Basilica San Nicola
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Gallipoli liegt an der Westküste des Salento am Ionischen Meer, rund 40 Kilometer von Lecce entfernt. Der Name geht auf das griechische Kallípolis zurück, die schöne Stadt, und wer die Altstadt zum ersten Mal vom Festland aus sieht, versteht die Bezeichnung sofort: Das historische Zentrum liegt komplett auf einer kleinen Kalksteininsel, umgeben von Wasser und alten Stadtmauern, und ist nur über eine Brücke aus dem 17. Jahrhundert mit dem neueren Teil der Stadt verbunden.
Die Stadt in der Provinz Lecce lebt vom Meer, und das seit Jahrhunderten. Im 18. und 19. Jahrhundert war Gallipoli einer der wichtigsten Verschiffungshäfen für Olivenöl im Mittelmeerraum, das damals vor allem als Lampenöl in die Städte Europas ging. Heute prägen Fischerei und Tourismus den Ort: Am Hafen unterhalb des Kastells landen die Fischerboote ihren Fang an, und in den Sommermonaten füllen Badegäste die Strände nördlich und südlich der Stadt.
Gallipoli hat dabei zwei Gesichter. Die Altstadt mit ihren Gassen, Barockkirchen und der Mauerpromenade ist ein ruhiges, fast dörfliches Geflecht, in dem noch Wäsche über den Gassen hängt. Die Neustadt auf dem Festland und die Strandzone Baia Verde im Süden stehen dagegen für den Sommertourismus des Salento mit Strandbädern, Bars und einem Nachtleben, das der Stadt in Italien einen Ruf als Partyziel eingebracht hat. Beides lässt sich gut verbinden, wenn man weiß, wo was liegt.
Das Centro Storico von Gallipoli ist der eigentliche Grund für einen Besuch. Die Kalksteininsel misst nur wenige hundert Meter im Durchmesser, ihre Gassen folgen aber keinem Raster, sondern winden sich in Bögen um die Insel, ein Erbe der griechischen und mittelalterlichen Stadtanlage. Wer sich treiben lässt, kommt an Palazzi mit Barockportalen, kleinen Innenhöfen und über einem Dutzend Kirchen vorbei. Verlaufen kann man sich kaum: Jede Gasse führt früher oder später zurück zur Riviera, der Uferstraße, die einmal komplett um die Insel herumführt.
Diese Mauerpromenade ist der schönste Spaziergang der Stadt. Sie verläuft auf und entlang der alten Befestigung, die Gallipoli jahrhundertelang gegen Angriffe vom Meer schützte, und bietet auf der gesamten Runde freien Blick auf das Ionische Meer. Da die Insel nach Westen zeigt, ist die Riviera am Abend die erste Adresse für den Sonnenuntergang: Die Sonne versinkt hier direkt im Meer, was an der Adriaküste des Salento, etwa in Otranto, nicht möglich ist. Am Abschnitt Riviera di Ponente sammeln sich dann Einheimische und Besucher auf der Mauer.
Direkt an der Brücke zur Altstadt steht das Kastell von Gallipoli, meist Castello Angioino genannt. Seine Ursprünge reichen weit zurück: Schon im Jahr 599 erwähnte Papst Gregor der Große in einem Brief eine Befestigung an dieser Stelle, damals unter byzantinischer Herrschaft. Die heutige Anlage ist das Ergebnis vieler Umbauten, unter anderem unter Friedrich II. im 13. Jahrhundert und unter den Anjou, die die Burg um 1320 verstärkten, worauf eine Inschrift am Eingangsportal verweist. Unter den Aragonesen erhielt das Kastell im 15. und 16. Jahrhundert seine markanten Rundtürme.
Auffälligstes Element ist der Rivellino, ein mächtiger runder Vorpostenturm, der frei im Wasser vor der Burg steht und nicht mit der übrigen Anlage verbunden ist. Er entstand um 1522 nach Plänen, die auf den sienesischen Festungsbaumeister Francesco di Giorgio Martini zurückgehen, und sollte die Hafeneinfahrt und die Landseite der Stadt sichern. Nach Jahrzehnten der Schließung ist das Kastell seit 2014 wieder für Besucher geöffnet und wird für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt; von den Wehrgängen überblickt man Hafen, Brücke und Altstadt. Öffnungszeiten und Eintrittspreise wechseln je nach Saison, aktuelle Angaben gibt es an der Kasse am Eingang oder beim örtlichen Tourismusbüro.
Am höchsten Punkt der Altstadtinsel steht die Konkathedrale Sant'Agata, der bedeutendste Kirchenbau der Stadt. Sie wurde ab 1629 anstelle eines romanischen Vorgängerbaus errichtet und gilt als eines der Hauptwerke des Barocks im Salento. Die Fassade aus lokalem Kalkstein ist reich verziert, im Inneren hängen großformatige Gemälde vor allem von Malern aus dem Salento, darunter Giovanni Andrea Coppola, der aus Gallipoli stammte. Wer Barockarchitektur mag, findet in den Gassen ringsum weitere Kirchen wie San Francesco d'Assisi und die Chiesa della Purità, die zur Bruderschaft der Hafenarbeiter gehörte.
