Lecco liegt am Südostende des Comer Sees, dort wo sich der See in einen schmalen Arm verjüngt und in den Fluss Adda übergeht. Die Stadt in der Lombardei zählt rund 47.000 Einwohner und ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Anders als das mondäne Como am gegenüberliegenden Seearm hat sich Lecco einen bodenständigen, wenig touristischen Charakter bewahrt. Wer hierherkommt, sucht weniger die groÃe Villenkulisse als die Nähe zu Wasser und Bergen.
Prägend ist die Lage zwischen See und Fels: Rund um die Stadt steigen die Bergamasker und Lombardischen Voralpen steil an, allen voran der markante Resegone. Diese Enge zwischen Ufer und Gipfeln hat Lecco seit jeher zu einem Ausgangspunkt für Bergsteiger und Wanderer gemacht und der Stadt zugleich ein besonderes Licht gegeben, das schon Alessandro Manzoni in seinem Roman festgehalten hat.
Wer einen Tag oder ein verlängertes Wochenende einplant, findet in Lecco eine Altstadt mit Kirchen, Plätzen und Museen, eine lange Seepromenade und eine der besten Ausgangslagen für Touren in die umliegenden Berge. Die folgenden Abschnitte führen durch die Lage der Stadt, ihre wichtigsten Bauwerke, das literarische Erbe Manzonis, die Bergwelt und die praktischen Fragen der Anreise.
Lecco am Südostarm des Comer Sees
Der Comer See teilt sich im Süden in zwei Arme, die wie ein umgedrehtes Ypsilon auseinanderlaufen. Während Como am südwestlichen Arm liegt, sitzt Lecco am südöstlichen Arm, der nach der Stadt Lago di Lecco genannt wird. Genau hier verlässt der Fluss Adda den See wieder und flieÃt nach Süden ab, wo er durch den Lago di Garlate und den Lago di Olginate weiterzieht. Diese kleineren Seen südlich der Stadt sind ruhige Ausflugsziele, an deren Ufern sich Spaziergänge und ein Picknick im Grünen anbieten. Sie liegen abseits der groÃen Touristenströme und zeigen die Gegend von ihrer stillen, ursprünglichen Seite.
Geografisch liegt Lecco rund 55 Kilometer nordöstlich von Mailand und etwa 30 Kilometer östlich von Como. Die steilen Ufer des Sees lassen der Stadt nur nach Süden hin Raum zum Wachsen, weshalb sich Lecco lang am Wasser entlangzieht. Der Blick vom Ufer fällt auf das gegenüberliegende Steilufer und die Bergketten, die den See wie eine Mauer einfassen. Diese Verbindung von See und Fels unterscheidet Lecco deutlich von den offenen, weiten Uferlandschaften weiter nördlich und macht die Stadt zu einem guten Ausgangspunkt, um beide Seiten des Comer Sees kennenzulernen.
Die Basilica di San Nicolò und ihr Campanile
Das unübersehbare Wahrzeichen der Stadt ist der Glockenturm der Basilica di San Nicolò. Mit rund 96 Metern zählt er zu den höchsten Kirchtürmen Italiens, die Einheimischen nennen ihn wegen seiner schlanken, spitz zulaufenden Form liebevoll Matitone, den groÃen Bleistift. Der neugotische Turm entstand in langer Bauzeit zwischen 1882 und 1904; den Ursprungsentwurf lieferte der Ingenieur Enrico Gattinoni, den oberen Teil überarbeitete später Giovanni Ceruti. Von weiten Teilen der Stadt und des Sees aus ist er zu sehen.
Die Kirche selbst ist dem heiligen Nikolaus geweiht, dem Schutzpatron der Stadt und der Seeleute. Ihre heutige neoklassizistische Gestalt mit der markanten Säulenfassade schuf der Architekt Giuseppe Bovara zwischen 1831 und 1862. An dieser Stelle stand allerdings schon lange zuvor ein Gotteshaus: Urkundlich ist die Kirche seit 1252 belegt, im Mittelalter wurde sie mehrfach umgebaut. Der oft zu lesende Hinweis, die Basilika stamme aus dem 13. Jahrhundert, bezieht sich also nur auf diese Vorgängerbauten, während der sichtbare Bau im Kern aus dem 19. Jahrhundert stammt. 1943 wurde die Kirche in den Rang einer Basilica minor erhoben. Ein Blick ins Innere lohnt sich wegen der Fresken, die Szenen aus dem Leben des Heiligen zeigen.
Auf den Spuren von Alessandro Manzoni
Kaum eine italienische Stadt ist so eng mit einem einzigen Roman verbunden wie Lecco mit den Promessi Sposi, auf Deutsch Die Verlobten. Alessandro Manzoni, einer der bedeutendsten Schriftsteller Italiens, verbrachte hier Kindheit und Jugend und legte die Handlung seines berühmten historischen Romans in die Landschaft rund um Lecco. Der berühmte Eingangssatz vom Seearm, der sich nach Süden wendet, beschreibt genau jenen Lago di Lecco, an dem die Stadt liegt.
Zentraler Anlaufpunkt für Literaturfreunde ist die Villa Manzoni im Stadtteil Caleotto, ein klassizistischer Bau, der einst der Familie Manzoni gehörte und heute ein Museum beherbergt. Zu sehen sind Wohnräume, persönliche Erinnerungsstücke und eine Sammlung zur Entstehung des Romans; seit 1940 gilt das Gebäude als Nationaldenkmal. Auf der Piazza Manzoni im Zentrum erinnert zudem ein Denkmal an den Dichter. Wer mag, folgt dem ausgeschilderten Manzoni-Rundgang, der die Schauplätze des Romans in Stadt und Umgebung miteinander verbindet und literarische Orte mit realen Ansichten zusammenführt.
