Lecce
Apulien

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Lecce: Eleganz und mediterrane Lebensart

Lecce ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und das Zentrum der Halbinsel Salento im äußersten Süden Italiens. Rund 94.000 Menschen leben hier, dazu kommen die Studierenden der Università del Salento. Diese Mischung macht den Ton der Stadt aus: eine barocke Altstadt aus honigfarbenem Stein, in der abends die Bars voll sind und in der das Leben nicht erst mit der Hauptsaison beginnt.   Wegen der Dichte an Kirchen, Palästen und verzierten Fassaden wird Lecce gerne "Florenz des Südens" genannt. Der Vergleich hinkt ein wenig, denn hier geht es nicht um die Renaissance, sondern um den Barock des 16. bis 18. Jahrhunderts. Was Lecce aber tatsächlich mit einer Kunststadt verbindet, ist die Konzentration: Der historische Kern ist klein genug, um ihn...

Lecce ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und das Zentrum der Halbinsel Salento im äußersten Süden Italiens. Rund 94.000 Menschen leben hier, dazu kommen die Studierenden der Università del Salento. Diese Mischung macht den Ton der Stadt aus: eine barocke Altstadt aus honigfarbenem Stein, in der abends die Bars voll sind und in der das Leben nicht erst mit der Hauptsaison beginnt.

 

Wegen der Dichte an Kirchen, Palästen und verzierten Fassaden wird Lecce gerne "Florenz des Südens" genannt. Der Vergleich hinkt ein wenig, denn hier geht es nicht um die Renaissance, sondern um den Barock des 16. bis 18. Jahrhunderts. Was Lecce aber tatsächlich mit einer Kunststadt verbindet, ist die Konzentration: Der historische Kern ist klein genug, um ihn zu Fuß zu erschließen, und trotzdem stehen an fast jeder Ecke Bauten, die anderswo allein eine Reise wert wären.

Dazu kommt die Lage im Landesinneren der Halbinsel, ungefähr in der Mitte zwischen Adria und Ionischem Meer. Beide Küsten erreichst du in weniger als einer Stunde. Deshalb schlagen viele Gäste ihr Quartier in Lecce auf und erkunden von hier aus den ganzen Salento.

Der Lecceser Barock und die Pietra leccese

Ohne den Stein wäre Lecce nicht Lecce. Die Pietra leccese ist ein heller, gelblicher Kalkstein aus der unmittelbaren Umgebung, und sie ist ungewöhnlich weich. Frisch gebrochen lässt sie sich fast wie Holz bearbeiten, erst an der Luft härtet sie allmählich aus. Daraus erklärt sich die Ornamentik, für die die Stadt berühmt ist: Blattgirlanden, Engelsköpfe, Fabelwesen, Wappen und Blütenranken, die sich über ganze Fassaden ziehen und die in härterem Material niemals so ausgeführt worden wären.

Der zweite Faktor ist die Farbe. Die Pietra leccese wirft das südliche Licht warm zurück, sodass die Fassaden je nach Tageszeit von fast weiß bis honiggelb changieren. In der frühen Abendsonne zeigt sich das am deutlichsten, und das ist auch die beste Zeit für einen Rundgang. Die Blüte dieser Bauweise fiel ins 17. und frühe 18. Jahrhundert, als Orden und wohlhabende Familien um die aufwendigsten Fassaden konkurrierten. Prägend war die Steinmetzfamilie Zimbalo, deren Handschrift du an mehreren Hauptwerken der Stadt wiederfindest.

Basilica di Santa Croce und die Piazza del Duomo

Die Basilica di Santa Croce gilt als das Schaustück des Lecceser Barock. Der Bau zog sich über fast anderthalb Jahrhunderte: 1549 begonnen, untere Fassade in den 1580er Jahren fertig, Portale ab 1606 unter Francesco Antonio Zimbalo, abgeschlossen erst 1695. Man sieht dem Bauwerk diesen langen Atem an, denn der schlichtere untere Abschnitt und die überbordend verzierte obere Zone mit Rosette, Figuren und Tierdarstellungen wirken fast wie zwei verschiedene Kirchen übereinander.

