Domaso
Lombardei

Domaso

Surfer- und Segler-Mekka am Comer See

Domaso liegt am Nordwestufer des Comer Sees in der Provinz Como, dort, wo der Wildbach Livo in den See mündet. Der Ort hat rund 1.400 Einwohner, einen der längsten Strandabschnitte des gesamten Sees und vor allem eines: verlässlichen Wind. Kein anderer Ort am Lago di Como ist so eng mit dem Windsurfen verbunden. Wenn am frühen Nachmittag die Breva aus Süden einsetzt, füllt sich das Wasser vor dem Ufer mit Segeln, und an Land herrscht Betrieb an den Surfstationen und auf den Campingplätzen. Wer klassische Comer-See-Bilder mit Villenpracht und Zypressenalleen sucht, ist in Bellagio oder Tremezzo besser aufgehoben. Domaso ist der sportliche, unkomplizierte Teil des Sees: Campingurlaub statt Grandhotel, Neoprenanzug statt Abendgarderobe, dazu eine kleine Altstadt mit engen Gassen, die...

Domaso liegt am Nordwestufer des Comer Sees in der Provinz Como, dort, wo der Wildbach Livo in den See mündet. Der Ort hat rund 1.400 Einwohner, einen der längsten Strandabschnitte des gesamten Sees und vor allem eines: verlässlichen Wind. Kein anderer Ort am Lago di Como ist so eng mit dem Windsurfen verbunden. Wenn am frühen Nachmittag die Breva aus Süden einsetzt, füllt sich das Wasser vor dem Ufer mit Segeln, und an Land herrscht Betrieb an den Surfstationen und auf den Campingplätzen.

Wer klassische Comer-See-Bilder mit Villenpracht und Zypressenalleen sucht, ist in Bellagio oder Tremezzo besser aufgehoben. Domaso ist der sportliche, unkomplizierte Teil des Sees: Campingurlaub statt Grandhotel, Neoprenanzug statt Abendgarderobe, dazu eine kleine Altstadt mit engen Gassen, die sich am Hang über der Uferstraße staffelt. Genau diese Mischung macht den Ort für Familien, Camper und Wassersportler zur ersten Adresse am nördlichen Comer See.

Die Lage im Norden hat noch einen praktischen Vorteil: Das Seebecken ist hier breit und offen, die Berge treten etwas zurück, und die Sonne steht länger über dem Wasser als in den engen Abschnitten weiter südlich. Gegenüber, am Ostufer, liegt Colico mit seinem Bahnhof, wenige Kilometer seeabwärts folgt Gravedona, der historische Hauptort des oberen Sees.

Windsurfen in Domaso: Tivano, Breva und die Surfschulen

Das Windsystem des Comer Sees funktioniert an stabilen Schönwettertagen fast wie ein Uhrwerk. Am Morgen weht der Tivano, ein Fallwind aus Norden, der in Domaso allerdings meist schwach bleibt und eher die Segler anspricht. Interessant wird es ab der Mittagszeit: Dann setzt die Breva ein, ein thermischer Wind aus Süden, der entsteht, wenn sich die Luft über der Po-Ebene erwärmt und den See hinaufströmt. Am Nordende des Sees, also genau vor Domaso, erreicht sie ihre größte Stärke.

Die Breva beginnt an guten Tagen gegen 11 oder 12 Uhr, baut sich über den frühen Nachmittag auf und erreicht meist 15 bis 18 Knoten, in Böen auch mehr. Gegen Abend schläft sie wieder ein. Für Windsurfer bedeutet das planbare Bedingungen von Frühjahr bis Herbst: vormittags Zeit für Strand, Ausflug oder Kurs, nachmittags Gleitwind. Der Wind steht in Domaso sideshore, also parallel zum Ufer, was den Wiedereinstieg deutlich einfacher macht als auflandiger oder ablandiger Wind.

