Schiefer Turm von Pisa
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Forte dei Marmi liegt in der Toskana, in der Provinz Lucca, und bildet den nördlichsten Abschnitt jenes Küstenstreifens, den alle Versilia nennen. Das Meer davor heißt Ligurisches Meer, der Ort selbst gehört aber nicht zu Ligurien, sondern ist toskanisch bis in die Küche. Im Rücken stehen die Apuanischen Alpen, deren helle Marmorflanken schon von der Strandliege aus zu sehen sind. Diese Kulisse, Berge und flacher Sandstrand innerhalb weniger Kilometer, gibt es an Italiens Westküste sonst kaum.
Du solltest wissen, worauf du dich einlässt. Forte dei Marmi ist der teuerste Badeort der Toskana und trägt das auch nach außen: Boutiquen internationaler Marken, gepflegte Villen hinter Pinien und Hecken, Restaurants mit entsprechenden Karten. Der Ort ist klein, keine 7.000 Einwohner, und wirkt im Winter fast verschlafen. Im Juli und besonders im August dreht sich das um, dann sind Straßen, Strandbäder und Parkplätze voll und die Preise stehen auf Höchststand. Wer Ruhe und faire Preise sucht, kommt im Juni oder September. Wer das Publikum und das Gesehenwerden mag, kommt im August.
Der wichtigste Praxishinweis zuerst: Der Strand von Forte dei Marmi ist fast auf ganzer Länge in private Strandbäder aufgeteilt, die sogenannten Bagni oder Stabilimenti balneari. Jedes dieser Bäder betreibt einen abgegrenzten Abschnitt mit eigenem Namen, eigener Bar, eigenem Rettungsschwimmer und eigenen Duschen. Du zahlst dort für einen Platz, also für Sonnenschirm und Liegen, meist tageweise, wochenweise oder für die ganze Saison. Genau das ist der Grund, warum viele Stammgäste jedes Jahr in dasselbe Bagno zurückkehren, oft in dieselbe Reihe.
Frei zugängliche Strandabschnitte gibt es, sie sind aber selten und kurz. Der bekannteste freie Abschnitt liegt ganz im Norden an der Grenze zur Nachbargemeinde Montignoso, dazu kommen ein paar schmale Lücken zwischen den Bädern. Wer ohne Buchung mit Handtuch anreist, findet also nicht überall Platz. Rechne im Hochsommer damit, dass du dich früh entscheiden musst.
Für Familien ist der Strand trotzdem eine gute Wahl. Der Sand ist fein und hell, das Wasser fällt sehr flach ab, sodass Kinder weit hinauslaufen können, und die Strandbäder sind auf Familien eingestellt. Typisch für Forte dei Marmi sind die farbigen Umkleidehäuschen aus Holz am Strandanfang und die vergleichsweise großzügigen Abstände zwischen den Schirmen. Wenn du weitere Küstenabschnitte in Italien vergleichen willst, hilft dir unsere Übersicht der Strände.
Das Wahrzeichen ist der Pontile, die Seebrücke, die weit ins Meer hinausführt. Sie ist kein Deko-Objekt, sondern ein Rest der alten Marmorverladung: Über eine Vorgängerkonstruktion aus dem 19. Jahrhundert wurden die Blöcke auf Schiffe gehievt. Die Deutschen sprengten den Steg im Zweiten Weltkrieg, danach wurde er neu gebaut. Heute ist er Promenade, Angelplatz und Aussichtspunkt, abends mit Blick auf die Berge im Rücken. Im Sommer legen hier auch Ausflugsboote ab.
Landseitig endet der Pontile an der Piazza Garibaldi, dem Mittelpunkt des Orts. Dort steht das Fortino, jene kleine Festung aus dem späten 18. Jahrhundert, die dem Ort seinen Namen gab. Sie beherbergt heute ein Museum für Satire und Karikatur mit wechselnden Ausstellungen. Sehenswert sind außerdem die Pfarrkirche Sant'Ermete, benannt nach dem Ortspatron, dessen Fest Ende August gefeiert wird, und die Chiesa di San Francesco. Ein weiterer fester Punkt ist die Villa Bertelli, ein Kulturzentrum mit Konzerten und Veranstaltungen im Park.
Plane den Mittwoch ein. Dann findet auf der Piazza Marconi der Wochenmarkt statt, der weit über die Versilia hinaus bekannt ist und Besucher aus halb Italien anzieht. Verkauft werden vor allem Textilien, Leder, Kaschmir, Haushaltswaren und Dekoration, häufig Restposten und Zweitware bekannter Hersteller. Von Ostern bis Ende Oktober gibt es zusätzlich einen kleineren Markt am Sonntag. Komm früh, der Markt endet am frühen Nachmittag, und Parkplätze sind an diesen Vormittagen knapp.
Der weiße Stein erklärt, warum es diesen Ort überhaupt gibt. In den Apuanischen Alpen direkt hinter der Küste wird seit der Antike Marmor gebrochen, der berühmteste kommt aus den Brüchen bei Carrara. Von den Bergen ging er hinunter zur Küste und wurde über Forte dei Marmi verschifft, zunächst über eine Verladestelle am Strand, später über den Steg. Der zweite Teil des Ortsnamens verweist genau darauf.