Vor der Brücke zur Altstadt, auf der Festlandseite, steht die Fontana Greca, der sogenannte griechische Brunnen. Der Name führt in die Irre: Lange wurde der Brunnen als antikes, teils sogar hellenistisches Bauwerk ausgegeben, tatsächlich stammt die reich verzierte Schauwand nach heutigem Forschungsstand aus der Renaissance des 16. Jahrhunderts. Die vier Karyatiden und die Reliefs mit Verwandlungsszenen aus der griechischen Mythologie erklären, wie das Missverständnis entstehen konnte. Der Brunnen stand ursprünglich an anderer Stelle und wurde im 16. Jahrhundert an seinen heutigen Platz nahe der Brücke versetzt; oben auf der Schauseite ist das Wappen des spanischen Königs Philipp II. zu sehen. Als Fotomotiv auf dem Weg in die Altstadt lohnt der kurze Stopp allemal.
Gallipoli ist bis heute eine aktive Fischerstadt, und der Hafen unterhalb des Kastells ist ihr Arbeitsplatz. Am frühen Morgen kehren die Boote zurück und landen ihren Fang an, der zum Teil direkt vor Ort verkauft oder versteigert wird. Der kleine Fischmarkt an der Hafenmole bei der Brücke gehört zu den authentischsten Erlebnissen der Stadt: Auf den Ständen liegen je nach Saison Garnelen, Tintenfische, Schwertfisch und der rote Gambero, für den die ionische Küste bekannt ist. Wer das Treiben sehen will, sollte früh kommen, am Vormittag ist der Markt am lebhaftesten.
Vom Fang der Flotte lebt auch die Küche der Stadt. In den Restaurants der Altstadt stehen Fischsuppen, rohe Meeresfrüchte und Spaghetti mit Ricci di Mare, Seeigeln, auf der Karte, dazu die Klassiker der salentinischen Küche. Eine lokale Besonderheit ist die Scapece Gallipolina, kleine frittierte Fische, die in Schichten mit Semmelbröseln, Essig und Safran eingelegt werden und früher als haltbarer Proviant dienten. Verkauft wird sie traditionell auf Festen und Märkten aus großen Holzbottichen.
Den kürzesten Weg ins Wasser hat, wer in der Altstadt bleibt: Die Spiaggia della Purità liegt direkt unterhalb der Stadtmauer auf der Westseite der Insel, ein kleiner Sandstrand mit Blick auf das offene Meer, benannt nach der darüberliegenden Kirche. Er ist frei zugänglich, im Hochsommer aber schnell voll, dafür gibt es kaum einen ungewöhnlicheren Badeplatz in Apulien als diesen Streifen Sand zwischen Barockkirche und Befestigungsmauer.
Die großen Strände beginnen südlich der Stadt. Die Baia Verde erstreckt sich über mehrere Kilometer feinen Sand bis zur Landspitze Punta Pizzo und ist das Zentrum des Sommertourismus mit vielen Strandbädern, Verleihstationen und Beachbars. Weiter südlich liegt Punta della Suina, zwei sandige Buchten zwischen flachen Felsen und Pinien, die zu den bekanntesten Badeplätzen des Salento zählen. Der gesamte Küstenabschnitt gehört zum Regionalen Naturpark Isola di Sant'Andrea e Litorale di Punta Pizzo, hinter den Stränden wachsen Dünen, Macchia und Pinienwald. Wer es ruhiger mag, weicht auf die Abschnitte direkt an der Punta Pizzo aus, wo die Natur weitgehend unverbaut ist. Nördlich der Stadt zieht sich die Küste flach und sandig Richtung Lido Conchiglie weiter. Einen Überblick über die schönsten Küstenabschnitte der Region gibt unsere Seite zu den Stränden in Apulien.
Vor der Altstadt liegt die flache Isola di Sant'Andrea, eine unbewohnte Insel mit einem Leuchtturm aus dem Jahr 1866, der bis heute in Betrieb ist. Die Insel steht unter Naturschutz, unter anderem brütet hier die seltene Korallenmöwe. Betreten darf man sie nicht ohne Weiteres, Bootsausflüge ab dem Hafen fahren aber um die Insel herum und machen die Runde um die Altstadt gleich mit.