Domaso gilt als das Windsurfrevier des Comer Sees, und die Infrastruktur passt dazu. Am Ufer arbeiten mehrere Surf- und Segelschulen mit Verleihstationen, die Boards, Riggs, Wingfoil-Material, Katamarane und SUP-Boards vermieten und Kurse für Anfänger wie Fortgeschrittene anbieten. Viele Stationen sind an Campingplätze angeschlossen, sodass Material und Unterkunft nur wenige Schritte auseinanderliegen. Auch Kajaks und Tretboote gibt es an mehreren Stellen am Strand.

Ein Punkt ist wichtig zu wissen: Kitesurfen ist im Uferbereich von Domaso nicht erlaubt. Kiter weichen auf die ausgewiesenen Spots am Nordende des Sees aus, etwa bei Gera Lario oder auf der Ostseite bei Colico. Wer mit Kite-Material anreist, hat es also nicht weit, startet aber nicht direkt vom Domaso-Strand. Für Windsurfer wiederum ist die Trennung ein Vorteil, weil sich auf dem Wasser vor dem Ort niemand in die Quere kommt.

Strand und Baden: flaches Wasser, viel Platz

Der Strand von Domaso zieht sich über mehrere Kilometer am Ufer entlang und gehört zu den längsten am ganzen See. Kies- und Sandabschnitte wechseln sich mit Liegewiesen ab, Bäume in Ufernähe spenden Schatten. Das Wasser fällt flach ab, was den Strand bei Familien mit Kindern beliebt macht. Entlang des Ufers verteilen sich Lidos und Strandbars mit Liegen, Duschen und einfacher Küche, dazwischen bleibt genug frei zugänglicher Strand.

Die Wassertemperatur erreicht im Hochsommer angenehme Badewerte, bleibt aber wie überall am Comer See frischer als am Gardasee. Wer im Juni oder September badet, sollte sich auf kühles Wasser einstellen. Dafür ist der See hier sauber, und der Blick über das breite Nordbecken auf die Berge der Bergamasker und Lepontinischen Alpen gehört zu den schönsten am ganzen oberitalienischen Seenland.

Camping am Nordufer: die dichteste Platzlandschaft am See

Zwischen Domaso und dem Nordende des Sees reiht sich ein Campingplatz an den nächsten. Die Gegend gilt als die dichteste Campinglandschaft am Comer See, viele Plätze liegen in erster Reihe direkt am Wasser, mit eigenem Strandzugang und angeschlossener Surfstation. Das Angebot reicht vom einfachen Stellplatz bis zu Mobilheimen und Bungalows, dazu kommen Residence-Anlagen und Ferienwohnungen im Ort und am Hang darüber.

In der Hochsaison im Juli und August sind die Plätze am Wasser regelmäßig ausgebucht, wer dann anreisen will, sollte früh reservieren. Im Mai, Juni und September ist deutlich mehr Platz, und die Breva weht auch dann zuverlässig. Einen Überblick über das Campen in Italien mit Tipps zur Platzwahl gibt unsere Seite über Campingplätze in Italien.

Altstadt, San Bartolomeo und Villa Camilla

Hinter der Uferstraße beginnt das historische Domaso, ein kompakter Kern aus engen Gassen, Torbögen und alten Häusern, die sich den Hang hinaufziehen. An der Via Regina, der alten Uferstraße, stehen mehrere Villen und Patrizierhäuser, an manchen Fassaden sind noch Adelswappen zu erkennen. Der Ort lebte über Jahrhunderte von Fischfang und Weinbau, an den Hängen oberhalb wird bis heute Wein angebaut.

Die Pfarrkirche San Bartolomeo ist deutlich älter, als ihr barockes Erscheinungsbild vermuten lässt: Urkundlich ist sie seit 1247 belegt und geht auf einen romanischen Vorgängerbau zurück. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde sie barock umgestaltet. Im Inneren lohnen die Fresken von Cesare Ligari aus dem Jahr 1758 im Chorraum, eine Pietà aus der Schule der Rodari, ein Holzkruzifix am Hauptaltar und das silberne Prozessionskreuz des Goldschmieds Giovan Pietro Lierni von 1533 einen Blick.