Michelangelo kam persönlich in diese Berge, um Blöcke für seine Arbeiten auszusuchen, und er hielt sich dabei nicht nur an Carrara, sondern ließ auch in den Brüchen weiter südlich bei Seravezza brechen. Wer die Steinbrüche sehen will, hat es leicht: Von der Küste sind es nur wenige Kilometer ins Gebirge, und die weißen Abbaukanten sind schon von unten sichtbar. Geführte Touren fahren in aktive und stillgelegte Brüche hinein, teils mit Geländewagen, teils zu Fuß. Nimm feste Schuhe und etwas Warmes mit, in den Stollen ist es deutlich kühler als am Strand.
Forte dei Marmi wurde erst 1914 eine eigenständige Gemeinde, davor gehörte es zu Pietrasanta. Zum Badeort entwickelte es sich ab dem späten 19. Jahrhundert, als wohlhabende Familien aus Florenz, Mailand und Turin begannen, sich Villen in den Pinienwald zu setzen. Diese Villenviertel prägen den Ort bis heute mehr als jedes Hotel: viel Grün, breite Alleen, kaum Hochbauten.
Ein Gast von 1926 ist besonders bekannt. Thomas Mann verbrachte in jenem Sommer mit seiner Familie den Urlaub hier und erlebte den Auftritt eines Hypnotiseurs, der ihm zur Vorlage für die Novelle "Mario und der Zauberer" wurde. Veröffentlicht wurde sie erst 1930, Aufenthalt und Erscheinen liegen also vier Jahre auseinander. Später kamen weitere Künstler, Schriftsteller und Musiker, unter ihnen Aldous Huxley und Andrea Bocelli, der aus der Gegend stammt. Erwarte aber keine Prominentenparade: Wer hier Urlaub macht, bleibt meist hinter der Hecke.
Direkt südlich schließt Viareggio an, größer, lauter und günstiger, bekannt für seine Liberty-Bauten an der Promenade und vor allem für den Karneval mit seinen riesigen Motivwagen, der im Februar stattfindet. Nur wenige Kilometer landeinwärts liegt Pietrasanta, die Bildhauerstadt der Versilia. Dort arbeiten seit Jahrzehnten Bildhauer aus aller Welt in Marmorwerkstätten und Bronzegießereien, die Altstadt ist voller Galerien und Skulpturen im öffentlichen Raum.
Für einen Tag im Landesinneren bietet sich Lucca an, dessen begehbarer Renaissance-Wall die komplette Altstadt umschließt. Auch Pisa ist in gut einer Stunde erreichbar. Nach Norden hin liegen die Cinque Terre in Reichweite, im Sommer per Ausflugsboot ab dem Pontile. In der Hochsaison solltest du dafür früh losfahren.
Aus Deutschland fährst du am schnellsten über den Brennerpass: A8 und A93 bis Innsbruck, weiter über die Brennerautobahn nach Modena, dann auf die A1 Richtung Florenz und über die A11 nach Viareggio, wo die A12 beginnt. Ab München sind das gut 700 Kilometer. Die Ausfahrt heißt Versilia, von dort sind es noch wenige Minuten. Alternativ fliegst du nach Pisa, dem nächstgelegenen Flughafen, oder nach Florenz und nimmst einen Mietwagen oder die Bahn.
Aus Österreich ist die Strecke kurz. Von Innsbruck oder Salzburg geht es über den Brenner, Verona und Modena auf dieselbe Route Richtung Florenz und Küste, ab Innsbruck rund 550 Kilometer. Aus Wien oder Graz lohnt sich die Variante über Villach, Udine und Bologna. Von Wien aus ist die Fahrt lang genug, dass eine Übernachtung unterwegs sinnvoll ist. Direktflüge nach Pisa gibt es saisonal ab Wien.
Aus der Schweiz führt der Weg über den Gotthard nach Mailand und weiter über Genua auf die A12, die entlang der ligurischen Küste bis in die Versilia läuft. Ab Zürich rechnest du mit rund 550 Kilometern, ab Bern oder Genf über den Simplon beziehungsweise das Aostatal ähnlich viel. Die Strecke ist an Sommerwochenenden zäh, plane Puffer ein.
Mit der Bahn steigst du am Bahnhof Forte dei Marmi-Seravezza-Querceta aus, der an der Tyrrhenischen Küstenlinie zwischen Genua und Pisa liegt. Der Bahnhof liegt nicht im Ortskern, sondern im Ortsteil Querceta, die letzten Kilometer legst du mit Bus oder Taxi zurück. Beste Reisezeit ist die Badesaison von Mai bis Anfang Oktober, wobei das Meer erst ab Juni wirklich warm ist. Juni und September sind das beste Verhältnis aus Wetter, Preis und Platz. Der August ist die teuerste und vollste Zeit des Jahres, dann solltest du Unterkunft und Strandplatz lange im Voraus buchen. Außerhalb der Saison bleiben der Markt, das Museum und die Berge, viele Strandbäder und Hotels haben dann aber geschlossen.
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