteristisch für Diano Marina sind die Orangen- und Zitrusbäume, die viele Straßen säumen und dem Ort seinen Beinamen Città degli aranci eingetragen haben, die Stadt der Orangen. Zusammen mit den Palmen der Promenade prägen sie das Bild eines Ortes, dessen mildes Klima man schon an der Bepflanzung ablesen kann. Große historische Monumente hat Diano Marina nach dem Wiederaufbau des späten 19. Jahrhunderts kaum, dafür einen geschlossenen, gut begehbaren Kern mit kurzen Wegen zwischen Strand, Promenade und Zentrum.
Vom Lucus Bormani zum heutigen Diano
Die Besiedlung des Diano-Tals reicht weit zurück. Vor der römischen Zeit lebten hier ligurische Stämme, für die Antike ist an dieser Stelle der Lucus Bormani belegt, ein den Römern um 200 vor Christus bekannter Ort, dessen Name auf einen heiligen Hain des Wassergottes Bormo zurückgeht. In römischer Zeit wurde der Kult auf die Göttin Diana übertragen, und aus deren Namen leitet sich die heutige Bezeichnung Diano ab, die bis heute in mehreren Ortsnamen des Tals steckt.
Der eigentliche Einschnitt in der Geschichte des Ortes ist das Erdbeben vom 23. Februar 1887, das die Küste um Diano Marina schwer traf und in der Stadt selbst rund 190 Menschen das Leben kostete. Der mittelalterliche Kern wurde dabei weitgehend zerstört. Der anschließende Wiederaufbau folgte einem geordneten Plan mit geraden, sich rechtwinklig kreuzenden Straßen, weshalb die Innenstadt heute so gleichmäßig und modern wirkt. Die meisten Gebäude, darunter die zwischen 1862 und 1865 errichtete Pfarrkirche Sant’Antonio Abate, stammen aus dem 19. oder frühen 20. Jahrhundert. Im Palazzo del Parco sind heute die Stadtbibliothek und ein archäologisches Museum untergebracht, das die Funde aus der langen Ortsgeschichte zeigt.
Olivenöl und die Taggiasca-Olive
Das Hinterland von Diano Marina ist Olivenland. An den Hängen des Diano-Tals wächst die Taggiasca, eine kleine, dunkle Olivensorte, die für ihr mildes, wenig bitteres Öl geschätzt wird. Der Olivenanbau prägt die Riviera dei Fiori seit dem Mittelalter, als Mönche die Kultur in der Region ausweiteten. Das Öl aus diesem Küstenstreifen ist als Olio Riviera Ligure mit geschützter Ursprungsbezeichnung (DOP) und der Untergliederung Riviera dei Fiori anerkannt.
Wer sich für die Geschichte des Öls interessiert, findet in der nahen Provinzhauptstadt Imperia ein eigenes Olivenmuseum, das die Kultur des Olivenbaums von der Antike bis in die Gegenwart erzählt. In den Dörfern des Hinterlands, allen voran im Bergort Diano Castello über dem Meer, lassen sich Frantoi, also Ölmühlen, und kleine Betriebe besuchen, die das Öl bis heute nach traditioneller Art pressen. Neben dem Öl liefern die Taggiasca-Oliven auch die kleinen, im Ganzen eingelegten Tafeloliven, die zur ligurischen Küche gehören.
Auf dem Teller schlägt sich die Landschaft direkt nieder. Die ligurische Küche der Küste verbindet das Öl der Hügel mit den Erträgen des Meeres, dazu kommen Kräuter wie Basilikum, aus dem das Pesto alla Genovese stammt, und Gerichte wie die Fladenbrote Focaccia und Farinata. In den Lokalen von Diano Marina und den Nachbarorten steht neben Fisch und Meeresfrüchten oft auch die einfache, kräuterbetonte Alltagsküche der Region auf der Karte.
Die Infiorata und andere Feste
Der bekannteste Termin im Festkalender von Diano Marina ist die Infiorata zum Fest Corpus Domini, das je nach Jahr im Frühsommer fällt. Seit den 1960er Jahren legen freiwillige Helfer in der Nacht vor dem Feiertag mit Blütenblättern große Bilder auf das Straßenpflaster, ein farbiger Blütenteppich, der im Morgengrauen fertig ist und dann von der Prozession begangen wird. Der Aufwand ist beträchtlich, für die Motive werden Millionen einzelner Blütenblätter verwendet.
Über den Sommer verteilt kommen zahlreiche weitere Veranstaltungen hinzu, von Konzerten und Märkten auf der Promenade bis zu Sport- und Musikevents am Strand. Ein fester Termin ist auch der Wochenmarkt, auf dem sich lokale Erzeugnisse, Öl und Käse der Region einkaufen lassen. Da Diano Marina ganz vom Tourismus lebt, ist der Ort in der Hauptsaison durchgehend belebt, während sich im Winter das Leben wieder auf die Einheimischen verlagert und viele Betriebe schließen.
Cervo, Imperia und Ausflüge in die Umgebung
Nach Osten thront auf einem Felsvorsprung Cervo, eines der schönsten mittelalterlichen Borghi Liguriens, dessen barocke Kirche San Giovanni Battista weithin über dem Meer sichtbar ist. Gassen und Treppen ziehen sich dort steil den Hügel hinauf, im Sommer finden auf dem Platz vor der Kirche Konzerte statt. Wer den Kontrast zum modernen Badeort Diano Marina sucht, ist hier in wenigen Minuten.
Nach Westen geht Diano Marina über in San Bartolomeo al Mare, das den Strand der Bucht fortsetzt, dahinter folgt Imperia mit seinen beiden alten Ortsteilen Oneglia und Porto Maurizio. Etwas weiter westlich liegen der Blumen- und Festspielort San Remo und, jenseits der Grenze, die französische Côte d’Azur. In die andere Richtung reihen sich die Badeorte Andora, Laigueglia und Alassio an der Küste auf, die sich alle gut für einen Tagesausflug eignen.
Anreise und beste Reisezeit
Die Badesaison am Golfo Dianese reicht von Juni bis September, am wärmsten ist das Meer im Juli und August. Der Frühsommer und der September sind angenehm mild und deutlich ruhiger, gut geeignet für einen entspannten Badeurlaub. Auch außerhalb der Saison lohnt Diano Marina einen Aufenthalt, wenn Promenade und Innenstadt wieder den Einheimischen gehören, wobei dann viele Strandbäder und Lokale geschlossen sind.
Die Anreise ist unkompliziert. Die nächstgelegenen Flughäfen sind Nizza jenseits der französischen Grenze und Genua, beide über die Küstenautobahn A10 erreichbar. Mit dem Auto führt die A10 mit der Ausfahrt Imperia Est oder San Bartolomeo in Richtung Küste, von dort sind es nur wenige Kilometer bis an den Strand. Wer mit dem Zug kommt, nutzt die Bahnstrecke zwischen Genua und Ventimiglia. Seit die Küstenbahn 2016 landeinwärts in einen neuen Tunnelabschnitt verlegt wurde, hält der nächstgelegene Bahnhof Diano einige Kilometer oberhalb des Ortes im Gebiet von Diano Castello; von dort verkehren Busse hinunter nach Diano Marina. Genua und Nizza sind mit dem Zug beide in gut anderthalb bis zwei Stunden erreichbar, was Tagesausflüge in beide Richtungen möglich macht. In den Sommermonaten ist es ratsam, die Parksituation im Ort vorab zu klären, da die Promenade in der Hochsaison stark frequentiert ist und die ortsnahen Stellplätze schnell belegt sind.
