Ein paar Gassen weiter liegt die Piazza del Duomo, die nach einem ganz anderen Prinzip funktioniert. Der Platz ist auf drei Seiten geschlossen und hat nur einen schmalen Zugang von der Via Vittorio Emanuele II her. Wer hindurchtritt, steht plötzlich in einem Bühnenraum aus Dom, Bischofspalast und Priesterseminar. Über allem steht der rund 72 Meter hohe Glockenturm von Giuseppe Zimbalo aus dem 17. Jahrhundert mit seinen fünf von Balustraden umzogenen Geschossen. Abends ist der Platz beleuchtet, und der Effekt ist noch einmal stärker als bei Tageslicht.

Das römische Amphitheater und die antike Schicht

Der Barock ist nur die oberste Lage. Darunter liegt Lupiae, die römische Stadt. Mitten auf der Piazza Sant'Oronzo, dem Hauptplatz der Altstadt, klafft das freigelegte Amphitheater aus dem 1. bis 2. Jahrhundert nach Christus. Entdeckt wurde es 1901 bei Bauarbeiten, und sichtbar ist bis heute nur etwa ein Drittel: Der Rest liegt unter dem Platz und den umliegenden Häusern. Fassungsvermögen und Datierung werden unterschiedlich angegeben, sicher ist aber, dass die Anlage für eine Provinzstadt bemerkenswert groß war. Wer der antiken Spur weiter folgen will, findet unweit davon das kleinere römische Theater und im Stadtgebiet Reste der alten Befestigung mit der Porta Napoli und der Porta Rudiae. Diese Schichtung, Antike unter Barock, wird erst beim Herumlaufen greifbar.

Cartapesta: das Handwerk aus Papier

Eine lokale Besonderheit, die eng mit dem Barock zusammenhängt, ist die Cartapesta, die Lecceser Pappmaché-Kunst. Als im 17. und 18. Jahrhundert immer neue Kirchen ausgestattet werden mussten, fehlten Marmor und Bronze, beides teuer und schwer. Die Handwerker griffen deshalb zu Papier, Stroh und Draht, modellierten daraus Heiligenfiguren, überzogen sie mit einer Kreidegrundierung und bemalten sie. Mit glühenden Eisen brannten sie Falten und Konturen in die Oberfläche, eine Technik namens fuocheggiatura.

Das Ergebnis sah aus wie Stein, war aber leicht genug, um bei Prozessionen durch die Gassen getragen zu werden. In der Altstadt gibt es bis heute Werkstätten, in denen die Technik weitergegeben wird, dazu ein eigenes Museum zur Cartapesta.

Essen und Trinken im Salento

Der Tag in Lecce beginnt üblicherweise mit einem Pasticciotto: ein kleines Mürbeteigtörtchen mit Puddingfüllung, das warm gegessen wird und in jeder Bar zum Espresso gereicht wird. Der zweite Klassiker ist der Rustico leccese, zwei Blätterteigscheiben mit Béchamel, Tomate, Mozzarella und Pfeffer dazwischen. Zum Mittag oder Abend bekommst du die Puccia, ein rundes, flaches Brot aus dem Holzofen, das nach Wunsch belegt wird.

Dazu passen die Weine der Region: Negroamaro und Primitivo sind die beiden Rebsorten, die den Salento geprägt haben, dunkel, kräftig und mit reichlich Wärme. Viele Weingüter im Umland liegen nur eine kurze Fahrt von der Stadt entfernt.

Lecce als Basis für den Salento

Die Stadt liegt so, dass du von hier aus beide Meere ansteuern kannst. An der Adria erreichst du den Stadtstrand San Cataldo in gut zwanzig Minuten, weiter südlich folgt die Felsküste rund um Otranto, den östlichsten Ort Italiens. Auf der ionischen Seite liegt Gallipoli mit seiner Altstadt auf einer vorgelagerten Insel, rund 40 Kilometer entfernt, und nördlich davon die langen Sandstrände um Porto Cesareo. Einen Überblick über die Küstenabschnitte findest du auf unserer Seite zu den Stränden in Apulien.

Landeinwärts lohnen die Barockstädtchen des Salento wie Nardò und Galatina mit seinen Fresken, dazu Ausflüge Richtung Norden nach Brindisi und weiter in die Trulli-Gegend. Was sonst noch in der Region auf dich wartet, steht in unserem Überblick zu Apulien.

