Giardini-Naxos liegt an der Ostküste Siziliens, in einer weiten Bucht unterhalb der Felsterrasse von Taormina. Der Ort zieht sich als langes Band aus Häusern, Hotels und Strandbädern etwa vier Kilometer am Wasser entlang, vom kleinen Hafen am Capo Schisò bis zum älteren Ortsteil Saia. Im Rücken steht der Ätna, der von der Promenade aus an klaren Tagen gut zu sehen ist. Diese Mischung aus flachem Sandstrand, antiker Geschichte und Vulkanblick macht Giardini-Naxos zu einem der beliebtesten Badeorte der Insel.
Die Geschichte des Ortes reicht weiter zurück als die jeder anderen griechischen Stadt auf Sizilien. 734 vor Christus gingen Siedler aus Chalkis auf der Insel Euböa unter Führung des Theokles am Capo Schisò an Land und gründeten die Kolonie Naxos, die erste griechische Niederlassung der Insel überhaupt. Von hier aus entstanden weitere Kolonien wie Katane, das heutige Catania. 403 vor Christus zerstörte der Tyrann Dionysios I. von Syrakus die Stadt vollständig. Die Überlebenden zogen später auf den Berg oberhalb der Bucht und gründeten Tauromenion, das heutige Taormina.
Der heutige Ort entstand erst später aus einem Fischerdorf und trägt den Zusatz Giardini, italienisch für Gärten, nach den Zitrus- und Gemüsegärten, die einst die Küste säumten. Wer nach Giardini-Naxos kommt, verbindet meist beides: lange Tage am Strand und kurze Wege zu den antiken und mittelalterlichen Sehenswürdigkeiten der Umgebung.
Der Strand und die Lungomare
Das Herzstück des Ortes ist die geschwungene Bucht mit ihrem langen Strand. Der Belag wechselt zwischen goldenem Sand und feinem Kies, das Wasser fällt flach ab und eignet sich damit gut für Familien mit Kindern. Entlang des Ufers läuft die Lungomare, eine breite Promenade mit Palmen, Bars, Gelaterien und Fischrestaurants, die abends zum Bummeln einlädt. Große Abschnitte des Strandes sind als Lido organisiert, mit Liegen, Sonnenschirmen und Sportangeboten, dazwischen bleiben frei zugängliche Stücke. Am nördlichen Ende der Bucht, schon Richtung Taormina, liegt die kleine Felseninsel Isola Bella, die bei niedrigem Wasserstand über eine schmale Kiesbank zu erreichen ist und heute unter Naturschutz steht. Eine Auswahl weiterer Küstenabschnitte findest du in der Übersicht der Strände auf Sizilien.
Der Archäologische Park und das Museum von Naxos
Am Capo Schisò, dort wo einst die antike Stadt lag, erstreckt sich heute der Archäologische Park von Naxos direkt am Meer. Ein großer Teil des Geländes wurde nie überbaut, weil sich der moderne Ort weiter nördlich entwickelte, sodass Ausgrabungen die Grundrisse der antiken Stadt freilegen konnten. Zu sehen sind Reste der Stadtmauer aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus, das regelmäßige Straßennetz und Fundamente von Wohnhäusern und Werkstätten. Das zugehörige Museum ist in einem bourbonischen Fort aus dem 19. Jahrhundert untergebracht und zeigt Vasen, Münzen und Bauteile aus den Grabungen. Der Eintritt kostet 2 Euro, ermäßigt 1 Euro, geöffnet ist in der Regel täglich ab 9 Uhr bis zum Abend. Für den Rundgang durch Park und Museum solltest du gut zwei Stunden einplanen, festes Schuhwerk ist auf dem naturbelassenen Gelände sinnvoll.
Ortskern, Hafen und Feste
Abseits des Strandes hat Giardini-Naxos einen einfachen, echten Ortscharakter behalten. Rund um den kleinen Fischerhafen am Capo Schisò legen noch immer Boote an, morgens wird hier frischer Fisch verkauft. Im Ortsteil Saia stehen die ältesten Häuser, dazwischen finden sich Kirchen wie San Pancrazio, benannt nach dem ersten Bischof Siziliens. Ihm ist das wichtigste Fest des Ortes gewidmet: Jedes Jahr im Juli wird die Statue des heiligen Pankratius in einer Prozession durch die Straßen getragen, gefolgt von einer Messe und einem Feuerwerk über der Bucht. Wer im Sommer da ist, trifft auf zahlreiche Konzerte und Veranstaltungen entlang der Promenade.
Ausflüge in die Umgebung
Die Lage macht Giardini-Naxos zu einem guten Standort für Ausflüge entlang der ionischen Küste. Taormina liegt nur wenige Kilometer nördlich auf seinem Felsen und ist mit Bus oder Auto in gut zwanzig Minuten erreicht, dort locken das antike Theater und die mittelalterliche Altstadt. Etwas weiter nördlich schließt der Badeort Letojanni an. Nach Süden erreichst du in rund einer Stunde Catania mit seiner barocken Innenstadt und dem Fischmarkt, auf dem Weg dorthin liegt die Barockstadt Acireale. Ein eigenes Kapitel ist der Ätna: Zu den Kraterregionen und den erkalteten Lavafeldern des Vulkans führen organisierte Touren, meist über die Seilbahn auf der Südseite. Nach Norden erreichst du in etwa 45 Minuten die Hafenstadt Messina mit ihrem Dom und der astronomischen Uhr.
Anreise und beste Reisezeit
Der nächste Flughafen ist Catania-Fontanarossa, etwa 50 Kilometer südlich. Mit dem Mietwagen bist du über die Autobahn A18 in gut 45 Minuten in Giardini-Naxos. Ohne eigenes Auto fahren mehrmals täglich Busse der Linien Interbus und Etna Trasporti vom Flughafen Richtung Taormina und halten in Giardini-Naxos, die Fahrt dauert je nach Verkehr 70 bis 90 Minuten und kostet rund 8 Euro. Auch die Bahn hält hier: Der Bahnhof Taormina-Giardini liegt direkt am Meer im Ortsgebiet und wird von Regionalzügen der Strecke von Messina über Catania nach Siracusa bedient, von dort sind es wenige Minuten mit Bus oder Taxi ins Zentrum. Aus Österreich reist du am einfachsten per Flug ab Wien nach Catania, aus der Schweiz ab Zürich, beides mit Umstieg oder saisonalem Direktflug; die Alternative ist die lange Autofahrt über die Fähre bei Villa San Giovanni auf die Insel.
Die beste Reisezeit für einen Badeurlaub sind die Monate von Mai bis Anfang Oktober, wenn das Wasser warm genug zum Schwimmen ist und die Strandbäder geöffnet haben. Der Hochsommer im Juli und August ist heiß und voll, Unterkünfte sind dann am teuersten. Angenehmer für die Kombination aus Strand und Besichtigungen sind das späte Frühjahr und der September, wenn die Temperaturen milder sind und der Andrang nachlässt. Im Winter ist Giardini-Naxos ruhig, viele Strandbetriebe schließen, dafür eignet sich die Zeit gut für Wanderungen und Ausflüge zum Ätna, der dann oft eine Schneekappe trägt.

