Ponte Azzone Visconti und die Altstadt
Ein weiteres Wahrzeichen ist der Ponte Azzone Visconti, den die Lecchesen schlicht Ponte Vecchio, alte Brücke, nennen. Er wurde zwischen 1336 und 1338 unter dem Mailänder Herrscher Azzone Visconti über die Adda errichtet und markiert bis heute die Stelle, an der der Seearm endet und der Fluss beginnt. Die Brücke verband Lecco einst mit dem gegenüberliegenden Ufer und diente ebenso der Verteidigung wie dem Handel; im Lauf der Jahrhunderte wurde sie mehrfach umgebaut und verbreitert.
Die Altstadt von Lecco gruppiert sich um die Piazza XX Settembre und die Piazza Cermenati unweit des Ufers. Hier steht auch der Palazzo delle Paure, ein im frühen 20. Jahrhundert im neomittelalterlichen Stil errichteter Bau, der seinen Namen seiner frühen Nutzung als Finanzamt verdankt. Heute beherbergt das Gebäude wechselnde Ausstellungen, eine Galerie für moderne Kunst und ein Bergsteigermuseum, das die alpine Geschichte der Region dokumentiert. Rund um die Plätze laden Cafes, kleine Geschäfte und Restaurants zu einem Bummel ein, bei dem die lombardische Küche mit Gerichten wie Risotto und Ossobuco einen festen Platz hat. Wochenmärkte und kleine Feste beleben das Zentrum zusätzlich und geben einen Eindruck vom Alltag der Stadt jenseits der Sehenswürdigkeiten.
Berge rund um Lecco: Resegone, Grigne und Monte Barro
Lecco gilt als eine der Wiegen des italienischen Alpinismus. Direkt hinter der Stadt erhebt sich der Resegone, dessen gezackter Kamm an die Zähne einer Säge erinnert und ihm seinen Namen gab; sein höchster Punkt liegt bei rund 1.875 Metern an der Grenze zwischen den Provinzen Lecco und Bergamo. Nördlich schlieÃt sich das Massiv der Grigne an, das sich in die Grigna Meridionale, im Volksmund Grignetta, und die höhere Grigna Settentrionale mit rund 2.410 Metern gliedert. Die Grignetta ist ein klassisches Kletter- und Wandergebiet mit zahlreichen Felsnadeln und gesicherten Steigen.
Aus dieser Bergwelt gingen namhafte Bergsteiger und die legendäre Seilschaft der Ragni di Lecco hervor, die bis heute weltweit für schwierige Erstbegehungen bekannt ist. Wer es ruhiger mag, findet südwestlich der Stadt den Monte Barro, einen bewaldeten Höhenzug mit Regionalpark, weiten Ausblicken auf See und Ebene und leichten Wanderwegen. Vom gut markierten Wegenetz profitieren Einsteiger wie erfahrene Geher gleichermaÃen, und viele Touren lassen sich mit einer Einkehr in einer der Berghütten verbinden. Weitere Anregungen für Touren in ganz Italien bietet die Rubrik Wandern.
Am Wasser: Seepromenade und Ausflüge auf dem See
Das Herz des Alltags in Lecco schlägt am Ufer. Die Lungolago genannte Seepromenade zieht sich am Wasser entlang und lädt zu Spaziergängen mit Blick auf die Berge des gegenüberliegenden Ufers ein. Bänke, Grünflächen und die weite Wasserfläche machen den Uferweg zum beliebtesten Treffpunkt der Stadt, besonders in den Abendstunden und am Wochenende. Von hier legen auch Ausflugsboote ab, die den südlichen Seearm und die Nachbarorte ansteuern.
Der Comer See lohnt sich als Ganzes für Ausflüge. Mit dem Boot oder dem Auto erreicht man von Lecco aus in kurzer Zeit bekannte Uferorte wie Varenna und Bellagio, das an der Spitze der Halbinsel zwischen beiden Seearmen liegt. Wer die Region weiter erkunden möchte, findet mit Bergamo und der lombardischen Hauptstadt Mailand zwei sehenswerte Städte in erreichbarer Nähe. So lässt sich ein Aufenthalt in Lecco gut mit Tagesausflügen an den See, in die Berge oder in die umliegenden Städte verbinden.
Anreise und beste Reisezeit
Am einfachsten erreicht man Lecco mit der Bahn. Regionalzüge verbinden die Stadt mehrmals pro Stunde mit Mailand: Von Milano Centrale dauert die Fahrt etwa 40 Minuten, nach Milano Porta Garibaldi rund 50 Minuten. Der Bahnhof liegt zentrumsnah, sodass Altstadt und Uferpromenade zu Fuà erreichbar sind. Mit dem Auto führt die Anreise über die SchnellstraÃe entlang des östlichen Seeufers; die nächstgelegenen grösseren Flughäfen sind Mailand-Bergamo und Mailand-Malpensa.
Für einen Besuch eignen sich vor allem das späte Frühjahr und der frühe Herbst. Die Monate Mai, Juni und September bieten milde Temperaturen, angenehmes Wanderwetter und weniger Andrang als der Hochsommer. Im Juli und August wird es mit Werten um 28 Grad am wärmsten, gleichzeitig sind dann die bekannten Uferorte am stärksten besucht. Das Klima am Comer See ist durch die groÃe Wasserfläche gemildert, sodass die Winter vergleichsweise mild ausfallen und sich auch die Randmonate für einen ruhigen Aufenthalt anbieten. Wer die Berge in den Mittelpunkt stellt, findet von Frühsommer bis Herbst die besten Bedingungen für Touren rund um Resegone und Grigne.
