Ehrlich gesagt werden muss: Gallipoli ist im Juli und August einer der lautesten Orte Süditaliens. Die Stadt hat sich in den vergangenen 15 Jahren zu einem der bekanntesten Partyziele junger Italiener entwickelt, mit Strandclubs an der Baia Verde, die tagsüber Musik spielen, und Diskotheken, die bis zum Morgen geöffnet sind. Wer im Hochsommer Ruhe sucht, sollte sein Quartier eher in der Altstadt oder in den Orten der Umgebung nehmen und die Baia Verde abends meiden. Außerhalb der Ferienwochen, etwa im Juni oder September, ist von diesem Trubel wenig zu spüren, dann gehört die Stadt wieder den Fischern, Familien und Altstadtbummlern.
Ihren traditionellen Höhepunkt hat die Festsaison Ende Juli: Vom 23. bis 25. Juli feiert Gallipoli seine Schutzpatronin Santa Cristina mit Prozessionen durch die Altstadt, Illuminationen, Ständen und einem Feuerwerk über dem Meer. Zum Fest gehört eine Bootsprozession vor der Küste sowie ein volkstümlicher Wettkampf, bei dem Teilnehmer über einen gefetteten Mast klettern, der über das Wasser hinausragt. Auch die Karwoche wird in Gallipoli groß begangen, die Prozessionen der Bruderschaften am Karfreitag und Karsamstag zählen zu den eindrucksvollsten Apuliens.
Gallipoli ist ein guter Standort, um die Halbinsel zu erkunden, kaum ein Ziel im Salento ist mehr als eine Stunde Fahrt entfernt. Die Barockstadt Lecce liegt rund 40 Kilometer landeinwärts und ist über die Schnellstraße in etwa 40 Minuten erreichbar, mit ihren Kirchenfassaden aus honigfarbenem Kalkstein die kulturelle Hauptattraktion der Region. Auf der gegenüberliegenden Küstenseite lohnt Otranto an der Adria mit seiner Kathedrale und dem berühmten mittelalterlichen Bodenmosaik, gut 45 Kilometer quer über die Halbinsel.
Entlang der ionischen Küste bieten sich zwei Richtungen an: Nördlich liegt Porto Cesareo mit seinen karibisch anmutenden flachen Sandstränden und einem Meeresschutzgebiet, rund 30 Kilometer von Gallipoli entfernt. Südlich führt die Küstenstraße über Badeorte wie Torre San Giovanni und Pescoluse bis nach Santa Maria di Leuca an der Südspitze Apuliens, wo Ionisches Meer und Adria aufeinandertreffen, etwa 50 Kilometer Fahrt. Wer länger bleibt, findet in der Umgebung viele Ferienhäuser im Salento als Ausgangspunkt. Mehr zur Region insgesamt steht auf unserer Seite über Apulien.
Der nächstgelegene Flughafen ist Brindisi, der von mehreren deutschen Städten aus direkt angeflogen wird. Von dort sind es je nach Route 80 bis 90 Kilometer nach Gallipoli, mit dem Mietwagen etwa eine Stunde über die Schnellstraße via Lecce. Wer über Bari anreist, muss rund 190 Kilometer und gut zwei Stunden Fahrt einplanen. Mit der Bahn geht es über Brindisi oder direkt nach Lecce, von dort bringen die Regionalzüge der Ferrovie del Sud Est Reisende auf der Strecke Lecce Gallipoli in etwa einer bis eineinhalb Stunden ans Ziel; die Bahnlinie ist eingleisig und gemächlich, dafür günstig. Mit dem Auto folgt man ab Lecce der vierspurigen Schnellstraße SS101, die direkt in Gallipoli endet. In der Altstadt selbst ist Parken kaum möglich, größere Parkplätze liegen in der Neustadt und am Hafenrand, von dort ist alles zu Fuß erreichbar.
Die beste Reisezeit hängt davon ab, was man sucht. Für Badeurlaub sind Juni und September ideal: Das Meer ist warm, die Strände sind deutlich leerer als im Hochsommer und die Preise niedriger. Juli und August bringen verlässlich Sonne und Wassertemperaturen um 25 Grad, dafür aber auch die vollen Strände und das laute Nachtleben der Hauptsaison. Für Besichtigungen und Radtouren durch den Salento eignen sich Frühjahr und Herbst, von April bis Oktober bleibt es meist trocken und mild. Im Winter ist Gallipoli sehr ruhig, viele Strandbäder und einige Restaurants schließen dann, die Altstadt und der Fischmarkt haben aber auch in der Nebensaison ihren Reiz.
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Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: März bis Mai sowie September bis November.
Tipp: Juli und August werden sehr heiß; Frühling und Herbst sind am angenehmsten.
| Region | Apulien |
| Provinz | Lecce |
| Einwohnerzahl | 20.678 |
| Provinzkürzel | LE |
| Postleitzahl | 73014 |
| Vorwahl | 0833 |
| Prominente Bürger | Salvatore Farina (General) |
| Spezialitäten des Ortes | Alezio Matino Olivenöl |
| Geschichte | von griechischen Kolonisten gegründet |
| Lage | Am Meer im Golf von Tarent gelegen |
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