Anreise und beste Reisezeit

Der nächstgelegene Flughafen ist Brindisi, knapp 40 Kilometer nördlich. Vom Terminal fahren Busse und Züge nach Lecce, die Fahrt dauert je nach Verbindung rund eine halbe bis dreiviertel Stunde. Die größere Alternative ist Bari, etwa 150 Kilometer entfernt, mit deutlich mehr Verbindungen. Von Bari Centrale nach Lecce brauchst du mit dem Zug meist eineinhalb Stunden, schnelle Verbindungen etwas weniger. Lecce ist Endpunkt der adriatischen Hauptstrecke, Fernzüge kommen aus Bologna, Rom und Neapel bis hierher. Für die Fahrt in den tieferen Salento übernehmen die Ferrovie del Sud Est.

Aus Österreich fliegst du am einfachsten ab Wien nach Bari, die Strecke wird nonstop bedient und dauert rund anderthalb Stunden. Aus der Schweiz gibt es ab Zürich Direktflüge nach Bari, im Sommerhalbjahr zusätzlich Ferienverbindungen an die apulische Küste. Die Autofahrt ist ehrlich gesagt sehr weit: Von Wien wie von Zürich sind es rund 1.400 bis 1.600 Kilometer bis Lecce, das lohnt sich nur mit Zwischenübernachtung und wenn du unterwegs ohnehin Stationen einlegen willst. Wer trotzdem fährt, nimmt in Italien die A14 die Adria entlang bis Bari und danach die Schnellstraße SS16 weiter nach Süden.

Für den Stadtbesuch sind Frühjahr und Herbst die beste Zeit. April bis Juni sowie September und Oktober bringen angenehme Temperaturen, wenig Regen und deutlich weniger Andrang in den Gassen. Im Juli und August wird es im Salento regelmäßig über 32 Grad heiß, und die Altstadt aus hellem Stein speichert diese Hitze. Wer im Hochsommer kommt, verlegt die Besichtigungen besser auf den Vormittag und den späten Nachmittag und nutzt die Mittagsstunden für den Strand. Das Meer ist von Juni bis in den Oktober hinein warm genug zum Baden.

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Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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Klima & beste Reisezeit

Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.

Klima im Jahresverlauf

Am angenehmsten: März bis Mai sowie Oktober bis November.

Beste ReisezeitÜbrige Monate

Tipp: Juli und August werden sehr heiß; Frühling und Herbst sind am angenehmsten.

Wo liegt Lecce?

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Gut zu wissen

Informationen

Informationen über Lecce

Region Apulien
Provinz Lecce
Einwohner­zahl 94.989
Provinzkürzel LE
Postleitzahl 73100
Vorwahl 0832
Prominente Bürger Ennio de Giorgi (Mathematiker)
Antonio Conte (Fußballspieler und -Trainer)
Städte­partnerschaft Murcia (Spanien)
Blagoevgrad (Bulgarien)
Budapest-Theresienstadt (Ungarn)
Ostrów Wielkopolski (Polen)
Valladolid (Spanien)
9. Bezirk von Prag (Tschechien)
Sport US Lecce (Fußball) Stadio Via del Mare
Geschichte Sie trägt aufgrund ihrer Blütezeit zwischen 1550 und 1750 nicht zu Unrecht den Beinamen "Florenz des Südens", welches auch dem Lecceser Barocks geschuldet ist.
Lage Unweit vom Meer gelegen
Häufige Fragen

Lecce: Häufige Fragen

Die wichtigsten Antworten für deine Reiseplanung auf einen Blick.

Wann ist die beste Reisezeit für Lecce?
Am angenehmsten sind März bis Mai sowie Oktober bis November. Im Hochsommer erreichen die Tageshöchstwerte bis zu 32 Grad, der Winter fällt ruhiger und kühler aus.
Wie reist man nach Lecce an?
Der nächstgelegene Flughafen ist Brindisi (BDS). Von dort geht es mit Bahn, Bus oder Mietwagen weiter. Die Anreise mit dem eigenen Auto ist möglich, aus dem deutschsprachigen Raum aber eine lange Strecke.
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