Direkt an der Uferpromenade steht die Villa Camilla, ein klassizistisch geprägter Bau aus dem frühen 17. Jahrhundert, den die Adelsfamilie Calderara errichten ließ. Ihren Namen trägt sie nach Camilla Barbiano di Belgioioso, der ersten Frau des Grafen Sebregondi, der die Villa Ende des 19. Jahrhunderts erwarb. Seit 1950 dient sie als Rathaus von Domaso. Sehenswert ist vor allem der rund 8.000 Quadratmeter große Park mit künstlichen Tuffsteingrotten, einem eigenen Kameliengarten, Zedern und Mammutbäumen.

Radfahren und Wandern: vom Uferweg zur Alta Via del Lario

Für Radfahrer ist das flache Nordufer das dankbarste Gelände am ganzen See. Ein Rad- und Fußweg führt am Wasser entlang Richtung Gera Lario und Sorico, ohne nennenswerte Steigungen und abseits der Hauptstraße, ideal für Familien und für die Runde zum Eis am Abend. Mountainbiker finden oberhalb des Ortes ein Netz aus Wirtschaftswegen und Trails, die zu den Bergdörfern Vercana und Trezzone und weiter in die Höhenlagen führen.

Wanderer haben die Wahl zwischen gemütlich und alpin. Der alte Verbindungsweg von Gravedona über Domaso nach Gera Lario verläuft durch die Dörfer am Hang, vorbei an alten Kirchen und mit ständigem Seeblick. Deutlich anspruchsvoller ist die Alta Via del Lario, ein Höhenweg über die Kämme des westlichen Alto Lario an der Grenze zur Schweiz: rund 60 Kilometer, knapp 5.000 Höhenmeter und bis zu 2.520 Meter Höhe, aufgeteilt auf mehrere Etappen mit Übernachtung in Hütten. Wer nur einen Tag investieren will, greift sich eine einzelne Etappe heraus, die Zustiege aus den Dörfern sind allerdings durchweg lang und steil.

Essen und Einkehr: Seefisch und Wein vom Hang

Kulinarisch bleibt Domaso bodenständig. In den Restaurants und Trattorien am Ufer und in der Altstadt stehen die Klassiker des Sees auf der Karte: Missoltini, gesalzene und getrocknete Agone, dazu Risotto mit Egli, also Flussbarschfilets, und Polenta in vielen Varianten. Die Weinberge oberhalb des Ortes liefern seit Jahrhunderten den Domasino, heute keltern kleine Erzeuger dort wieder Weine, die man in den Lokalen vor Ort probieren kann. Wer im Herbst kommt, erlebt zudem die Zeit der Pilzgerichte, mehr dazu auf unserer Seite über die Pilzsaison am Lago di Como.

An Sommerabenden spielt sich das Leben an der Uferpromenade ab, zwischen Gelateria, Strandbars und dem kleinen Hafen, von dem aus private Boote und Ausflugsboote ablegen. Große Clubs oder Diskotheken gibt es nicht, der Ort bleibt auch in der Hochsaison ein Dorf mit Strand und nicht umgekehrt.

Ausflüge: Gravedona, Piona und der Rest des Sees

Das nur drei Kilometer entfernte Gravedona war einst Hauptort der Drei Pfarreien, eines im Mittelalter weitgehend selbstständigen Gemeindebunds am oberen See, mit dem Domaso in dauerhafter Rivalität lag. Sehenswert ist dort vor allem Santa Maria del Tiglio, eine der bedeutendsten romanischen Kirchen der Lombardei aus dem 12. Jahrhundert, direkt am Seeufer und mit ihrem markanten Mittelturm schon von weitem zu erkennen.

Auf der gegenüberliegenden Seeseite lohnt die Abtei Piona auf der Halbinsel Olgiasca bei Colico: ein Zisterzienserpriorat mit romanischem Kreuzgang aus dem 13. Jahrhundert und einem Klosterladen, in dem die Mönche selbst hergestellte Liköre und Kräuterprodukte verkaufen. Vom Wasser aus ist die Anlage besonders schön zu sehen. Ab Domaso verkehren in der Saison Linienschiffe, die den Ausflug in die Mitte des Sees möglich machen, etwa nach Menaggio, Varenna oder Bellagio. Auch die Stadt Como am Südwestende ist per Schiff oder Bus erreichbar, für den Tagesausflug sollte man dafür allerdings einen ganzen Tag einplanen.

Anreise und beste Reisezeit

Mit dem Auto führt der klassische Weg von Como über die Uferstraße SS340, die Statale Regina, am Westufer entlang: landschaftlich großartig, aber schmal, kurvig und im Sommer stauanfällig, für die rund 54 Kilometer von Como bis Domaso ist gut eine Stunde einzuplanen. Wer aus Deutschland oder über Mailand anreist, fährt meist schneller über die vierspurige SS36 am Ostufer bis Colico und dann um das Nordende des Sees herum nach Domaso. Von Mailand sind es auf diesem Weg gut 100 Kilometer.

Ohne Auto ist Colico der Schlüssel: Der Bahnhof liegt an der Linie Mailand Richtung Sondrio und Tirano, von dort geht es mit Bus oder Fähre über den See weiter nach Domaso, die Schiffspassage dauert nur wenige Minuten. Alternativ fährt man mit der Bahn bis Como und steigt dort in den Überlandbus der Linie C10 um, der am Westufer über Menaggio bis Colico verkehrt und auch in Domaso hält. Nächstgelegene Flughäfen sind die Mailänder Airports, allen voran Malpensa und Linate, sowie Bergamo.

Die beste Reisezeit hängt vom Zweck ab. Windsurfer kommen von Mai bis September auf ihre Kosten, die Breva weht in dieser Zeit am zuverlässigsten, und auch Mai, Juni und September bieten volle Windtage bei deutlich leereren Plätzen. Badeurlauber sind im Juli und August richtig, wenn der See seine wärmsten Werte erreicht, müssen dann aber mit Hochbetrieb auf Campingplätzen und der SS340 rechnen. Für Wanderungen auf der Alta Via del Lario ist der Zeitraum von Ende Juni bis Anfang Oktober ideal, in den Hochlagen kann davor und danach noch Schnee liegen.

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Über den Autor

Jürgen Lex

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Weingüter

Jürgens Liebe zu Italien begann bereits in der Kindheit mit den alljährlichen Ferien in Lido di Jesolo. Seither hat er das Land von den Dolomiten bis in den tiefen Süden bereist, doch seine Neugier ist bis heute ungebrochen. Abseits der bekannten Routen entdeckt er immer wieder neue Lieblingsorte. Und an einem interessanten Weingut führt für ihn kaum ein Weg vorbei.

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Was sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Domaso?
Zu den bekanntesten zählen Villa del Balbianello und Villa Carlotta. Die vollständige Übersicht findest du im Abschnitt Sehenswürdigkeiten.
Wann ist die beste Reisezeit für Domaso?
Am angenehmsten sind April bis Mai sowie September bis Oktober. Im Hochsommer erreichen die Tageshöchstwerte bis zu 30 Grad, der Winter fällt ruhiger und kühler aus.
Wie reist man nach Domaso an?
Die meisten Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen mit dem eigenen Auto. Wer fliegen möchte, nutzt den nächstgelegenen Flughafen Mailand-Malpensa (MXP) und fährt von dort mit Bahn, Bus oder Mietwagen weiter.
Wie viele Tage sollte man für Domaso einplanen?
Für die wichtigsten Ziele genügt oft ein Tag, etwa als Tagesausflug in Kombination mit der Umgebung.
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